st und noch beteiligt. Diese Kritik knüpft sich bornchmlick an den � Ausgang der preußischen Landtaasmahlen und an die Rüstungs- i und Deckungsverhandlungen im Reichstage. In die Debatten über ' die beiden Ereignisse ist nun mit einem Male der Schlachtruf vom Massenstreik hineingeplatzt. Es bleibe dahingestellt, wer ihn zuerst ausgestoßen, ' das radikale Stuttgart oder der revisionistische Frank. Er ist da und wir müssen eben Stellung dazu nehmen. Die Debatte darüber sieht allerdings etwas buntscheckig aus. Mancherlei . Meinungen über den Massenstreik werden laut, einige sehen ihn geradezu als Wünschelrute an, die uns aus einer stockenden Situatron, aus einer Sackgasse mit Gewalt heraushelfen könne. Sicherlich aber hat der Aus all der preußischen Landtaaswahlen i bewiesen, baß wir einen Wall vor uns haben, der auf dem bis- ' tierigen Weg nicht zu erstürmen ist. Nun sagen welche: Jetzt muß zur Eroberring des Reichstagswahlrechts für Preußen zum Massen- streik gegriffen werden, und darauf antwortet wieder unser Essener radikales Parteiblatt, an die praktische Durchführung dieser Idee ' iei zurzeit nicht zu denken. Wir hatten in der Partei schon ähnliche Debatten über den Massenstreik, so auf dem Parteitag in Jena . Damals kam der Massenstreik aus Rußland und das Ergebnis der Parteitagsver- hanolungen war sozusagen das theoretische Bekenntnis zum Massenstreik. Der Parteitag sagte: Wenn es einmal hart auf hart geht, dann greifen wir auch zu dieser Waffe. Damit war die Sache erledigt und die Maffenstreikfragc schlief Nneder ein. Jetzt taucht sie mit einem Male aufs neue auf. Aber es ist kein Literatengezänk, kein s. Akademikerstreit, nein, das Problem ist aus der Masse herausge- wachsen. Wenn wir nun fragen, ob die Debatte einen fruchtbaren - Charakter verspricht, so kann man nur urteilen, indem wir die f Wandlungen, die unsere Partei im Lause der Zeit durchgemacht hat, ' verfolgen. In den Zeiten des Sozialistengesetzes hat die Partei sich durchgeschlagen mit ihrer eigenen Taktik. Wir wissen heute bestimmt, daß Bismarck die Bewegung im Blut ersticken wollte. Dazumal, wo die herrschende Klasse lauernd wie ein Tiger lag, um un» zu überfallen, blieb die Partei in der Defensive; sie befand sich in der Verteidigung und benutzte die Zeit, um langsam zu er- starken. In jenen Jahren war die Reichstagstribüne der wichtigste 'Ort, von wo daS Samenkorn des Sozialismus ausgebreitet werden konnte. In den Versammlungen und Zusammenkünften wurde den Arbeitern aber immer wieder gesagt: Laßt Euch nicht provozieren. Später kamen dann die Kämpfe innerhalb der Partei zwischen Ra- dikalen und Revisionisten. Wir sind in jenen Debatten nicht vor- wärtsgeschritten, sondern wie die Katze um den eigenen Schwanz ?)erumgetanzt. Um eine Frage wie die Budgetfrage wurde auf Parteitagen dreimal gekämpft und zwar mit Erbitterung. Seit jener Zeit haben wir nun ganz neue Erscheinungen erlebt. In Jena 1311 muhte sich der Parteivorstand zum erstenmal gegen eine Kritik von links her verteidigen, die ihm vorwarf, nicht scharf genug gegen die Kriegsgefahr eingeschritten zu sein. Feststellen müssen wir, daß erhebliche Verschiebungen in der Partei lsiattfanden. Früher bezeichneten David und Rosa Luxemburg die verschiedenen Richtungen. So leicht ist aber die Unterscheidung heute nicht mehr. Diese Grenzlinien sind verwischt und an ihre Stelle neue Markationslinien