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Jr. 121. 30. Jahrgang.

Beilage des Vorwärts " Berliner Volksblatt.

Köpfe am Königsplatz.

Kopsch.

Herr Kopsch ist der Simson der Fortschritts­partei. Auch seine Stärke liegt im Haarivuchs, und Herr Kopsch weiß das ganz genau: Darum ist er stets, wo er auch geht und steht, was er auch tut und läßt, mit Kämmen und Kämmchen, mit Bürsten und Bürstchen versehen. Rüstet er sich in der Kommission zu einem Strauß mit der hohen Regierung, so fährt er sich erst mit einem großen Kamm und einem kleinen Bürstchen durch den Haarbusch den Anwesenden fällt es wie Schuppen von den Augen, dann hilft er mit einem Kleinen Rämmchen und einer großen Bürste nach und ist nun bereit und sieht hochgemut aus. Herr Kopsch ist der Simson der Fortschritts­partei: er wird eines Tages auch die morschen Ballen einreißen, die dieses morsche Gebäude noch tragen.

Heckscher.

Der Reichstag legt Wert auf ihn, denn er ist der Mann mit der Nelke.( Es klingt wie der Titel eines französischen Schauerromans: L'homme à l'oeillet!) Er trägt die Nelke bei Tag und bei Nacht, im Sonnenschein und im Regen, am Jadett und am Gehrock, am Smoking und am Nachthemd. Leuchtet sein feuerflammender Schopf auf der Tribüne auf, so überzeugt sich der Reichstag, daß die Nelke am Platz ist. Ist das zur Zu­friedenheit konstatiert, so fällt das Parlament in seinen legitimen Schlummer zurüd.

Die Nelle ist Herrn Hedschers Individualität. Hegenscheidt.

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Oberleutnant d. R. im Husaren- Regiment Graf Goezen( 2. Schlesisches) Nr. 6 folossal schneidig! Pyramidal! Nebenbei auch noch Igl. preußischer Landrat. Er redet ein Deutsch, wie es tgl. preußische Landräte zu schreiben pflegen. Wie ein Laokoon von den Schlangen, ist er, wenn er auf der Tribüne steht, von den Bandwürmern feiner eigenen Säße umwickelt, und je mehr er sich herauswickeln will, desto mehr widelt er sich hinein, und neue Bandwürmer schlingen sich um seine Glieder; und wenn er dann schließlich an­gestrengt nachdenkt, was er eigentlich gesagt haben wollte, macht sein Gesicht einen fast vergeistigten Eindruck. Aber das muß ein Irrtum sein, denn er ist im Hauptberuf Oberleutnant d. R. im Husaren Regiment Graf Goegen( 2. Schlesisches) Nr. 6!

Freiherr v. Gamp.

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Ein Joyll aus der deutschen politischen Wüste.

Jesuiten Gesetz

Oſtmarken Zulagen

3 Kavallerie Regimenter

Die schlauen Schwarzen und der dumme Bogel Strank.

Montag, 19. Mai 1913.

man merkt ihm doch an, daß er unter Mistbecten zu Hause ist. Wenn feine Sozialdemokraten im Reichstage fäßen, wäre er ganz manierlich, aber so wie sein Blick auf die roten Hundertzehn fällt, schnappt in seinem Innern eine Feder und er muß Toskläffen. Er fläfft, als ob er es bezahlt bekäme. ( Er bekommt ja auch bezahlt!) Er kläfft, daß sich ihm der dünne Schnurrbart sträubt. Er fläfft ohne Unterlaß wie ein wachsamer Gärtnerspiz. Aber sonst eine gewinnende Erscheinung.

Mumm.

Wenn er aufgerufen wird, erscheint er auf der Tribüne, bläst die Pausbäckchen auf wie ein Engel des jüngsten Gerichts und alles erwartet jetzt die Anrede zu hören: Liebe Brüder in Christo!" Aber da fällt Herrn Mumms Blick- von ungefähr auf den gesinnungsverwandten Herrn Arendt, er würgt, was er schon auf der Zunge hatte, müh sam wieder herunter und quält sich ein: Meine Herren!" aus der Kehle. Dann schwimmt er auf den Delfluten seiner eigenen falbungsvollen Sonntagsnachmittagspredigt davon, wobei er durch­bliden läßt, daß er zu denen gehört, die Gott lieben und denen darum alle Dinge zum Besten dienen.

