- Unter b'ent Anscheine der FriedenZvermitklung dervarg aber > die rumänische Oligarchie die Absicht, das vergrößerte und sieg- reiche Bulgarien , das ganz Europa moralisch imponierte, zu de- mutigen. Sie konnte nicht dulden, daß auf der Balkanhalbinsel „ Bulgarien das schwerste Gewicht habe.— Diese EroberungS- und Friedenspolitik wird aber Rumänien teuer zu bezahlen haben. Bulgarien wird in Zukunft alles daran- setzen, gegen Rumänien zu agitieren und den von Rumänien jetzt.eroberten" Boden zurückzufordern.— Ohne Rot ist eine elsaß-lothrtngische Frage des Orients geschaffen worden. Den ungeheuren bisherigen Militärausgaben des neuen Kurses in Nu- mänieu werden andere folgen. Anstatt einer vernünftigen Po- litik, die als Zweck haben müßte, das Volk zu heben, seine mangel- hasten elementaren Schulkenntnisse aufzubessern, das allgemeine Wahlrecht einzuführen,— werden wir einen unaufhörlichen Millio- nentanz zur„Verteidigung der Nation" erleben. Die rumänische sozialdemokratische Partei hat seit Anfang des BalkankonfllktS einen unaufhörlichen Kampf gegen alle Kriegs- � Hetzereien der interessierten Parteien und deren Presse geführt.— An dem Tage der Dekretierung der Mobilmachung wurde in Tomsenden von Exemplaren ein Manifest verteilt, worin die Partei gegen den Krieg im allgemeinen und besonders gegen einen Krieg gegen Bulgarien heftig Protest erhebt. ES wurde ausführlich dar gelegt, in welche Gefahr die rumänische Oligarchie die Interessen deS BolkeS stürzt. An demselben Tag wurde auf Veranlassung der Partei die Arbeit in sämtlichen Fabriken der Hauptstadt als Zei chen deS Protestes eingestellt. Die einberufene Versammlung, die sich bestimmt zu einer riefigen Demonstration gestaltet hätte, wurde von der Polizei mit Gewalt aufgelöst. Anläßlich der Kriegserklärung, hat das Zentralblatt der Partei „Romtuia Muncitoare" nachstehende Erklärung des Exekutivkomitees erscheinen lassen: .Wir betrachten eS als unsere Pflicht, zu erklären, daß wir entsprechend unserer ganzen Tätigkeit als Sozialdemokraten, als Verteidiger der jetzigen sowie der zukünftigen Interessen der ' Arbeiterklasse, wie auch des gesamten rumänischen Volkes, jed- welche Gemeinschaft mit der Regierung und den Parteien, die ■ das Land in einen Krieg treiben, zurückweisen. Wir brand- ; marken die Haltung der regierenden, sowie auch der sogenannten unabhängigen Presse, die von Klassen-, Partei- oder gemeinen H-rnbelSinteressengetrieben, auf den Rassenhaß spekuliert und die Völker gegeneinander aufhetzt. In demselben Augenblick, wo die ganze rumänische Oligarchie ■ sich einmütig erhebt, um ihr enges Klasseninteresse, ihre an- greifend«, überfallende Politik durchzuführen, ist die rumänische ' Sozialdemokratie stolz, die Fahne der Brüderschaft, des Friedens und der Zivilisation zu erheben." Die Ereignisse haben unsere Partei fast völlig aufgelöst, da sämtliche Mitglieder unter die Waffen gerufen wurden. Hoffentlich werden wir in der nächsten Zukunft, wenn endlich wieder Frieden herrscht, durch eine energische Propaganda Nutzen ziehen und den Treibereien der rumänischen Oligarchie ein Ende beriten, Warm» Serbien und Griechenland keinen Waffenstillstand wollen. Mhea, 28. Juli. (Meldung der Agence d�lthönes.) Maß- gebende Kreise behauten, daß in Athen und Belgrad der Druck von russischer und österreichischer Seit« andauere. Sowohl Griechenland als auch Serbien hätten schon wiederholt, sobald der erste freundschaftliche Ver- ' tlungsversuch von feiten Rußlands erfolgte, erklärt, daß die Vermittlung dankbar annähmen, und gleichzeitig ihre Regierten ernannt, welche die Friedenspräliminarien er- Lrtern sollten. Griechenland und Serbien hätten sich keines- Wegs geweigert, es sei Bulgarien , das den Frieden zurück- weis«, nicht die Verbündeten. Denn während die Verbündeten vom Frieden sprächen, spreche Bulgarien vom Waffenstill- stanb. Waffenstillstand bedeute nicht Frieden. Wenn Bul - garten aufrichtig Frieden schließen wolle, warum weigere es sich dann, big aufgestellten Bedingimgen zu erörtern, warum wolle eS vor den Besprechungen einen Waffenstillstand? Warum weigere sich Bulgarien sogar, die Bedingungen der Verbündeten anzuhören. Man sage, durch den Vormarsch der Truppen der Verbündeten seien die Ordnung in Sofia und der Thron des Königs Ferdinand bedroht. Aber die Bulgaren könnten Thron und Orduung retten, wenn sie erklärten, daß st« die Bedingungen der Sieger annähmen. Folglich müßten sich die Mächte vielmehr an Sofia und nicht an Athen und Belgrad wenden. Sobald Sofia erkläre, daß es die Bedin» gungen der Verbündeten annehme, wie es schon die Bedin- gungen Rumäniens angenommen habe, werde der Waffen- stillstand abgeschlossen werden. Sonst sei nichts zu hoffen. Das friedfertige Bulgarien . Sofia , 26, Juli. Gegenüber den Mitteilungen, daß Serbien dl« Einstellung der Feindseligkeiten mit dem Hinweise verweigere, daß die bulgarischen Truppen letzthin serbische Ortschaften ange- griffen hätten, stellt die Agence Bulgare fest, daß die bulgarischen Truppen schon am 10. Juli in Befolgung eines durch politische Rücksichten bedingten Befehles sich aus dem serbischen Gebiet in die Gegend von Rapana, Kula und Bjelogrqhschik zurückgezogen und seither in diesen Gegenden keinen Angriff unternommen haben, während die Serben am 17. Juli in bulgarisches Gebiet eindrangen und Tschupreni und Tergovischte besetzten. Anderer- seit? erhielten die gegen Zaribrod und Pirot operierenden Truppen am 7. Juli Befehl, sich auf bulgarisches Gebiet zurückzuziehen. Als die Serben in der ersten Hälfte des Juli auf der Linie Vlasina— Pateritza tn bulgarisches Gebiet eindrangen, beschränkten sich die Bulgaren darauf, sie zurückzudrängen, was erst gestern vollständig gelang. Die von serbischer Seite aufgestellte Behauptung, daß die Bulgaren letzthin serbisches Gebiet angegriffen hätten, ist somit vollständig unbegründet. Sie ist erfunden, um die Verweigerung der Einstellung der Feindseligkeiten zu erklären, welche von allen außer Serbien und Griechenland herbeigesehnt wird. Die Tärfni appelliert an Europa . Konstanfinopel, 28. Juli. Ein offizielles Com- M UN i q u ä erinnert an die erste Erklärung Europas beim Beginn des Krieges der Türkei mit den Balkanstaaten, in welcher das Prinzip der allgemeinen Integrität der Türkei proklamiert worden sei. Man könne nicht glauben, daß Europa , das es ablehnte, in dem Konflikt zwischen den früheren Verbündeten zu intervenieren, die Türkei sollte zwingen wollen, zu vergessen, daß Thrazien muselmanisches Gebiet und Adnanopel seine ehemalige Hauptstadt sei. Die muselmanische Welt hätte es niemals begriffen, daß die Pforte inmitten aller Massakers ihre muselmanischcn Brüder in Thrazien nicht rettete. Die jetzigen Ereignisse hätten bereits eine zu große Rückwirkung auf die asiattsche Türkei ausgeübt, als daß man glauben könnte. Europa wolle die Kluft zwischen der musel- manischen und der christlichen Welt vergrößere Zu de« Fricdeusverhaudluugeu in Bukarest . Bukarest , 26. Juli. Die Bevollmächtigten Serbiens , Griechen lands und Montenegros haben heute ftüh Belgrad an Bord eines Dampfer? verlasse« und sich nach Bukarest degeben,'wo sie Montag ein treffen werden. Brnezirlos wurde persönlich eingeladen, hat jedoch den Tag seiner Ankunft noch nicht bestimmt. Bulgarien erklärte sich bereit, Bevollmächtigte zu ernennen. Zurückziehung der türfischen Truppen von bulgarischem Gebiet, Konstantinopel , 26. Juli. Auf die telegraphisch ausgesprochene Bitte des bulgarischen Ministers des Acußern Ghenadiew, den ttirfischen Truppen Befehl zum Mckzug zu geben, hat der Großwesir erwidert, daß nur einige Rekognos- zierungsabteilungen die alte türkisch-bulgarische Grenze über- schtttten hätten und auf Anordnung deS Generalissimus bereits wieder zurückgezogen worden seien. Die Griechen in Dedeagatsch . Athen , 26. Juli. Freitag früh ist Dedeagatsch von Landungsttuppen eines griechischen Geschwaders besetzt worden. Admiral Coundouttotts erklärte den in Dedeagatsch befindlichen Konsuln der Mächte, Dedeagatsch werde besetzt aus militärischen Gründen und um einen Schutz für die gnechische Bevölkerung Thraziens gegen die bulganschen Aus schreitungen zu schaffen. Sie Flcifchnot steigt. DaS zweite Vierteljahrsheft der Statistik des Deutsiben Reiche? bringt eine Ueberficht über die Ergebnisse der Fleischbeschau, aus welcher die Zahl der im Deutschen Reich in den letzten Jahren g« schlachteten Tiere ersichtlich ist. Diese Statistik erbringt aufs neue den Beweis für die ohnehin schon bekannte Tatsache, daß die Fleisch Versorgung des deutschen Volkes in den letzten Jahren rapide zurück- gegangen ist. Die nachstehende Tabelle gibt Auskunft über die Zahl der Schlachtungen, getrennt nach den einzelnen Vieharten. Besch a up flichtige S ch l a chtu ng en im Jahre Das hervorstechendste Moment in dieser Statistik ist die starke Zunahme der Pferde- und Hundeschlachtungen. Während im Jahre 1910 erst 149 998 Pferde für den menschlichen Genuß geschlachtet wurden, stieg die Zahl der.Schlachtpferde" im Jahre 1912 auf 178 961. Noch rapider ist die Steigerung der Zahl der geschlachteten Hunde, die nach einem vorübergehenden Rückgang im Jahre 1911, im Jahre 1912 auf 8132 gestiegen ist. Bei allen anderen Tierarten ist seit dem Jahre 1999 ein fast ununterbrochener Rückgang der Schlachtungen zu konstatieren. Im Vergleich zu dem Jahre 1911 zeigt nur die Zahl der geschlachteten Schafe eine kleine Steigerung, aber selbst bei dieser Tiergattung bleibt die Zahl der Schlachtungen noch erheblich hinter den Zahlen von 1999 und 1919 zurück. Dabei ist keinerlei Aussicht auf Besserung vorhanden. Das gleiche Heft der Reichsstatistik bringt auch die Ergebnisse der Schlacht- Vieh- und Fleischbeschau im ersten Vierteljahr 1913, aus welcher die folgende Tabelle zusammengestellt ist. Beschaupflichtige Schlachtungen im ersten Vietteljahre: Pferde und andere Einhufer.... Ochsen..... Bullen..... Kühe...... Jungrinder über 3 Monat alt... Kälber unter 3 Mo- nat alt.... Schweine.... Schafe..... Ziegen..... Hunde..... Diese Tabelle zeigt im wesentlichen die gleiche Tendenz, wie die vorige: im Jahre 1918 ist die Zahl der Schlachtungen weiter zurückgegangen. Abgesehen von den Bullen, die eine geringe Steigerung aufweisen, sind es wiederum nur die Pferde und Hunde, die in größeren Mengen zur Schlachtbank gebracht wurden. Da in der gleichen Zeit auch noch die Einfuhr von ausländischem Fleisch und Vieh zurückgegangen ist, kann die Preissteigerung gegenüber dem Vorjahre nicht wundernehmen. Rur die„Deutsche Tageszeiwng" scheint noch immer nicht begreisen zu wollen, daß die Teuerung zum großen Teil eine Folge des F l e i s ch- mangels ist. Berücksichtigt man, daß die Bevölkerung des Deutschen Reiches jährlich um etwa eine Million zunimmt, dann kann man sich erst ein Bild davon machen, wie sehr die Er- nährung des deutschen Volkes leidet. Der gennge Austrieb von Schlachtvieh, der die Fleischpreise zu schwindelhafter Höhe treibt, kommt aber unseren Agrariern vortrefflich zustatten. Um den Profit dieser habsüchtigen Kaste«icht' zu schmälern, ver- meidet es die Regierung sorgfältig, durch die Oeffnung der Grenzen für eine ausreichende Zufuhr von Fleischnahrung Sorge zu tragen. Für den Fleischhunger des Volkes hat die Regierung nur Hohn. War es doch der preußische Landwirtschaftsminister v. Schorlemer, der die Nahrhaftigkeit und den