Nr. 58. 30. Jahrgang.
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UND VATERLAND
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Sonntag, 9. März 1913.
Bim bam, bim bam,
Hört das Glockengebimmel!
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Und seht des Hurrapöbels Gewimmel! Weil unsere Väter vor hundert Jahren So tapfer, so arm und entsagungsvoll waren, Weil sie ins Feld für die Freiheit gezogen, Um die sie dann schmählich wurden betrogen, Und weil als Dank für ihr mutiges Fechten Fürsten und Junker uns heute noch knechten, Bringt man sich jetzt mit Trara und Bumbum Bald vor Jubel und Rührung um.
Tschin, tschin, hurra, hurra! Alle Patentpatrioten
Sind zum Feste heut aufgeboten: Schutzleute rings an allen Enden ,. In Wichs Offiziere und Bierstudenten, Die der alten Burschenschaft Trachten Seute gesinnungstüchtig verachten. Räte in Bratenrock und Zylinder, Professoren und Pastors nicht minder Alle feiern korrekt und devot, Folgend ihres Herrn Gebot.
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Schnetterengteng, Plam, Plam!
Bei der Trommel Gerassel
Süpft das Herz der Herrn Mugdan und Cassel
Denn in dem vaterländischen Reigen
Dürfen sie dem Monarchen ja zeigen,
Wie treu sie steh'n zu Altar und zum Throne;
Sicher wird ihnen ein Orden zum Lohne.
Teilweis glauben sie an Moses und die Propheten, Aber heut' werden sie fromm lutherisch beten. Cassel nimmt loval voll und ganz- Extra noch mit einen Rosenkranz!
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fortgehangenen Künstler und Beschimpfungen von deren Freunden. schlug. Wodurch zugleich der schlimme Uebelstand beseitigt wurde, Dabei gingen diese Klagenden nicht immer gerade Wege und be- daß der in diese Kabinette Eintretende gegen das Licht fah. Nungemütlicher Zustand, charakteristisch für den preußischen Absolutis- und nach innen öffnen sich die einzelnen Räume, deren Stirnmus. Ein besonderes Streitobjekt bildete die Sammlung wände das Plus ergeben. So verschwand auch der völlig unWagner. Das Vermächtnis dieser 262 Bilder gab den Anstoß brauchbar gewesene Plastiksaal; und, was vielleicht noch wichtiger Ludwig Just i veröffentlicht die beiden Denkschriften, durch die zur Gründung der Nationalgalerie; nun meinten pietätvolle ist, es wurden die Prunkpfeiler und all die andere Pracht, die er den Ausbau der Nationalgalerie vor den ihm übergeordneten Auguren, es müßte diese Sammlung trotz der vielen schlechten den Bildern sich immer gefährlich erwiesen, ummantelt. Man sieht: Behörden rechtfertigen mußte. Eine dritte Denkschrift, die sich Werke, die sie enthält, geschlossen und ewig ausgestellt bleiben. Die Operationen griffen tief; sie halfen aber dazu, daß die mit der Zusammensetzung der Ankaufkommission befaßt, bliebt im mit Mühe gelang es diese Eifernden zu überzeugen, daß die Aus- Nationalgalerie nun endlich, was das Haus betrifft, einigermaßen Verborgenen, weil sie sich für die Oeffentlichkeit nicht eignet. Es leje die Qualität steigert, und daß es besser ist, es werden 75 brauchbar, was die Sammlung angeht, unbelastet von Kunststumpfbedarf keines absonderlichen Wißes, um zu spüren, daß die Ge- gute und beachtenswerte Bilder der Wagnerschen Sammlung ge- heiten das wurde, was solch ein Museum zu sein hat. schichte dieser Denkschriften grotest beleuchtet: wie in Preußen zeigt, als ein Schwarm längst vergessener Gleichgültigkeiten. Noch einige Wort über die neue Bildnisgalerie. Der Kunstpolitit gemacht werden muß. Da ist ein Mann von ge= Das zweite Streitobjekt lieferten die Ausländer. Die Urgedante, der sie rief, war nicht gerade erbaulich. Wir hörten gründeter Sachkenntnis