Widerstand gegen eine Redisionspolitik gewissermaßen zurück- getreten sei, dieser Ausdruck ist irreführend. Deutschland kämpft in der Frage der Uederprüfung nicht gegen andere Mächte, nimmt aber nicht an europäischen Versuchen zur Abänderung des Bukarester Vertrages teil und verhindert dadurch ein europäisches Vorgehen gegen das mühevoll zustande gebrachte Friedenswerk. Deutschland beteiligt sich nur an solchen Er- örterungen der Mächte, die der Absicht dienen, dem Vertrage die Zustimmung Europas zu sichern. Eine Gegnerschaft gegen Bulgarien ist nicht im Spiele, aber wie die Dinge jetzt liegen, lassen sich die bulgarischen Wünsche ohne neue Gefährdung des Friedens nicht verwirklichen. Auch Fraukreich gegeu eine Revision des Bukarester Friedens. Paris , 12. August. Die„Agcnce Havas" veröffentlicht folgende Note: Der Augenblick scheint uns gekommen zu sein, die widersprechenden Nachrichten über die Haltung der Re- gierungen Frankreichs und Rußlands in" der Kawalla- Angelegenheit klarzustellen. Keine von beiden hat jemals von der anderen ein Opfer ihres Standpunktes verlangt und beide haben einander regelmäßig ihre Ansichten mit- geteilt. Rußland wußte, daß Frankreich dafür war, Kawalla, eine griechische Stadt, au Griechenland zu geben, und in Frankreich war der Wunsch Rußlands nicht unbekannt, diesen Hafen am Aegäischen Meere Bulgarien zu sichern. Die beiden Regierungen wußten, daß keine von ihnen ihrer Meinung eine solche Wicyiigkeit beimäße, daß sie von ihrem Verbündeten ein Opfer seiner Neigung hätte fordern müssen, da die Tendenzen der allgemeinen Politik der Mächte und die Tatsachen sie beide dahin führen mußten, sich auf eine der beiden Lösungen zu einigen. Da die Frage der Revision heute negativ ent» schieden i st, ist es nicht mehr an der Zeit, auf die An- gelegenheit einzugehen. Sicher ist, daß die Beziehungen zwischen den beiden Ländern niemals herzlicher waren, als in diesem Augenblick. Beurlaubung österreichischer Reservisten. Wie», 12. August. Wie die„Militärische Rundschau" mitteilt, finden in den allernächsten Tagen in größerem Um- fange Beurlaubungen von einberufenen Reservisten im Bereiche von Bosnien, Herzegowina und Dalmatien statt. Zu einer Entlassung der schwergeprüften Reservisten kann sich die schwarzgelbe Kriegskamarilla immer noch nicht ent- schließen. Bulgarische Klagen über türkische Greueltaten. Sofia , 11. August. lMeldung der Agence Bulgare .) Wie das Hauptquartier erfährt, befestigen die Türken Kirki- l i s s a. Die türkischen Soldaten nehmen die Ernte weg, die sie nach Tirnovadjik fortführen. Die Einwohner der Dörfer Klazowo, Siknihor und Kamila flüchteten in die Wälder. Ihr Vieh wurde geraubt. Die Dörfer Velika, Modassura, Mass«, Pirgopoli, Urgari und Dama wurden von türkischen Truppen umzingelt. Die Sol- baten begehen allerlei Gewalttaten. Griechen dienen den Türken als Spione. Gestern abend wurde ein bulgarischer Posten bei Kuhunoflaular im Bezirk Harmanly von einer türkischen Abteilung von 20 Reitern und 200 Infanteristen angegriffen, die etwa 00 Leute aus jenem Gebiet gefangen nahmen und nach Papsköj brachten. �toUtifcde Geb er Hebt. Ist es schon aus? Man schreibt uns: Da bisher nichts davon zu hören war, daß die Militärbehörde infolge des KornwalzerprozesseS weitere Recherchen unternimmt, möchten wir nochmals folgende Stellen aus der gerichtlichen Ver- nehmung Brandts wiedergeben. Sie lauten: „Der Verhandlungsführer überreicht dem Zeugen Brandt das bei ihm beschlagnahmte Notizbuch, in