Wohlgeschmack deS Pferdefleisches rühmte. Vom Hundefleisch hat er in dem Zusammen- hang nicht gesprochen, aber jedenfalls ist er davon überzeugt, daß auch dieses Nahrungsmittel für das arbeitende Volk gut genug sei. Die starke Zunahme der Pferde- und Hundeschlachtungen wird er vermutlich als einen Beweis für die von ihm aufgestellte Behauptung in Anspruch nehmen. In Wirklichkeit ist aber die Statistik der Schlachtungen nur ein neuer Beleg für das skrupellose System rein agrattscher Förderung, mit dem in Preußen-Deutschland regiert wird. Wie sind nun die Aussichten für die Zukunft zu beurteilen? Wir wiesen schon vor kurzem darauf hin. daß seit einiger Zeit die Preise weiter steigen und zurzeit bereits höher sind als im Sommer de« Borjahres. Die neuesten Angaben der.Statistischen Korrespon- denz" üb« die Preise in d« ersten Hälfte de« Juli bestätigen das. �Man zahlt« dmchschntttlich str et» Kilo sin Psenmgech: Die Preissteigerung gegenüber dem Vorjahr bettägt also bei Kalbfleisch 5 Pfennige, für Hammelfleisch 13 Pfennige, für Schinken 25 Pfennige, für Speck 8 Pfennige, für Pferdefleisch 11 Pfennige. Die Ungeheuerlichkeit dieser nackten Zahlen wird umso klarer, wenn man sich erinnert, daß für den Juli vergangenen Jahres bereits, wenn auch widerwillig, von der Regierung und selbst den Konservativen, die Existenz eines Notstandes zugegeben wurde. Heute stehen wir vor noch schlimmeren Daten. Aber die Regierung rührt sich nicht zur Abhilfe. Dafür läßt sie durch Presse- notizen ihre Absicht kundgeben, den Wucherzolltaris von 1992 unverändert über das Jahr 1917 hinaus zu verlängern, und die Hochschutzzöllner plädieren sogar für eine mindestens 5 prozentige Erhöhung der Zölle. Um so dringender werden die breiten Masse« eine Revision des Zolltarifs im Sinne eines Abbaus der Zölle und für den Augenblick wenigstens die Beseitigung der Zölle auf die not- wendigen Nahrungsmittel Vieh und Fleisch fordern. politilcke deberßcbt. Wahlprotest. Gegen die Wahl des Genossen Ewald im Wahlkreise Jüter« bog-Luckenwalde haben die Freikonservativen Protest erhoben. Sie stützen ihren Protest in der Hauptsache daraus, daß die Insassen der Heilstätte Beelitz zur Wahl zugelassen worden sind. Die Verfügung des Regierungspräsidenten in Potsdam , daß diese Patienten in die Wählerliste aufzunehmen seien, wird als rechtsungültig bezeichnet, weil sie im Widerspruch mit der Recht- sprechung höchster Gerichte stehe. Weiter wird erklärt, daß der größte Teil der Patienten der Lungenheilstätte bei den Reichstags- wählen im Jahre 1912 tatsächlich das Wahlrecht in Berlin ausgeübt hat. Letztere Tatsache lasse erkennen, daß das Mandat des Herr» von Oertzen zu Unrecht vom Reichstag kassiert worden sei, den» es sei völlig unzulässig, den Heilstätte-Patienten ein doppelte« Wahlrecht zu gewähren. Der Wahlprotest wird den Freikonservattven nichts helfen. Das Mandat des Herrn v. Oertzen ist allerdings deshalb für uu- gültig erklärt worden, weil die Ortsbehörd« in Beelitz eS abgelehnt hatte, die wahlberechtigten Patienten der Heilstätte Beelitz in die Wählerliste aufzunehmen; aber ob ein Teil der Patienten dann schließlich in Berlin gewählt hat oder nicht, ist vollständig gleich- gültig. Man kann ein halbes Dutzend Wohnsitze haben und deS- halb auch in ebenso viele Wählerlisten eingetragen sein, aber daS Wahlrecht darf nur einmal und nur an einem Ort ausgeübt werden. Zur Zeit der Aufstellung der Wählerlisten wohnten dt« Patienten in Beelitz , mußten also, wenngleich sie auch in Berlin einen Wohnsitz hatten, in die Wählerliste aufgenommen werde«. Sie konnten sich dann entscheiden, ob sie entweder in Berlin oder in Beelitz zur Wahl gehen wollten. Ihnen das Wählrecht in Bee- litz zu nehmen, war gesetzwidrig. Diesen Standpunkt hat die Mehr- heit deS Reichstags vertreten, und deshalb wurde das Mandat des Herrn v. Oertzen als ungültig erklärt. Wenn nun der Wählprotest behauptet, daß die Aufnahm« der Beelitzer Patienten in die Wählerliste im Widerspruch stehe mit der Rechtsprechung höchster Gerichte, so ist auch dies« Beweisführung nicht schlüssig. Höher als die Gerichte steht daS Recht des Reichs- tags, die Legitimation seiner Mitglieder selbst zu prüfen. Daraus ergibt sich, daß der Reichstag in der Auslegung des Wahlrecht? völlig autonom ist, und daß ihm insbesondere ein Gerichtshof keinerlei Vorschriften zu machen hat. Wir wollen nur daran er- inner«» daß z. B. der Reichsverband gegen die Sozialdemokratie seine Agitatoren, die et bei einer Nachwahl in einen Wahlkreis entsendet, direkt anweist, sich dort in die Wählerliste eintrage» zu lassen. Diese Leute haben auch noch stets das Wahlrecht au»- geübt, eben weil sie einen mehrfachen Wohnsitz gehabt haben. WaS man bei den Reichsverbändlern für zulässig erachtet, das soll den kranken Arbeitern verweigert werden. Diese Auffassung entspricht völlig konservativer Ansicht, wonach der Arbeiter unter allen Ilm » ständen ein Staatsbürger minderen Rechts sein müsse. Wenn die Konservativen keine anderen Gründe für die Wahlanfechtung haben, dann werden sie allerdings eine glatte Abweisung erleben müssen, Landwirtschaft und Landarbeiter. In der„Kölnischen Zeitung " macht ein konservativ« Landwitt aus Pommern Vorschläge zur Minderung der Leutenot. Jahraus jahrein zögen die besseren unter den Landarbeitern in die Stadt, und was einmal dort sei, kehre nach alter Erfahrung nicht wieder. Bis jetzt sei es den Landwitten gelungen, mit Hilfe ausländischer Arbeiter die größte Not einigermaßen abzuwenden — ein Hilfsmittel, das aus manchen Gründen zu verwerfen sei. Vielfach seien die Landwirte nicht tn der Lage, die heimischen Ar- heiter zu halten aus Mangel an Wohnungen:, t•/ Es gibt Gebiete, in denen gegenwärtig eine Arbeiter- n o t aus Mangeln an Arbeitern aar nicht zu spüren»st, wohl ab« aus Mangel an Wohnungen. Es ist nicht zu viel behauptet, daß in diesen Gegenden der junge Nachwuchs gezwungen ist. die ländliche Heimat zu ver. lassen, weil für ihn keine g e e i g n e t e W o h n u n g a u f d e m G u t e z u f i n d e n i st. Muß eS da nicht eigenartig berühren, daß die Landwirte die höheren Preise für die landwirtschaftlichen Produkte dazu benutzen, einander die Bodenpreise in die Höhe zu treiben, anstatt dr,n- gende Meliorationen vorzunehmen- wozu ,a doch. n erster Linie der Bau von-l r b e i t e r w o h n u n g en gehören sollte.... Dann allerdings mutz es sich der deutsche ich___ " Auf V« Artiktt des pommerschen Landwirts erhält die„Kol. nffche Zeitung" eine Erwiderung von der �okÄabteilung Köln des Landwirtschaftlichen Vereins �ff»r Rheinpreutzen, worin die An- gaben des pommerschen Grund�sitzerS bestritten werden. Dagegen kommt nun wieder die polnische Zeftung Mit einer Erwiderung. aus der besonders ein Satz von Bedeutung ist. Der pommersche Landwirt hatte auf die Gttahr hingewiesen, die aus�d« Beschafft- gung zahlreicher ausländischer Arbeiter sur die deutsche Landwirt- schaft im Falle eines Krieges entstehen können, worauf die„Köl- msche Zeitung' ergänzend bemerkt: Dazu kommt die wachsende Agitation unter den Landarbeitern, die von den Sozialdemokraten ausgeht, immer stärker lv»rd und ,n dem Maße zunehmen wird, als kein« Sckritte aus der Landwirftchaft(elbst heraus zugunsten der Ar- heiter geschehen.(Folgen Angaben über das Wachstum des Land- arbeiterverbandes). In demselben Maße aber, wie dieser sozialdemokratisch geleitete Verband »eigen wird, wird der Grundbesitz gezwungen werden, srchnri t der Verbesserung der Ar- peiterverhSltntlt«»» beschäftts««. Diesen ans.
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