Selig sind die Armen im Geiste. Selig ist Herr Mumm, den Herr Kaempf ängstlich davor schützt, Lizentiat genannt zu werden.

Heftermann.

Bauernbündler, zu Deutsch : verschämter Nationalliberaler. Aber sonst nicht sehr verschämt, sondern ein junger Mann von anerkennenswerter geistiger und körperlicher Frische und von Tempera­ment sprudelnd wie ein Flasche Selters. Er wird nicht oft losgelassen, aber wenn schon, denn schon! Dann ergießt sich die unheimlichste Suada in den Saal; sein Mundwerk rattert wie ein Maschinengewehr, dreihundert Borte in der Minute sprigen hervor...

Zum Schluß jeder seiner Tirailladen fledt er den deutschen Bauernschädel auf eine Stange, an dem die Sozialdemokratie zerschellen wird­sagt Herr Hestermann.

Werner-( Gießen) oder( Hersfeld ). ( Nichtgewünschtes bitte durchzustreichen!)

Treu und deutsch . Was ihm an Kenntnissen fehlt, ersezt die judenfresserische Gesinnung. Auch das häufige Waschen, das nur schmuzige Orientalen nötig haben, wird durch stramme Haltung wett ge­macht. Es ist der gefährlichste Abgeordnete, denn nur mit Schlagworten wirft er um sich und mit Stichworten, auf die freilich, da der Reichs­tag feine antisemitische Versammlung ist, niemand reinfällt. Er ist fest davon überzeugt, daß die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens ein ,, wanderndes Geheimnis" darstellen und daß sie ihm auflauern, um ihn in den Keller einer Synagoge zu schleppen und ihm dort sei: t arisch germanisch- christliches Blut zum Pesacha Er übt sich darum in Dschiu- Dschitsu.

Eine nicht üble Gestalt. Roggengeruch. Knarrt anheimelnd mit der Stimme und läßt es sich durchaus anmerken, daß er in den Gauen wurzel fest ist, wo man für Mädel Marjell" sagt und bon Königsbarg" schwärmt. In Sudermanns Sturmgeselle Sokrates" bekommt ein ostpreußischer Edelmann vor, der knorrig ist und wurzel­fest, mit der Stimme knarrt und seine freifinnigen Klub-| Fünfzehn machen kann, der Alte vom Berge. Aber es bleiben Vier-[ fest abzuzapfen. brüder anherrscht:" Ich reit euch auf Standare, bis ihr zehn. Das ist 2X7 oder 2X6+ 2, aber immer noch keine Fraktion. Der Korpus ist bereits von einer Universität angekauft, um im quietscht!" Er hat den Spiznamen der Alte vom Berge". So ist Gamp.

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Seit er nicht mehr Vorsitzender der Budgetkommission ist, sigt er oft da und sinnt nach und sinnt nach, wie man aus vierzehn

Kafernenbof!

Was ist das für ein Getöse hinter dem Barackenbau der dritten Kompagnie?

Behrens.

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Falle des Todes ausgestopft zu werden. Dieser Zeitpunkt ist aber hoffentlich noch recht weit hinausgerückt, denn jeder Freund unfrei­Er ist Gärtner von Beruf, indes durchaus kein Gärtner wunder- williger Somit wünscht Herrn Wernerleben, daß er bleibe gesund bis mild, wie er im deutschen Märchen oder Volkslied vorkommt. Aber zu hundert Jahr!

Minute. Hast wohl Durst, mein Bester?" fragt lauernd der Unter- bürste. Einige Minuten, dann lassen sie ihn fahren und offizier. Der Soldat öffnet den Mund zur Antwort, bringt jedoch nur einen gurgelnden Ton aus der trockenen Kehle.

