völlig privater Dinge wie auch wegen ihrer politischen Be- tätigung vor die Ehrengerichte gezogen und bestrast worden. Die Annahme, daß die ärztlichen Ehrengerichte in den Dienst des Kampfes gegen die Krankenkassen gestellt werden, ist also nicht begründet. Tatsächlich ist es Aerzten schon mehr- fach mit Erfolg gelungen, Kollegen, die sich nicht den einseitig aufgestellten Bedingungen der Organisation gefügt haben, ehrengerichtlich zur Verantwortung zu ziehen, und die Ehren- gerichte sind dann auf dem Umwege über eine formell aner- kannte und angeblich verletzte Verpflichtung zu dem Ergebnis gekommen, daß das Verhalten der betreffenden Aerzte strafbar sei. Die Ehrengerichte haben kurzerhand den Begriff des kollektiven Ehrenrates konstruiert und die Aerzte, die sich an die Beschlüsse ihrer Organisation nicht gebunden fühlten, des Bruchs des Ehrenrates für schuldig befunden. Wie jetzt die Aerzte sich auf die Ehrengerichte verlassen zu können glauben, das ersieht man aus dem in der„Berliner Aerzte-Korrespondenz" vom 25. Oktober d. I. veröffentlichten Aufruf in der Streitsache mit der Betriebskrankenkasse der Großen Berliner Straßenbahn. Nachdem die Aerzte dringend vor dem Abschluß von Verträgen zu den von der Kasse ge- botenen Bedingungen gewarnt hat, heißt es wörtlich: „Es würde darin eine Unterbietung des für Groß- Berlin in Aussicht genommenen Honorars liegen, die unter Umständen der Beurteilung des Ehrengerichts unterliegen würde." Diese Drohung mit schweren Geld- und Ehrenstrafen zielt ab auf die Schaffung eines Koalitionszwanges, wie er im wirtschaftlichen Leben Deutschlands bisher unbekannt ist. Die Folge davon wäre, daß die Krankenkassen völlig der einseitigen Honorarfestsetzung durch die Aerzteorganisationen preisgegeben wären. In der bisher von den Aerzten abgeleugneten, jetzt aber ganz offen zutage liegenden Taktik, auf dem Um- Wege über die Ehrengerichte sich eine Zwangsorganisation zu schaffen, findet das Vorgehen der Krankenkassen seine volle Begründung. Die Kaffenverwaltungen haben aber auch Verpflichtungen gegen ihre Mitglieder zu erfüllen, und sie würden diese Verpflichtungen gröblich vernachlässigen, wenn sie sich gebunden einer Kaste ausliefern wollten, die mittelst einer drakonischen Standesgerichtsbarkeit jeden wirtschaftlichen Kampf zu ihren Gunsten zu wenden vermag. Solange die ärztlichen Standesgerichte bestehen, liegt für die Kassen- Verwaltungen in allen Bindungen gegenüber den Aerzte- organisationcn eine eminente Gefahr. Ans dem JimunftsschiedSgericht. Sitzung vom 28. Oktober. 1. Zwei Bardamen klagten vor demJnnungSschiedsgericht gegen estaurateur Linke und dessen Frau, Beffelftratze, wegen rückständigen Lohnes auf Zahlung von 30 resp. 41,10 M. Frau Linke machte durch ihren Vertreter geltend, sie sei nicht Inhaberin. Leider wurde deshalb die Klage gegen sie zurückgenommen. Linke selbst war nicht vertreten. Er wurde verurteilt zu zahlen. Dabei kam durch den Vorsitzenden Hagemann zur Sprache. daß das Jnnungsscbiedsgericht von Linke noch uneintreibbare Kosten zu bekommen hat. so daß die Klägerinnen wahrscheinlich auck kein Geld erhalten werden. Ferner soll fich der Beklagte, der früher Schloß Weißensee und dann das Marinehaus inne hatte, in bezug aus Zahlungen sehr wenig bereit gezeigt haben. Vielleicht überlegen es sich Stellungsuchende, ob sie bei solchem Arbeitnehmer in Be- schäftigung treten. 