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Kampf gegen die Dreiklassenschandc zu führen. Unsere Aufgabe ist es, das nach einem Worte Bismarckselendeste aller Wahl- systeme" aus der Welt zu schaffen. Doch ist es nicht minder unsere Pflicht, trotz der Fesseln, die uns das preußische Wahlrecht an- legt, den Sturm auf das Junkerparlamcnt, den wir mit Erfolg begonnen haben, fortzusetzen, und alles aufzubieten, damit das kleine Häuflein unserer Vertreter im Abgeordnetenhause Verstär- kung erhält, dannt es die Rechte der Unterdrückten und Ausge- beuteten noch wirksamer als bisher vertreten kann. ImGermanisale",, in der Chausseestraße, referierte Dr. Oskar Cohn. Er entwarf ein treffendes Bild des preu- ßischcn Bureaukratismus und der Polizeiwirtschaft. Er erinnerte an die zahlreichen Uebcrgriffe von Polizeiorganen und zeigte, daß die Polizei, anstatt ein Organ zum Schutze der Bürger zu sein, ein Instrument in den Händen der herrschenden Klasse ist, dazu bestimmt, jede selbständige Regung der Arbeiterklasse nach Kräften niederzuhalten. Auch die Schule, diese an sich kulturfördernde Einrichtung, wird unter dem Einfluß von Junkern, Pfaffen und Bureaukraten so betrieben, daß die Kinder des Volkes gerade so- viel lernen, um den Unternehmern in Industrie und Landwirt- schaft als brauchbare Ausbeutungsobjekte zu dienen. Wohin wir uns in Preußen tpenden, da sehen wir den Einfluß des reaktiv- nären Junkertums, welches keine andere Aufgabe kennt, als die Einrichtungen des Staates sich selbst dienstbar zu machen und im eigensüchtigen Interesse seiner Angehörigen auszunutzen. Die Macht der Reaktion zu brechen, der Freiheit eine Gasse zu bahnen, das ist die Aufgabe, die wir durch unsere Beteiligung an der Land- tagstvahl und durch unseren Wahlrechtskampf zu erfüllen haben. Im Saale derBockbrauerei", Chausseestraße, der bis auf den letzten Platz besetzt war, sprach Genosse Fromke. Mit kräftigen Worten geißelte er die Mißstände, die sich auf politischem und sozialem Gebiet unter der Herrschaft der preußischen Reaktion entwickelt haben. Politisch rechtlos, wirtschaftlich ausgebeutet, so leben die Massen des Volkes unter dem Druck der herrschenden Klasse. Es gilt, zu kämpfen gegen Unterdrückung und Ausbeutung, zu kämpfen gegen die Gewalten, welche das Volk am politischen und sozialen Ausstieg hindern. Der Macht der Unterdrücker muß die Macht des Proletariats entgegengesetzt werden. Wir wollen unseren Einfluß geltend machen im Landtage, wie wir es mit gutem Erfolg im Reichstag getan haben. Wenn uns die Wahl- erfolge in Preußen auch erschwert sind durch das reaktionäre Wahlsystem, so soll uns das nicht hindern, auch hier unsere ganze Kraft einzusetzen, damit endlich auch in Preußen den berechtigten Ansprüchen des Volkes Rechnung getragen werde. In denSo p h i e n s ä I e n" sprach Genossin Wehl vor gut besetzter Versammlung. Mit großer Sachkenntnis geißelte sie die heutigen preußisch-deutschen Zustände und fand am Ende ihrer wohlangelegten Rede lebhaften Beifall. Wie in den anderen Versammlungen verlief auch hier die Wahl der Wahlmänner ohne jeden Zwischenfall. Die Borge- schlagenen wurden einstimmig gewählt. Bei Krämer, Hussitenstr. 