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Komm, wir wollen zum Brunnen, Laufschritt, marsch, marsch!" Klatschend schlägt im Laufe das Schanzzeug gegen die Schenkel. Sind denn heute wieder alle Teufel los! " Halt!"" Feldflasche her. Pumpe, mein Sohn!" lächelt süß Dort tönt ein langgezogenes Brüllen, dann wieder kurze bellende der Vorgesetzte und hält die Feldflasche unter das laufende Wasser Kommandorufe hervor und dann wieder ein schweres Stampfen da- bis sie voll ist. Wie jedoch der Soldat durstig danach greifen will, zwischen. Das achtjährige Bübchen vom Feldwebel schleicht die kommandiert der Unteroffizier brüllend: Stillgestanden!" und hängt Mauer entlang bis zur Ede und späht, neugierig den Hals redkend, grinsend die Flasche an den Brotbeutel des Soldaten. über den liesbestampften großen Play. Sein fleines Schwesterchen" Raufschritt, marsch marsch!" Verzerrten Gesichtes rennt der schleicht ihm nach. Auf dem Kasernenplay steht ein starktnochiger Mann weiter, um zwei Pfund mehr beschwert. Aus den Fenstern Soldat, wie eine Säule so starr. Ein kleinerer Unteroffizier freist des Sergeantenzimmers zu ebener Erde tönt schallendes Lachen über um ihn herum. den gelungenen Scherz.

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Ist das alles? denkt der Bub und macht einen Schritt weiter Plöglich, unerwartet, schlägt die Kasernenuhr zwölf. vor. Steckt dann die Fäustchen in die Hosentaschen und wartet mit Richtung Barackeneingang der dritten Kompagnie Laufschritt , gespreizten Beinen, was nun tommt. Die Kleine hält sich an seiner marsch marsch! Abtreten!" brüllt der Unteroffizier. Bluse fest und starrt mit aufgerissenem Mäulchen die beiden Sol­daten an." Parademarsch, Baon marsch!" fommandiert der

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Unteroffizier gellend, und der Soldat setzt sich in Bewegung. Steif nister hat er dröhnend zu Boden fallen lassen. Die übrige Aus­Der Soldat steht keuchend auf der Mannschaftsstube. Den Zor­wie eine Drahtpuppe. rüstung liegt auf seinem Bette.

Eins

und eins

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und

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eins."

Wie in Scharnieren bewegen sich die Beine, tempoweise, jede Um den Tisch sizen auf flobigen Holzschemeln die Kameraden Sehne zum Reizen gespannt. Hart schlagen die schwer genagelten und reinigen Gewehre. Einige hänseln ihn, die Mehrzahl schweigt Stiefel auf den tiesigen Boden, hie und da fliegen Funken aus düster. Er läßt sie spotten, teilnahmslos, und ringt nur schweiß­den vom Eisen getroffenen Steinen. Die Erderschütterung jedes triefend nach Luft.

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laufen spornstreichs in die Baracke zurück. Den Fenstern entschallt wieder ein johlendes Lachen. Der nackte plumpe Körper des Ge marterten schlägt taumelnd in den Kies. Dann steht der Mann auf und geht mit zusammengebissenen Zähnen über den Hof.

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Noch siebzehn Monate, noch siebzehn, siebzehn, siebzehn Monate!" Einen anderen Gedanken kann er nicht fassen. Der Feldwebelsbub aber figt mit schadenfroh blizenden Augen auf der Steintreppe und flatscht sich jubelnd auf die mageren Schenkelchen. Die Kleine steht neben ihm und weint erschrocken über das Gefehene. Dummes Aas", spricht er zu ihr.

Hermann Stenz.

Das Geständnis.

In Kopenhagen saß ein hartgefottener Gauner mit Namen Hansen unter dem Berdacht eines Diebstahls in Untersuchungs­gefängnis. Der Assessor raderte sich ab wie ein Rarrengaul, unt ihn zu einem Geständnis zu bewegen. Aus dem guten Hansen aber war feine Silbe herauszubringen.

ein großes gutes Beefsteak mit Zwiebeln und drei Flaschen fühles Eines schönen Tages aber ließ er dem Assessor sagen, wenn er helles Bier bekäme, wolle er gestehen. Da es in Dänemark nicht ungewöhnlich ist, einen verstodten Sünder auf diese menschenfreund liche Weise zum Gestehen zu bringen, ging der Assessor auf den Vorschlag ein. Die leckere Mahlzeit wurde aufgetragen und der ehrliche Hansen erschien. Man sah ihm förmlich an, wie ihm beim Anblick der bea vorstehenden Tafelfreuden das Wasser im Munde zusammenlief. Also gestehen Sie jetzt", sagte der Assessor.