2. Ein Kellner klagte gegen den Restaurateur Dießner auf Zahlung von 2, SV M. Lohn für einen Tag. Der Kläger hatte einen Schein unterschrieben, worauf gedruckt ist: W e r n i ch t z u m Nachputzen kommt, hat aus sein Gehalt keinen An- 1 p r u ch. Da er tatsächlich nicht zum Nachputzen gekommen ist, wurde er a b g e w i e s e n. In den meisten anderen Betrieben ist es üblich, nur 1 M. in Abzug zu bringen. Das Gericht glaubte nicht anders urteilen zu können, da die Unterschrift vorlag. M i t U n recht, denn der Schein hat keine Rechts- g ü I t i g k e i t. Es handelt sich um einen 1500 M. jährlich nicht überschießenden Lohn.§ 2 des Lohnbeschlagnahmegesetzes erklärt aber ausdrücklich jede Verfügung des Arbeiters über seinen Lohn vor dem Zahltag für rechtsunwirksam. Diese zum Schutz des Ar- beilcrs gegebene Vorschrift wird leider häufig übersehen. In der Unterschrift lag ein Verzicht, eine Preisgabe des Lohnes, also ein durch 8 2 für unwirksam erklärtes Rechtsgeschäft. Gerichts-Leitung. Der Kampf gegen die Arbeiterturnvercinc. Die Arbeitcrturnvereine haben sich fortgesetzt der bekannten „wohlwollenden" Aufsicht der Behörden zu erfreuen. Bald hier, bald dort wird ein solcher Verein unter den eigentümlichsten Be- aründungcu vom Gericht für politisch erklärt. Hat dies Schicksal schon vor einiger Zeit die in Kiel domizilierte Freie Turncrschaft an der Kieler Föhrde betroffen, so ist jetzt auch der Arbciterturu- verein des Nachbarstädtchens Eckcrnfördc von diesem Schicksal ereilt »»i-rdeu. Der Vorsitzende des Vereins war von dem Polizei- Ämuvalter in Eckernfördc aufgefordert worden, Satzungen und Vor- standsliste des Vereins der Polizeibehörde einzureichen. Er lehnte das ab. Um aber allen Polizcischikanen aus dem Wege zu gehen und die Sache zur Entscheidung zu bringen, denunzierte er sich selbst der Staatsanwaltschaft der Uebertretung des Reichsvereins« aesetzes. Das Schöffengericht in Eckernfördr sprach ihn frei; der Verein sei nicht als ein politischer Verein anzusehen. Der Amts- anwalt legte gegen das Urteil Berufung ein, und so kam die Sache vor die Strafkammer des Kieler Landgerichts. Das Gericht hob das schösfengerichtlichc Urteil auf und verurteilte Den Vorsitzenden wegen Uebertretung deS Neichsvcrcinsgcsetzcs zu einer Geldstrafe von 5 M.; der Verein sei ein politischer Verein. ES ist nun interessant zu erfahren, welche Gründe dafür herhalten mußten, den Verein zu einem politischen zu machen. Da ist zunächst die Lokal. frage. Der Verein turnt und hält seine Versammlungen ab in dem von dem Gcwerkschaftskartcll gepachteten Lokal. Das Gewerk- schaftskartell aber bestehe aus Vertretern der Gewerkschaften, die Gewerkschaften aber ständen in enger Beziehung zur sozialdemo- kratischen Partei und ihre Mitglieder würoen auf die sozialdemo- Akratische Auffassung festgelegt. Dazu ist zu bemerken, daß alle übrigen� Wirte dem Arbciterturnverein ihr Lokal verweigert haben, und daß auch die Stadt es abgelehnt hat, de» Verein die städtische Turnhalle benutzen zu lasse». Als weitere Gründe für die politisckfe Tendenz des Vereins nannte das Gericht die Zilgehörigieit zum Arbeiterturnerbund, der vom Oberverwaltungsgericht für politisch erklärt worden sei, das vom Turnerbund herausgegebene Lieder» buch und die„Arbeiter-Turnzeitung". Und endlich— man sollt- es nicht glauben—, weil Oer Verein seine Veranstaltungen außer iu einem bürgerlichen Lokalblatte nur noch in der sozialdemo- kratischen„Schlcswig-Holftcinifchen Volkszritung" anzeige. Soll denn der Verein seine Veranstaltungen auch noch in der„Kreuz- zeitung" oder der„Post" anzeigen? Wie