Brandenburger Tor benachbarten Hause Pariser Platz 1 ein großes Cafö einrichten und zu diesem Zweck das Erdgeschoß mit der Fassade vollständig umbauen wollte, hat nicht die Zustimmung des Berliner Polizeipräsidenten erhalten. Bemerkenswert ist hierbei, daß der Sachverständigenbeirat deS Berliner Magistrats, dem der Schutz des Stadtbildes obliegt, gegen das Projekt keine Bedenken er- hoben hatte. Die ersten Projekte wurden zwar auf Veranlassung des Sachverständigenbeirats mehrmals geändert, dem letzten Entwurf der Architekten Wenzke und Giesecke erteilte er jedoch seine Zustimmung, weil nach seiner Ansicht eine Beeinträchtigung des Stadtbildes im Sinne des Ortsstatuts gegen Verunstaltuug im wesentlichen nicht zu befürchten sei. Diesem Gutachten trat der Berliner Magistrat nicht bei; er lehnte vielmehr auch das geänderte Projekt ab, weil nicht nur durch den Umbau,'fondern auch durch den Betrieb des EafeS eine Beeinträchtigung des historischen Platzbildes zu erwarten sei. Dieser Entscheidung schloß sich der Polizeipräsident an; er ver- sagte die baupolizeiliche Genehmigung. Der Eigentümer hat darauf- hin jetzt das Vcrwaltungsstreitverfahren beantragt und beim Bezirksausschuß Klage auf Aufhebung der Entscheidung des Polizeipräsidenten eingereicht. Ein Termin zur Verhandlung steht noch nicht fest. Zum Luftschiffunglück. An der Fortschaffung der Trümmer des verunglückten Luft- schiffcs wurde noch am Sonnabendvormittag gearbeitet. Am Mittag waren die Ueberreste abgefahren bis auf die Motors, von denen der vordere sich tief in den Boden eingebohrt hatte, und deren Weg- bringung wohl noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Wer heute, am Sonntag, die Unglücksstelle besucht, wird außer den ver- brannten Rasenflächen an den Stellen, an denen die Gondeln auf den Erdboden aufstießen, weitere Spuren von der entsetzlichen Katastrophe nicht mehr erblicken. In den Berichten über die letztere ist übrigens nur von einer Explosion die Rede. Das ist nicht ganz ricktig. Es haben zwei Explosionen stattgefunden. Die explo- dicrende Masse ist also nicht mit einem Male entzündet worden. Für die näher an der Unglücksstelle Befindlichen mögen wohl durch die heftige Erschütterung der Luft beide Detonationen in eine zusammengeflossen sein. In etwas größerer Entfernung, am Spreeufer bei Baumschulenweg, war jedoch ganz deutlich zu unter- scheiden, daß erst eine Explosion erfolgte, der unmittelbar darauf eine zweite gleichstarke folgte. Da der aufsteigende Rauch, von der Spree aus gesehen, sich in der Richtung erhob, in der die Kohlen- sänrefabrik von Niederschöneweidc liegt, glaubte Schreiber dieser Zeilen bestimmt, daß in der erwähnten Fabrik ein Kessel geplatzt sei und einen zweiten mit fortgerissen und zur Explosion ge- bracht habe. Von der Heftigkeit der Lufterschütterung zeugte auch das Ver- halten der Tiertoelt nach der Explosion. Die ziemlich zutraulich gewordenen Wildenten, die sich wenige Meter vom Ufer entfernt im Wasser tummelten und auf Fütterung durch Vorübergehende warteten, erhoben sich augenblicklich aus dem Wasser und strebten in wilder Flucht davon. Auch ein ganzer Schwärm Krähen fuhr aus den Baumwipfeln im Treptower Park hervor und flog schreiend dem gegenüberliegenden Ufer zu. Die Tiere hatten