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im Grunde das soziale Elend war, auf dessen Kosten man sich karnevalistisch amüsierte. Am andern Tage aber rückten in aller Frühe 15 Polizei- agenten an, die dasFort " nach kurzem scheinwiderstand erstürmten und das feudale Viertel von der Pest der Armut säuberten. In theatralischer Pose nahm sich zu guterletzt noch die seltsame Menschenfreundin, die Gräfin La Rochefoucould, ihrer Armen" an, die sie nach ihrem Landgut überführen zu wollen erklärte. Es wäre vernünftiger und würdiger gewesen, wenn sie ihren Hang zum Wohltun schon früher entdeckt und in minder possenhafter Weise betätigt hätte! Jokf Kainz- Theater am kleinen Alannlee. Tchäferspiele: Sylvia, von Geliert. Tie Laune des Verliebten, von Goethe. Die Renaissancezeit mit ihrem üppigen Aufblühen der Wissen- schasten und Künste weckte die Erinnerung an das Schönheitsleben von Alt-Griechenland. Die Phantasie erging sich in Träumen von einem fernenArkadien " und das Hirtendrama entstand. Boccaccio war sein Anreger; Tasso und Guarini schufen es. Von Italien wanderte die Schäferdichtung'nach Spanien und Frankreich , schließe lich auch nach Deutschland , wo Opitz der erste ist, der sie nachahmt. Schnell schießt diese modische Poesie ins Kraut. Die Rokokkozeit gibt ihr den besten Boden. Ohne Schäfer und Schäferinnen ist kein Gedicht, kein Ballett, kein Singspiel, keine Oper mehr denkbar. Von den hösischen Bühnen pflanzt sich die Spielerei fort auf die Pro- vrnztheater. Alles schwärmt in seligem Entzücken für den bunt- bebänderten Hirtenstab, das geputzte Lämmlein, das kurzröckige Schäserinnenkostüm. Die ausgelassene Erotik der Zeit hat für ihre Sinnlichkeit ein Gewand gefunden, das ihrem galanten Spiel alle Möglichkeiten und Freiheiten läßt. Im bürgerlichen Deutschland hatte das Schäferspiel gute Tage, als der Dichtung nur zweierlei erlaubt war, entweder die moralisierende Belehrung oder das leichte, tändelnde, scherzende Unterhaltungsspiel. Auch Christian Fürchtegott Geliert, der tapfere Fabel- und fromme Kirchen- liederdichter, brachte jener Literaturmode sein scherflein. Zwei Schäferspiele hat er, dem wir auch das ersterührende Lustspiel", dieBetschwester", verdanken, vor mehr als� anderthalb Jahrhun- derten herausgebracht:Das Band" undSylvia". In glatt- gesetzten, aber doch steif hinstelzenden Alexandrinerversen bewegen sich die Spiele. Im einen Falle bringt die Schäferliebeständelei eine Handlung zustande durch das Mißverstehen eines Blumen- bandes, inSylvia" durch die Herzenssprödigkeit der Schäferin. Aber die Slbäserinnen Gellerts sind nur Begriffe für ihres Er- zeugers lehrhafte Moralanschauung. Dramatisches Talent besaß Gellert nicht, wenn er im Ausgang seines Spiels einen dritten Schäfer(Montan) in den Dialog hineinspringen läßt, so geschieht das nach Art einer mathematischen, nicht dichterischen Logik. Gellert schrieb diese Stückchen als Dreißiger, immerhin als in seiner Art fertiger Poet. Goethe zählte achtzehn Jahre, als erDie Laune des Verliebte n" dichtete. Wohl hat er sein Schäferspielchen in manchen Zügen das Bandmotiv! an GellertsBand" an- gelehnt, und ausSylvia" hat er einige Gedanken entlehnt. Aber wie ganz anders offenbart er sich! Er packt das eigene Erleben an; denn hinter seinem Spielchen wirkt die Liebe zu Kätchen Schönkopf in Leipzig , die der bis über die Ohren verschossene Student durch Eifersucht und böse Launen entsetzlich gequält hat. Man spürt sofort, daß die Vorgänge nicht konstruiert sind, und spürt den heißen Pulsschlag des jungen Blutes. Auch Goethe, damals noch