dem sich auf den Seiten 1 bis lg das Verzeichnis der Kornwalzer befindet, zu denen nach der Ansicht der Anklage der Angeklagte Titian das Material ge- Bw franzöiifciK Voritoß gegen Berlin . Der Waffenstillstand, der am i. Juni 1813 in Poifchwitz ab- geschlossen worden war, lief ab, wie ihn sich beide Teile gedacht hatten: unter steten Rüstungen der Verbündeten wie Napoleons und ohne daß die Besprechungen zu Prag über das Wesen einer leeren Posse hinausgekommen wären. Noch während des Prager Kongresses hatte ein lebhaftes Ge- schacher zwischen Preußen und Rußland auf der einen und Oester- reich auf der anderen Seite zum Ziele geführt: der Habsburgerstaat trat dem Bündnis gegen Napoleon bei, erhielt aber dafür die An- wärtschaft auf das Königreich Italien und Jllyrien, der König von Sardinien sollte sein Erbe zurückbekommen, Mittelitalien samt Genua unter die Erzherzöge der österreichischen Betternschaft aufgeteilt werden, Sizilien wieder an die Bourbonen fallen. So wurden, ehe noch die Revolution in Gestalt Napoleons niedergeworfen war, die Völker wieder ganz nach den überlebten Grundsätzen des achtzehnten Jahrhunderts verkauft und verschachert. Am 10. August verkündeten Signalfeuer von den Kuppen des Riesengebirges, daß die Zeit der Waffenruhe vorüber sei und daß sich die Heere von drei Mächten von den Hilfstruppen der kleineren Staaten abgesehen, auf N a p e l e o n stürzen würden. Bald begannen denn auch die kriegerischen Operationen. Die Verbündeten verfügten über insgesamt 492000 Mann, die aber in drei verschiedene Hcerkörper eingeteilt wurden. Das Hauptheer, meist Oesterreicher, aber auch Preußen und Russen umfassend, stand unter Schwarzenberg, der sich in seinem Hauptquartier mit den drei Potentaten von Rußland , Preußen und Oesterreich herum- zuärgern hatte, in Böhmen , um Wien gegen einen Angriff der Franzosen zu sichern. Die schlesische Armee, die sich aus zwei russischen HeereSabteilungen und einer preußischen unter D o r ck zu- sammensetzte, stand, wiewohl die junkerlichen Gamaschenknöpfe in Friedrich Wilhelms III. Umgebung dem heftig widerstrebt hatten, unter der Führung BlücherS, dessen Stabschef Gneisenau von D o r ck in der unerquicklichsten Weise angefeindet wurde— dem ultrakonservativen Manne von Tauroggen war Blücher nur ein»roher Husar" und Gneisenau ein„phan- tastisches Kraftgenie" und nichts als Gift und Galle Pflegte er zu speien gegen die.Heerverderber", wie er die Reformer in Bausch und Bogen nannte. Die Nordarmee endlich stand m den Marken und an der Niederelbe und wie" als Kern zwei preußische Heer- Haufen unter den Generalen B ü l o w und Tauenzien aus, außerdem fand sich hier ein russisches und ein schwedisches Korps nebst kleineren HcerSsplittern anderer Staaten vor. Befehligt wurde die Nordarmee von dem schwedischen Kronprinzen Bernadotte , der sehr zu Unrecht in den Ruf eines allerersten militärischen Genies geraten war. »Es ging," kennzeichnet der Junker v. d. M a r w i tz die all- liefert hat. Zeuge: Zu diesen Kornwalzern habe ich auch von anderer Seite Material bekommen." Anklagevertreter Kriegsgerichtsrat Dr. Welt:„Der Zeuge möchte uns doch die andere Serie nennen, von der er noch Material bekommen ha t." Ze u g e:„Das möchte ich nicht tun, ich will die Sache nicht noch größer machen." Anklagever- t r e t e r:„Ich will den Zeugen ja nicht pressen, aber ich will ganz allgemein, ohne Namen zu nennen, wissen, ob auch Vertreter an- derer Firme» mit Militärpersonen in unterirdischer Fühlung