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Nr. 103. 30. Jahrgang. 3. Beilage des Vorwärts " Berliner Volksblatt.

Die Gelben in wiffenfchaftlicher

Beleuchtung.

Der Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskommission hatte am Sonnabend eine Versammlung der gewerkschaftlichen Funktionäre veranstaltet, um, wie Genosse Körsten bei Gröffnung der Ver­fammlung sagte, einem lange gehegten Wunsche gemäß, die Bc= wegung der Gelben von einem Manne der Wissenschaft besprechen zu lassen.

Dienstag, 29. April 1913.

Ent­

fönnte, ist eine komplette Unmöglichkeit. Nur die Riesenbetriebe Die Kohlenpreise zeigen seit Bestehen des rheinisch­fönnen sich das leisten. Für sie ist eine so große Arbeiterschaft westfälischen Kohlensyndikats eine steigende Tendenz. Am da, daß sie eine Organisation gegen die Gewerkschaft schaffen und 1. April 1912 trat eine Preissteigerung der Brennstoffe ein, die mit einem Teil ihres Gewinnes erhalten können. Tatsächlich hat den Zechenherren des Ruhrgebietes nach vorsichtiger Schäßung cine ja die gelbe Organisation ihre Stätte nur in den Riesenbetrieben. Mehreinnahme von etwa 90 Millionen Mark brachte. Trotzdem hat In flarer Erkenntnis dieser Lage fordern die Unternehmer den das rheinisch- westfälische Kohlensyndikat eine weitere Preissteige­weitesten Schutz der ganz Unorganisierten. Die Gelben können rung für 1913/14 beschlossen, die den Zechenbaronen eine jähr also das Prinzip der Gewerkschaften nicht durchbrechen, aber sie sind liche Mehreinnahme von ungefähr 60 Millionen sichert. interessant als Symptom einer bestimmten geistigen Verfassung. sprechend der Kohlenpreissteigerung sind auch die Gewinne der Damit kommt der Redner auf das, was er die Bureaukrati- Unternehmer in die Höhe gegangen. In dem Geschäftsbericht sind sierung der Gesellschaft nennt. Die Aktiengesellschaftsagt er die Gewinnergebnisse von 37 Werken des Ruhrgebiets angeführt, ist das kleinste bureaukratische Gebilde in unserem Wirtschafts- die insgesamt gestiegen sind von 125 024 305. im Jahre 1909 Das geschah denn auch durch einen streng wissenschaftlichen leben. Darüber hinweg bauen sich als größere Gebilde die Kartelle, auf 196 839 242 M. im Jahre 1912, oder um 71 814 937 m. gleich Vortrag des Professors Dr. Alfred Weber- Heidelberg . Ein- Syndikate und Trusts auf. Beamte sind es, die in den Attien- 57,4 Proz. Also eine ganz enorine Steigerung. leitend bemerkte der Vortragende, er sei ein bürgerlicher gesellschaften den Betrieb leiten für die Aktionäre, die das Be- Die Löhne der Arbeiter sind auch nicht annähernd in gleichem Sozialpolitiker, der sich mit den Sozialdemokraten nicht in Einklang dürfnis haben, daß ihnen die Dividende gesichert wird. Die gelben Maße gestiegen wie die Gewinnergebnisse. Von 1907 bis 1912 iſt befinde. In tatsächlicher Beziehung wisse er von den Gelben nicht Werkvereine sind nichts anderes als die Anwendung dieser der Durchschnittslohn sämtlicher preußischer Bergarbeiter nur ge­mehr, sondern weniger als die im gewerkschaftlichen Leben stehen- Sicherungstendenz auf die Arbeiterschaft des eigenen Betriebes. stiegen von 3,73 M. auf 4,09 M., oder um 36 Pf. gleich 9,6 Proz­den Zuhörer. Lediglich als Gelehrter, der die Erscheinungen Man verspricht den Arbeitern dauernde Beschäftigung, man läßt pro Schicht. Gegen das Jahr 1911 stieg der Lohn nur um 18 P. objektiv betrachtet, fönne er zu der Bewegung der Gelben Stellung fie glauben, daß sie zu einem beamtenähnlichen Element gemacht gleich 4,6 Proz. Im vierten Quartal 1907 hatten die Löhne in faſt nehmen. Zur Sache selbst vertrat der Referent in eineinhalb werden, um sie für ein Trinkgeld herauszulösen aus der Gemein- allen Bergrevieren den Höchststand erreicht. Es ging von da an bis stündigem Vortrage im wesentlichen ungefähr folgenden Gedanken- schaft der Arbeiter. Eine wirklich sichere Stellung wie die eines Mitte 1909 mit Riesenschritten abwärts und nur ganz langſant Beamten wird ihnen aber nicht geboten. Daß sie dafür ihre wieder aufwärts. Allein durch die Lohnrückgänge haben die Berg­

