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Benutzung dieser dom Spittelmarlt über den Alexanderplatz und durch die Schönhauser Allee bis zum Nordring führenden Er- tveiterungSlinie der Hoch- und Untergrundbahn. Diese in zwei Ab- schnitten eröffnete neue Linie ist in ihrer Gesamtheit jetzt drei Wochen im Betriebe. Wie wir hören, hat sich der Verkehr auf der neuen Strecke, der vom ersten Tage an in sehr bemerkenswerter Weise einsetzte, inzwischen noch gehoben, so daß insgesamt im Laufe der letzten drei Wochen über eine Million Fahrgäste zu dem sonstigen Berkehr der Hochbahngesellschaft hinzugekommen sind. Die bevor- stehende Eröffnung der neuen Erweiterungsstrecken im Westen, nach WilmerSdorf-Dahlem und nach dem Kurfurstendamm, wird die Zahl der Hochbahnfahrgäste voraussichtlich abermals um ein Beträcht- liches erhöhen. Die Scharlach- und Diphtherieepidemie i» Ober- Schöneweide hat trotz aller Bemühungen der Behörden und der Aerzte, sie zu beschränken, eine immer größere Ausdehnung angenommen. Noch in den letzten Tagen sind neue Erkrankungen vorgekommen. Die Zahl der Krankheitsfälle beträgt nunmehr insgesamt 84; davon entfallen 70 auf Scharlach und 14 auf Diphtherie. In dieser Woche ist leider auch ein weiterer Todesfall zu verzeichnen, so daß also die Epidemie bisher sieben Todesopfer gefordert hat. Von den erkrankten Kindern <md erst 10 vollständig wiederhergestellt, 67 sind noch bettlägerig, und zwar 63 an Scharlach, 14 an Diphtherie . Die Schulen in Ober-Schöneweide bleiben vorläufig bis zum 25. August geschloffen. Für die elektrische Straßenbahn Warschauer Brücke Lichtenberg ist eine Nachtragsgenehmigung erteilt worden. Danach wird die Bahn von der Frankfurter Chaussee in Berlin -Lichtenbcrg unter Mit- benutzung der Gleise der Großen Berliner Straßenbahn zwischen Frankfurter Chaussee!und der Rormannenstraße in der Möllendorff- straße durch diese Straße und durch die Normannenstraße bis zum Wagnerplatz in Berlin-Lichtenberg weitergeführt. Da? Sparkassenbuch der Verschwundenen. Eine mysteriöse Angelegenheit beschäftigt die Berliner Kriminalpolizei sowie die Polizeibehörde von Krassen. Auf Veranlassung der Sparkassenver- tvaltung in Krassen wurde von der hiesigen Kriminalpolizei vor- gestern der Reisende und frühere Former Hermann Henke feist- genommen, ein schon mehrfach, auch schon mit Zuchthaus vor- bestrafter Mensch. Er war früher auf dem Gebiete des Heirats­schwindels und anderer Betrügereien tätig und erhielt zuletzt eine Zuchthausstrafe von acht Jahren. Diese hatte er am 17. April d. I. verbüßt. Die Kriminalpolizei ermittelte ihn jetzt in einem Manne, der der Sparkasse zu Krassen ein Sparkassenbuch über 1690 Mark, das auf den Namen eines Fräulein Gertrud Galle lautete, nebst Quittung eingesandt und in deren Namen um Uebcrsendung des ganzen Betrages ersucht hatte. Dem Sparkassenrendanten kam das Verlangen der Buchinhaberin verdächtig vor, um so mehr, als das Mädchen, dem das Buch gehörte, seit Tagen spurlos verschwunden war. Sie hatte sich am Tage vor der Einsendung des Sparkassen- buches aus einem Erholungsheim vom Noten Kreuz einen drei- tägigen Urlaub geben lassen, um sich eine Stellung als Stütze in Berlin zu suchen. Der Sparkasscnrendant schöpfte Verdacht und benachrichtigte die Polizei. Diese ermittelte den Briefschreiber