40, referierte Genosse Hermann Obst vor einer dichtgedrängten Zuhörerschar, die mit gespannter Aufmerksamkeit den Ausführungen des Referenten folgte. Nicht minder gut besucht war die Versammlung imSwine. münder Gesellschafhau s", wo Gen. Emil Schröder es unternommen hatte, die preußische Dreiklassenschmach in gebühren- der Weise zu würdigen, während bei Obiglo, Schwedter Str. 23, der Kandidat Genosse Dr. Wehl in markigen Worten an der Hand von reichlichem Tatsachenmaterial das schmähliche Unrecht, nnter dem die arbeitenden Schichten in Preußen leben, einer scharfen Kritik unterzog. Nach Aufstellung der Wahlmänner waren die Versammlungen beendet. * * Wahlbezirk Ncukölln-Schönebcrg. Die Kandidatenaufttellung zu der bevorstehenden Landtags« Wahl scheint nun vollzogen zu sein. Die Freisinnigen hatten mit den Nationalliberalen ein Abkommen getroffen, ioortoaf der Schön e- berger Stadtverordnetenvo-rstckher Gras M a t u s ch k a als ge- meinsamer Kandidat aufgestellt wurde. In einer kürzlich ein- berufenen liberalen Wählerversammlung in Neukölln, in welcher der Herr Gras sich den liberalen Wählern vorstellte, traten einige Neuköllner Kommunalgrößen auf, um gegen diese Kandidatur los- zuziehen und einen speziellen Neuköllner Kandidaten, den Stadt- r a t M i e r auf den Schild zu erheben. Die Versammlung führte zu einem großen Krach, in der diejenigen, die sonst immer den guten Ton propagieren, elend Schiffbruch litten, so daß die Ver- sammlung einen antisemitischen Charakter bekam. Immerhin war es nicht ohne Interesse zu erfahren, wie sich die Neuköllner kom- munalen Vereine zu der Frage stellen würden. Die Liberalen haben nun in einer am Montagabend stattgefundenen Wähler- Versammlung sich erneut mit der Kandidatenftage beschäftigt und dort den Beschluß gefaßt, an der Kandidatur des Grafen Matuschka festzuhalten. Das Gerücht, wonach die Kandidatur Mier durch nationalliberale Quertreibereien zustandegekommen sei, wurde in der Versammlung als unhaltbar bezeichnet. Die übrigen kommunalen Vereine Grundbesitzer- und Bürgervereine scheinen sich aber für die Kandidatur Mier besonders zu interessieren. Diese Kandidatur soll nämlich dazu dienen, die Sonderinteressen Neuköllns im preutzi- schen Landtag zu vertreten, und diese bestehen in erster Linie darin, die Eingemeindung von Treptow nach Berlin zu ver- hindern, andererseits darin, daß bei einer eventuellen demokra- tischen Ausgestaltung des Gemeindewahlrechts Kautelen ge- schaffen werden, wonach es den Städten überlassen bleibt, allzu demokratisch wirkenden Wahlrechtsverbesserungen durch Ortsstatut entgegenzutreten, so daß Sozialdemokraten die Mehrheit in der Kommune nicht erreichen können. ES ist offen ausgesprochen worden, daß diese Kandidatur zu dem Zwecke geschaffen worden ist, die besonderen Interessen Neuköllns im Abgeordnetenhause und bei der Regierung besser zum Ausdruck zu bringen. Deshalb fragen die kommunalpolitischen Vereine auch weiter nicht danach, welcher politischen Partei sich ihr Kandidat anschließen wird. In der Oeffentlichkeit ist man der Erörterung dieser Frage bisher geflissentlich auS dem Wege gegangen. Auch die Tatsache, daß die Konservativen bisher eine Kandidatur noch nicht aufgestellt haben, läßt immer mehr den Schluß zu, daß es sich hier um eine verdeckte konservative Kandidatur handelt. Die sozialdemokratische Partei hat schon vor längerer Zeit den früheren Reichstagsabgeordneten Redakteur H u e als Kandidaten nominiert, der sich in einer am Dienstag, d e n 2 S. A p r i l, in derN e u e n W e l t" stattsindenden Wähler- Versammlung seinen Wählern vorstellen wird. Da die