Figura zeigt, sind die Gründe sehr weit hergeholt. Aber was machte: die Arbeiterturn- vereine müssen als politische Vereine erklärt werden, dann kann man ihrem Bestreben, die Arbeiterjugend zu körperlich� kräftigen Menschen zu erziehen, recht viele Hindernipe in den Weg legen. Ein Streikprozeß im Wiederaufnahmeverfahren. Wegen.Aufreizung zum Ungehorsam gegen die Gesetze und zu Gewalttätigkeiten vor einer versammelten Menschenmenge" war der Nezirksleiter des Bergarbeiterverbandes Ge- nosse Krakowezik in Datteln Pom Landgericht Bochum am 24. Mai d. I. zu sechs Monate» Gefängnis verurteilt. Als das Reichsgericht die Revision verworfen hatte, wurde daS Wiederaufnahmeverfahren betrieben. Nach vielen Bemühungen mit dem Erfolge, daß das Oberlandesgericht Hamm die Wieder- aufnähme des Verfahrens anordnete und den einstweiligen Aufschub der Strafe verfügte. Die Verhandlung fand diesmal in Datteln, einem der neuen Bergbaubezirke im Münsterlande, statt, da das Gericht Lokalbesichti- gungen für nötig gehalten hatte. Nach siebenstündiger Verhandlung kam das Gericht wieder zu einer Verurteilung, da es den Aussagen der Belastungszeugen mehr Glauben schenkte, als den zahlreicheren Entlastungszeugen. Es wurde auf zwei Monate Gefängnis erkannt, auf die 4 Wochen Untersuchungshast angerechnet werden. Versammlungen. Freie Volksbühne . Vor einem großen Zuhörerkreise sprach am letzten Freitag im „Gewerkschaftshause" Herr Dr. Dery über:„Die Freude am Bildwerk". Gut gewählte Lichtbilder erhöhten den Eindruck der außerordentlich interessanten Ausführungen. Durch diesen Vortrag wurde die Generalversammlung der Freien Voltsbühne eingeleitet. Nach dem Geschäftsbericht, den Herr Winkler alsdann erstattete, hat sich im Organisationsaufbau in- folge der durch den Kartellvertrag bedingten Aenderungen sowie durch Einrichtung sogenannter gemischter Abteilungen, deren Mit- alieder Nachmittags- und Abenvvorstellungen haben, manche Ver- schiebung vollzogen. Für die gemischten Abteilungen und Abendvorstellungen können Mitglieder noch aufge- nommen werden; es ergeht an Mitglieder und Freunde die Auf- forderung, für die Bestrebungen der Freien Volksbühne neue Teil- nehmer zu werben. In dem am 31. August eröffneten Spieljahr wurden u. a. im Deutschen Opernhause„Die lu st igen Weiber von Wind- s o r" gegeben, im Neuen Volks-Theater Stavenhagens stark wir- kendes Drama„Mudder Mews", im Schiller-Theater Char- lottenburg folgte„Der Pfarrer von Kirchfeld", im Herrn- feld-Theater„Die Familie S e l i ck e" von Holz und Schlaf, im Thalia-Theater Ibsens „Wildente", im Künstlertheater Her- mann Bahrs ,,P r i n z i p". Zum Teil werden diese Stücke in den nächsten Wochen wiederholt, dann kommen im Lessing-Theater „Professor Bernhardt" von Schnitzler und im Deutschen Theater„Der lebende Leichnam " von Tolstoi . Das weitere Repertoire steht noch nicht in allen Einzelheiten fest. Als Extra- Vorstellungen werden im Dezember gegeben die Oper„Z a r und Zimmerman n", ferner Karl Röslers„Hinterm Z a u n". Die Veranstaltung guter Konzerte mit bedeutenden Musikern, Solisten und Gesangschören wird fortgesetzt. Am 1. D e- z e m b e r findet wieder ein Chorkonzert in der„Neuen Welt" statt, es gelangt zur Aufführung Beethovens Neunte Sinfonie mit Schlußchor„An die Freude ", Leonorenouvertüre. Karten zu 80 Pf. kommen Anfang November zur Ausgabe. Kammer- musikabende finden am 4. Januar 1014, 8. Februar und 8. März in der Hochschule für Musik statt. Mit der Zensurverfügung