in der Persan des schwer vorbestraften Henke und nahm ihn fest, als er in der Fürbringerstraße in der Wohnung einer Geliebten ein Telegramm der Sparkasse in Empfang nahm. Der Verhaftete gab fu, daß er das Sparkassenbuch der Kasse eingesandt und um Ueber- endung des Geldes gebeten habe. Ueber die Herkunft des Buches befragt, gab er an, dieses in Frankfurt a. O. von einem gewissen Darge für 1100 Mark gekauft zu haben. Diese Angabe ist schon deshalb hinfällig, weil Henke nicht im Besitze von 1100 Mark war. Alle Nachforschungen der Berliner und Krossener Polizei nach dem Verbleib des Mädchens waren bisher ohne Erfolg. Man hält ein Verbrechen nicht für ausgeschlossen. Berliner Milchverkauf und Polizeiverorduung. Von einem Fachmann wird uns geschrieben: Gegenwärtig hat sich das Berliner Polizeipräsidium mit den Kreisen der Milchhändler in Verbindung gesetzt, um eine neue Verordnung über den Berliner Milchverkauf zu erlassen. ES ist dringend notwendig, daß hierbei die Verbraucher zu Worte kommen. Von höchster Bedeutung ist der polizeiliche Begriff der Boll- milch. Bisher wurde als Vollmilch anerkannt, was 27 Gramm Fett im Liter enthält. Gut gefütterte Kühe melken aber 3335 Gramm Fett im Durchschnitt. Der Fettgehalt kann viel höher gehen. Die polizeiliche Vorschrift gestattet eine Mischung von entrahmter Milch mit natürlich gemolkener: sie gestattet andererseits eine solche ütterung des Milchviehes, daß eine große Literzahl mit wenig ettgehalt erzielt wird. So werden die Säfte der Stadtkinder mit der Schlempe der Schnapsbrenner verwässert. Ein Fettgehalt von 27 Gramm im Liter ist viel zu wenig. Man denke nicht, daß die paar Gramm Fettgehalt wenig Bedeutung hätten. Das Fett der Milch ist physiologisch außerordentlich viel wert- boller als anderes Fett, etlva Schmalz, sogar wertvoller als Natur- bulter. Es befindet sich im emulgierten Zustande, in außerordentlich feiner Verteilung und wird an den Darmwänden mit größter Leichtigkeit und vollständig aufgenonimen. Die jahrtausendlange Volkserfahrung hat ohne alle Wissenschaft schon den hohen Wert der mehr als staubfrei verteilten Fetttröpfchen erkannt und im Preise der Milch ausgedrückt. Zu der Zeit, als man noch ohne Zentrifuge entrahmte, kostete die Vollmilch z. B. 20 Pf. das Liter, die entrahmte Milch 8 bis 10 Pf. Man nahm auS dem Liter etwa 15 Gramm Fett heraus, sonst nichts. ES bewertete sich demnach auS dem Gefühl, welches durch millionenfache Verdauungsproben sich ergeben hatte, 15 Gramm Fett mindestens mit 10 Pfennigen, das heißt daS Pfund mit 3,33 M. Man vergleiche damit andere Fettpreise. Der hohe Wert des fein verteilten MilchfetteS ist auch sonst sichtbar. Man sieht manchmal mit Verwunderung, wie die wenig gepflegten Kinder ganz armer Leute auf dem Lande, die nur eine Ziege halten können, so merkwürdig gedeihen. Diese bekommen bloß� Ziegenmilch, und die Ziegenmilch enthält ganz beträchtlich mehr Fett(daS Doppelte 1) als die Kuhmilch! Die Stadtleute glauben, solche armen Landkinder würden so rund.von der Luft', sie werden es aber nicht von der Lust, sondern vom Mtlchsett, denn die Luft, welche sie einen sehr große» Teil des TageS, besonders während der ganzen Schlafenszeit atmen, ist für städtischen Begriff miserabel. Bisher steht die polizeiliche Fettgrenze der Milch weit unter der natürlichen zum