und sicherem Instinkt zum Direktor eines Nationalwütigen schrieen, wenn ein Franzose in die Galerie auf bereits: zur Entlastung der Nationalgalerie vom Mittelmäßigen Museums der schönen Künste berufen worden; er findet in der genommen wurde; sie schienen nicht zu wissen, daß zum Beispiel sollten die Generale und Ordensritter ausquartiert werden. Das ihm vertrauten Sammlung jo viel Schlechtes und Unpassendes, in der Nationalgallery zu London mehr fremdländische als englische war der Anfang. Was aber daraus wurde und noch mehr, was daß er zunächst nur eine Sorge hat, die nämlich: den Ballast Gemälde hängen. Sie standen ahnungslos vor der Tatsache, daß nach Justis Plänen daraus werden soll, kann recht amüsant und Loszuwerden. Als vernünftiger Mensch würde man glauben, daß die Kunst vor den nationalen Grenzen verflucht wenig Respett zu einem Teil nicht nur kulturgeschichtlich, auch künstlerisch wertvoll nichts leichter sei als solche Reinigung. Die beiden Denkschriften hatte. Sie belästigten Tschudi und wollten auch Justi dem Joch sein. In seiner Den schrift gibt Justi eine psychologisch sehr interbelehren uns über die Irrgänge der Diplomatie, die da gegangen des unbedingten Teutschtums untertan machen. Sie schrieen und essante Begründung für die Notwendigkeit solch einer nationalen werden müssen und über den Aufwand an moralischen und patrio- schreien und so ergibt sich, wie Justi sagt:„ die merkwürdige Porträtssammlung. Er macht dabei so etwas wie materialistische tischen Begründungen, die zu geben sind, damit Gedanken, die Erscheinung, daß sich nicht der mindeste Widerspruch regt, wenn Stunstgeschichte; er zeigt nämlich, wie das Bildnis als Symbol jeder Sachkundige für selbstverständlich hält, gegen den passiven für die Erwerbung botokudischer Produkte ansehnliche der Macht wirft, und wie die Bildnisreihen, die Ahnengalerien, Widerstand einer bequemen Bureaukratie und gegen die neidende Summen ausgegeben werden, daß dagegen den verantwortlichen die Siegesalleen, Monumente der Herrschaft sind. Es gäbe ein Aktivität cifernder Museumskollegen, und dummer, aber akademisch Stellen große und oft unüberwindliche Schwierigkeiten gemacht umfangreiches und interessantes Buch, wenn man darstellen wollte, gestempelter Künstler durchgesezt werden können. Wieviel Kraft werden, wenn in Berlin Münchener oder in München Berliner wie die aristokratischen Proträtserien einerseits und die repräsenmag in solchem Kampf des Verstehenden mit den Unberufenen ver- Sunst gekauft wird oder gar ausländische." Nun ist es mit diesem tativen Einzelmomente andererseits im Laufe der Weltgeschichie loren gehen; wir oft mögen die besten Geister durch die zähe botussischen Zauber auch vorbei und die Talare werden sich dabei erscheinen und sich wandeln. In mannigfachster Weise kreuzt sich Gleichgültigkeit beamteten Stumpffinnes gelähmt werden. beruhigen müssen, daß Justi jährlich 40 000 M. für aus- dabei die Entwickelung der Kunst mit der Geschichte der MachtJusti beginnt damit, die Unzulänglichkeit des Geländische Kunst zu Verfügung gestellt bekam. verhältnisse und der Formen, in die sich das Machtgefühl jeweils bäudes der Nationalgalerie nachzuweisen:„ daß ein zu Museums- Die dritte Last, an der die Nationalgalerie zu tragen hatte, fleidet."" Für solche Untersuchungen wäre es zum Beispiel inter3weden mit außerordentlichen Kosten neugeschaffenes Haus so wenig waren die Bilder, die mehr national als Kunst zu heißen sind, die essant zu wissen, daß, wie Justi, gleichfalls mitteilt, noch Friedrich zweckmäßig ist, dürfte in der Welt ziemlich vereinzelt daftchen". Schlachtenbilder, die