getreten. Der Parteikörpcr befindet . sich im Zeichen des Uebergangs und die Debatten jetzt sind ein s Beweis dafür, daß neue Gruppierungen sich vollziehen, daß wir 'vor neuen Problemen stehen, die Antwort erheischen. Diese Gärung ' ist kein Zufall, eS müssen Gründe sozialer und wirtschaftlicher Art 'vorliegen. Wenn wir unsere kapitalistische Gesellschaftsordnung betrachten, so müssen wir feststellen, daß sich auch dort Umwälzungen vollziehen, die wir imperialistische nennen, daß dort ungeheure Kapitalmassen aufgehäuft sind und daß heute in der Hand weniger Bourgeois weit mehr politische Macht vereinigt ist, als im gesamten Mittelstand. Eine Zerreibung des Mittelstandes ist in den letzten Jahrzehnten in schnellstem Tempo vorgegangen. Nennen wir nur eine Zahl: In 42 Jahren hatten wir eine Volkszunahme von LS Millionen. DaS bedeutet eine Umwälzung in den tiefsten Tiefen der Gesellschaft. Dieses neue Deutschland hat mit dem früheren nichts mehr gemein als den Namen. Im Innern selbst haben sich die Verhältnisse zugespitzt wie nur kaum möglich. Desgleichen nach außen hin. Eine rastlose Umwälzung der kapitalistischen und nicht- kapiatlistischen Welt hat sich vollzogen. 1904 kam der Krieg in Ost« asien . Da sagte man bei uns: Was geht das uns an? Jener Krieg aber wurde für uns der Anfang von großen Veränderungen, von einem Prozeß, der jetzt noch nicht abgeschlossen ist. Was wir voraus sagten, traf ein: der Krieg endet mit einer Niederlage Rußlands und einer Revolution in Rußland . Und wer die Ver- jhältnisse überschaut, weiß, daß diese Revolution noch nicht tot Zst. WaS aber au jene Ereignisse anknüpfte, war ein« Kette fast märchenhafter Erscheinungen. Umwälzungen und Revolutionen in der Türkei und in China . Und schon zeigen sich neue Gärungen im Ehinesenreiche. England, Frankreich und Deutschland gerieten -wegen der Aufteilung Afrikas in Verwicklungen und wir standen um Haaresbreite vor einem Weltkriege. Marokko bildete in den letzten Jahren die furchtbarste und akuteste Gefahr, sie ist beigelegt, aber nicht für immer. Dann kam ein Krieg nach dem andern. Italien , die Türkei , die Balkanvölker, sie alle führten Krieg und was noch weiter kommt, kann niemand wissen. Die weltpolitische Situation hat sich verwandelt in rastloseste Unruhe. Und gerade jene Staaten, die als die konfervativesten galten, erzittern jetzt unter Kriegen und Revolten, r feit. 10 Jahren dämpft die Erbe fast unaufhörlich von Blut und Tränen. Ob diese Ereignisse an Deutschland vorübergehen werden? Durch diese Kriege und ourch die innere Zuspitzung der Klassengegensätze Zvevden auch bei uns neue Situationen geschaffen. Sie sind das Produkt der imperialistischen Strömung. Hieraus erkennen wir den Grund zu dem Gärungsprozeß in unserer Partei. In Deutschland itehe« die bürgerlichen Parteien in fast allen wichtigen Fragen ' zusammen. Trotz der 110 Gerrossen im Reichstag sind i« zwei Jahren zwei Heeresvorlagen durchgebrachd worden und so schnell wie nie zuvor. Rein äußerlich betrachtet, kann man sagen: Je mehr Sozialdemokraten im Reichs- tag sind, um so schneller geht«. Ja, je mehr Sozialdemokraten, um so fester schließen sich die anderen Parteien zusammen und ver- schwinden die Gegensätze unter ihnen, gibt es nur ein hüben und drüben. Darum ist eS für uns immer schwerer, diese Gegensätze ianSzunutzen, weil sie immer mehr verschwinden. Wenn bei 110 So- zialdemokraten die