gang.

Rechtsanwalt Dr. Heinemann sprach über

Terrorismus.

Die gelben Organisationen sind nach Angabe ihrer Anhänger Selbständigkeit aufgeben sollen, ist nicht zu verlangen. Es iſt, arbeiter im preußischen Bergbau 191 698 085 M. Lohnverluste er­entstanden als Folge eines gewissen Terrorismus, den die ihren solange wir die kapitalistische Produktion haben, auch gar nicht litten. Seit 1907 hat sich aber die gesamte Lebenshaltung unt Interessenstandpunkt übertreibenden Arbeiterorganisationen aus- möglich, den Arbeitern eine so gesicherte Eristenz zu gewähren mindestens 20 Proz. verteuert, in gleichem Maße ist die Kauffraft geübt haben. Rein äußerlich betrachtet, scheinen die Gelben ein wie die der Beamten ist. Die Industrie könnte dabei gar nicht des Lohneinkommens gesunken. Wären die Jahreslöhne der Ge­neues Organisationsprinzip zu vertreten: Die Zusammenfassung bestehen. Ausgeschlossen ist es allerdings nicht, daß die Stimmung, samtbelegschaft seit 1907 der allgemeinen Verteuerung der Lebens­der Arbeiter nicht mehr in großen Berufsverbänden, sondern in aus der heraus die gelben Organisationen gewachsen sind, noch mittel entsprechend gestiegen, müßten diese bedeutend höher sein als Werkvereinen. Also Betriebsorganisation, nicht eine den Beruf weiter um sich greift. sie in Wirklichkeit sind. Weder die Jahreslöhne noch die Löhne pro und weiter die Klasse der Arbeiter umfassende Organisation. Die Ein Ausweg aus dieser Situation ist der, daß man nicht Schicht sind entsprechend der Teuerung gestiegen. Dabei ist der Werkvereinsbewegung ist auf eine Mitgliederzahl von 130 000 bis durch Gesetze die Macht des Kapitals zu erweitern sucht, sondern Wert der Arbeitsleistung wesentlich in die Höhe gegangen. Gegen 140 000 angewachsen. Die Zusammenschließung zu einem Bunde daß das Koalitionsrecht der Arbeiter gesichert wird. Wenn man 1896 ist beispielsweise im deutschen Braunkohlenbergbau der Wert hat an den Wertvereinscharakter nichts geändert. Was ist das sagt, der Terror zwinge zu Maßnahmen gegen die Arbeiter- der Leistung pro Arbeiter um 980 M., der Jahreslohn nur um Wesen und der Inhalt der gelben Organisationen? Nach ihrer organisation, so gibt es ein einfaches Mittel, um den Organisa- 445 M. gestiegen. Die Arbeiter haben also die höheren Löhne nicht Tätigkeit sind sie Unterstüßungsvereine. Nach ihrem Statut werden tionszwang überflüssig zu machen: Eine gefeßliche Bestimmung, nur durch höhere Wertleistungen erarbeitet, sondern darüber hin­ihre Gelder vollständig für diesen Zwed verbraucht. Für Kampf- welche die Unternehmer zwingt, mit der Arbeiterorganisation, wenn aus ist den Grubenkapitalisten noch ein großer Ertragewinn zuge­zwede wird kein Vermögen gesammelt. Die Gelben selbst behaupten sie eine gewisse Stärke erlangt hat, zu verhandeln. Wenn wir flossen. So nutzen die Zechenbarone ihre Monopolstellung aus, allerdings, sie seien den übrigen Arbeiterorganisationen gleich eine solche Bestimmung haben, dann braucht sich die Organisation während sich die Arbeiter im Bruderkampfe zerfleischen und leer wertig. Wenn sie aber vor Gericht die Praxis zu vertreten haben, nicht ängstlich bemühen, daß alles in sie hineingebracht wird. ausgehen. daß die Unternehmer die Beiträge eintassieren, dann behaupten die Gelben, sie seien nur Unterstützungsvereine. Was sie tat sächlich sind, das beweist die Geheimgeschichte der Gelben, die In einstündigem Vortrage zeigte er, wie die Unternehmer fort­aus den bekannten Lebiusbriefen spricht. Aus dieser Geheim- gesetzt