Anhänger der Kandidatur Mier ein« Wählerverfammlung bisher noch nicht abgehalten haben, ist ihnen in dieser Versammlung Gelegenheit gegeben, die Stellungnahme ihres Kandidaten zum Ausdruck zu bringen. » In vier überaus stark besuchten Versamm- lungen nahmen am Dienstag, den 22. April, die Parteigenossen Neuköllns zur Landtagswahl Stellung. Als Referenten waren die ReichstagSabgeordneten Bernstein , Brandes, Büchner und Zubeil anwesend. In allen Versammlungen wurde daS DreiklassenhauS einer schonungslosen Kritik unterzogen; der Ein- fluß der blauen und schwarzen Ritter gehörig gekennzeichnet. Empörung herrschte darüber, daß die Regierung nicht den Mut und Willen hat, eine Wahlreform vorzulegen, die die Eni- rechtung großer Volkskreise aufhebt. Die Referenten wurden mit stürmischen Beifall unterbrochen, als sie auf die Wahlrechts- bewegung in Belgien zu sprechen kamen. Ein Zeichen dafür, daß auch die deutsche Arbeiterschaft bereit ist, wenn alle anderen Mittel versagen, für die Erringung eines besseren Wahlrechts Opfer zu bringen. Wird die herrschende Klasse daraus die richtige Lehre ziehen? Die Aufforderung zur emsigen Mitarbeit aller Parteige- nossen bei 5er bevorstehenden Wahl fand stürmische Zustimmung. Gleichzeitig wurde in allen Versammlungen gegen daS will- kürliche Eingreifen der Polizei in die Rechte unserer Jugend, sich Bildung und Wissen anzueignen, scharf protestiert. Es kann auf diese polizeiliche Unterdrückung nur eine Antwort geben, heraus mit der Jugend aus den verdummenden bürger- lichen Vereinen. Werdet Mitglieder des Arbeiter-Jugendheims, unterstützt die Bestrebungen der Arbeiterjugend. Eine entsprechende Resolution wurde einstimmig angenommen. Mit einem begeisterten Hoch auf das allgemeine, geheime und gleiche Wahlrecht schlössen diese imposanten Versammlungen. Jugenäbenvegung. Arbeiter-Jugend". Die soeben erschienene Nummer 9 deS fünften Jahrgangs bat u. a. folgenden Inhalt: Maifeier. Von Jürgen Brand. Die Jugendpflege im preußischen Abgeordnetenhaus. Die Weber. Jugendsrinnerungen von Richard Wagner. Der Telegraph in den Kinderschuhen. Von HanS Riva(Mit Abbildungen). Im Jubiläumsjahr der Freiheitskriege II. Vom Kriegsschauplatz. Die Gegner an der Arbeit usw. Beilage: Der Mai der Jugend. Gedicht von Richard Wagner. Bill Coopers Blutegel. Australische Erzählung von Stefan v. Kotze. Solidarität. Von Gustav Hoffmann. Der König rief, und alle, alle kamen I Die Walpurgisnacht(Mit Abbildung). Der Sieg des Lichts. Von Georg Wmkelmann. Schützt die Flur! Von Fritz Eisner. Frühling. Skizze von H. Thurow. Schönheit. Das Maierlebnis eines Dichters. Von Otto Krille. Jln'b'&iA- vr~ Dh*. Simrnel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, ÄL 10 2. 57. Sonntags 10 12. Großer fflanzen-Verkauf. Wegen Auflösung einer deutschen Baumschule: Rosen, Schlingpflanzen, Obstbäume, Beerensträucher, Ziersträucher, Nadelhölzer, Blumenstauden usw. Gesunde Ware, sabelhast billig! Am Balmhot Alexandcr- platz, Gontardftrafle. vis-a-vis Panoramastrafle, Zentralmartthalle. cJttU« 2$ Nur seinem hervorragend feinen Geschmack verdank der Kapitän-Kantabak 1 de« guten Ruf, de« er««streitig vesttzt. Mache» Sie ewen Versuch mit dem echten KapitSn-Knutabak und Sie werbe« Mn I seiner Güte überzeugt sein. Berkaufsstellen, wo auch die kl. Knutabakdosen gratis ver» absolgt werden, weist gern nach: O. 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