Bildnisse von Generalen der Große es abgelehnt hat, ein Monument für drei Zivilisten Es war eben dieses Haus, als es 1865 errichtet wurde, nicht als und Ordensrittern. Auch hier waren es wiederum die zu errichten. Und auch das wäre zu notieren, daß das ReiterGemäldegalerie gedacht, wenn auch zum Museum bestimmt. Man nationalen Hysteriker, die trompeteten, daß es wichtiger sei, die bildnis noch heute allein den Fürsten reserviert blieb. Kurz, e3 hatte die romantischen Pläne einer Tempelanlage als ein Erbe Nationalgalerie zu einer Lehrstätte der Kriegervereine als zu einem gäbe einen ganzen Schwarm kleiner episodenhafter Mosaiten zur Friedrich Wilhelms IV. übernommen.„ Eine moderne Gemälde: Organismus reiner Kunst zu machen. Demgegenüber sagt Justi: Kulturbewertung der Zeiten. Ganz so gründlich wird die neue galerie und ein korinthischer Peripteraltempel, das aber sind zwei Jn keiner europäischen Hauptstadt wird man in einer Kunst- Bildnisgalerie nicht verfahren; aber sie will doch immerhin verdurchaus unverträgliche Prinzipien." So unverträglich, daß es sammlung ersten Ranges einen patriotischen oder Schlachtensaal suchen den Grundsatz zu erfüllen, den ihr Jufti mit auf den Weg schwer hielt, den Bildern die notwendige Belichtung zu verschaffen. finden, wie in unserer Nationalgalerie, auch nicht in Ländern, die gibt: Die Nation chrt dankbar ihre großen Männer und zugleich Ein großer Teil des Innenraumes wird von dem Treppenhaus auf ihre Armee ganz außerordentlich stolz sind." Und abermals setzt sie sich selbst ein Monument ihres Alters, ihrer Kontinuität beansprucht, auch die beiden Corneliussäulen bringen starken Ver- gelang es dem neuen Direktor, der Vernunft zum Siege zu helfen. und ihrer Größe." Das hat gewiß seine Gefahren; es ist näm= lust, so daß für das Hängen der normalformatigen Bilder nur 549 Es wurden die Schlachtenbilder in das Zeughaus verfrachtet, und lich nicht völlig gleichgültig, wer die Großheit der Männer, der Meter übrigbleiben. Die Niedrigkeit dieser Ziffer bekommt ihre die Ehrenbildnisse gaben den Grundstock zu der neugegründeten Erwählten, bestimmt. Justis Diplomatie verzichtet nicht auf eine rechte Bedeutung, wenn man weiß, daß die Kunsthalle in Hamburg Bildnisgalerie, von der wir noch sprechen werden. Jedenfalls, es leichte Kibelung der aristokratischen Instinkte.( Er hatte even schon heute 1880 Meter Behangfläche besißt und demnächst deren ist gelungen, die Nationalgalerie von allem, was nicht hineingehört Kunstpolitik zu machen.) Immerhin, nach dem, was man bisher 4250 aufweisen wird. Bei solcher Begrenzung ist es doppelt not- zu reinigen. Nunmehr konnte Justi darangehen, den Rest des Be- von den Anfängen dieser Bildnisgalerie zu hören befam, läßt wendig, das Auszuhängende scharf zu sichten. So haben alle Diret- standes, die Kunstwerke, neu zu hängen. Er schuf sich dazu, um sich eine gewisse Darstellung unserer fulturellen Entwicklung, soweit toren dieser Galerie dauernd gefiebt; das Minderwertige fort den Raummangel zu überwinden, etwa 110 laufende Meter neuer sie sich durch porträtierte Persönlichkeiten ausdrücken läßt, erwarten. gehangen und nur das Gute gelassen. Auch Tschudi und Justi Behangfläche. Dadurch nämlich, daß er den pompösen Wandelgang So ist zu einem guten Ende gekommen, was als ein Aft der verfuhren so. Als Antwort bekamen sie lebhafte Beschwerden der im Untergeschoß zu den dort radial angeordneten Kabinetten hinzu- l Notwehr begann. Robert Breuer,
Die Umgestaltung der National- mühten des öfteren höchſt unzuständige Stellen. Ein sehr un mehr läuft der Umgang an der Außenmauer, unterhalb der Fenster; galerie.