bemüht sind, gesetzgeberische Maßnahmen gegen das Koali­geschichte ergibt sich, daß die Gründungskosten fast überall von den Unternehmern getragen pratis ungemein eingeengt ist und von einem gleichen Recht für tionsrecht durchzusehen, obgleich dieses Recht durch die Gerichts­wurden und daß auch die Unterhaltungskosten zum großen Teil Unternehjemr und Arbeiter keine Rede ist. Der Arbeiter, der einen von den Unternehmern getragen werden. Nicht nur für die Unter- anderen Arbeiter durch Drohung oder Ehrverletzung veranlaßt, der stüßungszwecke, sondern auch für den Arbeitsnachweis und die Organisation beizutreten, wird mit Gefängnis bestraft. Der Unter­Prezorgane der Gelben tragen die Unternehmer zu den Kosten bei. nehmer aber, der die Arbeiter zwingt, aus der Organisation aus­Die gelben Organisationen sind also von den Unternehmern ge- zutreten, kann nicht bestraft werden. Diesen Raub des Koalitions­gründet und werden von ihnen in einem dauernden, festen Ab- rechts gestattet der Staat. Aber die zu energische Ausübung des- dem Willen der Grubenkapitalisten nur weiße Salbe" sein, sic hängigkeitsverhältnis erhalten. Entstanden sind die gelben selben bestraft cr. Der Redner illustrierte seine Ausführungen find infolge ihrer Rechtlosigkeit und Abhängigkeit weiße Salbe" Vereine immer in Begleitung von Kämpfen zwischen Arbeitern durch eine Reihe von Einzelfällen aus der Rechtsprechung. Bei geblieben. Zur Verminderung der Unfälle haben sie in den etiva und Unternehmern, wo sich die Unternehmer ein Arbeitermaterial einer Besprechung der einschlägigen Bestimmungen des Entwurfs Jahren ihrer Tätigkeit nicht beitragen können, die Unfälle sind sichern wollten, das ihnen zur Verfügung steht. Die Gelben sind zum Strafgesetzbuch zeigte der Redner, daß dieser Entwurf in immer weiter gestiegen. Der Vorstand schildert in seinem Bericht, die Organisation der Arbeitswilligen im Kampfe zwischen Kapital der Knebelung des Koalitionsrechts noch viel weiter geht als seiner- mit welch beschämenden Mitteln gearbeitet wurde, um den ab­und Arbeit. Das Geheimnis dieser Organisation iſt: Zusammen- zeit die Zuchthausvorlage ging. Wenn der Entwurf in der vor- hängigen, rechtlosen Sicherheitsmännern die Ausübung ihres fassung der Arbeiter in Werkvereine, Herauslösung der Arbeiter liegenden Fassung Gesetz werden sollte, dann läuft jeder Arbeiter Amtes zu verleiden oder unmöglich zu machen. So ist es erklärlich, aus den großen Verbänden und damit Isolierung der Ar- Gefahr, daß Jahre aus seinem Leben gestrichen werden, wenn daß Deutschland die größten Unfallziffern aufiveist. Von 1901 bis beiter, die, wenn sie keine große Kaffe hinter sich haben, in er von seinem Koalitionsrecht den zweckmäßigen Gebrauch macht. 1910 wurden von je 1000 Bergarbeitern im Durchschnitt getötet: jesen arbeitstempt ben Unternehmern machtlos gegenüberſtehen, Gegenüber dem Geschrei nach Schuß der Unternehmerinteressen Deutschland 2,11, Frankreich 1,69, England 1,35, Desterreich 1,19 Es ist selbstverständlich, daß die Gelben den Unternehmern im verlangt die Arbeiterklasse nur Gleichheit vor dem Geses und Belgien 1,03. Im deutschen Bergbau verunglückten 1910 Streit Hilfe leisten und daß für die Zusendung von Streifbrechern und Freiheit der Bewegung. Es ist ein zu bescheidenes 111 641 und 1911 114 669 Personen. Davon erhielten keine Ent­auch liquidiert wird, wissen wir aus der Geheimgeschichte. Verlangen, wenn die Arbeiter fordern, man solle ihnen im Streit schädigung 1910 99 486 und 1911 102 456 Verunglückte.