offenbar alle die Empfindung, daß in ihrer nächsten Nähe geschossen worden und Gefahr für sie im Verzuge sei. « Gottes Fügung? Bei den vielen nachdenklichen Betrachtungen, zu denen die Vernichtung des neuesten Luftkreuzers anregt, drängt fich auch die Frage auf, wie unsere Frommen sich zu dem Vorgang stellen werden. Eigentlich dürfte es keine Frage fein, wenn die Gescheitelten und Geschorenen eben nicht von jeher mit der Logik <Buf dem Kriegsfuße gestanden hätten. Unendliches wissen sie jähr- ein, jahraus von den Fügungen und Schickungen Gottes zu er- zählen. Was wäre da selbstverständlicher, als daß sie aus dem Untergang der beiden Luftkreuzer„L. I" und ,,L. II" den Schluß zögen, daß Gott der Herr in seinem Grimme über menschlichen Aberwitz, die Greuel des Krieges auch noch in die Luftregion zu tragen, die beiden Kreuzer vernichtet hat? Soll doch ohne seinen Willen kein Blatt vom Baume fallen, wieviel weniger erst Menschen aus der Luft in das Meer gestürzt oder als brennende, verstümmelte Leichen zur Erde herabgestürzt werden. Aber vor solchen Be- trachtungen werden sich die Diener Gottes wohl hüten, denn sie könnten an maßgebenden Stellen übel vermerkt werden. Und deshalb wird in den Salbadereien, die heute sicher in Hunderten von Kirchen über das neueste Luftschiffunglück gemacht werden, der bekannte„unerforschliche Wille Gottes", über den dieselben Leute, wenn es ihnen sonst in den Kram paßt, höchst genau unterrichtet sind, wieder eine große Rolle spielen. Klagen der Berliner Omnibusangestellten. Uns wird geschrieben: In letzter Zeit wird von den Angestellten der Omnibusge'iellschaft lebhaft Klage geführt über Schikanen der Polizei. Die Kutscher empfinden es als sehr unnötige Belästigung, wenn sie daraufbin polizeilich kontrolliert werden, daß sie ja ständig die Peitsche in die Hand halten und daß sie manchmal mehrere Male an einem Tage ihren Fahrschein zwecks Kontrolle vorzeigen müssen, worin sich ganz besonders die Schönebergcr Polizei rühmlichst her- vortun soll. Die Angestellten fragen sich, woher es kommt, daß die Aufsichts- behörde mit' einem Male auf die Omnibusaugestelltcn verfällt. Es wäre nach ihrer Ansicht weit besser, wenn sich die hohe Polizei mehr um die dienstlichen Verhältnisse, d. h. um die lange Arbeitszeit be- kümmern würde. Denn es dürfte ihr nicht unbekannt sein, daß dieselbe immer noch 16—18 Stunden täglich beträgt. Oder aber wenn die Polizei für die regelmäßige Gewährung der freien Tage sorgen würde. Sie würde sich im Interesse der Allgemeinheit dadurch ein weit größeres Verdienst erwerben. Wer weiß, was es bedeutet, wenn man ö und 6. bei den Schaffnern sogar 8—10 Tage hinter- einander pro Tag 16—18 Stunden Arbeit zu leisten hat, der lvürde diesen entrechteten und geplagten Menschen nicht durch kleinliche Kontrollmaßregeln das Leben noch saurer machen. Eifersuchtstragödie in Pankow . Gestern früh feuerte der Arbeiter Bähr in der Kaiser-Friedrich- Straße 66 zu Pankow aus Eifersucht auf seine Geliebte, die 33 Jahre alte Frau Helene Freitag, zwei Revolverschüsse ab, von denen einer die Frau lebensgefährlich verletzte. Der Täter stellte sich selbst der Polizei. Ueber den Vorgang wird gemeldet: Im Hause Kaiser-Friedrich-Straße 66 zu Pankow wohnte seit längerer Zeit der Arbeiter