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9, i$i MI-Wm. 3. KMge des ,|orn)ättö" Kerlim MlksblM. Hus der Frauenbewegung. grauen- und Kinderelend in der Cburinger Reimarbeit. An einem herrlichen Frühlingstage fuhr ich mit der Bahn durch das schöne Thüringen nach Sonneberg . Die Sonne schien prächtig und verschönte noch die so reizvolle Gegend mit ihren Bergen und Tälern, so daß bei ihrem Anblick einem das Herz aufgehen lonnte. Im Wagen aber lvar's fürchterlich. �Zn drangvoller Enge saßen wir bei einander, kaum konnte man sich bewegen. Arbeiterfrauen waren meine Mitgefährtinnen, Heimarbeiterinnen, die aus dem Innern des Thüringer Waldes kamen und die in Sonneberg ihre Arbeit ab liefern und den kärglichen Lohn entgegennehmen wollten. Es war Sonnabend, d« Lohntag. Es waren wohl zwanzig an der Zahl. Sie hatten alle ihre hoch bepackten Trag'tiepen vor sich stehen. Allen sah man die Not und die Sorge, die schlechte Ernährung und das abgearbeitete, müde Wesen ausüben ersten Blick an. Die Hände und Fingernägel dieser Arbeiterinnen waren von Beize und Farbe braun und schwarz ge worden. Ich knüpfte mit einigen Frauen ein Gespräch an und sie er- zählten mir von ihren Leiden, erzählten, wie sie bei angestrengt Arbeit nur 8 und 10 M. wöchentlich verdienen, daß auch die Kinder häufig mitarbeiten müßten und daß sie trotz aller Arbeit nicht durch- kommen könnten, denn der Lebensunterhalt wäre doch zu teuer. Ein junges Mädchen seufzte:.Wenn ich doch nur mal fort könnte von hier, ich möchte gern etwas anderes arbeiten, aber die kranke Mutter und die Geschwister zu Haus, es geht ja nicht." Auf jeder Station stiegen immer mehr Frauen mit ihren Körben ein, und wir waren alle froh, als endlich unser Ziel er- reicht war. Sonneberg hat eine prächtige Umgebung, schön und herrlich er- scheint alles dem Fremden, der nur oberflächlich hinschaut, und doch bergen die Stadtmauern das grenzenloseste Elend. Da ich einen halben Tag in dieser Stadt verweilen konnte, benutzte ich diese Zeit, um die Stätten des Elends anzusehen. Ein Genosse stellte sich mir in liebenswürdigster Weise zur Verfügung und führte mich in die Höhlen der Heimarbett. Durch enge Straßen mit niedrigen Häusern führte uns unser Weg. In eines dieser Häuser traten wir ein. In einem Räume saßen vier Mädchen, die Puppenperücken arbeiteten. Und wie arbeiteten sie! Vor ihnen lag ein Berg genähter Perücken, die noch frisiert werden mußten. Aus ihrem Schöße hatten die Mädchen eine größere Poppe, der setzten sie eine Perücke auf und mit einem Brenneisen brannten sie die Locken und zwar mit einer Geschwindigkeit, die mich in Staunen versetzte. Sie arbeiteten immerfort, ohne auch nur aufzusehen. Blaß und schmal sahen diese Mädchen aus, man merkte ait ihnen nichts von jugend- licher Frische. Ihr Wochenlohn betrug 812 Mark. In einem anderen Hause wurden vollständige Puppen Mit Wachsköpfen, zirka 2025 Zentimeter groß, hergestellt. Für das ganze Dutzend solcher Puppen, die noch mit einem Hemd bekleidet waren, erhält der Arbeiter nur 1 M. Aber was für eine ungeheure Arbeit muß dafür geleistet werden. Da werden die Wachsköpse in Formen gegossen, dann werden die Glasaugen darin befestigt, die aber