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In sozialpolitischer Beziehung ist der Verband feit. mehr als zwanzig Jahren bestrebt, bessere Arbeitsbedingungen für die Bergarbeiter zu schaffen, ihnen den größtmöglichsten Schutz vor Strankheit und Unfallgefahr zu erringen. Ganz erfolglos war industrie an der Spike aller Länder, im Bergarbeiterschutz dagegen dieses Streben nicht, doch ist das meiste immer noch zu tun. Deutsch­ land marschiert in der Vorwärtsentwickelung seiner Bergbau­ist es von den anderen Ländern weit überholt. Der Schuh jugend­licher und weiblicher Arbeiter ist noch völlig ungenügend. Im deutschen Bergbau arbeiten 41 000 Kinder unter 16 Jahren, ihre Zahl nimmt ständig zu. Frauen sind rund 12000 auf deutschen Gruben beschäftigt. Die Sicherheitsmänner sollen nach

Wie ist es möglich, daß eine derartige Organisation der dasselbe Recht geben, das die Unternehmer in der Aussperrung Das Berhalten des Gewerkvereins christlicher" Bergarbeiter Fahnenflüchtigen aus den Verbänden entstehen konnte? Bis etwa haben. Streit und Aussperrung sind nicht gleiche Waffen. Jeder bei dem Kampfe 1912 würdigte der Vorstand in einem besonderen zum Jahre 1890 gab es Kämpfe um die Arbeitsbedingungen wohl Streit ist eine Waffe der Arbeiter im Dienste der Zivilisation, Abschnitt. Er kennzeichnet die Treibereien der christlichen Führer in der Theorie, aber nicht wirksam in der Praxis. Dann, als denn der Arbeiter will durch den Streik für seine Arbeitskraft, also: Die schlimmsten Scharfmacher und Arbeiterfeinde können un­nach dem Falle des Sozialistengesetzes das Prinzip der Zentral- die von seiner Person untrennbar ist, einen höheren Preis erzielen, möglich mehr hehen und schimpfen gegen die um bessere Existenz verbände über das der Lokalorganisation stegte, fam cine 3eit er will also seine Persönlichkeit vervollkommnen und seinen Anteil ringende, gefnüttelte und gebüttelte Arbeiterschaft, als es diese so­des rapiden Anwachsens der Gewerkschaften. Während sich bei an der Kultur der Menschheit vermehren. Das ist die Ethik des genannten christlichen" Arbeiterführer getan haben. Ihr blinder den Arbeiterorganisationen in dieser Zeit eine Methodik und Tattit Streifs. Wenn dagegen der Unternehmer aussperrt, so will er gegen die freie Arbeiterschaft und deren Führer kann von des Kampfes herausgebildet hatte, verfügten die Unternehmer noch höheren Gewinn erzielen an einer Ware, die mit seiner Persön- niemand übertroffen werden. Ihr Verbrechen an der Arbeiterschaft nicht über eine Kampforganisation. Die Arbeiterorganisation war lichkeit nichts zu tun hat. Sier fehlt also das kulturelle Moment ist riesengroß und unverzeihlich. Denn ihr Schlag traf nicht nur also den Unternehmern relativ überlegen. Die wirtschaftliche des Streifs. Schon die rechtliche Gleichstellung von Streit und die streifenden Bergarbeiter, sondern durch dieses empörende Ueberlegenheit der Unternehmer war durch die Arbeiterorganisation Aussperrung ist ein schreiendes Unrecht gegen die Arbeiter. Wenn Trauerspiel der von den Christenführern" heraufbeschworenen Zer­in den Hintergrund gedrängt, aber natürlich nicht beseitigt. Seit aber darüber hinaus die Durchführung des Streits erschwert wird, fleischung der Arbeiter, die nur den schlimmsten