abhängig von den Zwangsregeln, die der Poesie aufgehalst waren, bediente sich des französischen Alexandrinerverses. Doch wie.ganz anders klingt es bei ihm, und wie dramatisch weiß er den Dralog durch Eingreifen aller Beteiligten zu gestalten! Tie Auffuhrung beider so verwandter und doch so ganz ver- schieden gearteter Schäferspielchen war also nach mehreren Seiten hin interessant. Leider fehlte es an der erforderlichen preziösen Tarstellung. Das ziemlich zahlreiche Publikum nahm die Auf- führung aber mit einmütigem Beifall hin. Tora v. Warberg, Erna K a b i s ch, Gust. Gerd. F r i ck e, Wilhelm E h m e r und Kurl K a m i n s k i teilen sich, jeder im Umfang seiner Rolle, in den Erfolg. e. lc. Spiel und Sport Sport und Sportfexerei. Unter einem gesunden Sport verstehen wir eine Stählung und Kräftigung unseres gesamten Körpers durch geordnete Pflege und Uebung im Wasser und in der Luft, im Wald und im Felde, auf den Bergen und in der Ebene, eine Befreiung von Leib und Seele aus der Enge, in die der moderne Mensch und besonders der nioderne Lohnarbeiter durch die Erwerbs- tätigkeit und durch die Großstadt für den größten Teil seines Lebens eingesperrt ist. Wir fördern diese Betätigung im Interesse der Gesundheit und weil in einem gesunden Körper auch ein gesunder Geist wohnt. In bürgerlichen Vereinen artet aber der Sport zur S p o r t f e x e r e i aus. die nicht zur Gesundheit, sondern zur E n ta r t u n g führt. Tie Mit- glieder werden nur zu Sportmenschen erzogen, die nichts an- deres mehr kennen als Sport, Sport und Sport. Ter Jüng- deutschlandbund, der diesen Sportfanatismus fördert, nennt das körperliche Ertüchtigung. Wohin das führt, hat vor einiger Zeit ein Amtsgerichtsrat Landsberg imZentralblatt für Vormundschaftswesen, Jugendgerichte und Fürsorge- erziehung" dargelegt. Unter der UeberschriftSport und Ver- Wahrlosung" schreibt Herr Landsberg folgendes: Wir Bormundschaftsrichter sitzen gleichsam als pulskontrol- lierende Aerzte bei der Arbeit'der von Staat und Vereinen geförderten Jugendfürsorge. Leider aber kommen manchmal so stürmische Bewegungen des Blutes vor. daß der Puls uns Fiebqr anzuzeigen scheint. Hierzu zähle ich die über- triebene Sport sucht. Die Freude am Sport, an der söge- nannten harmonischen Ausbildung des Körpers, zeitigt häufig Er- scheinungen, die nicht erfreulich sind, die auf einen Fehler, eine böse Einseitigkeit hinweisen. Ter Arzt, besonders der Militärarzt bei der Aushebung, konstatiert mit Schrecken zahlreiche durck übertriebenenSportverursachte Herzleiden und sonstige Fehler, die dienstuntauglich machen. Vor mein Forum als Vormund'chaftsrichter werden nicht mehr selten Jünglinge ge- brach!, denen der Sport die Arbeitslust ertötet oder beschränkt bat und alle Hoffnungen der Eltern zuschanden werden läßt. Da kommt ein Lehrling, den sein Meister entlassen will, weil er die Arbeit um des Fußballspiels willen vernachlässigt. Da kommt ein sorgenvoller Bater eines Gymnasiasten und klagt, daß fein vordem so fleißiger Sohn sitzen bleiben werde, nicht mehr lerne, dem Vater ungehorsam sei, weil ihn die Angelegenheit des Wurf- bollklubs und des Tennisvereins gänzlich gefangen halten. Auch bei Ausfall des Spiels sitze der Junge untätig daheim und schmachte hinaus/nicht nach Wald und Natur, sondern nach spiel und einer körperlichen Ausbildung, die ihn nirgends fördere, auch nicht gesund gemacht habe. Ei» Pfleger beklagt sich, verbündet mit einer not- leidenden Mutter, über deren arbeitssähigen und einst viel ver- dienenden Sohn, einen spezialstatenschmied; er arbeite kaum