erst von einem Glasbläser gekauft werden müssen. Darauf wird der Kopf mit Gips ausgegossen, bemalt und dann wird die Perücke befestigt. Der Puppenleib besteht aus Stoff und wird mit Sägespänen und dergleichen ausgefüllt. Die Arme und Beine, die aus Papiermachs bestehen und die ebenfalls gekauft werden müssen, werden in eine Flüssigkeit getaucht, damit sie Farbe erhalten. Und diese Flüssigkeit verbreitete einen unangenehmen süß- lichen, beißenden Geruch, von dem die ganze Wohiiung angefüllt war. In dieser Luft arbeitete nun die ganze Familie, oft bis in die sinkende Nacht hinein. Man kann sich denken, wie gearbeitet wird, wenn der Lohn für das ganze Dutzend solcher Puppen nur 1 M. beträgt, wovon noch das Material selbst besorgt werden muß. Ich atmete auf, als wir den Raum verließen und auf der Straße wieder frische Lust schöpfen konnten. Nun führte mich mein Begleiter zu einem anderen Arbeiter, einem Drücker. Er wohnte in einem niedrigen Hause mit kleinen Fenstern. Als wir durch die Haustüre gingen, mußten wir uns bücken, um nicht anzustoßen. Ich öffnete die«tubentür. Aber entsetzt prallte ich zurück. Ein so fürchterlicher Geruch entströmte diesem Räume, daß ich nicht zu atmen wagte. Der Hals war mir wie zugeschnürt. Aber dann trat ich näher. In einem engen, dunklen und sehr niedrigen Räume wurde gearbeitet. Der Mann knetete in einer Wanne eine Papiermachs masse durch. Ein jüngerer Arbeiter, der an einem Tisch saß. rollte diese Maffe mit der Hand lang aus, legte sie in eine Form und drückte dann. mit aller Kraft den oberen Teil der Form darauf. Dann legte er die Form wieder auseinander und nahm das fertig gepreßte Puppenbein heraus. Und diese Arbeit ging mit einer gar nicht zu beschreibenden Hast vor sich. Ohne auch nur aufzusehen, arbeitete er fortwährend mit fieberhafter Eile. Zu diesem Hasten find die Arbeiter gezwungen, denn der Verdienst ist auch bei dieser Arbeit erbärmlich niedrig. Für 12 Paar Arme und 12 Paar Beine bekam der Arbeiter zusammen nur 12 Pfennige und dabei mußte er noch das Papiermache selbst liefern. Wenn diese Puppen- arme und-deine aus der Form herauskommen, sind sie noch lange nicht fertig. Sie werden auf Bretter mit lang hervor- stehenden Nägeln gesteckt und diese eines über das andere zum Trocknen auf den Ofen gestellt, wobei dann der fürchterliche Geruch entsteht. Wenn die Masse getrocknet ist, müssen noch die Drucknähte verputzt werden, was meistens die Arbeit der Frauen und Kinder ist. Fetzt erst sind für die genannte Anzahl die 12 Pfennige ver- dient.»Wenn ich mit meiner Familie IL Mark verdiene, kann ich zuftieden sein, oft aber ist's auch weniger," sagte mir der Arbeiter. DaS sind wahrhaft grauenvolle Zustände. Fedem fühlenden Menschen muß sich das Herz zusammenpressen, daß in solchen Räumen und bei solch elenden Löhnen Menschen arbeiten, und daß Kinder, die kaum ihre Händchen gebrauchen können, gezwungen werden, mit- zuverdienen. Die armen Frauen haben überhaupt nichts von ihrem Leben. Immer müssen sie schaffen, von morgens bis in die späte Nacht, einen Tag wie den ändern. Als wir die Wohnung dieses Arbeiters verließen, packte mich die Empörung über diese Zustände, aber mein Begleiter sagte mir, daß