Freitag mit seiner Frau und vier Kindern im Alter von 16— 4 Jahren. Das Ehepaar lebte sehr glücklich, bis die 33 Jahre alte Frau F. auf einem Vergnügen den Arbeiter Bähr kennen lernte. Sie ließ schließlich seinetwegen den eigenen Ehe- mann im Stich, um dem B., der in der Gubener Straße zu Berlin wohnte, die Wirtschaft zu führen. Sie nahm die beiden kleinsten Kinder mit, während sie die beiden älteren ihrem Manne zurück- ließ. Nachdem sie etwa Jahre mit B. zusammengelebt hatte, kehrte sie vorgestern zu ihrem Gatten zurück, der sie auch wieder aufnahm. Gestern früh erschien Bähr in der Wohnung des wieder- vereinten Ehepaares und forderte Frau F. auf, zu- ihm zurückzu- kehren. Auf die Weigerung der Frau gab B. zwei Revolverschüsse auf sie ab, von denen einer die Wirbelsäule verletzte. Dann stellte der Täter sich selbst der Polizei und wurde verhaftet. Das Befinden seines Opfers ist leider so bedenklich, daß die Aerzte wenig Hoff- nung auf Erhaltung des Lebens haben. Zu dem Gaunerstreich im Untersnchiingsgrfängnis, über den wir gestern berichteten, wird noch weiter mitgeteilt, daß der auf ebenso dreiste wie ungewöhnliche Art entkommene Kaufmann Wilhelm Wiemer ein geriebener Betrüger ist, der Anfang vorigen Jahres hier in Berlin , wo er auch geboren ist, einen Schwindel größeren Stils in Szene setzte. In dem Hause Potsdamer Straße 112 mietete er den ganzen zweiten Stock und richtete alle Räume zu einem Kontor mit Leihmöbeln vornehm ein. Dann suchte er durch Zeitungsanzeigen Geschäftsführer, Kassierer, Maschinenschreiberinnen usw. für seinen Betrieb, den er„Groß-Berliner Hausverwaltungsgesellschaft m. b. H." nannte. Alle Bewerber mußten Kaution stellen. Die Angestellten, die auf seine verlockenden Angebote eingingen, und sich besonders auch durch die glänzende Einrichtung seiner Räume bestechen ließen, verloren im einzelnen Beträge von 200 bis zu 4000 M. Die ganze Bureaueinrichtung gehörte dem Möbclhändler, der sie nur auf Leihvertrag geliefert und sich das Eigentumsrecht vor- behalten hatte. Ebenso stand es mit den vielen und wertvollen Schreibmaschinen. Der Schwindler, der schon einen großen Vor« sprung hatte, als die Kriminalpolizei Kenntnis von seinem Treiben erhielt, war nirgends mehr zu finden. Er hatte Mittel genug, um sich aus dem Staube zu machen und solange zu leben, bis er an anderen Orten seine Gaunereien wieder aufnehmen konnte. Erst nach mehr als einem Jahre, Ende April d. I., gelang es, ihn in Hannover , wo er als vi. msä. Wilhelm Freyer aus London wieder Kautionsschwindeleien verübte, festzunehmen. Im Ringkampf in die Spree gestürzt. Im Ringkampf mit einem Räuber ist gestern früh der Schlächter- meister Jähne aus Charlottenburg in die Spree gestürzt. Jahne, der in dem Fleischwarengeschäft von Richter in der Röntgenstraße als Meister angestellt ist, fährt jeden Morgen mit dem Zweirade nach der Zentralmarkthalle, um einzukaufen; er hat dann stets eine größere Geldsumme bei sich. Das muß wohl ein Verbrecher aus- gekundschaftet haben. Als sich der Meister gestern morgen wieder auf dem gewohnten Wege befand, fiel ihn ein unbekannter Mensch am Charlottenburger Ufer an und stieß ihn unversehens vom Rade. Der Meister raffte sich sofort wieder auf und packte den Räuber, um ihn unschädlich zu