arveiterfeindlichen Vorlagen schneller durchgehen als sonst, dann muß das parlamentarische System eine veränderte Werteinschätzung erfahren und danach muß die Partei sich einrichten. Wenn aber der Wert eine? Parlaments ein gemindeter ist. so er- tönt von unten der Ruf: Massenstreik. Wir sind in einer Lage, wo vhne die entscheidende Teilnahme der Massen keine durchgreifende Verbesserung 6er Zustände zu erreichen ist. Hier haben wir das historische Erkenntnis: {ohne daS bewußte Eingreifen der Masse komme« wir nicht vorwärts! Und da kommt, wie aus der Pistole geschossen, der Ruf: Massenstreik! Dieser Ruf ist nun aber nicht so, daß man plötzlich in den Streik eintreten wird. Wenn der Ruf sich ,n erster Linie an das Wahl- recht klammert und verlangt den Massenstreik zur Eroberung des Wahlrechts in Preußen, so liegen die Dinge im Zusammenhang mit diesen Ausführungen, bedeutet doch der Kampf nach Eroberung des Wahlrechts nicht so sehr ein Kampf um Mandate, sondern um die politische Gewalt überhaupt. Ter Kampf um die politische Macht wird in Preußen ausgefochten werde», Preußen ist die auSschlag- bebende Gewalt. �. Wir sind entschlossen, den Kampf um die politische Macht in Deutschland beim richtigen Zipfel anzufassen. ES handelt sich nicht itzarnm, emen Mastenstreik zu machen, fanden» mit der Taktik der Partei, die auf der reinen Dtsenftve aufgebaut ist und vormals klug und angebracht war, zu brechen. Wir haben eine Million organisierter Parteigenossen, dies ist schon ein Faktor, ein Ereignis im politischen 38eben. Doch die Frage, wie diese Masse dirigiert wird, ist von entscheidender Wichtig- keit. Die bisherige schwankende Taktik mutz aufhören. Wenn den Massen beigebracht wird, daß sie lediglich auf fyt) angewiesen ist, wenn die Taktik von Sicgesgewißheit und kühmcm Mut getragen ist, wenn wir auf Schläge mit Gegenschlägen antworten, dann kommt bei den Massen von selbst das Gefühl der Sicherheit und Entschlossenheit. Flugblattaustragcn genügt für eine solche Masse nicht, auch da mutz und soll Politik gemacht werden. Der Wille zur Macht muß zum Ausdruck kommen. So werden uns dann auch in entscheidenden Momenten die abseits Stehenden, die Unorgani- sierten folgen, wenn sie sehen, daß die kühne Taktik unsere Schritte leitet. Keine kopflose Taktik, aber auch kein Bremsen. Wir wollen den Massenstreik nicht künstlich herbeiführen, können wir aber einen Krieg verhindern durch das Parlament? Nein! Die Masse muß eingreife» in das Rad der Weltgeschichte. Redner schließt mit den Worten Dantes: Hier brauchts Kühnheit, und zum zweiten Mal Kühnheit, und zum dritten Mal Kühnheit! (Stürmischer Beifall.) Die Diskussion eröffnete Adam: Ihm scheine, daß Lensch sehr vorsichtig gewesen sei in der Auslegung des Massenstreiks. Als Arbeiter verstehen wir darunter einfach: Alle Räder stehen still. Die Wahlrechtsfrage stelle die Partei vor immer schwierigere Probleme. Die Wahlrechts- demonstrationen seien eine stumpfe Waffe. Nun sehe man sich nach einer anderen um, den Massenstreik. Hier aber hatten die Gewerk- schaften ein sehr ernstes Wort mitzureden. iHärt! hört!) Denn es kann alles, was mühevoll aufgebaut ist, dabei verloren gehen. ES komme darauf an, ob an der heutigen Wirtschaftsform durch den Massenstreik etwas geändert werden könne. Das fei nicht der Fall. Die Gewerkschaften haben zurzeit wichtigere Kragen zu lösen als die Wahlrechtsfrage. (Widerspruch.) Vor allem mutz gesorgt werden, daß die große Re- servearmee vor Hunger und Not geschützt werden kann. Die schwache Beteiligung an den Protestaktionen spreche nicht für die Reife der Arbeiter zum Massenstreik. Es sind erst LS Prvz. den Wirtschaft- lichen Organisationen angeschlossen. Z u b e i l s Rede sei eine Provokation der Gewerkschaften gewesen, damit verleide man den Gewerkschaftsführern nur die Arbeit.(Widerspruch und teilweiser Beifall.) Rintorf: Mit Lensch s Rede könne man einverstanden sein. Wir haben alle Ursache, schärfer vorzugehen. ES herrsche unter den Genossen ein« große Unlust, weil kein rechtes Vertrauen mehr da sei. Der Maffenstreikgedanke müsse in die Massen getragen werden. Unserer Führer müssen uns neue Mittel zum Kampfe geben. Künzel: Wenn wir so lange warten wollte«, wie d,e Gewerk- schaften ihren TSeldbeutel beschützen, dann können wir 100 Jahre warten. So gehts nicht weiter. Wir haben nichts zu verlieren! Lohse: Der Bremsklotz der Gewerkschaften ist die Geldbeutel- frage. Wir kämen zum Stillstand, wenn die radikale Seite nicht immer wieder vorginge. Der Generalstreik ist die einzige Waffe, womit wir die Macht des Kapitals brechen können. Vor allem aber sei nötig: Der Generalstreik im Kindergebären, um dem Kapital die Arbeitskräfte zu entziehen und eine kleinere, aber besser ge- nährte, geschulte und widerstandsfähige Masse zu erziehen. So können wir den Kampf aufnehmen. Gobro: Durch die Gewerkschaften ist der Geist großgezogen worden, der in der Frage zum Ausdruck kommt: Was kriege ich? Den wahren Sozialismus haben die Gewerkschaften durch die Geld- beutelftage zurückgedrängt. Partei und Gewerkschaften haben eS an der nötigen Entschlossenheit fehlen lassen. Wir haben viele Beamte unter uns. ES sei ja zu verstehen, wenn diese nicht gerne auS ihrer sicheren, guten Existenz Herausgeriffen sein wollen, denn sie wären die ersten, die ran müßten. Da hülfe dann kein Mund- spitzen, da mühte gepfiffen werden. Der Hauptkampf gelte dem Militarismus. E. Petrich: Wenn wir die ganze Gewerkschaftsbewegung be- trachten, dann sehen wir, daß die meisten Gewerkschaftsführer die Fähigkeit zum preußischen Minister hätten. Die Partei will die Massenstrelkfrage populär machen, da treten auch gleich die Gewerk- schaftsführer auf. Das sind gar keine Sozialdemokraten mehr, die auf dem Boden des Klassenkampfes stehen. Das Parteileben leide a» geistiger Oede. Die Zahlabendc seien zu entgeistigt und würden mit technischen Fragen ausgefüllt. Er gehe deshalb nur selten hin. ES müßte mehr Politik getrieben werden. lRuje: Fange doch bei Deinem an!) Wir müssen noch mehr an die Gewinnung der Jugend denken. Lchlilicke: Adam hat viel gelesen, aber nichts gelernt. Der erste Angriff mutz Preußen gelten. Von dort kommen die Angriffe gegen die Rechte der Gewerkschaften, das möchte er, Redner, den Gewerkschaftsführern sagen. Wittich: Die Gewerkschaften könnten mit ihrem Geldc, wenn eine so schwere Situation hereinbräche, eingreifen, besonders aber die Familien mit großer Kinderzahl unterstützen. Wenn der Zeit- Punkt zum Massenstreik kommt, dann ist in zwei Tagen die Arbeiter- schaft mobil, auch die unorganisierte. Greiser: Man müsse sich wundern, daß kein Gewerkschaftsführer in diesen Versammlungen das Wort nehme. DaS Gewäsch Adams sei ja eben von anderer Seite widerlegt worden.(Große Unruhe.) Die Tarifverträge haben den KampieSmut geschwächt. Die Gewerkschaften haben ja was geleistet(Na also!), aber die Arbeiter sind lascher geworden. Der Massenstreik sei ein ideeller Kampf ohne Geld.(Zuruf: Der Idealismus fliegt ohne Geld zum Fenster hinaus!) Ja, bei den Gewerkschaftsführern ist das der Fall. Aller. Vings, die Soldaten haben wir noch nicht für uns und am 1. Mai' bleiben die meisten Arbeiter leider auch im Betrieb. Tie gegnc- rischen Gewerkschaften und die Unorganisierten würden beim Massenstreik auch nicht mitmachen. Der Vorsitzende rügt den Ausdruck„Gewäsch" und die Be- hauptung eines Vorredners, daß die Gewerkschaftsführer nur für Geld tätig seien. Werk: Partei und Gewerkschaften müssen zusammen die Be- freiung aus dem Joch betreiben. Er denke als Genosse ebenso wie als Gwerkschaftler. Wenn wir wollen, dann kommt der Massen- streik, ob eS den Führern paßt oder nicht. Lensch nahm als Referent noch das Schlußwort: Es scheine hier ja eine lebhafte Mißstimmung gegen die Gewerk- schaftsführer zu herrschen. Wenn man aber die Haltung, die Genosse Adam eingenommen habe, allen Gewerkschaftsführern zuschreiben wollte, so würde man denselben unrecht tun. Viele derselben haben sich direkt entoegengesetzt geäußert wie Ada m. Allerdings, wenn ein großer Teil sich schon von vornherein gegen das Problem wendet, dann brauche m<en sich nicht zu wundern, wenn Miß- stimmung gegen sie entsiehe. Die Massenstreikfrage sei eine wichtige. da komme man mit solchen Argumenten, wie Adam sie vorgebracht. nicht heran, sondern müsse tiefer schürfen. Wenn Adam, der doch Genosse ist. sich so prononziert als Gewerkschaftler hinstellt, so führt das in der Praxis zu einer Zweiseelentheorie, die einfach nicht aufrecht zu erhalten ist. Mit einem anfeuernden Mahnwort schließt der Redner. 24. IvterMtmialer SkWrbeittrklMgrkß. Zweiter Tag. Karlsbad , LS. Juli 1918. Die Mandatskommission berichtet, daß vertreten sind: amerikaner durch 3 Delegierte; zusammen 1374 000 Organisierte durch 148 Delegierte. Der Kongreß behandelt heute die Frage der Arbeitszeit. A d a m s o n- England begründet eine auch von Belgien be» antragte Re>olution zugunsten des Achtstundentages einschließlich Ein- und Ausfahrt, 16 stündiger Ruhezeit zwischen den Schichten und Höchstzahl von 6 Schichten in der Woche. — Er weist besonders auf die gesundheitlichen und Unfallgefahren im Bergbau hin und beklagt die Erschwerung der geistigen Ausbildung der Bergarbeiter durch die überlange Arbeitszeit. In England wurde 1908 da» Achtstundengesetz eingeführt, aber es bezieht die Seilfahrt nicht ein und ist lückenhaft. Wir fordern 8 Stunden Muße, 8 Stunden Schlaf und 8 Schilling den Tag!(Beifall.) C a v r e a u- Belgien feiert den internationalen Zusammen-- schluß der Bergarbeiter, der nun 25 Jahre besteht und stet» in erster Reihe die Verkürzung der Arbeitszeit als eine Forderung der Kultur aufgestellt hat. Wir in Belgien litten unter Arbeits- zeiten bis zu 14 Stunden und blicken mit Neid, aber auch mit Stolz und in der Zuversicht, ihrem Beispiel nachzufolgen, aus un» sere englischen Kameraden. Wir haben 1911 das Neunstunden» gesetz erkämpft und verdanken daS besonders dem internationalen Grubenproletariat, dessen Kampf unsere Schwungkraft vergrößerte. Wir streben besonders die englische 5�-Tagewoche an und dazu ist vor allem Stärkung der"Organisation erforderlich.(Lebh. Beifall.) D u b j« l- Deutschland cPole) unterstützt die Achtstundenreso- lution unter Hinweis auf die degenerierenden Folgen der gestei» gerten Ausbeutung. In Oberschlesien zwingen uns die Kohlen- Magnaten und der Fiskus, 10—11 Stunden unter Tage und 12 Stunden über Tage zu arbeiten. Die bis zu 9 Meter mächtigen Elötze müssen rasch abgebaut werden, die Gefahr ist groß und das oben der leider noch sehr gleichgültigen schlesischen Bergarbeiter währt nur kurze Zeit im Vergleich zu anderen Arbeitern. ES ist höchste Zeit, die verelendende Ausbeutung gesetzlich zu beschränken. (Alig. Zustimmung.)— Di« Angabe der niedrigen Löhne in Ober- schlesien erregt das Erstaunen der Engländer. I a r o l i m- Oesterreich weist auf die der belgischen ähnliche Entwicklung in Oesterreich und die Erkämpfung des Neunstunden- gesetzes im Jahre 1902 hin. Das war damals ein großer Erfolg. Aber seitdem haben wir auf dem Gebiet der Arbeitszeitverkürzung weitere Erfolge infolge des Widerstandes der Regierung und der Verschleppung unserer Anträge durch die bürgerlichen Parteien nicht zu verzeichnen. Tie bürgerlichen Abgeordneten haben sich ja sogar gegen den gesetzlichen Zehnstundentag für die Fabrikarbeiter ausgesprochen, obwohl er kaum nur den tatsächlichen Zustand sank» tionieren würde!(Hört! hörtl) Wir erkennen daraus, daß uns nur der Ausbau der Organisation vorwärts bringen kann. Wir fordern in einer mit Deutschland und Holland gestellten Resolution Verkürzung der Arbeitszeit vor nassen und heißen Orten auf sechs Stunden. Die hohe ErkrankungSzisfer der Bergleute— bis 80 Proz. und mehr— begründet diese Forderung.(Bravo I) Un- sere Bergbehörden könnten das jetzt schon bestimmen, aber sie müssen von der Organisation dazu gedrängt werden, und einmal hat sogar das oberste Gericht erklärt, daß der„hygienische Arbeit?» ta�" zwar notwendig sei, aber seine Festsetzung dem Neunstunden- geietz widerspreche!(Hört! hört!) Wir freuen uns, daß daS eng- liiche Achstundengesetz die Unternehmerlüge widerlegt, daß in Eng- land die Seilfahrt nicht eingerechnet werde. Unser Antrag ist eine Forderung der Menschlichkeit, die Stärkung unserer Organisation muß sie zum Gesetz machen.(Beifall.) C a d a u- Frankreich schildert eindrucksvoll den Widerstand des französischen Senats gegen den sozialpolitischen„Fortschritt" und die„4 Barrieren", die das französische Achtstundengesetz dem Achtstundentag in den Weg stellt. Beide Resolutionen werden auf Vorschlag von Langhorst« Deutschland verbunden und hierauf einstimmig angenommen.— In der Nachmittagssitzung steht zur Beratung der Bergarbeiterschuv. Schmidt-Bochum(deutscher Bergarbeiterverband) weist auf die Treiberei nach Kohlen, Kohlen hin, wobei die SichcrheitSrück- sichten unbeachtet bleiben; es erschlafft nicht nur der Körper, son- der» auch die Wachsamkeit gegen die Gefahren. Fallen doch die meisten Unfälle nach der amtlichen Statistik auf das Wochenende» was übrigens die Behauptung der Berussgenossenschaft(Unsallver» sicherung) genügend illustriert, daß die meisten Unfälle auf Sonn» tagsräusche zurückzuführen seien. 1.886 verunglückten pro 1000: 65,45, 1911 aber schon 136,74. Freilich, entschädigt wird nur ein geringer Teil. Von 366 000 Versicherten im Ruhrrevier ver- unglückten 53 563— 3000 mehr als im Borjahr«, eine viel größere Zunahme als die der Arbeiterzahl. 1902 waren erst etwas über 37 000 verunglückt! 1912 passierten schon 198,54 Unfälle pro Tag, und es(jab 1082 tödliche Unfälle gegen 516 vor 10 Jahren. Die Suherheitsmänner können ihr bißchen gesetzlich gesichertes Recht aar nicht ausüben, weil die Unternehmer sie durch die sattsam dekannten Schikanen und Lohndrückereien daran hindern Der Redner eizählt einige der krassesten Fälle von Sichcrbeitsmänner» schikanierung und selbst von preußischen Gerichten alS ungerechtfertigt erklärter Entlassungen von Ticherbeitsmännern Die Be» schwerden werden in der Regel von den Bergbehörden abgewiesen. Die Eintragung des Schlagwelterbefundes durch einen SicherheitS» mann auf Zeche„Dorstfeld" bezeichnete d?r Bcrgrat als Unsinn— bis er stch selbst davon überzeugte. Unsere Bergbeamten sind eben Mut vom Blut der Zechenherren-- und die christlichen Berg- arbcitersührer loben diese Zustände noch, wie Herr Jmbufch im preußischen Landtag. Und dabei werden die christlichen Sicher- beitsmänner. wenn sie ihre Pflicht lun. genau so schikaniert nne unsere. In England n k e n die Unfälle- und da soll Deuftch- land d,e beste Unfallverhütung haben' Deutschland in der Welt voran- aber besonders bei den Unfällen im Bergbau(Heiterkeit); der Redner beweist di-S zobl-nmäßig. Die einzig- Abh.Ipe zeigt unfere Resolution, die auch von Oesterreich und Holland gestellt ist: die Anstellung von geheim und direkt g e w a h l- ten, vom Älaat besoldeten Grubenlontrol eure« a u s d- r M, t t e d e r Berg a? bl i t e r!(Lebh, Be.sallZ Z w a n z g e r- Leoben, Vertrauensmann der itelrlschon Berg. arbeiler, fuhrt aus. daß die österreichischen Bergarbeiter, gewitzigt durch die deutschen Erfahrungen, die Uebernahme des deutschen ElcherheitsmännersysiemS ablehnen. Auf das Drangen unserer Freunde hat sich der k. k. Arbeitsbeirat für staatliche Besoldung der «icherheitsmänner auögesorocken, dafür aber will die Regierung fern Geld haben. Wird doch der Grubeninspektion nicht genug Geld zur Verfügung gestellt, um die nötigen Bere.sungen vorzu. nehmen.(Höit! hört?) Die Unfallziffern steigen auch be, uns. So steht es bei uns mit dem Bergarbeiter, chutz! Wir stimmen n-turl.ch wr �S�solution.�.���r f. bi UnfaII< Ziffern, da fragen die BergwerkSbentzer nur nach ihrem Gewinn. nicht nach dem Leben der Arbeiter, �avon können auch wir Holländer ein Lied singen. Von 1500 Bergleuten der EtaatSgrube „Wilbelmina" sind 534 verunglückt. Un,ere Gesetze sind noch' schlechter als die deutschen . �- Ar be-terauS, chu ss e bedeuten nichts. denn sie sind vollkommen a�angig von den Grubenverwaltungen. Unsere internationalen �Bcichluste baben wenigstens zur Vorlage eines Gesetzentwurfes durch eine istaat�komimssicm geführt, wonach staatlich besoldete Grubenlontrolleure angestellt werden sollen. Sie sollen zwar von ��lhunen gewählt werden, aber zu diesen sollen auch die Auslander wahlberechtigt werden.(Bravo !) Die Besuche der �nsp�tion werden immer rasch herunter- telcphoniert und die schlechten Arbeitsorte werden ihr nicht gezeigt. H ä r v e Y- Großbritannien legt in sehr temperamentvoller und durch Beifallssturme oft unterbrochener Rede dar, daß die Sicherheit des Leben? des Grubenarbeiters die Hauptfrage für den Kongreß ist Tie Privatunternehmer ignorieren solche Rücksichten. Die langsam vordringende Aufklärung im Sinne der Menschlichkeit schafft nicht schnell und sicher genug Wandel. Das Leben der Bürg« der Nation muß dem Unternehmerpro ftt vorangehen. Welch« Eni-
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