ich das Schlimmste noch gar nicht gesehen habe, und wenn ich Zeit hätte, würde er mich in die umliegenden Dörfer führen, da könnte ich noch größeres Elend sehen.... Ein anderer Tag führte mich in einen Ort, der zu den höchst- gelegenen dxS Thüringer Waldes gehört. Herrlich war der Weg durch den Wald mit den alten hohen Tannen. Eine herbe, frische Luft wehte. Das erreichte Dorf war von Glasbläsern bewohnt. Fast in jedem Hause arbeitete ein Glasbläser. mit seiner Familie, um Christbaumlchmuck und Perlen anzufertigen. Die Lohnverhält- nisse sind ähnlich wie in der Sonneberger Spielwarenindustrie. Die Seimarbeiter liefern ihre Waren sauber in Kartons verpackt an die roßhändle? Für ein Dutzend Glaskugeln, für die man in Berlin im Warenhaus 80 Pf. bis 1 M. bezahlen muß, erhalten sie von den Händlern nur 3036 Pf. lind doch gehören eine Menge Verrichtungen dazu, ehe der Christbaumschmuck zum Berkauf fertig ist. Das Blasen der Kugeln, eine äußerst anstrengende Arbeit, geschieht meist durch Männer. - Aber die übrigen Arbeiten, Silberglanz fertigen, Lackieren, Bemalen, Verputzen usw. ist Sache der Frauen uizd Kinder. Die Perlen werden von Frauen und oft auch von Kindern geblasen. Für solcher Perlen gibt eS 70 Pf. Auch in gesundheitlicher Be­ziehung ist diese Arbeit sehr schädlich. Das fortwährende Hinein- sehen in die Stichflamme und das ewige Sitzen führen zu Er- krankungen der Augen und der Lungen. Die Frauen verdienen im Durchschnitt 810 M. pro Woche bei angestrengter Arbeit. Aehnlich schlechte Zustände findet man auch dort, wo Frauen für die Porzellanindustrie in der Heimarbeit beschäftigt werden. Wenn man die elenden Wohnungen der Heimarbeiterinnen, die oft nur aus einem Räume bestehen, und die kranken, schlecht genährten Kinder sieht, dann kann einen der Menschheit ganzer Jammer packen. Beim Gießen und beim Verputzen wird viel Staub ent- wickelt, den die Frauen und die Kinder ständig einatmen müssen. Die Folgen sind häufige Erkrankungen iker Atmungsorgane. Die Lungentuberkulose, dieser furchtbare Würgeengel, sucht und findet seine Opfer bei Männern, Frauen und Kindern, die in der Por- zellanindustrie arbeiten, in reichstem Maße. Eine Frau sagte mir ganz verzweifelt:.Was nutzt es mir, wenn ich die Stube reinmache, wenn ich eine Stunde arbeile, sieht es genau so aus, wie vorher. Ich gebe mir die größte Mühe, die Wohnung sauber zu halten, aber es geht nicht." Der weiße Staub lag hier auf den dürstigen Möbeln, auf dem Fußboden, auf den Haaren der Frau, auf ihrer ganzen Kleidung. An der Wand stand eine alte Wiege mit einem 6 Wochen alten Kinde. Das arme Kind I Und so könnte man weiter berichten. Nichts als Elend sieht man im Thüringer Walde. Ja gewiß, schön ist diese Gegend, aber was haben die Arbeiterfrauen und-Mädchen davon? Die Frauen kommen nicht einmal dazu, ejnen Spaziergang zu machen. Sie sehen nichts von der Schönheit ihrer Heimat, sie kommen aus ihrer Wohnung gar nicht heraus. Wieviele Frauen habe ich angetroffen, die vielleicht 2 Stunden von einer Stadt ent- sernt wohnten, aber diese noch nie gesehen hattem So spielt sich das ganze Leben solcher Arbeiterinnen nur in einem Orte ab, immer in denselben elenden Verhältnissen. Nicht