Ausbeutern und den Jahren 1903-1905 ist das infolge der Erfahrungen des so ist das im höchsten Maße verwerflich. Die Behauptungen Arbeiterfeinden zugute kommt, ist die kämpfende, vorwärts drän­großen Crimmitschauer Streiks anders geworden. Seitdem hat von Terrorismus der organisierten Arbeiter sind maßlos über- gende Arbeiterschaft aller Richtungen folossal entmutigt worden." sich die Organisation des Kapitals für den Kampf um die Arbeits - trieben. Was die Unternehmer als Terrorismus bezeichnen, das Nach weiterer Charakterisierung der Christen sagt der Bericht: bedingungen vollzogen. Auch bei den Unternehmern hat sich eine ist nichts anderes als das leidenschaftliche Verlangen der Arbeiter" Solange solche skrupellosen edlen" Seelen den Gewerkverein Methodit und Tattit des Kampfes herausgebildet. Es stehen sich nach Zusammenschluß, was Bewunderung verdient. Diesen Terro- Teiten oder eine Rolle spielen, ist leider keine Verständigung, keine nun zwei große organisierte Heere gegenüber, die bestimmte Posi- rismus sollten die Arbeiter nicht ableugnen, sondern als Ruhmes- einheitliche, offene Taktik möglich." tionen besetzt haben. In diesem Machtkampf um die Arbeits- titel für sich in Anspruch nehmen. Wenn Gesez und Rechtsprechung An Lohnbewegungen und Streits waren die Jahre bedingungen ist eine wesentliche Position, die sich die Unternehmer solche Handlungen bestrafen, so heißt das, die Grundlagen der 1911 und 1912 sehr reich. Aber nicht nur durch die verhältnismäßig fichern zu müssen glauben, die Beherrschung des Arbeitermaterials, geschichtlichen Zusammenhänge verkennen. Mögen die Gegner die große Zahl der geführten wirtschaftlichen Kämpfe hat sich die Be­das man nach Belieben einstellen und wieder abstoßen kann, und Betätigung des Grundsakes:" Alle für einen und einer für alle richtszeit ausgezeichnet, es sind auch große und schwere Kämpfe ge­daß man Ersatz für organisierte Arbeiter jederzeit zur Verfügung als Terrorismus brandmarken, die Arbeiterschaft kann das er- führt worden. Vor allem sind der große Streit der Ruhrbergleute hat. Die Behauptung dieser Position bedeutet, daß die Unter- tragen in dem Bewußtsein, daß Selbstzucht und Disziplin not- im Frühjahr 1912, ferner die Streifs im Königreich Sachsen, in nehmer jeden Streit durch Heranziehung von Arbeitswilligen wendig sind im Kampfe gegen die herrschende Klasse, daß sie gegen Schaumburg- Lippe und am Deister zu nennen. Auch im Zeit­niederschlagen können. Seit 1903-1905 ist der Kampf wesentlich die Ueberläufer aus den eigenen Reihen ankämpfen und sich gegen Weißenfelser Braunkohlenrevier ist ein großer, von beiden Seiten auf die Beherrschung des Arbeitsmarktes verlegt worden. Die jede Gemeinschaft mit den Gelben wehren müssen. mit zäher Hartnädigkeit geführter Kampf im Jahre 1911 aus Forderung der Unternehmer: Schuß der Arbeitswilligen, Ein- Beide Vorträge wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen. gefochten worden. Daneben sind noch fleinere Stämpfe geführt.

engung der Arbeitskämpfe tam in der Zuchthausvorlage zum Aus­

bic Interne Crrichtung von Zwangsarbeitsnachweiſen fuchten sich 20. Generalversammlung des Verbandes der Bergarbeiter Sämpfe nicht zu den Zielen geführt haben, die fich die Stämpfer

Deutschlands .