Schaden der ganzen großstädtischen Be- Völle rung. Bei solchen Tatsachen ist eS höchst notwendig, daß die Berliner Bevölkerung bei der Festsetzung des Fettgehaltes für Vollmilch ein kräftiges Wort mitspricht, damit nicht die Polizei eine agrarisch- milchhändlerische Verordnung erläßt. Die städtische Bevölkerung muß bessere Milch verlangen, als sie jetzt bekommt, muß ganz besonders im Sommer eine noch höhere Feltgrenze verlangen, als die auch erheblich zu erhöhende Fettgrenze im Winter._ Der Betrug bei der Dresdner Bank. Der 30 000-Mark-Betrua bei der Dresdner Bank ist setzt in allen seinen Einzelheiten aufgeklärt. Der Hauptschuldige scheint der Kassenbote Thiel zu sein, dessen erfolgte Verhaftung in dem Dorf« Rutenbera bei Lychen wir bereit» gemeldet haben. Thiel ver- suchte gestern srüh bei seiner Vernehmung auf dem Bezirksamt Mitte , alle Schuld auf seinen Komplicen zu wälzen, der auch den Plan zu dem Betrug ausgeklügelt habe. Thiel will nur das Rechnungsformular beschafft und im geeigneten Augenblick den Bank- stempel aus die Effcktenrcchnung gedrückr haben. Der Bote Hart- lep, der gegen eine Gebühr von sechshundert Mark da» Geld abhob, ist inzwischen wieder auf freien Fuß gesetzt worden, da seine Angabe, daß er in die Einzelheiten des Betrugsmanövers nicht eingeweiht gewesen sei, Glauben verdient. Er gab zwar zu, daß er Verdacht geschöpft habe, als man ihm daS sonderbare Angebot machte, aber er will sich schließlich nichts weiter dabei gedacht haben. Die 600 M. hat er inzwischen wieder zurückgegeben. Die Dresdner Bank wird durch den Schwindel keinen finanziellen Schaden erleiden, da von den unterschlagenen Geldern 26 000 M. gestern früh bei der Filiale der Bank für Handel und Industrie in der Königstraße, wo sie unter dem Namen.Rcinhagen' deponiert waren, beschlagnahmt worden sind._ Ein Fall von Hundetollwut ist in Bötzow bei Velten festgestellt Ivorden. Der Hund, der einem dortigen Besitzer gehörte, wurde getötet und der Kadaver dem zuständigen Kreisarzt zur Untersuchung zugestellt. Dieser hat bestätigt, daß Tollwut vorlag. Daraufhin sind die Behörden der umliegenden Ortschaften benachrichtigt worden und in Bötzow, Velten , Hennigsdorf , Stolpe , WannSdorf mw. ist die vorläufige Verhängung der Hundcsperre angeordnet worden. Selbsthilfe eines Hausverwalters. Zu der mit dieser Ueberschrift veröffentlichten Notiz sin Nr. 209 vom 15. August) über ein Vorkommnis in dem Mädlerschen Hause Swinemünder Str. 3, wird uns von dem Verwalter Herrn Heinrich sowie von dem gleichfalls mit der Verwaltung Mädlerscher Häuser betrauten Herrn Mangelsdorff mitgeteilt, daß in diesen Häusern sonst ein sehr kulantes Verfahren gegenüber Mietsschuldern üblich sei. Daß Herr Heinrich der in unserer Notiz erwähnten Familie die Fensterflügel ausgehängt habe, erkläre sich aus seiner Erregung, in die er geraten sei, weil der Mieter ihn gereizt habe. Der Verwalter hat hierbei leider übersehen, daß er durch sein Vor- gehen auch zwei kleine Kinder den Unbilden der Witterung aussetzte. Erhängt aufgefunden ist am 15. August im Wald bei Heiligen- see a. H. ein unbekannter Mann. Beschreibung: zirka 55 Jahre alt, 1,75 Meter groß, schlanke Gestalt, dunkle» graumeliertes Haar, langer starker graumelierter Schnurrbart, unrasiert, hageres, ein- gefallenes Gesicht, geneigte Stirn, hellgraue