nur die Frauen, sondern auch die Kinder haben schwer darunter zu leiden, frühzeitig werden sie in den Kampf ums Dasein hineingetrieben. Die schönste Zeit der Kindheit wird ihnen rücksichtslos geraubt, im Interesse des Kapitals. Noch ist es schwer, die Arbeiter und Arbeiterinnen für den Gedanken der Organisation empfänglich zu machen, die Löhne sind überall niedrig und dabei der Lebensunterhalt so teuer, daß sich die Ausgebeuteten scheuen, die paar Pfennige für die Organisation zu zahlen. Sie haben eben noch nicht erkannt, daß diese Beiträge hundertfältige Frucht für sie tragen würden. Allerdings, vorwärts geht es auch hier schon. In einigen Orten hat der Porzellanarbeiter- und der Glasarbeiterverband festen Fuß gefaßt und Verbesserungen für die Mitglieder erzielt; auch unsere Partei nimmt an Mitgliedern immer utehr zu. M. Ka. Züebtigung9rccbt" der Dicnftberrfcbaft. Die mjttelalterlichen Gesindeordnungen sprechen ein Züch- tigungsrecht der Dienstherrschaft nicht aus. Wo dies ver- einzelt geschieht, sind solche Verordnungen durch Artikel 05 des Ein- führungsgesetzeS zum Bürgerlichen Gesetzbuch ausgehoben. Dort heißt es: Ein Züchtigungsrecht steht dem Dienstberechtigten dem Ge- finde gegenüber nicht zu." Allerdings verbürgen einige Gefind eordnun gen der Herrschaft, wenn sie den Dienstboten mftgeringen Tätlichkeiten" behandelt, Straffreiheit. So sagt z. B. ß T7 der Preußischen Gesinde­ordnung: Reizt das Gesinde die Herrschaft durch ungebührliches Be» tragen zum Zorn, und es wird in selbigem von ihr mit Scheit- Worten oder geringen Tätlichkeiten behandelt, so kann es dafür keine gerichtliche Genugtuung fordern." Ob dieser Paragraph noch zu Recht besteht oder nicht, darüber streiten sich die Kommentatoren der Gesindeordnungen. Ger- hard sagt:§ 77 ist bereits aufgehoben durch das Strafgesetzbuch. Linde nberg sagt: In der Theorie nimmt man vielfach an, daß 8 77. in die vom Strafgesetzbuch geregelten Materien eingreife und daher durch das Einführungsgesetz zum Strafgesetzbuch außer Kraft gesetzt sei. Die Praxis habe daran festgehalten, daß Z 77 durch das Strafgesetzbuch weder aufgehoben noch geändert ist. In der Tat beweisen ja die Gerichtsverhandlungen und Urteile, daß Dienstboten beschimpft und geschlagen und obendrein noch bestraft wurden. Wir müssen aber die Praxis bekämpfen, die darauf hinausläuft, daß wohl der Herrschaft kein Züchtigungsrecht zusteht, daß ihr aber, wenn sie es ausübt, dafür keine Strafe droht. Das Fortbestehen der veralteten Bestimmungen der Gesindeordnungen ermutigt mancheHerrschaft", sich das Recht anzumaßen, ihre An- gestellten roh und chrverletzend zu behandeln. Aber auch die Dienenden werden wegen der vielen Schwierig- leiten, die der klagenden Partei zufallen, und wegen der geringen Bestrafung der Schuldigen in der Ueberzeugung bestärkt,, daß die Herrschaft ein Recht habe, die bei ihnen in Arbeit Stehenden zu drangsalieren, zu peinigen, zu beschimpfen und schließlich gar zu züchtigen. Dieses Recht besteht aber nach dem Gesetz nicht und es »st unsere Aufgabe, die Arbeiterschaft, deren Kinder in Dienst gehen, und die Hausangestellten selbst davon zu unterrichten, daß sie der Herrschast nicht mehr Rechte