Leider muß aber der Vorstand konstatieren, daß die stattgefundenen gesteckt haben. Die meisten und besonders die wichtigsten und größten Streifs mußten erfolglos beendet werden.

Die Mitgliederbewegung des Verbandes weist einen Rückgang auf, dessen Ursache in dem vorjährigen großen Streit zu suchen ist. Am Schlusse des Jahres 1910 hatte der Verband 123 437 Mitglieder, am Schlusse 1912 nur 114 062. Es ist also ein Verlust von 9375 Mitgliedern zu verzeichnen. An Werbekraft hat es ja dem Verband nicht gefehlt, er hat in den beiden Jahren 75 802 neue Mitglieder gewonnen. Diesen stehen aber 85 177 Austritte gegens über, die Fluktuation war also außerordentlich stark. Die internationalen Beziehungen des Verbandes haben sich wiederum gebessert. Besonders ist der Verband in nähere Beziehungen getreten zu den französischen und belgischen Berg­arbeiterorganisationen.

Arbeitswilligen sowie zur Kontrolle und Sichtung der Arbeiter zu schaffen. Aber es ergab sich, daß die Zwangsarbeitsnachweise ihren Zmed nicht erfüllen konnten. Sie fonnten allenfalls bei Hannover , 28. April. fleinen Streifs, aber nicht bei größeren Arbeitseinstellungen Die zwanzigste Tagung des Deutschen Bergarbeiterverbandes genügendes Arbeitermaterial heranschaffen. Dann wurde wieder begann am Sonntag in Hannover . Die deutschen Berg­die gefeßliche Einschränkung der Arbeiterbewegung gefordert. Sie arbeiter, die im Vorjahre durch den Verrat der chriftlichen" Kollegen wird auch heute wieder starf betout. einen schweren Kampf mit der Grubenkapital abbrechen mußten, Für das organisierte Kapital, welches sich einer organisierten kommen zusammen, um einen Rückblick auf die beiden letzten Jahre Arbeiterschaft gegenüber sieht, gibt es zwei Wege zur pollkommenen zu werfen und ihre Organisation zu neuen Kämpfen zu rüsten. Beherrschung des. Arbeitsmarktes: Erstens die Auflösung der Der Geschäftsbericht des Vorstandes an die General­gewertschaftlichen Organisation und das Arbeiten mit Unorgani bersammlung bringt auf 334 Seiten eine Fülle Materials über den fierten; zweitens die Schaffung einer anderen Organisation, die Bergbau und die Bergarbeiterverhältnisse, das über die Berufs­man der Widerstandsorganisation der Arbeiter entgegenseßen kann. freise hinaus Interesse erwecken dürfte. Besonders interessant sind Beide Wege haben für die Unternehmer einen Wert, auch wenn die Darlegungen über die Steigerung der Produktion, der Unter- Nach dem Kassenbericht balanzieren Einnahmen und fie nur zum Teil zum Ziele führen. Sie bedeuten aber ein nehmergewinne und die Gegenüberstellung der Arbeiterlöhne. Die Ausgaben im Jahre 1911 mit 4 176 777 M. und 1912 mit 8 925 420 Wertloswerden der Arbeiterorganisation nur dann, wenn sie voll- Geschäftslage im Bergbau war in den Jahren 1911/12 außerordent- Mark. Die Mitgliederbeiträge betrugen in beiden Jahren 4 432 791 ständig zum Ziele geführt. haben. Die Widerstandsorganisation lich günstig. Die Produktion stieg ständig, sie übertraf noch erheb- Mart. Der größte Ausgabenposten ist der für Streits mit 3615 526 der Arbeiter ist auch dann nicht wertlos geworden, wenn einmal lich die des Hochkonjunkturjahres 1907. Gegenüber diesem Jahr Mark in der Berichtszeit( davon allein 2 092 596 M. 1912). In der die Situation eintreten sollte, daß es ihr nicht mehr möglich wäre, stieg die Förderung von Steinkohlen um 33 909 228 Tonnen auf Periode 1909/10 betrugen diese Ausgaben nur 471 134 M., diesmal Gesamtsiege dem Kapital gegenüber zu erringen. Solange die 177 094 917 To., die Braunkohlenförderung um 19 792 912 To. auf also 3 144 392 M. mehr. Die Gemaßregeltenunterstützung betrug Widerstandsorganisation imstande ist, durch teilweise Stillegung 82 339 583 To., die Koksproduktion um 7 203 032 To. auf 29 141 070 184 348 M., Arbeitslosenunterstützung 83 198 M., Krankenunter­der Betriebe dem Kapital materielle Nachteile zuzufügen, hat sie Tonnen, die Steinkohlenbrikettproduktion um 1809 634 To. auf stübung 706 381 M. Für alle Unterstüßungszweige wurde wesent einen großen Wert für die Arbeiterklasse. Bon den beiden 5 333 651 To., die Braunkohlenbrikettproduktion um 6 167 589 To. lich mehr aufgewendet wie in der vorhergehenden Geschäftsperiode. Wegen zur Zerbrechung der Widerstandsorganisation ist der erste auf 19 058 050 Tonnen. Diese Zahlen zerstören besser wie alle Das Gesamtvermögen des Verbandes betrug am 31. Januar 1913 in Deutschland und anderen Ländern mit ähnlichen Verhältnissen Worte den Schwindel der Führer der Christen", daß im März 1912 2 644 136., es ging int Jahre 1912 um rund eine Million zurüd. nicht gangbar, weil der Industrie kein ausreichendes Material bon ore Konjunktur zur Führung eines Lohnkampfes zu ungünstig ge­unorganisierten Arbeitern zur Verfügung steht. Den Unternehmern wesen sei. Der Bericht bringt auch die Produktionsziffern der bleibt also nur der zweite Weg: Schaffung gelber Organisationen. hauptsächlichsten Bergbauländer und die Weltproduktion an Kohlen Die Frage, ob sich die gelben Organisationen über die ganze und Roheisen, die ebenfalls eine gewaltige Steigerung zeigen. Industrie ausdehnen können, kann nur mit einem bestimmten Nein Amerika hat die weitous größte Kohenförderung mit 438 Millionen beantwortet werden. Die Gelben sind Werkverbindungen, die sich Tonnen im Jahre 1911. An zweiter Stelle steht England mit 276, threm Wesen nach nur auf die großen Riefenbetriebe beschränken. an dritter Stelle Deutschland mit 245 Millionen Tonnen. Auch der Daß die Unternehmer die Unterstützungen für die Gelben bezahlen, prozentuale Anteil Deutschlands an der Weltproduktion in Roheisen bas ist ein Entgelt dafür, daß sie auf das Streitrecht verzichten. ist dauernd stark gestiegen, während der Anteil Englands und der Daß dieser Zustand auf die ganze Industric übertragen werden Bereinigten Staaten sich im Rückgange befindet.

Die Delegierten der Generalversammlung haben eine reich­haltige Tagesordnung zu erledigen Neben den üblichen geschäfts­mäßigen Punkten stehen auch mehrere Referate auf der Tagesord­nung. So wird Heinrich Löffler die Massenunglücke im Berg­bau und Otto Hue Konzentration, Syndikatspolitik und Verstaat­lichungsfrage im Bergbau behandeln, Neber die Lohnbewegungen referiert Robert Witt. Zu den einzelnen Punkten liegen zahl­reiche Anträge vor, von denen ein Antrag Dortmund erwähnt sein mag, der bei wichtigen Angelegenheiten, wie Massenunglüden usw. die Inszenierung eines Demonstrationsstreits verlangt. Ein and