des Polizeipräsidenten, der die Freie Volksbühne an der Aufführung von Rosenows Drama„Die im Schatten leben" hinderte, wird sich endlich das Oberverwal- tungsgericht zu befassen haben; nach zwei Jahren des Kampfes ist der Termin nun auf den 28. Januar 1914 angesetzt worden. Die Anfechtung der Zensurverbote gegen das Oratorium von LisztS „Legende der heiligen Elisabeth", Edgar Tinels„Der heilige Fran ziskus" sowie der Verfügung, daß an Karfreitagen Aufführungen irgendwelcher Art überhaupt nicht mehr stattfinden dürfen, schwebt gleichfalls noch. Der Kassenbericht ergibt für daS Quartal vom 1. Juli bis 30. September 1913 mit oem Saldo von 16 556,99 M. eine Ein- nähme von 55 061,99 M., eine Ausgabe von 36 878,73 M., mithin einen Bestand von 18 183,26 M. Der Vorsitzende jagte für die Verwaltung sorgfältige Prüfung einer Reihe von Wünschen und Anregungen, die in der kurzen Diskussion geäußert wurden, zu und ersuchte nochmals, für eine Stärkung der Mitgliederreihen Sorge zu tragen. Gcncralversaminlung der Brauerei- und Mühlcnarbeiter. Hodapp erstattete den Geschäftsbericht für daS dritte Quartal und führte aus, daß auch im Braugewerbe größere Arbeitslosigkeit herrscht. Trotzdem war eS möglich, für eine Anzahl Kollegen durch Lohnbelvegungen Verbesserungen der Arbeitsverhältnisse zu erzielen. Einige Be- wegungen aber, die von den Kollegen ziemlich unmotiviert inszeniert wurden, sind resultatlos verlaufen. In dem Fall mit der Brauerei Pichelsdorf hat der Hauptvorstand den Schuldigen eine Rüge zu er- teilen. Mit dem gleichen Unternehmen schweben auch Verhandlungen wegen der B i e r a b l ö s u n g. Infolge des euergischen Wider- standes der Kollegen kam es leider nicht zu einer Verständigung. Er bedauere das. weil dadurch dem Arbeitgeber jährlich Unsumme» direkt geschenkt würden. Der Redner führt dann noch eine Anzahl Fälle an, die vom Einigungsamt erledigt wurden. In einem Falle konnte für einen Fahrer eine Nachzahlung von 250 M. erreicht werden, nachdem er vorher zu ungünstigeren Bedingungen hatte arbeiten müssen, als allgemein festgelegt waren. In einem anderen Falle ist entschieden worden. daß vor dem Einigungsaml nur Streitfälle zwischen den An- gehörigen der vertraglich gebundenen Organisationen verhandelt werden.— Für die M ü h l e n a r b e i t e r ist endlich auch mit der Salsmon-Mühle ein Tarifabschluß erzielt worden. Mit der Hum- boldt-Müble ist ein Tarifvertrag noch nicht zustande gekommen. Der Referent wendet sich dann dem K a s s« n b e r i ch t zu, der ein etwas ungünstigeres Bild darbiete, als früher. Er schließt ab mit 31 201,70 M. Einnahme und 25 248,39 M. Ausgabe. Die Höhe der Ausgabe erkläre sich aus den beträchtlich gewachsenen Auf- Wendungen für Kranlenunterstützung<10099 M.) und Arbeitslosen- Unterstützung<7202 M.j. In der an den Bericht anschließenden Debatte gingen eine große Zahl Redner auf einzelne Punkte näher ein. ohne daß neue Gesichts- punklc hervortraicn. Unter„sonstigen Verbandsangelegenheiten" gab Hodapp noch bekannt, daß aus Anlaß des Jnkrasllrelciis jenes Teils der Reichs- versichcrungsordnung, der die Krankenversicherung betrifft, den Unter- nehmern eine Vorlage eingereicht wurde, die eine Regelung derart vorsieht, daß Verschlechterungen vermieden werden. Es sollen z. B. bei Krankheit verheiratete Kollegen 10 M., unverheiratete 8 M. er- halten. Auch für militärische Uebungen ist ein fester Satz von 36 M. normiert. Weiter wurde einstimrnig beschlossen, für die Arbeitslose» zu Weihnachten zu sammeln. Am 16. November wird eine große Versammlung in der„Neuen Welt" stattfinden, wo Stellung genommen werden soll zu der Frage einer Neuregelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse. Hodapp meinte hierzu: es wäre notwendig, mehr als früher die Situation und Kräfteverhältnisse abzuwägen und die Maßnahmen dementsprechend zu treffen. Ver- schiedene Versammlungsteilnehmer glaubten das als„Flaumacherei" auffassen zu sollen und widersprachen lebhaft. Wenn das als Zeichen von lebhaftem Kampfeseifer zu deuten ist, so ist es ein gute? Omen._ Hus aller Alelt. Der JS'otrchrei eines Geirtlichen über den ultramontanen Cerrorismus. Im katholischen„Basler Volksblatt" veröffentlicht der Prälat Lauter in Zizers (Kanton Graubünden ) folgenden Appell an die Oeffentlichkeit gegen den ultramontanen Terrorismus: „Daß Ende März 1S11 meine Mitarbeit erschast am„Basier Bolksblatt" abgebrochen wurde, dafür trifft die verantwortlichen Stellen desselben kein Vorwurf. Sie waren damals wie ich selbst der leidende, nicht der schuldige Teil. Was tut man nicht, wenn einem das Messer an den Hals gesetzt wird! Es war das gleiche Vorgehen, das weiter unten am Rhein gegen die„Deutsche Reichszeitung" und andere Blätter in Anwendung gebracht wurde, gleich in den Mitteln, gleich im Ziele, alles in den preußiich-katholischen Preßtrust zu zwingen. Zuerst setzt man dem unbequemen Mitarbeiter beziehungsweise Redakteur das Messer an den Hals, droht, ihn_ brotlos zu machen, und führt die Drohung aus; wenn das nicht hilft, daS Blatt in den Trustkäfig zu zwingen, wendet man die gleichen Mittel gegen Herausgeber und Verleger an. Das ist die Methode, nach der die Führer der Jndexliga die katholische Presse in den Ring des Preßtrusts gezwungen haben. Die gleiche Methode wurde in Basel gegen das„Basler Volksblatt" und seine Heraus- geber angewandt. Am Ende des Quartals wurden die Abonnenten dem Blatte abgetrieben und das Erscheinen eines Konkurrenzblattes angekündet von den Agenten der Freunde, Gönner und Mitver- schworenen der Jndexliga von 1907. Schweizer Katholiken! Wann werden euch die Augen auf- gehen über die Gefahr, die eurer religiösen und politischen Frei- heit von Norden her droht!" Die Flucht in die Oeffentlichkeit erfolgt also vor der Geistesknechtschaft des terrorisfischen Nltramontanismus in Deutschland , der nach der Parole:„Mein Vaterland muß größer sein" seine Gewaltherrschaft auch auf die Schweiz aus- dehnt. Einen besonderen Reiz bietet die Affäre auch insofern, als das gleiche ultramontane„Basler Volksbl." nach dem be- rüchtigten Muster der Terrorismushetze in Deutschland nicht müde wird, das ganze Jahr hindurch Schwindelgeschichten vom„roten Terrorismus" in die Welt zu setzen. Nun muß es selbst mit behilflich sein zur Rettung vor dem tatsächlichen schwarzen Terrorismus der gewalttätigen Ultramontanen in Deutschland und ihrer Helfershelfer in der Schweiz . Absturz eines Johannisthaler Fliegers. Der am Dienstag bald nach Mitternacht in Johannisthal zu einem Fernfluge aufgestiegene Flieger Herbert Kühne ist gegen llhr in der Nähe der Ortschaft Groß-Almerode bei Kassel mit seiner Albatros-Taube abgestürzt und wurde dabei schwer verletzt. Morgens gegen 6 Uhr bemerkten Waldarbeiter ein Flug- zeug, das in 800 Meter Höhe dahin flog. Plötzlich sahen die Ar- beiter, daß der AlbatroS-Eindecker sich jäh nach vorn überneigte und steil zu Boden schoß. Das Flugzeug kam immer tiefer und prallte plötzlich auf die am Waldrand stehenden