ge- standen haben." Zeuge:„Ich könnte diese Frage beantworten, ich möchte es a b e r n i ch t t u n. Ich möchte den Skandal nicht noch größer machen. Ich würde es unter keinen Umständen tun. Ich weiß, daß auch die Vertreter anderer Firmen tadellos infor- miert waren. Krupp war es früher nicht und deshalb war Krupp ins Hintertreffen gekommen." Nun griff der Verhandlungs- führer ein und sagte:„Wir kommen auf diesem Gebiete mit dem Zeugen ja nicht weiter/' Darauf wurde das sehr brenz- liche Thema verlassen und das Gericht wandte sich an- deren Dingen zu. Der Torhang ist also gerade in dem Moment gefallen, in dem die Geschichte für die Oeffentlichkeit besonders interessant geworden wäre. Gesetzlich ist dieses Verfahren zweifellos richtig gewesen, denn für die Entscheidung der Frage, ob die Angeklagten schuldig waren, war es belanglos, ob auch andere Militärpersonen Dienstgeheimnisse verraten haben, aber der Vorhang kann nicht für immer herabgelassen sein. E r m u ß wieder ausgezogen und die Szene weitergeführt werden. Das ist um so notwendiger, als auch die Aussagen des Dlrektors Mouth, früher bei Krupp , die Angaben Brandts u'n t e r st ü tz t e. Mouth erklärte die Sendling Brandts nach Berlin damit, daß kleinere Firmen öfter schneller liefern konnten als Krupp. Diese Tatsache habe man sich in Essen nur so erklären können, daß die anderen Firmen über Aufträge, die das Kriegsministerium bergeben wollte, früher unterrichtet waren als Krupp. Es kann also nicht zweifelhaft sein, daß die Aussagen Brandts nach einer neuen gründlichen Untersuchung geradezu schreien. Wird Brandt unter Eid um die Namen der Militärpersonen ge- fragt, die mit den Vertretern anderer Firmen in unterirdischer Fühlung standen, könnte er die Aussage nicht verweigern, weil er sich s e l b st mit ihr nicht belasten würde. Und juristisch wäre die Bewerkstelligung einer Untersuchung vielleicht doch möglich. Um z. B. Beamte zu eruieren, die einer Zeitung eine der Re- gierung unbequeme Mitteilung zukommen ließen, hat man schon öfter ein Verfahren gegen Unbekannt eingeleitet. Es wäre nicht verständlich, wenn gerade jetzt kein Mittel zur Auf- hellung des Dunkels, das noch immer über Brandts Aussagen liegt, gefunden würde. Statt daß man über die Sozialdemokratie schimpft und triumphierend ruft: Kein Panama !, schaffe man lieber bollkourmene Klarheit. Unterirdische Minen gegen die„Volksfürsorge". Die Ueberzeugung von dem„Stillstände" oder„Rückgänge" der Sozialdemokratie scheint bei unseren patriotischen Gegnern noch nicht allzu fest Wurzel geschlagen haben, sonst würde man gegenüber der verdächtigen.Volksfürsorge" nicht solche Purzelbäume schlagen, als es jetzt wieder in Schlesien geschieht. Der„Volkswacht" ist ein Zirkular des Reichstreuen Bergarbeitersekretariats sür Niederschlesien auf den Tisch geflattert, das an die Arbeitgeber der Provinz gerichtet ist und diese auffordert, der„öffentlich-rechtlichen" Konkurrenz der „Volksfürsorge" daS Interesse ihrer Arbeiter zuzuwenden. In dem Zirkular heißt es unter anderem: .Oberwaldenburg, den 7. August 1913. Sehr geehrter Herr! Die von den sozialdemokratischen Konsumvereinen und Gewerffchaiten neu gegründete„VoliSsüriorge" stellt für unser gesamtes politisches Leben, noch mehr aber für unser Wirlschaftsleben, eine neue ernste Gefahr dar. Aus diesem Grunde haben Behörden, maßgebende und ein- flußreiche Personen aus allen politischen Parteien und allen sozialen Ständen sich ernstlich mit der Frage beschäftigt: Wie können wir