einräumen, als diese sowieso schon haben und daß sie die geringen Rechte, die den Hausangestell- ten nach dem Gesetze zustehen, mit Hilfe ihres Verbandes ausnutzen. Allerdings werden ja die Dienenden selten in der Lage sein, den Rechtsweg zu beschreiten, wenn sie nicht dem Verbände der Hausangestellten angehören, der es sich neben seinen sonstigen Zwecken, der Hebung der wirtschaftlichen Lage und der Förderung der geistigen Interessen der Hausangestellten, ganz besonders angelegen sein läßt, seine Mitglieder gegen angetanes Unrecht zu schützen und zu verteidigen. Zentralverband der H ansangest eilten Deutsch - schlau ds(Berlin , Engelufer 21). Nach dem Bericht ist die Zahl der Arbeiterinnen in den revisions- Pflichtigen Betrieben Württembergs abermals gestiegen, von 72 770 im Jahre 1911 auf 75 464 im Jahre 1912. Die Zunahme beträgt 3,7 Prozent. Darunter waren Arbeiterinnen iin Alter von 14 bis 16 Jahren 11 563 Mädchen, unter 14 Jahren 720. In einigen In- dustriezweigen steigt die Zahl der Arbeiterinnen ständig, z. B. in den Zurichtereien der Lederfabriken, ferner in der Schuhindustrie. Früher waren sie hier im wesentlichen auf die Stepperei beschränkt, jetzt werden bereits Frauen in der Fertigmacherei wie auch an Oberleder- stanzen verwendet. Der Bericht gibt etliche Fingerzeige, wie sich die Frauenarbeit innner»nehr spezialisiert, z. B. in der Damenmaß- schneideret und Putzmacherei, wo ein fabrikmäßiger Betrieb bisher unmöglich schien. Die Teilarbeit ermöglicht zwar eine beffere und raschere Ausführung, die Arbeiterinnen werden aber durch diese Arbeitsmethode sehr einseitig ausgebildet, ihr späteres Fortkommen außerordentlich erschwert. Der Bericht stellt ferner fest, daß in Damenschneidereien etwa ein Fünftel der Beschäftigten 23 Monate jährlich aussetzen muß, daß in P u tz g e s ch ä f t e n häufig zwei Drittel der Arbeitermnen nur während der Hälfte d e S Jahres Beschäftigung haben.»Den Beruf einer Modistin sollten daher nur Mädchen ergreifen, die hierfür besonderes Geschick zeigen und die in den ersten Jahren ihrer Tätigkeit einige Monate jährlich ohne Verdienst sein können," rät der Berichterstatter. Ein gut gemeinter, leider sehr schwer zu befolgender Rat. Der Bericht gibt ferner etliche Proben von Unternehmerschlauheit, zur Umgehung des Arbeiterimienschutzes aufgewendet. Noch ein schärferer Treiber als die Prositwut der Unternehmer ist die Not. Ueber der Durchführung des gesetzlichen Wöchnerinnenschutzes bemerkt eine Assistentin:Die verheirateten Arbeiterinnen schätzen die ihnen zukommende Ruhezeit und wissen sie gut zu verwerten; die ledigen Wöchnerrnnen dagegen, die ihre Kinder sehr bald in Pflege geben und für keinen Haushalt zu sorgen haben, versuchen immer wieder, vor Ablauf der gesetzlichen Schutzzeit Arbeit zu bekommen. Den Beamtinnen sind Fälle bekannt, wo die Mädchen schon nach 3 bis 4. Wochen den Arbeitgeber flehentlich gebeten haben, sie wieder arbeiten zu lassen, sie fühlten sich tvieder gesund und kräftig und seien durch die Ausgaben für die Niederkunft und die Pflege- kosten für das Kind vollständig ohne Existenzmittel." Die Ge- samtzahl der Betriebe, in denen Zuwiderhandlungen gegen Bestim- mungen des Arbeiterinnenschutzes festgestellt wurden, ist 221, die Zahl der Hierwegen bestraften Personen 11. Hcimarbeiterinncnelend i» Brüssel. Man schreibt nnS aus Brüssel : Was in der Lüxusstadt Brüssel für Heimarbeitslöhne gezahlt werden, geht ans einer Veröffentlichung hervor, die die U�ue sociale des cacheteurs" verbreitet, in dem löblichen, aber nicht gerade ersolgverhcißenden Bestreben, daö Gewissen der Mit- bürger durch solche Publikationen zu wecken. Die von der Liga vcranstatltete Enquete ergibt u.a., daß eineBrüsse- ler Arbeiterin für ein Dutzend Blusen 2,50 Frank, daS ist 2t Cent. für das Stück, erhalten hat. Für 11 Kinderkleider mit Volants wurden 2,75 Frank, das»st 25 Cent, per Stück, bezahlt; für ein Dutzend Kinderkleider, 1,80 Frank, das ist 15 Cent. pcr�Stück ; für ein Morgcnkleid 40 Cent.; für stickereibesetzte Unterröcke mit einegp, Dutzend Säumchen, 40 Cent, per Stück; für Frauenhemden mit Fältchen und Handgearbeitelen Entre-deux 18 bis 26 Cent. per Stücke 170 Hemden, an denen 4 Arbeiterinnen zwei Wochen arbeiteten brachten den Näherinnen zusammen 35 Frank ein, das heißt, jede Arbeiterin verdiente wöchentlich 4,75 Frank! Die Untersuchung ergab ferner, daß Weißnäherinnen in einer Arbeitswoche von sechs Tagen bei 15 stündiger täglicher Arbeit 11 Frank verdienten, andere 8 Frank pro Woche bei zwölfstündiger Arbeit, andere wie- der 6 Frank pro Woche bei achtstündiger Arbeit. Einigegroße Firmen" protestieren und erklären cS fürunmöglich", daß in der Hauptstadt solche Löhne in der Heimarbeit gezahlt würden. Dieß diese und jene Firma anders, besser bezahlt(um wieviel wird nicht gesagt), kann schon sein, berührt aber weiter nicht die mitgeteilten Erhebungen, die schließlich nur bestätigen und in anderer Form feststellen, was die Heimarbeitsausstellung aus der Brüsseler Weltausstellung von 1910 so reichlich und so ergreisend deinonstriert hat: die unsägliche Aussaugung der heimarbeitenden Frauen in Belgien in Stadt und Land. Daß auch die Luxusstadt Brüssel dieses Elend beherbergt, zeigen die wenigen Stichproben. Wenn einzelne Unternehmer behaupten, daß die Schmutzkonkurreng der K I o st e r a r b e i t mit schuld an den niedrigen Löhnen sei, so liegt darin gewiß ein Teil Wahrheit. Aber die Ausbeutung der Privatunternehmer ist bekanntlich auch nicht geringer, wenn die Klosterkonkurrenz fehlt. Italienische Rechtsanwälte gegen Frauen. Der in Neapel tagende gerichtliche Kongreß hat in namentlicher Abstim- mung init 131 gegen 45 Stimmen, sich für den Ausschluß der Frauen von den» Rechtsanwaltsberus ausgesprochen. Vorher hatte man die Frage der Beschränkung der Zahl der ausübenden Advo- laten und dann die der Honorare behandelt. Von Futterneid darf natürlich bei dem Votum, das die Frauen als KotÄurrenten ausschließen will, bei Leibe nicht die Rede sein! Frauenarbeit. Das Martyrium der Arbeiterfrau beleuchten hell folgende Ausführungen in dem Jahresbericht der Gewerbeaufsichtsbcamten Württembergs für 1912:Wie sehr die Arbeiterinnen unter der Unmöglichkeit leiden, neben der Fabrikarbeit ihren Haus- railenpflichten voll nachzukommen, beweist ivohl die Tat- achc, daß in Fabriken, in denen die Gewährung bezahlten Urlaubs eingeführt ist, eine verschwindende Anzahl verheirateter Arbeiterinnen sich hierbei persönliche A»lsspannung gönnt. Sie ver- wenden die Urlaubstage, um eine größere Arbeit im Haushalt vor- zunehmen, zu der die sonstige Zeit nicht ausreicht. Gewiß keine Er- holung für die das ganze Jahr in doppelter Hinsicht angespannte Arbeiterin; aber auch die wohlmeinende Absicht des Arbeitgebers wird dadurch vereitelt, da die Arbeiterin nach dein Urlaub nicht stisch und arbeitsfreudig wieder kommt, sondern unter Umständen erholungsbedürftiger ist als vorher.... Daß sodann die Mittagspause, wenn auch meistens auf 1>/z Stunden ver­längert, für die verheiratete Arbeiterin nicht die nötige Erholung, 'ondern eher das Gegenteil bildet, ist eine anerkannte Tatsache. Es ist ein Sorgen für die Familie unter Hintansetzung des eigenen Ichs, bis die Zeit wieder da ist, zur Arbeit zu eilen. Daß hierdurch neben dem zu großen Verbrauch an körperlicher Kraft auch die Nervenlräfte vorzeitig aufgerieben werden, ist außer Zweifel." Vermischtes. Niedriger hängen! Der Byzantinismus feiert in diesem Jahre an Anlässen wie Hochzeitsfeste. Regierungsjubiläum, Erinnerung an 1813 fehlt es ja nicht die ekelhaftesten Blüten. Nur eine Probe dafür, was Frauen sich auf diesem Gebiete leisten: Jetzt gilt eS, eins besondere Frauengabe darzubringen, eine Gabe von Frauen für Frauen. Und diese Gabe wollen wir nicht unserem Kaiser widmen wie die anderen alle, sondern unserer geliebten Kaiserin, die durch Gottes Güte nun auch volle 25 Jahre unS allen Führerin und Vorbild war. 25 Jahre voll Liebe und Fürsorge hat die hohe Frau uns vorgelebt I Nichts ist in Deutsch - land zur Erleichterung des Fraumloses geschehe»», ohne daß nicht unsere Kaiserin tat, tvaS sie konnte, um zu helfen und zu fördern. Gerade die ärlnsten unter den deutschen Frauen, die Heimarbeite- rinnen, haben immer und immer wieder die warme Anteilnahm? der LandeSinutter an ihren» schweren Geschick gespürt.... Die christlich-nationalen Heimarbeiterinnen haben angefangen, Pfennige u n d G r o s ch e n zu sammeln, um durch einAlters- beim für Heimarbeiterinnen" für ihren unversorgten Lebensabend Hilfe zu schaffe». 5910,84 M. haben sie m ü h s a m zusammen- gebracht. Viele Jahrzehnte würden noch vergehen, ehe an den Bau des HauseS zu denken wäre. Laßt»ms Bausteine hinzutragen, große und kleine! Wenn jede deutsche Frau gibt, was sie vermag, so können wir»mserer Kaiserin zu ihrem Jubiläum die Freude machen, daß das Altersheim für Heimarbeiterinnen Wahrheit wird.... Wir wollen beweisen, daß die deutschen Frauen in Dankbarkeit und Treue ihrer Kaiserin gedenken!" Diese Bettelei unterstützten Frauen von Exzellenzen, Ministern, Geheimen Kommerzienräten, Großkaufleuten. Neben Vertreterinnen des deutschen Frauenbundes, des weiblichen Seitenstücks zum Reichs- verband, des Deulsch-Evangelischen Frauenbundes, des Verbandes der kirchlich-sozialen Frauengruppen hat auch die Hauptvorsitzende des nationalen GewerkvereinsderHeiinarbeiterinilen den Aufruf unterschrieben. Ferner finden sich darunter die Namen: Dr. Alice S a l o m o n. Leiterin der Sozialen Frauenschule, Frau Rudolf Mosse , Frau v. Bethmann Hollweg , Frau Ober« bürgermeister Mermuth .