Bäume auf.. Einige starke Aeste durchschlugen die Karosserie und zertrümmerten den Benzinbehälter, dessen Inhalt sich auf den heißen Motor ergoß. Im nächsten Augenblick stand der ganze Apparat in hellen Flammen und stürzte krachend zu Boden. Der Flieger hatte die Geistesgegenwart, aus etwa 15 Meter Höhe sich aus seinem Sitz herauszuschwingen und zu Boden zu springen. Die Flammen hatten ihn jedoch schon ergriffen und die Arbeiter, die sich kaum 50 Meter von der Unfallstelle entfernt befanden, fanden Kühne bewußtlos auf dem Bode« liegend auf. Er hatte mehrere Brandverletzungen am Kopfe erlitten. Auf einer ans Zweigen hergestellten Bahre wurde Kühne nach dem 1 Stunde ent- fernt liegenden Groß-Almerode geschafft, wo ein hinzugerufener Arzt den Bewußtlosen zum Leben zurückrief. Später wurde Kühne, der bei seinem Sturze auch einige Rippen gebrochen hatte, WS Krankenhaus geschafft._ Untergang eines Fischdampfers. Wie ein Telegramm aus A a l e s u n d meldet, kollidierte am Montagabend nahe der schwedischen Küste der Dampfer Oslo der Wilsonlinie mit dem Fischdampfer Brat aus Reval . Der Fischdampfer sank augenblicklich. Acht Mann seiner Besatzung ertranken, während vier Mann gerettet und von der Oslo nach Dronkheim ge- bracht wurden. Die Oslo ist wenig beschädigt. Kleine Notizen. Unter Meineidsvcrdacht verhaftet. Wie an? Stolderg gemeldet wird, wurde der Sekretär der christlichen Ge- werkschaft, Schllmmer, unter dem Verdachte, i« einem Betrugsprozeß einen Meineid geleistet zu haben, verhaftet. Durch schlagende Wetter getötet. Auf der französischen Zeche V a l d o m e lanien am Dienstag bei einer Explosion schla- gender Wetter drei Bergarbeiter nmS Leben. Meuterei in einem türkischen Gefängnis. Im Zentralgefängnis in Saloniki meuterten die Gefangenen. Sie verlangten, entweder abgeurteilt oder freigelassen zu werden. Zur Unter- drückung der Revolte wurde Militär aufgeboten. Bei den Kämpfen gab es mehrere Tote und Verwundete. Zugzusammenstoh in Belgien . Ein Zusammenstoß zwischen zwei Personenzügen hat sich am Dienstag unweit Charleroy ereignet. Sieben Reisende erhielten lebensgefährliche Verletzungen, eine ganze Anzahl anderer Personen wurden leichter verletzt. Noch ein Flieger abgestürzt. AuS Reims wird berichtet, daß ein Feldwebel der Artillerie mit seinem Eindecker aus ein« Höhe von 100 Meter abgestürzt ist; er war sofort tot. Jugendveranstaltunge». Neukölln. Heute Mittwoch, abends 8 Uhr, im Heim, Noaatstr. IS. 3. Vortrag des Herrn Pieck über„Geschichte des 19. Jahrhunderts'.— Donnerstag daselbst: Mädchcnabend. Stcglitz-Fricdenan. Heute Mittwoch, abends'/,8 Uhr, findet bei Behnte, Heesestr. 2, der Vortragskursus deS Kollegen Mar PcterS über„Die proletarische Jugendbewegung" statt. Bättz-Buckow. Sonntag, den 2. November: Wanderung nach Wann- see, Dreillnden, Jagdschloß Stern , Philippsthal, Saarmund , Bergholz , TenselSsee, Potsdam . Treffpunkt sieben Uhr, nicht sechi Uhr, Bahnhof Hermannstraße. Fahrgeld t M. Für die Teilnehmer dieser Wanderung findet morgen(Donnerstag) abend im Jugendheim eine Be- sprechung statt. WafferstandS-Nachrichten der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteUt vom Berliner Wetterbureau Wasserstand Memel. Tilstt P r e g e t, Jnslerburg Weichsel. Tborn Oder, Ratibor Kroffen Frantsurt a r t h e, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barby „ Magdeburg ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—*) Unterpegel.
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