Augen, große Nase und Ohren, ohne besondere Kennzeichen. Bekleidung: dunkler, mit roten Streifen versehener Sommerüberzieher, dunkelgestreifte Hose, dunkler Rock, schwarze Weste, schwarze Schnallenschuhe, schwarze wollene Strümpfe, schwarzer Schlapphut, blaues Ober- Hemd mit gestreiftem Einsatz und Manschetten, Trtiotunterhemd, weiße Barchendhose, führte Rotdornstock mit Hirschhornkrücke, diese mit Platte versehen, die Buchstabe Fl trägt, bei sich. Die Leiche be. findet sich in der Leichenhalle Heiligensce a. H. Rekognc-zenten wollen sich dortselb beim Gemeindevorsteher melden. Eft» verhängnisvoller Zusammenstoß zwischen einem Dampfer und einem Lastkahn ereignete.sich aus der Oberhavel . Ein mit Steinen beladener Kahn des Schiffers Brennecke aus Zehdenick be- fand sich auf der Fahrt nach Oranienburg . An der Pinnower Schleuse wurde das Fahrzeug von dem entgegenkommenden Dampfer angefahren und mit solcher Wucht gegen das Bollwerl gedrückt, daß ein laute» Krachen entstand und ein mächtiges Leck herbeigeführt wurde. Im Augenblick weniger Sekunden war das Fahrzeug mit Waffer gänzlich'angefüllt und untergegangen. Die Bewohner des Kahnes, der Schiffer, dessen Frau und Kinder, sowie die Schiffer- knechte konnten sich mit knapper Müh und Not in Sicherheit bringen. Der Zoologische Garten hat eine interessante Geschenksendung aus Kamerun erhalten. Tarunter befinden sich zwei der zu den Halbaffen gehörenden zierlichen kleinen MauSgalagoS: im Ur- walde eine nächtliche Lebensweise führeride kuriose Tierchen, mit großen runden Eulenaugen, die. zuin erstenmal hier ausgestellt werden und im Alten Tierhause gegenüber dem Bärenzwinger untergebracht sind. Ferner ein paar Zwergantilopen aus den Buschdickichten Kameruns , die ihrem Namen alle Ehre machen; denn sie sind kaum so groß wie ein Hase. Im Wissenschaftlichen Theater der Urania gelangt in dieser Woche am Sonntag noch einmal der VortragVon der Zugspitze um Watzmann " zur Darstellung. Am Montag, Mittwoch und Frei- tag wird der VortragAn den Seen OberitalienS' wiederholt und am Donnerstag und Sonnabend der BortragDer Großglockner, Gastein und die Salzburger Alpen'. Am Dienstag findet«ine Wiederholung des VortragsParis und die Königsschlosser von Versailles " statt._ Vorort- JVacbrlchtcno Neukölln. Durch einen Spnmg aus dem dritte» Stock nahm sich in der vergangenen Nacht der 44 Jahre alte Maurer Wilhelm Thieme aus der Bergstr. 129 das Leben. Der Mann, der verheiratet und linder- los war. wohnte dort im dritten Stock des Vorderhauses. Er litt schon seit längerer Zeit an einem Leiden, da» ihm oft Schmerzen verursachte. Als er in der Nacht gegen 12 Uhr wieder einen heftigen Anfall bekam, sprang er au« dem Bett, eilte in die Küche, riß hier das Fenster auf und sprang auf den gepflasterten Hof hinab. Seine Frau versuchte noch ihn zu fassen, doch kam sie zu spät. Thieme blieb mit zerschmetterten Gliedern tot liegen. Die Leiche wurde be- schlagnahml und nach dem Schauhause gebracht. Charlotteuburg. Der frühere Stadtrat und Gartenbaudirektor der Stadt Charlotlenburg, Rudolf Brandt , ist gestern gestorben. Brandt war geborener Berliner und lebte seit sicbenunddreißig Jahren in Charlottenburg . Nachdem er einige Zeit lang der Charlottenburger Stadtverordnetenversammlung angehört hatte, wurde er im Jahre 1895 zum