machen. Es entspann sich ein heftiger Ringkampf, der damit endete, daß beide Männer die Böschung hinunter in die Spree fielen. Als sich der Meister durch Schwimmen auf das Ufer gerettet hatte, war der Räuber spurlos verschwunden. Der Ueber- fallene kann nicht sagen, ob er sich ebenfalls gerettet hatte und davon- gelaufen war, oder ob er untergegangen und ertrunken ist. Gegen die Errichtung von Zwangsinnungcn wird sich eine öffentliche Versammlung aller selbständigen Handwerker Groß- Berlins wenden, die am Montag, den 26. Oktober, abends g Uhr, in der Neuen Philharmonie stattfindet. Arbriter-Bildungsschule. Heute abend 7 Uhr: Vortrag des Genossen Pieck über» D a s Jahr 1813", im Königstadt-Kafino, Holzmarktstr. 72. „Sängerabteilung I" und„Männcrchor Norden"(M. d. D. A.-S.-B.) veranstalten heute ein Konzert in der Brauerei Friedrichshain. Mitwirkende: Frau Margarete Böhme-Heiden- reich(Sopran), Herr Gustav Franz(Bariton), Herr Dr. Artur Böhme(Flügel und Orgel),(Konzertflügel Ibach). Zur Auf. führung gelangt u. a.„Weruher". ein Almengang vor 700 Jahren, für Männerchcr, Sopran und Baritonsolo mit Klavier-, Orgel- und Jnstrumcntenbegleitung. Kasseneröffnung S Uhr, Anfang 6 Uhr. Billetts 60 Pf., an der Kasse 75 Pf. In der Juristischen Sprechstunde ist gestern ein Herrenschirm zurückgelassen worden. Der Eigentümer kann den Schirm während der Sprechzeit in Empfang nehmen. Vorort- r�admckten. Pankow . Ein sonderbares Abenteuer, das vor einigen Wochen ein Arbeiter G. in einer Laub e n- kolonie zu später Nachtzeit zu bestehen hatte, harrt noch der Auf- klärung durch die Polizei. In der Nacht vom 27. zum 28. Sep- tember(Sonnabend zu Sonntag) ging G., mit einem Freunde von Berlin kommend, nach 3 Uhr durch die Laubenkolonien an der Esplanade, um sich den Weg nach seiner in Pankow gelegenen Wohnung abzukürzen. Plötzlich fielen Schüsse, und bald daraus sahen die erschreckten Wanderer sich umringt von Leuten, die in der Dunkelheit von allen Seiten herbeieilten und nach den: Schützen fahndeten. Ein Mann, der sich besonders eifrig benahm, bieli die beiden an und sagte ihnen auf den Kopf zu:.Sie haben geschossen!" AIS sie diese Beschuldi- gung zurückwiesen, erklärte der Mann, er sei K r i m i n a l b e a ni t e r, sie sollten mit zur Polizeiwache kommen. Sie ersuchten ihn, sich zu- nächst einmal zu legitimieren, worauf er ihnen ein in sein Notizbuch anscheinend eingeklebtes Papier mit irgendeinem amtlichen Stempel zeigte. G., dem die Sache unheimlich vorkam, wollte sich nicht durch die dunkle Laubenkolonie führen lassen und lies weg. Er wurde aber verfolgt, allen voran von dem angeblichen Kriminalbeamten, der ihm mit vorgehaltenem Revolver drohte:.Halt— oder ich schießet" Darauf trat man gemeinsam den Weg nach der im Pankower Rathaus befind- lichen Polizeiwache an. Unterwegs begegnete ihnen ein Radler, der in dem Rebolvermann einen schon öfter gesehenen Laubenkolonie- besucher erkannte. WaZ er mit den beiden Leuten vorhabe und zu welchem Zweck er immer wieder zu später Stunde auf dem Laubenland auftauche, ftagte der Radler. Als der andere etwas von.Polizei" sagte und wieder seinen Revolver sehen ließ, forderte der Radler ihn auf, selber mit zur Polizei_ zu kommen. Man setzte den Weg fort und langte schließlich miteinander auf der Polizeiwache an. Der Revolvermann schritt den anderen voran, betrat als erster den Wachraum und be« richtete ohne weiters dem diensthabenden Beamten:, I ch h a b e mich als Kriminalbeamten ausgegeben, um fest« zustellen, ob die hier geschossen haben." Nachdem beide Parteien ihre Personalien angegeben hatten, fragte G. den Diensthabenden:„Was wird denn nun mit dem da?"