mehr, werde überall nach kurzer Zeit entlassen,-vagegen stnd der Präfes des S chw i m m v c r e i n s, der Führer ....... e, der Kassierer des jgfadfindergrupp der Athleten. b u nd c s von dem gleichen Jungen sehr entzückt. Sie denken nicht an die bürgerliche Führung, sondern nur an seine spart liche Tüchtigkeit und seinen Eiser im Vereinsdienste. Das sind A n f ä n g e. Die weitere EntWickelung führt oft, recht oft zu gänzlicher Entartung, Arbeitsscheu, Abzug auf die Landstraße, kurz zu alledem, was man durch Pflege dieser Spiele und Vereine gerade hat vermeiden wollen. Kurz, hier liegen die Gefahren, aus denen ich vorläufig noch keinen Ausweg sehe. Vielleicht ist der Ausweg der, daß mau wieder mehr die geistige Kultur betont, die uns mit dem Aufblühen de! Humanismus seinxrzeit überkommen ist und die einst zur Blüte edelster Gedanken und Taten zur Zeit Goethes, Schillers und Körners gesührt hat. Mag sein, daß wir eine Zeitlang allzu ein! seitig die Körperkultur vernachlässigt haben. Das ist aber keines Wegs ein Grund, nunmehr in das entgegengesetzte Extrem zu ver fallen. Körperkultur darf nur eine Kultur der Körpergesundheit sein, und zwar der G e s u n d h e i t im Dienste der Geistcskultur: das ist das Ziel, das andere nur Mittel. Bedenken wir doch immer wieder, daß der einzige wirkliche Wert unserer Gesittung, das einzige übertierische Glück des Menschen aus dem Geistesleben quillt und quellen kann. Heilig die Kraft des Körpers, der ein hoher Geist ent springt! Nichts, gar nichts nutzt die Kraft des Körpers, die nur dem Tier dient, den Geist und die Geistesgemeinschaft der Edelen aller Zeiten verachtend. Tiste Art Sport, die der Amtsgerichtsrat kritisiert, wird gerade von den Jungdeutschlandbündlern gefördert. Und i'chon aus diesem Grunde allein sollte jeder Arbeiter dem Jungdeutfchlandbund fernbleiben. Sportliche Wettkämpfe Fichte 3 Weißensee. Das große Sportmeeting des 1. Kreises vom Arbeiter-Turner bund, das am 24. August vor sich gehen wird, hält die Sportler bereits in ständiger Bewegung. Vor dieser großen Heerschau, zu der sich über 300 Sportler mit 500000 Konkurrenzen gemeldet haben, und die zum erstenmal ein umfassendes Bild des leicht- athletischen Arbeitersports geben wird, müssen alle Kräfte aus- probiert werden, und deshalb werden als Einleitung und Vor! Prüfung jetzt vielfach interne Wettkämpfe abgehalten. Beim gestrigen Sportfest auf dem Tasmania-Sportplatz in Neu- kölln standen sich erstklassige Kräfte von Fichte 3 und Weißensee gegenüber. Fichte 3 konnte bereits beim spielfest des Turnverein Fichte sämtliche Laufkonkurrenzen für sich entscheiden, und auch Weißensee hat sich wiederholt als ernsthafter Gegner erwiesen Sportler und Publikum sahen daher mit großer Spannung diesem Wettstreit entgegen, der als Vorprüfung für das große Sport Meeting eine besondere Bedeutung hatte. Tie gestrige Veranstaltung zeigte in allen Laufkonkurrenzen die volle Ueberlegenheit von Fichte 3, Weißensee kam nie erttsthaft in Betracht. Ernste Endkämpfe gab es daher nur in der 4x400- Meter-Staiette und beim Halbstundenlaufen, wo mehrere Man»! schaften von Fichte in Konkurrenz standen. Dagegen hatte Weißen- see gute Ersolge im Diskus, Kugelstoßen und Speerwerfen(Lehr lingch. Faustball, Raffball und Barlauf brachten beiden Vereinen abwechselnd Erfolge. Das Halbstundenpaarlaufen brachte scharfe Konkurrenz zwischen mehreren Männer- und Lehrlingsmannschaften von Fichte. Die Lehrlinge führten fast die ganze Strecke, zum Schluß gelang es jedoch der Männermannschaft 2(Gebr. Kuhring) mit drei Metern Vorsprung den