unbesoldeten Stadtrat gewählt. Brandt war der Schöpfer der städtischen Gartenanlagen; sein Hauptwerk ist die gärtnerische Aus- gestaltuna der Schloßstraße und der Anlagen des SavignyplatzeS. Der Verstorbene hat ein Alter von 84 Jahren erreicht. Lichtenberg . Ei»«eithi» sichtbarer Brand rief vorgestern abend gegen 11 Uhr unter der Lichtenberger Bevölkerung große Beunruhigung hervor. Die Holzlager der Küchenmöbelfabrik Böttcher an der Köpenicker Chaussee standen in kurzer Zeit in hellen Flammen. Ehe die Lichten- bcrger OrtSfeuerwchr an Ort und Stelle sein konnte, brannten be- reitS mehrere Schuppen. Es wurde sofort Großfeuer gemeldet und bei benachbarten Wehren neue Verstärkungen geholt. Innerhalb einer halben Stunde hatte sich eine große Anzahl Löschzüge an der Brandstelle eingefunden, die dem Feuer energisch zu Leibe rückten. DaS Hauptaugenmerk wurde darauf gerichtet, die noch nicht von dem Brande ergriffenen Schuppen zu schützen. Nach mehrstündigen Be- mühungen gelang eS den vereinten Kräften der Wehren, den Brand auf seinen Herd zu beschränken. Die Löscharbeiten wurden durch die verhältnismäßig windstille und feuchte Witterung wesentlich be- günstigt, so daß gegen Mitternacht«in Teil der Wehren abrücken konnte. ES wurde schließlich eine ziemlich starke Brandwache zurück- gelassen. Es kann mit ziemlicher Sicherheit angenommen werden, daß das Feuer auf Brandstiftung zurückzuführen ist. Der Schaden dürfte etwa 4050 000 M. betragen. Mariendorf « Ueber den Parteitag in Jena referierte im letzten gemein- schaftlichen Zahlabend Genosse S ch o l z- Neukölln. Die AuS« führungen des Redners bewegten sich im allgemeinen in demselben Sinne wie diejenigen, die er in der Neuköllner Gencralversamm- lung bei Behandlung des gleichen Themas gemacht hatte. In der Diskussion bemerkte Genossin Rosa Luxemburg , der Referent hätte sich das Aufsuchen von Gründen für den Still- stand der Organisation sehr leicht gemacht. Nicht soziale Ursachen allein trügen die Schuld daran, daß die Organisation keine Fort- schritte gemacht habe. In allen Teilen des Reiches fei eine Stim- mung vorhanden, die darauf schließen lasse, daß wir mit anderen Mitteln die Massen zu fesseln und zu beleben suchen müßten. Auch tzie großen Deznonstratjonsversammlungen, in denen noch dem Pox« trag« die schablonenhafte Annahme ein«r Resolution erfolge, seien nicht dazu angetan, indifferente Kreise für unsere Sache zu ge- Winnen. Wenn von einem Redner gesagt worden sei, die Leitung der Partei sei nicht mehr so wie früher, so sage sie. Rednerin, die Leitung sei immer noch dieselbe. Betont werden müsse, daß die veränderten politischen Verhältnisse, die Zuspitzung des Klassen- kampfes und die im Zunehmen begriffenen imperialistischen Ten- denzen der Kapitalistenklasse von der Leitung mehr berücksichtigt werden müßten. Die Taktik d«r Fraktion in der Militär- und Deckungsvorlage passe wie die Faust aufs Auge. Unser Ideal sei: Aufhebung der indirekten und Ersatz durch direkte Steuern, soweit dieselben zur Erhaltung des Staates notwendig seien, aber keinen Pfennig für den Molcch Militarismus. Die Stellungnahme der Fraktion zur Deckung der Militärvorlage bodeute nicht eine Auf» Hebung der indirekten Steuern, sondern eine Neubelastung de? Volkes, weil letzten Endes indirekt die große Masse doch die Z«che bezahlen müsse. Es sei sogar ein Vergehen gegen da» Proletariat, wenn dasselbe nicht dahin aufgeklärt werde, daß die Kapitalisten doch wieder das Geld aus dem Volke herauszuholen versuchen. Wir hätten keinen Grund, den Massen zu sagen, daß eine neue Aera in der Steuerpolitik beginne. Den Liberalen zu Liebe habe die Fraktion dafür gestimmt, daß Militär- und TcckungSvorlage getrennt behandelt wurde»». Es sei ja geradezu eine Satire zu unseren Forderungen. Zu der Frage des Massenstreiks sei zu betonen, daß wir uns nicht nur auf die organisierten Genossen ver» lassen dürfen. Beim Massenstreik werde die große Masse mit- gerissen. DaS beste Beispiel habe uns Belgien geliefert. Nach den Berichten haben an dem letzten Streik 450 000 Arbeiter teil- genommen, obwohl nur 185 000 Organisierte vorhanden waren. Rednerin schloß mit der Mahnung, für genügende Aufklärung zu sorgen und Männer zu erziehen, die nicht nur das Mitgliedsbuch in der Tasche, sondern auch das Herz auf dem rechten Fleck haben. Genosse Brandt wendete sich gegen die Ausführungen der Ge- nossin Luxemburg ; er ist der Meinung, daß die große Masse eS gar nicht verstanden hätte, wenn unsere Fraktion gegen die direkten Steuern gestimmt hätte. Genosse Huhn meinte, man müsse sich die- jenigen Genossen, welche in führende Stellungen berufen� werden, sehr genau ansehen. Es müsse versucht werden, Genossen auf die Parteitage und in daS Parlament zu senden, welche die Fühlung mit der großen Masse noch nicht verloren haben. In bezug auf den Massenstreik sei er mit der Geirossin Luxemburg insofern nicht einverstanden, als wir den Vergleich mit Belgien doch nicht bei uns anwenden können. In Deutschland habe man mit einem organi- sierten Streikbrechertum zu rechnen. Genosse Scholz ging in seinem Schlußwort auf die Ausführungen der Genossin Luxemburg ein; er verwies daraus, daß gerade in Groß-Berlin versucht werde, betreffs Bildung und Aufklärung alles mögliche zu leisten. Trotz- dem gehe die Bewegung nicht in der gewünschten Weise vorwärts. In einem Berliner Kreise, der das demokratische System in einer nicht zu überbietenden Weise durchgeführt habe, komme sogar der Rückgang der Bewegung am krassesten zum Ausdruck. Der Idealismus des einzelnen lasse eben viel zu wünschen übrig. ES sei zu hoffer», daß der Parteitag die Mittel finden werde, die geeignet sind, über diese Schlappe hinwegzuhelfen. Zum Schluß verlas der Vorsitzende die Namen von 20 Neuaufnahmen im letzten Monat. Nach Bekanntgabe der Veranstaltungen, welch« der Bil- dungSauSschuß in diesem Winter vorzunehmen gedenkt, sowie nach einem Hinweis auf den am Sonntag, den 17. d. M., stattfindenden Ausflug der Jugendlichen wurde die gut besuchte Versammlung geschlossen. Schönebcrg. DaS für heute nachmittag um 2 Uhr angesetzte Schauturnen de« Arbeiter-TurnvereinS beginnt wegen der Gedächtnisfeiern erst um 4 Uhr �Spielplatz Rubensstraße). Abends>/z8 Uhr im kleinen Saal des.Schwarzen Adler', Hauptstraße. Weihenfee. Aus der Gemeindevertretung. Die Mittel für Reklame der Spar« lasse, die Milchkuranstalt und des Elektrizitätswerks an den Wetter- schutzhallen in der Berliner Allee und Gustav-Adolfstraße werden be« willigt. Die Fischerei auf dem Weißen See wurde für 500 M. ver« pachtet. Dem Pächter wurde die Verpflichtung auferlegt, das Angeln nur vom Bade aus zu gestatten; bisher konnte aucki vom Ufer aus geangelt werden, doch wurden hierbei die Anlagen beschädigt. Die Entsendung von Vertretern zu dem Verbandstage deutscher Gewerbe« und KaufmannSgerichte nach Leipzig stand wiederum auf der TageS« ordnung. In der früheren Sitzung konnte man über die DelegattonS« kosten keine Einigung herbeiführen. ES wurden 30 M. pro Person bewilligt. Entsendet werden von beiden Gerichten der Vorsitzende, ein Arbeitgeber- und ein Arbeitnehmerbeisitzer. Zum Branden- burgischen Städtetage in Spandau wurde Syndikus Knothe und Baurat Bühring delegiert. Für den AufsichtSrat der Weißenfeer Bank wurden von der Gemeindeverirelung die Herren Major a. D. Wesener, Leiter de» WirtschaftSamteS. Gemeindevertreter Meier und Genosse Frentz vorgeschlagen. Eine längere Debatte veranlaßte die Beitreibung der Kanalisationsbeiträge durch die Verwaltung. Die Beteiligten find der Auffassung, daß diese Beiträge ohne weiteres auf zwei Jahre gestundet werden, während die Verwaltung je nach der Vermögenslage der Betreffenden die Beiträge sofort verlangt oder auf dem Wege der Teilzahlung innerhalb zwei Jahren. Letztere Auffassung wurde auch von der Mehrheit der Gemeindevertretung geteilt. Bei den Wahlen in der 1. Abteilung wurden 33 Vollmachten und 15 persönliche Stimmen abgegeben. Insgesamt waren 156 Wähler eingetragen. Gewählt sind Bäckermeister Kohler, GaS- anstaltSdirektor Delbrück und Gärtuereibesitzer Pretzel. Johannisthal . DaS Thema Massenstreik behandelte in der letzten Mitglieder» Versammlung deS Wahlvereins Genosse Dr. Breitscheid. Redner ging unter anderem auch auf die Haltung der Fraktion bei der Hceresvorlage ein; er meinte, daß die Fraktion richtig gehandelt habe. Zum mindesten sollte man auS der Haltung der Fraktion keine Frage des Prinzips, sondern eine solche der Taktik machen. DeS weiteren sei eS verkehrt, von einem Stillstand der Parteiorganisation zu sprechen,»venu man berücksichtigt, daß wir eine Periode des industriellen Aufschwunges hinter uns haben und jetzt inmitten der Krise wären. In der Frage des Massenstreiks vertrat Redner seinen bereits in anderen Versammlungen dar- gelegten Standpunkt. Die Diskussion bewegte sich im Sinne des Referats. Den Bericht von der Verbandsversammlung erstatte»« Genosse L e h n e r. Als Delegierter zur Kreis-Generalversamm» lung wurde Genosse Steuer gewählt. An Stelle deS nach Amerika auswandernden Bezirksführers Genoffen Zimmer » mann wurde Genosse Engelmann gewählt. Genosse D ü h r i n g gab alsdann noch einen Bericht aus der Gemeinde- Vertretung. Dabei ging Redner besonders auf den vom Schularzt erstatteten Bericht ein. Die Besprechung einiger lokaler Dinge bildete den Schluß der Versammlung. Reinickendorf - West. Am Sonntag veranstaltet der Arbeiter-Radfahrerbund Solidarität (Ortsgruppe Reinickendorf ) sein Sommerfest im Lokal von GördeS, Eichbornsttaße, Ecke Waldstraße. Da die genannte Ortsgruppe sich stets bei Parteiveranstaktungen zur Verfügung stellt, wird die Arbeiterschaft um rege Beteiligung ersucht.____ Gerichts-Zeitung. Polizei und Arbeiterjugend. Wie die Behörden den Kampf gegen die Arbeiterjugend führen, zeigte sich am Freitag vor dem Amtsgericht in Pankow . Der ISjahrige Maler Richard Rehbock war angeklagt, einer Auf. fotzdsrung zum Auseinandergehen nicht Folge geleistet ju Men.