„Gehen Sie nur nach Hause!" wurde ihm geantwortet. G. und sein Begleiter verließen die Polizeistube, während der Revolvermann in ihr zurück« blieb. Um sich über dessen Persönlichkeit Auskunft zu holen, ging G. zwei Tage später nochmals zur Polizei. Man nannte ihm folgende Personalien:„Waldemar Herzberg, Privat« d e t e k t i v, Nieder-Schönbausen, Kaiser-Wilhelm-Straße 48." Auf dem Kriminalbureau erstattete dann G. gegen Herzberg die Anzeige, daß dieser ihn angehalten und mit dem Revolver ihn genötigt habe, mitzukommen. Nicht als Nötigung und Bedrohung, sondern als Freiheitsberaubung wollte der die Anzeiqe zu Protokoll nehmende Kriminalbeamte das ansehen. Vierzehn Tage darauf erhielt G. eine Vorladung vor die Polizei, und hier wurde ihm jetzt zu seiner großen Ueberraschung mitgeteilt, daß er, G., in jener Nacht auf der Polizei- wache nicht seinen richtigen Namen angegeben habe. Notiert sei nicht der Familienname, sondern nur zwei Vornamen, von denen der diensthabende Beamte den zweiten für den Familiennamen ge- halten habe. Selbstverständlich hatte G., da ja er gegen Herzbcrg vorgehen wollte, keinerlei Grund, sich der Feststellung seiner Per- sönlichkeit zu entziehen. Aber anscheinend lvill die Polizei die naheliegende Erklärung, daß der Beamte den angegebenen Familiennamen nicht gehört oder ihn versehentlich' nicht mitnotiert hat, nicht gelten lassen. G. verstand, daß jetzt gegen ihn selber borgegangen werden solle. Da sind wir wirklich neugierig, zu sehen, ob die Polizei das versuchen wird. Noch gespannter sind wir darauf, was dem Privatdetektiv geschehen wird, der nach eigenem Ge- ständnis in seinem Eifer, der Polizei zu dienen, die Rolle eines Kriminalbeamten gespielt hat. Ueber diesen Helfer der Polizei haben übrigens Laubenkolonisten, denen sein Interesse für Lauben- kolonien aufgefallen ist, sich schon ihre Gedanken gemacht. Es wird vermutet, daß man bei seinen Laubenkolonistenvisiten ihn nicht als harmlosen Freund von Nachtspoziergängen, sondern als einen mit Polizeiaufirag kommenden Vigilanten anzusehen hat. Tempelhof . In der Generalversammlung des Wahlvereins gab di« Genossin Ryneck- Baumschulenweg den Bericht vom Parteitag. An den sehr objektiven, aber wenig kritischen Bericht hätte sich viel- leicht keine bemerkenswerte Debatte angeschlossen, wenn nicht Ge« nosse Zepernick- Neukölln das Wort ergriffen hätte, um in längeren Ausführungen gegen den Parteitag und insbesondere gegen den Parteivorstand die schwersten Vorwürfe zu erheben. Der Partei- vorstand habe es dahin gebracht, daß es auf dem letzten Parteitag zu einem so schweren Bruch mit der P. P. S. kommen mußte. Das Material, welches der Parteivorstand besitzt, sei tendenziös und wahrheitswidrig.