dieser Gefahr begegnen? Ist es möglich, die große Zahl derjenigen Arbeiter, welche zur Zeit noch nichr von der Sozialdemokralie infiziert sind, vor dem Swicksal zu bewahren, durch die Betätigung eines an sich sehr gesunden Sparsinnes mit der Sozialdemo- gemeine Stimmung,„ein ganz sonderbarer Geist vor ihm her Ungeachtet er niemals Heldentaten verrichtet hatte, so traute jeder- mann in der Mark sie ihm doch zu, und keinem fiel ein, daß, wenn er anführe, noch irgendeine Gefahr sein könne." Napoleon verfügte über rund SO 000 Mann weniger als die Verbündeten und zählte auch weniger Geschütz und Reiterei, aber er hatte den Vorzug der einheitlichen Heeresleitung für sich und glaubte auch im Besitz der Elblinie mit mehreren Festungen so sicher zu sein, daß er den Rat einiger Schwarzseher, sich bis zur Saale oder gar bis zum Rhein zurückzuziehen und dort, mit nahen Hilfs- quellen im Rücken, die Entscheidungsschlacht abzuwarten, unmutig in den Wind schlug. Während man im Hauptquartier der Verbündeten den Plan ausgeheckt hatte, daß jeder der drei Heerkörper, von Napoleon angegriffen, sich so lange zurückziehen solle, bis die beiden anderen Armeen heran seien und den Feind in der Flanke und vom Rücken her packen könnten, beschloß Napoleon , zunächst das schlesische Heer unter Blücher über den Haufen zu rennen, dann starke Truppenmassen durch die Lausitzer Defileen nach Böhmen hineinzuwerfen und die Verbündeten vor sich her nach Wien zu treiben. Aber als er Blücher auf den Leib rückte, wich der schlaue Husar zurück, um die Franzosen hinler sich herzulocken und so Schwarzenberg Gelegenheit zu einem günstigen Angriff auf Dresden zu geben, das Napoleon als den wichtigen Angelpunkt seiner Operationen betrachtete. Zur rechten Jeit roch der Franzosen- kaiser den Braten, ließ Macdonald mit rund 60 000 Mann im Angesicht von Blücher zurück und strebte selbst mit der alten und der jungen Garde nach Dresden , um dem Schlag der Verbündeten zuvorzukommen. Während es ihm wirklich bei Dresden gelang, über das Heer Schwarzenbergs am 26. August einen blutigen und unbestrittenen Sieg davonzutragen, war Macdonald zur selben Zeit an der Katzbach von Blücher auf das ungünstigste Kampfgelände gelockr worden und hatte eine unheilvolle Niederlage davongetragen. Nicht besser war es den drei Armeekorps gegangen, die unter Oudinot, Rehnier und Bertrand zugleich mit Napoleons Ausbruch gegen die schlesische Armee in der Richtung nach Berlin abmarschiert waren. Von Norden sollte D a v o u t aus Hamburg diesen Streitkräften zu Hilfe kommen, von Magdeburg aus General G i r a r d mir 9000 Mann der Bernadotteschen Armee in die Flanke fallen. Den Zweck dieser Bewegung sah Napoleon darin, die preußische Hauptstadl in seine Hand zu bc- kommen, die Stadt, wenn sie Widerstand leisten sollte, durch das Feuer von fünfzig Haubitzen einzuäschern, vor allem aber mit der Landwehr— der„mauvaisa infanterie", dem„schlechten Fußvolk", wie er sie nichtachtend nannte— und dem„wahnsinnigen Janhagel" aufzuräumen und die Feuerbrände der Vollserhebung in ganz Nord« deutschland auszutreten. Nach dieser Arbeit hatte er den Rücken frei und konnte mit doppelter Aussicht auf Erfolg den Stier der Haupt- armee im Operationsradius von Dresden bei den Hörnern packen.— kratie in Beziehungen zu kommen, die sie schwer oder gar nicht wieder lösen können? Ist es möglich, eine Versicherung zu empfehlen, welche den Versicherten gegen die angeblichen oder wirklich vorhandenen Schäden der bisherigen Volksversicherung schützt?" Es wird dann von. den Bemühungen um anders Versicherungen gesprochen und gesagt: „Nach mühseligen Verhandlungen ist eS gelungen, nicht mn: einen, sondern(leider) mehrere Wege zu bahnen." Von diesen„leider mehreren" Wegen wird dann die„öffent- lich-rechtliche" Volksverficherung für Schlesien empfohlen und um ihr die Mitglieder zuzutreiben, bebauplet ein beigelegtes Flugblatt folgendes über die„sozialdemokratische" Volksfürsorge: „Wo bleibt das Geld, welches die rote Volks- fürsorge dem Versicherten weniger auszahlt, wie die Ver- sicherung der nationalen Volksversicherung? In sozial- demokratischen Blättern war zu lesen, daß'46 000 Beamte a n g e st e l l t werden sollten(!). Daß diese Beamten natürlich nickt von sozialdemokratischen Redensarten und Phrasen leben, beweist die Talsache, daß für den Posten eines Generalagenten ein Betrag von 30 000 M. aus- gesetzt worden ist. Wie die sozialdemokratische Partei Gehälter von 30 000 M mit ihrem Parteiprinzip vereinbart. das zu enträrseln wird nur Sozialdemokralen möglich sein." Im Speziellen wird dann noch die Behauptung aufgestellt. daß die„Volksfürsorge" einen großen Teil ihrer Gelder, etwa 33 Va P r o z.. dazu verwendet, um politische Demagogen zu besolden". Man sieht, die Reichstreuen schrecken vor den erbärmlichsten Lügen nicht zurück, um die flüchtenden Scharen ihrer Anhänger an sich zu fesseln. Vielleicht sieht sich die„Volksfürsorge" die Verbreiter dieses Pamphlets einmal etwas genauer an und klopft ihnen gehörig auf die Finger._ Angefochtene preußische Landtagswahleu. In 17 Wahlkreisen ist gegen die neugewählten Abgeordneten Protest eingelegt. Die Wablproteste richten sich geejen 22 Abgeordnete, von denen S den Konservativen, S den Freikonservativen, 7 den Nationalliberalen, 2 der Fortschrittlichen Botkspartei, 1 dem Zentrum und je 1 der wirtschaftlichen Vereinigung und den Christlich - sozialen angehören. Außerdem sind von den Abteilungen der Wahlprüfungskommission noch die Wahlen von 11 Abgeordneten zur Prüfung überwiesen worden. ES handelt sich dabei um 4 Fortsckrittler, 2 Konservative, 2 Freikonservative, 1 Nationalliberalen und 2 Zentrumsabgeordnete. Ei« Reichövcrbändler. Bor der Düsseldorfer Strafkammer hatte sich am Sonnabend ein Kassiererin aus Gelsenkirchen wegen Untreue zu verantworten. Das Mädchen war in einem Düsseldorfer Geschäft angestellt und hat diesem etwa 3700 M. unterscklagen. Sie ist von der Natur etwas stiefmütterlich behandelt, möchte aber trotzdem gern Ehefrau werden. Dieses Sehnen wurde von dem verheirateten Schriftsteller Paul Karl Dickmann aus Essen, der für die ReichSverbandskorrespondenz schrieb, in der gemeinsten Weise ausgenützt. Dickmann schwindelte dem Mädchen vor, er werde sich scheiden lassen, um es dann zu heiraten. Im Vertrauen darauf gab ihm das Mädchen sein Spar- gnlhaben in Höhe von 1300 M. und als Dickmann dann immer wieder Geld verlangt, vergriff sick die Angeklagte schließlich an der Geschäftskasse. Dickmann halte sich— ohne daß das Mädchen zu- nächst dahuiter kam— von diesem aushalten lassen. Vor Gericht gab er an. er habe zeitweilig feste Stellung gehabt und„nebenbei viele Sachen für den Reichsverband gegen bis Sozialdemokratie geschrieben und diese Sachen zur bezahlt" erhalten.— Das Gericht verurteilte die Kassiererin zu sechs Monaten und den Reichsverbändler Dickmann wegen Hehlerei zu einem Jahr Gefängnis. Eigene Schuld und fremdes Mißtrauen. Es läßt sich wohl nicht bestreiten, daß der deutsche Kaiser eine große persönliche Vorliebe für Norwegen hat und in Norwegen eine gewisse Popularität genießt. Seine ewig wiederholten Nord- landsreisen und der Umstand, daß er so leicht nichts unter- nehmen kann, ohne daß die Presse von Hunderten von beflissenen Schmocks in Bewegung gesetzt wird, haben für die landschaftlichen Schönheiten Norwegens eine starke Reklame gemacht. Was die historische Kritik auch sonst an Wilhelm II. wird auszusetzen finden, Aber das Unternehmen mißlang auf der ganzen Linie. Bernadotte allerdings war ein blasser Zauderer, der sich vor« genommen hatte, den Krieg gegen Napoleon „mit Methode und Langsamkeit zu führen" und der jetzt drauf und dran war, Berlin kampflos in die Hände de« herannahenden Feindes fallen zu lassen. Aber B ü l o w wußte den Schwachmütigen umzustimmen und B ü l o w war es auch, der sich am 23. August mit Ungestüm auf R e y n i e r S Korps warf, das bis Großbeercn, kerne drei Meilen von Berlin entfernt, gekommen war, und. während die beiden anderen französischen Korps noch fern waren, einen großen Erfolg davontrug. Deutsche kämpften hier, wie so oft in den Feldzügen dieser Zeitspanne, gegen Deutsche , denn R e h n i e r s Korps bestand zum großen Teil aus Sachsen , die sich tapfer schlugen. B ü l o w erbeutete 26 Geschütze, nahm 1700 Mann gesangen und zwang O u d i n o t s Streitkräfte, in Verwirrung bis Wittenberg zurück- zuweichen. Als D a v o u t die Unglücksbotschast von Großbeeren vernahm, machte er schleunigst kehrt. Auch G i r a r d suchte sich zurückzuziehen, stieß aber am 27. August bei Hagelberg auf den preußischen General H i r s ch f e l d, der ihm eine vernichtende Nieder- läge beibrachte— kaum 1700 von den 9000 kamen nach Magdeburg zurück. So war Berlin vor einer Besetzung durch die Franzosen ge- rettet, die dort, sowohl um Rache zu nehmen, wie um Schrecken einzuflößen, sicher furchtbar gehaust hätten. Ihre Rettung verdankte die Hauptstadt einzig und allein, von Bülows kühner Entschluß- kraft zu schweigen, der Tapferkeit der von den Junkern so miß- achreten märkischen Landwehren. Den Löwenanteil an dem Tage von Großbeeren durfte wie an der Katzbach die Landwehr für sich beanspruchen und bei Hagelberg hatte ausschließlich Landwehr da» Gefecht geschlagen. Der Instinkt für das Notwendigste nach einer gewonnenen Schlacht saß diesen geringschätzig behandelten Milizen so im Blut, daß die Gräfin Sophie Schwerin sehr anschaulich von Großbeeren berichten konnte,„wie die Landwehr sich der Freude des Sieges so ganz überließen, daß sie von keinem Einhalten und Umkehren hören wollten und zu glauben schienen, ein fliehender Feind müsse bis anS Ende der Welt verfolgt werden." Aber nicht den eigentlichen Sieger» wurde der verdiente Lorbeer. Wenn Bernadotte, statt mit Gewehr bei Fuß bei Seite stehen zu bleiben, zur rechten Zeil in die Schlacht von Großbeeren ein» gegriffen hätte, wäre von O u d i n o t S ganzer Armee nicht Mann noch MauS entkommen. Aber der schwedische Kronprinz sah so wenig sein Verschulden ein, daß er vielmehr in ruhmredigen Bulletins sich das Verdienst an dem Siege zuschrieb. So neigte sich der Berliner Magistrat auf einem HuldigungSgange in das Lager der Siegeb donkbar und demütig vor dem Schweden und sah an B 2 l o w gleichgültig vorbei. Die Landwehr gar, die Retterin der Hauptstadt, begegnete unmittelbar nach dem Feldzug wieder dem schnarrenden Hohn und Spott der durch die Straßen Berlins klirren- den Gardejunierl
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