Sieg an sich zu reißen. Von der siegenden Mannschaft wurden 8003 Meter zurückgelegt. Beim Fuß- ballwettspiel war der Sieg der Weißenseer lGroß-Berliner Meister) vorauszusehen, doch bedrängte Fichte auch des öfteren das Weißen- seer Tor. Bei Halbzeit stand das Spiel 2: 1. Nach Halbzeit drängte Fichte oft an das Weißenseer Tor, konnte jedoch nur noch einmal einsenden, die Weißenseer jedoch zweimal, so daß daS Spiel und damit das ganze Fest mit 4:2 für Weißensee bei einbrechen- der Dunkelheit um M9 Uhr sein Ende fand. Anwesend waren trotz des zweifelhaften Wetters etwa 500 Personen. Resultate: a) Stafettenlauf. Männer: 2. Mannsch. Fichte 3 in Ö.l&Vio, Weitzensee 2.25 Min. b) dto. l. Mannsch. Fichte 3 in 2.13, Weißensee 2.14'/,» Min. c) dto. Lehrlinge: Fichte 3 in 2.15«/,°. Weitzensee 2.23 Min. ä) Speerwurf. Männer: 1. Preuß-Fichte 3 36,70 Meter; Lehrlinge: 1. Rosenthal-Weitzensee 28,15 Meter, e) Diskus. Männer: 1. Langmeier-Weitzensee 28,15 Meter; Lehrlinge: Wunderlich-Weitzensee 20,43 Meter. f) Stafettenlauf. Frauen, 8x60 Meter: 6. Fr.-Abt. in 1.21 Min. g) dto. Männer, 4x400 Meter: Fichte 3, 1. Mannsch. in 4.7V ,0 Min. h) Olymp-Stafette. Jugendliche, 1600 Meter: 1. Fichte 3 in 4.22-/,° Min. i) M a n n s ch a f t L- K u g e l- stoßen. Männer: 1. Weißensee 78,40 Meter; Lehrlinge: Weißen- see 73,20 Meter; Frauen: 1. Fichte 5 45,46 Meter. H) Faustball. Männer: Weißensee-Fichte 3 66: 54 Punkte. I) Barlauf. Frauen: Fichte 5-Weißensee 25: 22 Punkte, m) Paarlaufen. r,) Raffball. 1: 0 für Weißensee. o) Fußball. 4: 2 für Weißensee. Die 11. Männerabteilung des TurnvereinsFichte" ver- anstaltet zur Feier des 1 2 j ä h r i g e n B e st e h e n s am 15. August eine Zusammenkunft der jetzigen und ehemaligen Freunde und Mit- glieder. Besonders wird das Erscheinen der Gründer gewünscht. Die Teilnehmer treffen sich bis?t10 Uhr in der Turnhalle, Berg- mannstratze 28/28. Die Feier findet imBlüchervereinshaus", Blücherstratze, statt._ Märkische Spielvereinigung, Bezirk Groß-Berlin. Das Reisespiel für die 1. Klasse zwischen Reinickendorfer Ballspielklub und ,.V o�r w ä r t s"- F r i e d r i ch s h a g e n endete mit dem überlegenen Siege des erstgenannten Vereins: 10: 1. Für den kommenden Spielbetrieb haben rund 7 0 Vereine 12 0 Mannschaften gemeldet. Noch fernstehende Vereine, die geneigt sind, sich anzuschließen, müssen dies bis zum 15. August nachsuchen bei Schmidt, Berlin , Grünthaler Straße 3. . Fußballresultate. Der B e r l i n e r FußballklubAdler" spielte mit seiner Mannschaft gegen den Reinickendorfer Vorwärts", Mannschaft. Bei Halbzeit stand das Spiel 5: 1, zum Schluß 2 zugunsten desAdler". Die 2. Mannschaft desA d l e r" spielte gegenA s k a n i a", Mannschaft,'und gewann nach scharfem Spiel mit 4:2. Beide Mannschaften zeigten in ihrer neuen Ausstellung hervorragendes Können.._ Im Spiel des I o h a n n i z th a l e r B a l l s p r e l k l u b s, 2. Männermannschaft, gegenFichte", Abteilung 10, 1. Männer- mannschaft, gewann Johannisthal mit,4:I: Halbzeit 3:0. Das picl war flott und ruhig.__ Radrennen in Treptow . Sonntag, 10. August. Die Hauptnummer des Programms betitelte sich:D i e S t u n d e"; ein Dauerrennen mit der Besetzung von Stellbrink, Huybrechts, Ebert und A. Schulze. Das Rennen wurde eine sichere Beute für Stell- b r i n k, der keinen ebenbürtigen Gegner hatte. Am besten hielt sich noch Ebert, während Huybrechts weit zurück landete und Schulze das Rennen aufgab. Drei weitere Rennen über 10 und 20 Kilo 1. Stellbrink: 64,700 Kilometer. 2. Ebert: 63,190 Kilometer. 3. Huybrechts: 59,040 Kilometer. 4. Schulze: aufgegeben. Klasse L: 10- K i l o m e t e r- R e n n e n. I.A.Schulze. 2. Erx- leben. 3. Jenske. 4. Riesner. 20-Kilometer-Rennen. 1. Riesner. 2. A. Schulze. 3. Jenske. 4. Elxleben . Ostprcußischcr Runbflug. Königsberg i. Pr., 10. August. Um 5 Uhr morgens begann der Start. Von den Offiziersfliegern nahmen daran teil: Leutnant Mahncke auf L. V. G. Doppeldecker. Leutnant Geyer auf Aviatik-Pfeil-Toppeldecker, Leutnant Pretzel auf Albatros-Taube, Oberleutnant Hantelmann auf Rumplertaube, Leutnant von Eckenbrecher auf Jeannin-Taube. Von den Zivil- fliegern beteiligten sich: Alfred Friedrich auf Tietrichtaube, Su- welack auf Kondor-Eindecker, Stiploscheck auf Jeannin-Taube, Kühne auf Albatroßeindecker, Caspar auf Gothataubc. Für samt- liche Flieger war die Mitnahme eines Fluggastes vorgeschrieben. Zunächst flogen die Offiziere zum Zuverlässigkeitsfluge nach Allenstein (150 Kilometers ab. Bis um 9 Uhr vormittags waren alle bis auf Leunant Mahncke und Oberleutnant Hantelmann auf dem Allcnsteiner Flugfelde nach etwa zweistündigem Fluge an- gekommen. Die Zivilflieger starteten nach Jnsterburg(85 Kilo- meter). Bis um 7 Uhr früh trafen alle bis auf Kühne und Caspar nach etwa fünfviertelstündigem Fluge am Ziel ein. /Zus aller Tlelt. Sin polizeifkandal in paris . Paris , 1U. August.(P. G.) Ein Polizeiskandal, der weite Kreise zu ziehen scheint, ist hier entdeckt worden. Ein Polizeiwachtmeister und sechst Unterbeamte wurden ver­gangene Nacht plötzlich verhaftet. Tie Beamten waren zu einer förmlichen Bande zusammengetan, die ihre Dienstgewalt zu Erpressungen gegen die Bewohner ihres Polizei- reviers mißbrauchten. Gegen Bezahlung ließen sie anstän­dige Leute, die ihren Auftraggebern aus irgendwelchen Grün - den unbeuem waren, als Zuhälter verhaften. Vor Gericht sagten sie dann auf ihren Diensteid gegen diese Leute aus, die auch daraufhin zu schweren Strafen verurteilt wurden. Der söhn eines bekannten Politikers wurde auf Anstiften eines persönlichen Feindes gegen Zahlung einer hohen Summe an die Beamten von diesen verhaftet und aus ihr Zeugnis hin wegen anarchistischer Umtriebe zu einer längeren Gefängnisstrafe verurleilt. obgleich angesehene Leute unter Eid seine Schuldlosigkeit bekundet hatten. Eine einträgliche Einnahmequelle schufen sich die Beamten dadurch, daß sie aus den geringfügigsten Anlässen über Geschäftsleute und zah- lungsfähige Privatpersonen ihres Bezirks aus eigener Macht- Vollkommenheit Strafmandate verhängten, um sie gegen ein gutes Trinkgeld zurückzuziehen. Die Untersuchung fördert noch weitere Fälle von Amtsmißbrauch zutage, auch sollen noch andere Beamte in die Affäre mit verwickelt sein. Der Sportredakteur als Kunstkritiker. In der SportzeitschriftDer Rekord" ist jemand auf den lusti- gen Einfall gekommen, zu ftagen, wie wohl ein Sportredakteur eine musikalische Aufführung rezensieren würde. Der kritische Be- richt würde danach etwa so ausfallen:Die Geiger stellten sich an der Innenseite, dicht bei den Lampen auf. Der Schiedsrichter, der mit einem kleinen Taktstock ausgerüstet war, fungierte gleich- zeitig als Starter. Unmittelbar vor dem Start stellte er sich auf einer Kiste auf, vor der ein Pult stand. Durch Winken mit seinem Stock hielt er die Konkurrenten in Ordnung. Dann schickte er sie nach der MelodieLändliche Hochzeit" von Goldmark Op. 26, auf die Reise. Sie sprangen ziemlich gleichmäßig ab, einer der Geiger lag etwas in der Führung. Der Mann mit dem Sachshorn ver- üchte, sie zurückzurufen, aber sie gingen in windender Fahrt da- von. Der Kontrabaß führte das Hintertreffen. Nach dem ersten Viertel des Kurses brach die kleine schwarze Flöte weg, aber die Geigen an der Innenseite hielten sich gut zueinander und legten eine mörderische Pace vor. Bei der halben Strecke zeigte die Posaune Zeichen von Ermüdung. Eine kleine, kurzschwänzige Flöte kämpfte charf mit dem Waldhorn, fiel aber bald ausgepumpt zurück. Das dicke, alte Bombardon schien während des ganzen Rennens in Nöten zu sein und roarte fürchterlich. Es hielt sich aber tapfer bis zum Schluß. Alle kamen in guter Ordnung am Zielpfosten vorbei, der Richter schien aber keine Entscheidung fällen zu können. Er machte einen müden Eindruck. Die Teilnehmer gingen dann hin- aus, um sich für das Beethoven-Handikap vorzubereiten. Es war eine ganz hübsche Leistung, aber sehr anstrengend für die Kon­kurrenten. Alle Wetten sind ungünstig." Todessturz zweier Piloten. In Brück(in der Mark) find am Sonntag früh zwei Flieger, der Pilot R ö ß l e r und sein Flugschüler Stephan tätlich ab- gestürzt, lieber die Ursachen mird gemeldet:! Der Unfall ereignete sich gegen H9 Uhr morgens. Rötzler wollte auf einem Gradeflugzeug mit dem Schüler der Natmnal- lugspende Stephan, der aus Gera stammt, von den Flugzeug- werken in Borck nach Brück bei Berlin eine Vergnügungsfahrl unternehmen. Ueber Brück suchte er eine LandungSstelle. In zirka 500 Meter Höhe machte er eine Kurve, setzte zum Gleitflug an und bellte den Motor ab. Der Gleitflug fiel aber äußerst steil aus und der Apparat stieß mit dem linken Flügel und dem Propeller so stark auf den Erdboden aus, daß das Flugzeug völlig zertrümmert wurde. Rötzler und sein Passagier aber hatten keine Gelegenheit ergreifen können, sich durch Abspringen in Sicherheit zu bringen. Beide Flieger waren sofort tot. Rößler hat in letzter Zeit recht gewagte Flüge ausgeführt und ist auch von Grade gewarnt worden, vorsichtig zu Werke zu gehen. Vermutlich hat er, da bei seiner Ankunft in Brück viele Leute zu- 'ammenströmten, besonderes zeigen wollen. Er muß enttveder zu pät abgefangen haben oder in eine Luftströmung geraten sein, die er nicht vorher bemerkt hat. Ingenieur Grade selbst teilt über de» Unfall folgendes mit: Ein Bruch des Apparates in der Luft ist vollständig ausgeschlossen, da die Spanndrähte und das Steuer voll- tändig gut waren, wie dies sich auch bei der Untersuchung des Apparates herausstellte. Rößler war am 19. Oktober 1889 in Hainewalde bei Zittau in Sachsen als Sohn eines Landwirtes ge- boren. Früher war er selbst in der Landwirtschart tätig. Erst päter wendete er sick. dem Flugsporte zu und war zunächst bei den Harlanwerken angestellt. Tann versuchte er eine Stellung als Klugzeuglehrer oder Flugführer zu erhalien. soch waren seine Bemühungen fruchtlos. Erst seit.urzcr Zeil ist er bei den Gtade- werken engagiert._ Drei Arbeiterinnen bei einer Tynamitexplofion getötet. Marseille , 19. August.(P.(E.) Ein schwerer� Unglücksfall er- et Kurz Martin de Grau. Mräntwörtlicher Redakteur: Ernst Meyer, Steglitz . Für den Jnjeralenlelt verantw.: Tb. Gwcke. Berlin . Druck u. Verlag. Vorwär» eianete sich gestern in der Dhnamitfabrik Saint Kur-' nacheinander erfolgten in dem Raum-, in dem Dynamit- vatronen bergestellt werden, zwei Exploston-n. Zwe: ArScitcrinne», die mit dem Füllen dxr Hülsen beschäftigt waren, sowie eine dritte. die die serugen Patronen verpackte, wurden getötet. Ein Vor- arbeiter. der ihnen zu Hilfe kommen wollte, erlitt bei der zweiten Explosion schwere Verwundungen und mußte, lebenSgesahrlich ver- lest, ins Krankenhaus geschafft werden.___ Buchöruckerei u. Lerlagsansralt Paul Singer u. Co Berlin