— Parteisekretär Müller wies die gegen den Parteivorstand erhobenen Vorwürfe entschieden zurück und führte aus, daß die Anträge, das Verhältnis von 1906 mit der P. P. S. aufzuheben, ja gerade aus Oberschlesien gekommen sind und da? Material des Parteivorstandes zum größten Teil der„Gazetta Robotnkza" entnommen sei. Wenn sich oie Verhältnisse so zu- gespitzt haben, so liege es eben an der P. ,P. S. und nicht an dem Parteivorstand.— Aus dem Vorstandsbericht ist die bemerkens- werte Tatsache zu entnehmen, daß der Mitgliederbestand in der Berichtszeit leider eine, wenn auch geringe Abnähme zu ver- zeichnen hat. Der Kassenbericht weist im 1. Quartal eine Ein- nähme von 605,66 M. und eine Ausgabe von 537,72 M., da? 2. Quartal dagegen nur eine Einnahme von 446,74 M. und eine Ausgabe von 431,77 M. auf.— Als Delegierte zur Verbands- generalversammlung wurden die Genossen Karl Schmidt und Böttcher gewählt. Birkenwerder . Die am 10., 11. und 12. März 1912 stattgefundenen ErgänzungS« wählen sowie die am 24. März und 2. April 1912 vorgenommenen Ersatzwahlen zur hiesigen Gemeindevertretung sind vom Kreisausschuß Niederbarnim nach stattgehabter mündlicher Verhandlung am 8. Oktober samt und sonders für ungültig erklärt worden. Aus den Gründen des schriftlichen Urteils führen wir folgende Stellen an:„Die Stell- Vertreter von Stimmberechtigten sind an der Wahlhandlung für ihre Vollmachtgeber teilzunehmen erst dann befugt, wenn ihre Voll« macht geprüft ist. Die Prüfung hat der Wahlvorstand zu bewirken.(OberverwaltungSgericht 17, 120.) Bevor dieser gebildet ist, können also die Bevollmächtigten nicht an der Wahlhand» lung. also auch nickit an der Wahl der Beisitzer mitwirken. Eine vorläufige Zulassung auf Grund einer nur vom Wahlvorsteher be- wirkten Prüfung der Vollmachten kennt das Gesetz nicht. Die Be» vollmächiigten haben bei der Wahl der Beisitzer(Landgemeinde- ordnung§ 60) nicht mitzustimmen.(Oberverwaltungsgericht vom 29. März 1912. Kommunale Rundschau, Jahrgang V 1912, Nr. 21 Seite 371)." Wir sind neugierig, was der hiesige Amts- und Ge» meindevorsteher Kühn, ein ehemaliger Kreisausschußseftetär, nun unternehmen wird. Spanvau. Ueber den Parteitag in Jena referierte Genosse Lieb» knecht in einer gutbesuchten Generalversammlung des Wahl- Vereins. Zu Beginn seines Referats trat Redner der Behauptung entgegen, daß der diesjährige Parteitag einen Sieg der Revisionisten über die Radikalen gezeitigt habe. Hierauf erörterte er eingehend den Fall Rädel und fano den Beschluß auf rückwirkende Kraft für die Partei wenig rühmlich.(Widerspruch.) Ein Urteil über Radek hätte nur nach eingehender Prüfung der erhobenen Be- schuldigungen gefaßt werden dürfen.— Die Steuerfrage sei für das Proletariat sehr wichtig. Die Fraktion sei von der Voraus- setzung ausgegangen, oaß eine Besitzsteuer besser sei als eine in- dtrekte Steuer, die die breite Masse treffen würde. Wenn auch angenommen werden mußte, daß die Regierung bei Verweigerung der Deckungsvorlage sich durch einen Staatsstreich die Mittel zu verschaffen suchen lvürde, so durfte die Fraktion vor oieser Mög- lichkeit nicht zurückschrecken. Aber diese Möglichkeit lag nicht vor. Auch vor einer Auslösung des Reichstags hätte die Fraktion nicht zurückschrecken dürfen. Die Fraktion habe sich nichts vorzuwerfen, da eine entscheidende Erklärung bei der Zustimmung abgegeben ,5 Vurfel 30 pch.
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten