Sozialdemokraten abgeschlossen wurde und das zur Wahl von drei Sozialdemokraten führte, dargelegt. Zum Schluß wird gesagt: „Die Konservativen hätten dies Ergebnis vermeiden können, wenn sie von vornherein anstatt mit den Fortschrittlern, mit den Nationalliberalen Fühlung gesucht hätten. Der verbreiteten nationalliberalen Organisation in Barnim wäre es bei einem Rückhalt nach rechts wahrscheinlich gelungen, eine große Zahl von mittelparteilichen Wählern an sich ziehen und im Verein mit den Konservativen den Kampf gegen die Sozialdemorratie mit Erfolg durchzuführen. Wie wenig aber die Konservativen geneigt waren, mit den Nalionalliberalen, die sie schon 1908 übergangen hatten, Hand in Hand zugehen, geht auch daraus hervor, daß sie nicht einmal den Versuch gemacht haben, bei der jetzigen Wahl wenigstens das eine Mandat zugunsten der Rational - liberalen auch ohne ein Abkommen mit diesen den Sozialdemokraten zu entreißen. Die Fortschrittler hielten trotz ihrer insgeheim mit den Sozialdemokralen geschlossenen Vereinbarung äußerlich an ihrem Wahlbündnis mit den Nationalliberalen fest und forderten auch bis zuletzt ihre Wahlmänner auf, für das dritte Mandat den nationalliberalen Amtsgerichtsrat Äade zu wählen. Hätten nun die Konservativen aus freien Stücken gleich im ersten Wahlgang auch an dritter. Stelle für ihren dritten konservativen Kandidaten den Nationalliberalen Kade gewählt, so würde dieser in Gemäßheit des von ihnen selbst angebotenen, allerdings nicht angenommenen bürgerlichen Kompromisses alsbald gewählt und damit den verbündeten Sozialdemokraten und Fortschrittlern wenigstens ein Barnimer Mandat entrissen worden sein. Dieses Ziel hatten aber die Konservativen trotz der ihnen von den Nationalliberalen zugesagten Stichwahlhilfe nicht genügend im Auge. Allerdings war die Möglichkeit gegeben, daß auch dieses Ergebnis durch hinterlistige Quertreibereien noch vereitelt wurde. So traten denn auch auffallenderweise in dem einen Wahllokal liberale Wahlzettel zutage, auf denen wider jede Abrede der Nationalliberale Kade an die erste Stelle der drei liberalen Kandidaten, anstatt an die dritte gesetzt war. Die an der Hand dieser Wahlzettel für Kade abgegebenen 28 Stimmen gingen seiner Gesamtzahl in der dritten Stelle sonach verloren und fielen unter die zersplitterten. Sollte hier nur ein Versehen vorgelegen haben? Die betreffenden Zettel waren von der Zentral- stelle der Fortschrittlichen Volkspartei versandt worden. Die jetzige Landlagswahl von Ober- und Niederbarnim gibt noch mehr zu denken wie die von 1903. Die Nationalliberalen wurden bei beiden von rechts vernachlässigt, von links getäuscht. Die Quittung darüber ist die rote Fahne über dem Landtags- Wahlkreise des Ministerpräsidenten und Reichskanzlers." Diese Darlegungen scheinen durch die Veröffentlichung im offiziellen Organ der Partei auch die Ansicht der Parteileitung wiederzugeben. Mögen daher doch die Konservativen sich der Nationalliberalen gnädigst annehmen und ihnen ihren Frieden wiedergeben! Wie das Deutschtum gestärkt wird. Die Ansiedelungskommission hat in Westpreußen wieder eine Anzahl Güter zu Ansiedelungszwecken erworben. Dabei wurden un- verhältnismäßig hohe Preise bezahlt. Für das Gut Seehof bei Äulmsee wurde eine halbe Million entrichtet. Der Morgen Land wurde mit 969 M. bezahlt. Das Rittergut Gottschalt im Grau- denzer Kreise wurde für 910 000 M. erworben; für den Morgen wurden hier 72ö M. entrichtet. Für das Rittergut Tursnitz wurden Millionen Mark angelegt. Der Morgen kostete hier SlX) M. Mün.sieht daraus, wie überaus teuer die Güter gekauft sind, denn der Preis von 500 M. für den Morgen ist auch schon ein recht de- deutender. Je teuerer die Aasisdelungslommiision kauft, desto schwieriger wird die Lage der Ansiedler; die Lasten, die sie zutragen haben, steigen ständig, weil die Preise für die Grundstücke gerade infolge der Tätigkeit der Ansiedelungskommission fortgesetzt in die Höhe gehen. Das schönste dabei ist, daß die Güter deutschen Agrariern abgekauft sind!! Sie haben natürlich ein glänzendes Geschäft ge- macht und werden über die„Stärkung des Deutschtums" hoch- erfreut sein und für die„nationale Politik" warm eintreten. Den armen Ansiedlern, die mit dem Strick um den Hals angesetzt werden, werden aber die Augen aufgehen, wenn sie unter den schweren Lasten zusammenbrechen._ ]Sacb dem ßalhanlmege. Tie Botschafterkonfercnz über das Schicksal der Aegäischcn Inseln. London ,'6. Juni. Die heutige� Sitzung der Bot- schaftervereinigung hat 21/2 stunden gedauert. Tarauf hat sie sich auf den kommenden Montag vertagt.<S0 wurden,� wie das Reutersche Bureau erfährt, beträchtliche Fortschritte erzielt, sowohl hinsichtlich eines Kompromiß- weges in den schwebenden Fragen über das albanesische Statut und die S ü d g r e n z e n Albaniens , als auch über die Zukunft der Aegäischen Inseln. Wahrscheinlich wird die Lösung der Frage der Aegäischen Inseln und der Südgrenze Albaniens voneinander abhängen. Die Entschei- düngen der Mächte hinsichtlich her Aegäischen Inseln sind von der Haltung Griechenlands zu den Beschlüssen der Mächte be- züglich der Südorenze abhängig. Das Kompromiß scheint unter den Vorschlägen Frankreichs und Italiens hinsichtlich dieser Grenze vermitteln zu sollen. Dre meisten der Aegäischen Inseln würden an Griechenland übergehen, aber die beiden den Tardanellen am nächsten liegenden würden der Türkei verbleiben. Bulgarien werde Thasos erhallen. Man wird von Griechenland Garantien ver- langen, daß dm Kleinasien benachbarten Inseln nicht als mili- täriiche oder Flottenstützpunkte verwandt werden. Tie von Italien besetzten Inseln werden der Türkei übergeben, sobald die aus dem Friedensvertrag von Lausanne hervorgehenden Verpflichtungen von der Türkei in Tripolis erfüllt sein werden, und die Mächte werden sodann dahin wirken, daß sie Griechenland übergeben werden. Demission des Ministeriums Geschow. Sofia , 6. Juni. Das offiziöse Blatt„Mir" meldet, daß Ministerpräsident Geschow schon am 30. Mai unmittelbar nach der Unterzeiafnung des Friedensvertrages, der den Ab- schluß der Hauptaufgabe des Balkanbundes bezeichne, in der Annahme, daß der Tag der Liquidation gekommen sei, dem Könige die Demission des Kabinetts überreicht habe. Ter König habe bereits alle Führer der Opposition zu fich berufen und werde demnächst Dr. Danew empfangen, worauf dann die Krise gelöst werde. Eine Erklärung der lerbilchen Sozialdemokratie. Vor kurzem hielt der serbische Ministerpräsident Paschitsch in der «rupfchtina eine Aufsehen erregende Rede, die ihre Spitze gegen Buk-; sa"e""chtew. Unsere serbischen Genossen veröffentlichten als Lnt- wort dckrauf folgende Erklärung!! „Die sozialdemokratische Partei verlangt auch diesmal energisch wie bisher, die sofortige Friedensschließung und die Demobilisierung der gesamten Truppen, damit diese zur Arbeit und Kultur zurück- kehren können. Die sozialdemokraissche Partei Serbiens tritt entschieden gegen alle Streitigkeilen, Konflikte und Feindseligkeiten auf, die durch die Verhetzung der Balkanvölker untereinander zu einer Katastrophe führen würden. Sie erklärt sich für die volle nationale Freiheit und Selbständigkeit aller Nationen und protestiert gegen jeden Versuch, die einigen Nationen in ihrer Selbständigkeit zu erwürgen und ihnen ein fremdes Regime aufzwingen zu wollen. Sie stellt zugleich fest, daß die Valkanhalbinsel eine Mischung von Nationen darstellt, und daß durch eine territoriale Teilung in mehrere Staaten die nationale Einigung nicht durchgeführt werden kann; im Gegenteil würde jeder dieser Staaten einen bedeutenden Teil der fremden Nation national unterjochen. Die sozialdcmo- kratische Partei Serbiens tritt daher entschieden gegen jede Politik auf, die eine Teilung des Balkans im Auge hat. Sie vertritt mit Energie eine Einigung der gesamlen Balkanvölker und ist der Ueberzeugung, daß nur dadurch, daß eine Balkanföderation geschaffen wird, jede Nation zu ihrer nationalen Konstituierung, zum Wirt- schaftlichen und kulturellen Fortschritt gelangen wird. Gleichzeitig erblickt sie darin das einzige mächtige Mittel zur Abwehr der imperialistischen— und kolonialen— Eroberungsgelllste der euro - päischen Großmächte. Die sozialdemokratische Partei Serbiens verabscheut einen brudermörderischen Krieg zwischen Serben und Bulgaren , zumal beide Nationen zwei verwandte Dialekte einer Sprache sprechen, ihre ganzen Gewohnheiten und Neigungen zum Frieden und Zusammen- arbeiten identisch, ihre Kultur gleich, ihre Wirtschast ähnlich und ihre Interessen dieselben sind. Die sozialdemokratischen Parteien Serbiens und Bulgariens erheben energisch ihre Stimme gegen jede Hetze der herrschenden Klassen, die nur zu Waffenkonflikten und AuS- rottung der Völler führt. Gegenüber den halsbrecherischen und für die Balkanvölker ge- fährlichen Bestrebungen der Dynastien, der kapitalistischen Cliquen. der Soldateska und streberhaften Bureaukratie, verlangt die sozial- demokratische Partei Serbiens , gemeinsam mit den sozialdemo- kratischen Parteien Bulgariens , Rumäniens , der Türkei , Griechen- lands, Bosnien und Herzegowinas, Kroatiens und Slavoniens sowie der sozialdemokratischen und fortschrittlichen Volksmassen Montenegros und Albaniens , die Einigung aller Balkanländer zur vollen ökonomischen und kulturellen EntWickelung aller Balkanvölker. Die sozialdemokratischen Parteien erklären sich für die Politik des Friedens und der Liebe unter den Völkern. Sie klagen die Regierungen im voraus an, wenn ihre Politik zu Streitigkeiten und Krieg zwischen den Völkern führt. Solidarisch mit'den sozialdemokratischen Parteien aller Balkan - staaten, sendet die sozialdemokratische Partei Serbiens von dieser Stelle— von der Tribüne der Volksvertretung(Narodna-Skupschtino) — ihre brüderlichen Grüße sowie den Ausdruck ihres Friedens- willens an die proletarischen Volksmassen Bulgariens und aller anderen Balkanländer und ruft ihnen gemeinsam mit dem Proletariat Serbiens und des ganzen Balkans zu: Krieg dem Kriege! Frieden zwischen den Völkern! Einigung der Balkanvölker in der Föderation der Balkan - republiken!"_ fr an Kr eich. Offiziere gegen die dreijährige Dienstzeit. Paris , 6. Juni. Die„H u m a n i t 6" veröffentlicht ein vom Kriegsminister an die Korpskommandeure gerichtetes Rundschreiben, in welchem darauf hingewiesen wird, daß einige Offiziere sich dazu hinreißen ließen, über die von der Regierung eingebrachte Militärvorlage ungünstige Urteile zu äußern. Die Korpskommandeure mögen deshalb die Offiziere daran erinnern, daß sie in der Aeußerung ihrer Meinung größte Zurücklsaltung zu beobachten haben. Jaurds bemerkt dazu, dieses Rundschreiben, welches alle Offiziere unter Bewachung stelle, sei der furchtbarste Schlag, welcher gegen das Gesetz über die dreijährige Dienst- zeit geführt worden sei. denn das Schriftstück bedeute das offene Geständnis, daß eine große Zahl republi- kanifch gesinnter Offiziere Gegner der drei- jährigen Dienstzeit seien. Italien . Das Votum über den Korruptionsskandal. Rom , 4. Juni. lEig. B�r.) Nach der dritten Wiederaufnahme hat die Kammer nun endlich den Skandal deS Justiz- Palastes abgetan, und zwar unter dem Druck der äußersten Linken in einer Weise, die über die kompromittierten Abgeordneten endgültig den Stab bricht. Gleichzeitig hat die Kammer der Regierung«ine Abänderung des Verwaltungs- und Kontrollshstems anempfohlen, das bei der Submission des JustizpalasteS so klägliche Resultate geliefert hat, und schließlich hat sogar der Abgeordnete Eugenia Chief a eine Tagesordnung zur Annahme gebracht, die die Mitwirkung von Abgeordneten in Prozessen oder Transaktionen, bei denen der Siaat interessiert ist, für unziemlich erklärt und die Regierung auffordert, einen Gesetzentwurf vorzulegen, der den Abgeordneten untersagt, als Rechtsanwälte in Prozessen mitzuwirken, bei denen die Finanzen des Staates interessiert sind. Indem die Kammer den Kommissionsbeschlüssen beipflichtete, hat sie sechs ihrer Mitglieder desavouiert und mehr oder weniger scharf wegen ihrer Geschästsbeziehungen zu einer den Staat begaunernden Firma getadelt. Die nächste Folge dieses Votums wird die Mandats- niederlegung der betreffenden Abgeordnelen sein. Die Abgeordnelen Luzzatto und MoSca haben bereits auf den Wink mit dem Zaunpfahl reagiert; die anderen vier. A bi gn e nte. Guarracino, Pozzi und Brunialti dürften folgen. Das übrige müssen die Gerichte tun. In die Stickluft der Kammer hat die Diskussion der letzten Tage einen frischen Windzug gebracht. Nach langer Zeit der Untätigkeit hat sich die äußerste Linke wieder darauf besonnen, daß eS ihr od- liegt, zu kämpfen und zu wagen und der allgemeinen Feigheit und Bequemlichkeit entgegen zu treten. Freilich wäre der Erfolg kaum so günstig gewesen, wenn sich nicht die Abgeordneten bewußt wären daß daS Ende der Legislaturperiode herannaht. Dje Herren wissen, daß man sie binnen kurzem zur Rechenschaft ziehen kann. Daher hat keiner von ihnen Lust, als Begünstiger und Hehler einer Diebes- bände zu erscheinen. England. Zur neuesten Flottenerklärung Churchills. Dil Ueberuahm« dcS Baues der drei von der kanadischen Regierung abgelekutteu Schlachtschrsfe durch England wird in der englischen Presse lebhaft erörtert. Die liberalen Blätter sind nur wemg erbaut von den Ausführungen Churchills. So schreibt„D a i l y C h r o n i c l e": Mr. Churchills Erklärung bedeutet tatsächlich eine emstliche Vermehrung unserer Flotte und ihrer Kosten und wird als solche von den Liberalen mit gemischten Gefühlen aufgenommen werden. Man kann nicht sagen, daß sie mit den früheren Grundsätzen Mr. Churchills in Widerspruch stehe, obgleich ein Widerspruch mit einigen seiner früheren Erklärungen vorhanden ist. Denn tatsächlich schwankt er zwischen zwei Grundsätzen, die miteinander nicht in Einklang stehen. Einerseits sagte er, daß der Maßstab der britischen Seerüstungen ein Verhältnis bon�l0;6 Linienschiffen im Vergleich zu der nächststarken Seemacht bilden sollte, andererseits gebrauchte er eine neue Phrase von dem weltweilen Schutz des britischen Reiches, zu dem die Dread- noughtS der Dominions beisteuern könnten. Das Blatt fordert eine möglichst genaue Desinierung dieses weltweiten Schutzes, sonst verliere der britische Grundsatz des Verhältnisses von 10: 6 jede Bedeutung. Wenn England zehn Schiffs gegen sechs deutsche baue und außerdem beliebig viele zum Schutze des Reiches, so liege in dieser Haltung eine Unauf- richti gleit sowohl gegen den britischen Steuerzahler als gegen das deutsche Marineamt.—„Daily News" erklärt: Die Regierung könne keine eigenen Schiffs an Stelle der kanadischen bauen. Je früher Mr. Churchill das in nicht mißverständlicher Weise feststelle, desto besser sei es. ßolland. Vor den Wahlen. Amsterdam , den i. Juni.(Eig. Ber.) Gestern sind in den sämtlichen 100 Wahlkreisen die Kandidaten für die Parlaments- wählen offiziell nominiert worden. Mangels eines Gegners sind in fünf Kreisen die Kandidaten schon jetzt so gut wie gewählt; eS sind dies sämtlich katholische Männer im schwarzen Süden des Landes. Unsere Partei stellt in 92 Wahlkreisen Kandidaten auf. In zwei weiteren Wahlkreisen hatte die Partei ebenfalls Kandidaturen ge- plant; es gelang aber nicht, die hierzu benötigten 10 Wählerunter- schrisien zu erlangen. Es sind dies zwei katholische Kreise, in welchen die Arbeiter unter der zweifachen Fuchtel des Kapitalismus und des Klerus seufzen. Die Partei der ausgeschiedenen Links- Marxisten hat in 13 Kreisen Kandidaten anfgestellt. In diesen Kreisen werden sich also zwei sozialdemokratische Kandidaten gegen- seitig bekämpfen. In 26 Kreisen stehen sich zwei oder mehr klerikal« Kandidaten gegenüber. Es kann dies als Zeichen des Verdrusses angesehen werden, den die klerikale Regierung durch ihre Wirtschast im eigenen Lager erzeugt hat. Am 16. Juni wird der erste Wahl- gang vorgenommen werden. fllarokko. Eiu neuer Rebell. Paris , 6. Juni. Wie aus Udschda gemeldet wird, haben mehrere Stämme des Gebietes von Tazza Mahomed Ben Gisy, einen Vetter El Hibas, zum Roghi ausgerufen. Mahomed Ben Gisy zog neulich in Tazza ein und schlug im Palaste des Machselt seinen Wohnsitz auf._ Kämpfe im spanische« Gebiet. Madrid , 6. Juni. Die Correspondencia de Espana meldet ouS L a r a f ch t Gruppen von Aufständischen griffen die spanischen Streit- kräfte an. Diese haben 81 Tote und 2 Verwundete gehabt. Die Eingeborenen ließen 7 Tote und mehrere Verwundete zurück. Letzte Nachrichten. Ein Vorschlag Jauräs, die militärische Dienstzeit betreffend. PariS , 6. Juni. (SB. T. B-) I a u r e S brachte in der heutigen Kammersitzung seinen Gcgcnentwurf gegen die Regierungsvorlage über die dreijährige Dienstzeit ein. Jaures beantragt: 1. Vom 1. Oktober 1911 angefangen dauert die aktive Tätigkeit nur 18 Mw nate. 2. Die jungen Leute von 17 bis 21 Jahren sind bei Ein- berufung der Militärbehörde verpflichtet, jeden Monat, eine ein- tägige militärische Uebung abzuleisten. 3. Die Reservisten werden außer der durch das Gesetz von 1903 bestimmten Dienstübung jedes Vierteljahr zu zweitägigen militärischen Uebungen einberufen. 4. Vom Oktober 1916 angefangen dauert die Militärdienstzeit ein Jahr und vom Oktober 1918 angefangen sechs Monate. Eine neue Forderung der französischen Regierung. Paris , 6. Juni. (SB. T. SB.) Der Kriegsminister brachte in der Kammer eine Kreditforderung von 52 500 Frank zur Errichtung einer besonderen Abteilung für Luftschiffahrt und Flugwesen im Kriegsministerium ein. In der Begründung heißt es: Die Gntwicke, lung der Militärluftschiffahrt und des Flugwesens, sowie die be- sondere Zusammensetzung des Luftschiffahrt- und Fliegerpersonals rechtfertigten durchaus die Errichtung dieser Abteilung. Gemäßigtere Stimmung bei den griechischen Friedens- delegierten. London , 6. Juni. (SB. T. SB.) Die heutige Konferenz der FrieoenSdelsgierten dauerte dreieinhalb Stunden. Die griechischen Delegierten wohnte» der Sitzung bei, obwohl sie noch nicht die Zu- sicherungen. die sie von der Türkei verlangen, erhalten hatten. Ihre Anwesenheit wird als ein gutes Vorzeichen angesehen. In der Sitzung wurde lange über das Protokoll verhandelt, und eS wurden verschiedene Vorschläge gemacht, welche einige Delegierte ver- anlassen werden, an ihre Regierungen zu berichten. Die nächste Sitzung wird morgen nachmittag um 5 Uhr stattfinden. Ein WaffcntranSport der Ulstcrleute beschlagnahmt. Dublin , 6. Juni. (P. C.) Hier wurde von den Be- Hörden ein Möbelwagen beschlagnahmt, in dem sich angeb- lich Möbelftücke befinden sollten. In Wirklichkeit fand man jedoch in dem Wagen 500 Gewehre mit der dazu ge- hörenden Munition, die für die Ulsterleute bestimmt waren. Es ist dies im Laufe einer Woche bereits die zweite Entdeckung von Waffentransporten für die Ulsterleute,'die sich ber Einführung von Home Rule für Irland mit Waffengewalt widersetzen wollen, Demonstration englischer Frauenrechtlerinnen. London . 6. Juni.«W. T. B.) Während der heutigen Sitzung der Friedensdelagierten im St. JameSpalaste hielt die Liga für die Freiheit der Frau vor dem Palaste eine Versammlung ab. Reden wurden gehalten, wobei eine der Rednerinnen vom Publikum drei- mal von ihrem Platz heruntergeholt wurde. Drei Frauen wurden verhaftet. Die Frauenversammlung protestierte gegen die Regie- rung, die glaube, den Frieden im Auslände sichern zu können. während sie den Frieden im Jnlande nicht erhalten könne. Zwei Mann über Bord gespült. Southamoton, 6. Juni. (P. C.) Im hiesigen Hafen legte heute der deutsche Segler„Max" an, der mitteilte, daß er am 18. Mai in einen Orkan geraten sei, bei dem zwei Mann der Besatzung üb« Bord gespült wurden und nicht gerettet werden konnten.
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