Und Hansen gestand; er gestand so redlich und gründlich, wie nur je ein reuiger Sünder gestanden hatte. einem Anfall von Rührung übermannt. Als das Geständnis aufgeschrieben war, wurde er plötzlich von

Herr Assessor", sagte er, weil Sie sich so lange mit mir haben abquälen müssen, will ich Ihnen nach dem Essen noch ein zweites Berbrechen gestehen, von dem Sie bis jetzt keine Ahnung haben. Der Assessor strahlte. In dem Manne stedte offenbar noch ein unberdorbener Kern.

dieser gewaltsamen Schritte eilt durch den ganzen Körper und löst Der Unteroffizier betritt die Mannschaftsstube. im Gehirn einen zuckenden Schmerz aus. Die Riemen des schweren ,, Gemeiner Haggenmüller, antreten!" ruft er. Der steht still vor ihm. feldmarschmäßig gepackten Tornisters schneiden tief in die Achseln, Wie das Schwein wieder aussieht, ganz eng ist der Säbelgurt angezogen. Die schwarze Binde sitzt die Dhren voll Staub, der Hals ganz schwarz. Hemd ausgezogen, unter dem Kragen des dunkelblauen, blanknopfigen Uniformrodes Sose und Stiefel anbehalten. An den Brunnen und sofort ge­zum Erdrosseln fest um den Hals. Der schwere Helm ist tief in die waschen!" Stirne gedrückt, die Schuppenkette unter das Kinn geschnallt. Brot- Der Mann starrt erschrocken den Beiniger an. beute und Feldflasche hängen an der Seite. Die linke Hand hält Marsch, wird's bald! Helft ihn ausziehen!" befiehlt er zwei framp- haft das geschulterte Gewehr am Kolben. Willenlos, von anderen. Die reißen dem Kameraden Rock und Hemd vom Leibe. Schweiß triefend, bewegt sich der Soldat wie ein riesiges mecha. Der Mann eilt rasch zum Brunnen, Handtuch und Seife tragend. nisches Spielzeug fort. Die Augen quellen aus den Höhlen, stoß- Holländer und Nikert, Ihr beide helft ihm beim Waschen und Und nun verzehrte der redliche Hansen das gute Effen und weise leucht der Atem. Tropisch heiß brennt die Julimittagssonne sorgt mir dafür, daß er schön sauber wird!" befiehlt der Unteroffizier goß das tühle Bier mit Wohlgefallen hinter die Binde. Als er senkrecht auf den schattenlosen Plaz. die zwei verstedt anblinzelnd. Diese haben begriffen! fertig war, wischte er sich befriedigt den Mund. Wie steht es jetzt mit dem zweiten Verbrechen Fragte Ser Hund, willst Du wohl die Knie durchdrücken, schlapper Trottel, Der Soldat steht schweißtriefenden heißen Körpers am Brunnen. faules Aas!" brüllt der Unteroffizier; muß ich Deinetwegen, weil Ihm schaudert davor, taltes Wasser an seinen glühenden Leib zu Der gute Hansen räusperte sich und begann mit sanfter, scham­Du die Knochen nicht durchdrücken kannst, mit nachererzieren, statt bringen. Da naht Holländer, pumpt einen Eimer voll Wasser und erfüllter Stimme: auf der Falle zu liegen!" stellt ihn, scheinbar gleichgültig, neben sich. Rifert bummelt über Es handelt sich um einen Betrug. Ich habe mich durch eine " Wirst Du wohl dieses Knie mehr durchdrüden, mein Süßester, den Platz, die Hände auf dem Rüden. Bortvärts!" brüll, betrügerische Vorspiegelung falscher Tatsachen in den Besitz eines mein Engelchen!" fuirscht er boshaft grinsend und klopft den Lauf der Unteroffizier vom Fenster aus. Der Mann pumpt und guten Mittagessens gebracht. An dem Geständnis, daß Sie vorhin feines Gewehres dem Gequälten in die linke Kniekehle, wohl wiffend, hält zögernd den Scheitel unter das Wasser. niedergeschrieben haben, ist keine Silbe wahr." daß er dem Manne dadurch unheimlichen Schmerz verursacht. Der Assessor fant in den Sessel zurüd und fah ihn mit starren der, Inhalt des Eimers über feinen Rüden. Augen an. " Ba.. on halt!" kommandiert er plöglich, und der Mann steht Stamerad Holländer drückt ihn mächtig über den Trog Der gute Hansen aber ließ fich in mildem Seelenfrieden in das still, blaurot im Gesicht, tief zitternd ringt er nach Luft. Eine und Rikert bearbeitet ihn mit Strohwisch und Wurzel- Untersuchungsgefängnis zurüdführen.

schend

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Da faust flat­

Assessor.