In der Diskussion bemühten sich zwei liberale Geistliche. Licentiat B i t t l i n g e r und Pfarrer I m i tz, der AuStrittsbewe» gung entgegenzuwirken, indem sie zur Reformierung innerhalb der Kirche aufforderten.— Dagegen führte Peus aus: Der Kern- Punkt der Frage sei Trennung der Kirche vom Staat. Das aber wollen die liberalen Geistlichen nicht; ihre Bestrebungen sind also nur eine Halbheit. Großen Eindruck machten die Ausführungen eines anderen Redners. Pastor a. D. W an g e r m a n n, der seinen ehemaligen Amtsbrüdern den Text las mit einer Deutlichkeit, wie sie Jesus den Pharisäern gegenüber geübt hat. Der Redner schilderte, wie er sich bemüht hat. praktisches Christentum zu üben. Er ist unter die Armen und Elenden gegangen, um ihre Not aus eigener An- schauung. kennen zu lernen, und hat dann für die Linderung deS menschlichen Elends praktisch sich betätigt. Durch diese wahrhaft christliche Tätigkeit ist er mit den kirchlichen Behörden in Konflikt geraten, disziplinarisch verfolgt worden und ist infolgedessen vor sieben Jahren aus der Kirche ausgetreten. Er begrüßt es mit Freuden, daß sich die Massen von der Herrschaft des Oberkirchen- ratS frei machen.(Großer Beifall.) Mit einem Schlußwort des Referenten T s ch i r n endete die Versammlung. Von den etwa 3000 Besuchern haben 350 ihren Aus- tritt aus der Kirche angemeldet. Der große Saal vom Moabit « Gescllschaftshaus war bis auf den letzten Platz besetzt, hunderte mutzten stehen und konnten keinen Eingang mehr finden, während eine ganze Anzahl von Zuhörern die Tribüne bis in die kleinsten Winkel ausge- nutzt hatte. Als erster Redner nahm Prediger G a u l k e das Wort und legte in einem einstündigen, überaus interessanten Vortrag dar, daß aus Gründen der Ehrenhaftigkeit, der Wahrhaftigkeit und der Gewissenhaftigkeit heute kein denkender Mensch mehr der Staats- kirche angehören dürfe. Auch jeder gläubige Christ, der es mit dem Christentum ehrlich meint, müsse aus denselben Gründen der Staatskirche den Rücken kehren. Käme der Nazarener heute wieder und wollte in der Kirche predigen, so müßte er erst einen Taufschein vorweisen. Gelte doch heute noch nicht einmal jeder getaufte Christ als solcher, sondern nur, wer mit der richtigen Formel getauft ist. Dabei stehe nirgends geschrieben, daß nur selig werden könne, wer getauft sei. Wer zu Jesus stehe, könne schon gar nicht der Kirche angehören. Jesus habe keine Religion mit Politik verknüpft. Ter Beruf der Kirche erschöpfe sich in erster Linie darin, Gehorsam gegen die Obrigkeit zu lehren. Wer ein wirklich christliches Leben führen wolle, müsse austreten aus der Kirche. So gut wie Wissenschaft, Kunst, Arznei usw. religionsfrei geworden sind, müsse es auch die Politik werden. Reformversuche innerhalb der Kirche seien nicht möglich; alle Vermittelungsver- suche von liberalen Theologen in dieser Hinsicht seien wertlos. Gründlicher Wandel könne nur geschaffen werden durch die freie Tat eines Volkes, wenn es in Massen aus der Kirche scheidet. ES sei falsch, zu sagen, es gäbe in Deutschland nur 200 000 Dissidenten. Das entspreche nicht den Tatsachen. So wie wir dächten viele Millionen, sie handeln bloß nicht dementsprechend, und damit rechnet der Staat. Wenn nur zwei Millionen aus der Kirche schieden, so würde das eine Wucht entfalten, daß der Staat den Wünschen derselben Rechnung tragen müßte, ob die Kirche wollte oder nicht. Wer also so denke wie wir, der müsse raus aus der Landeskirche. �Stürmischer Beifall.) Landtagsabgeordneter Adolf H o f f m a n n, von der Versamm- lung sturmisch begrüßt, sagt einleitend: Wenn er den Beifall richtig verstanden habe, dann beginne jetzt der Massenstreik.gegen die Kirche durch die Anwesenden, soweit sie noch der Kirche angehörten. Ter wirtschaftliche Kampf, so erklärt Redner, sei schwer zu führen und erfordere große Opfer, desgleichen der politische Kampf, auf kirchlichem Gebiete aber sei der Kampf mit ganz minimalen Opfern zu führen und doch täten es taufende nicht. Am heutigen Abend müsse der Ruf mit doppelter Kraft erschallen: Frei der Staat und frei die Schule von der Kirche!(Lebhafte Zustimmung.) Die Herr- chheuden haben mit_ der Kirche Frieden gemacht, weil sie sie brauchen, und die Kirche dankt dafür durch entsprechende Dienste. Tie Kirche trägt einen Hauptteil Schuld an der mensckienverwüstenden Reaktion. Sie ist mit schuld an den Kriegen, an der Völierverhetzung, an den Rüstungen, an den Mcnschenvernichtung. Sie ist schuft» daram daß die christlichen Völker in dieser Hinsicht an der Spitze warschieren. Darum sollte man meinen, daß auch jeder ehrliche Christ aus der Kirche auszutreten hätte. Er sage noch einmal: ivie im Abgeordnetenhause: Der Krieg ist ein Hohn auf Menschen- tum, auf die Kultur und auf das Christentum.(Stürmische Zu- stimmung.) Tr habe in den letzten Wochen acht Nationen besucht und in ihren Ländern gesprochen und überall habe er den Ruf nach Frei- Veit und Aufklärung vernommen. Gehe die Masse aus der Kirche beraus, dann hätten es die Reaktionäre sehr bald satt, für die Kirche noch Geld zu bewilligen. Redner schließt unter tosendem Beifall mit dem Ruf: Heraus aus der Landeskirche, hinein in den Massenstreik gegen die Kirche! 3« der Diskussion nahm als einziger Gegner ein Herr Bade, Student der Theologie, das Wort. Er meinte, wenn wir es er- reichten, daß an Stelle der meisten Pastoren, mit denen alle unzu- frieden seien, andere kämen vom Schlage eines Traub oder Jatho, dann wäre ein Austreten aus der Kirche nicht mehr nötig. Wenn wir tausend �.raubS hatten oder Jathos, dann wäre es bald anders. Und wurde der Referent Adolf Hoffmann einmal in die Kirche gehen und predigen, dann wäre sie sicher bis auf den letzten Platz gefüllt.(Stürmische Zustimmung.) Würde man die Kirche den Arbeitern zur Erbauung, zur Erholung zur Verfügung stellen, so brauchten sie nicht ihre Zeit in der stickigen, dumpfen Kneipe zmm- bringen. Adolf Hoffmann bestätigt in seinem Schlußwort, daß die Kirchen sehr wohl eine bessere Unterhaltungsstätte sein könnten als unsere Bierlokale. Und Ivas der Redner wünsche, das sei in anderen Ländern zum Teil schon erfüllt, denn er selbst habe in .e"nec �ir�e gesprochen. Aber wenn tausend Traubs und Jathos kamen, so dächten wir genau noch so wie heute, da die Traubs und die Jathos nicht den Mut zur Konsequenz hätten, lonst wurden sie mit samt ihrer Gemeinde aus der Kirche heraus- gehen. Es»ei überhaupt ein trauriges Zeichen, daß die Geistlichkeit es einem jungen Anfänger, der sicherlich aus seiner ehrlichen Ueberzeugung svreche, uberlasse, die christliche Kirche zu verteidigen. Dem Zungen Redner rief Hoffmann zu. wenn er es mit dem Christentum ehrlich meine, dann möge er den Talar erst gar nicht anziehen, sondern sich dem Volke anschließen. Mit dem Rufe- Los von der Kirche! schließt der Redner unter dem tosenden Beifall der Versammlung. gegeben 2IuStritt8er?r5nin0cn wurden in der Versammlung ab- Auch die Versammlung im'-.u Viktoria-Gortci, zu Wilmersdorf war stark überfüllt. Hier sprachen zum Thema des Tages Dr. Bruno Wille sowie der Rcichstagsabgeordnete V o g t h e r r. Stettin Ferner sprach Fräulein Lilli Jannasch, die die Bestrebungen des »Bundes für weltliche Schule und Moralunterricht" im Zusammenhang mit der Kirchenaustrittsbewegung behandelte. Alle Redner ernteten den Beifall der Erschienenen. Die Zahl der Gesamtaustritte betrug 1328. .. geübte Propaganda zum Massenstreik gegen die Staats- krrche kann also auf einen sehr guten praktischen Erfolg zurück- blicken.~as ist um so höher zu veranschlagen, wenn man bedenkt, daß wohl ein gut Teil der Erschienenen der Parole bereits früher gefolgt sein durften, alle Besucher der Versammlungen also nicht gezählt werden dürfen, wenn man die Masse der Austritte in ein prozentuales Verhältnis zur Zahl der austrittsfähigen Besucher setzen will. liomwunsle Ashlbemguitg. 37. Kommunalwahlbezirk. In gut besuchter Kommunalwähl«rversammlung gab hier Genosse Karl Leid ein sehr anschauliches Bild sozialdemokra- tischer Gemeindepolitik. Die Zusammensetzung im � Roten Hause — von den 144 Mitgliedern sind über 100 Hausbesitzer— bürgt schon dafür, daß alle Vorlagen von dem engen Gesichtspunkte des Hausagrariertums behandelt werden. Selbstverständlich spielen noch andere Interessen, Vetternwirtschaft usw., eine � große Rolle. Und das bei einem Gemeinwesen, dessen Etat größer ist, als der verschiedener Königreiche. Wenn man früher behaupten konnte: »Berlin schwimme in Geld", sind dies« Zeiten längst vorüber. Statt in solcher Zeit für später vorzusorgen, verpaßte man jede günstige Gelegenheit. Die weitschauenden Anträge der Sozial- demokratie erlebten eine glatte Ablehnung durch die städtischen „Dreiklassemnännere". Das„Geld von der Straße" aufzuheben unterließ der Freisinn; denn eine Verstadtlichung der Straßen- bahnen wäre gleichbedeutend mit einer Dividendenbeschneidung der die Bank- und Börseninteressen Vertretenden. Nun, bei dem krampfhaften Suchen und Schaffen neuer indirekter Steuern, die wir aufs schärfste bekämpfen, wird die Stadt jedenfalls auch nur erneuten Reinfall erleben, wie bei der Lustbarkeitssteuer. Durch die Wachsamkeit der Sozialdemokratie wurde vorläufig der Vertrag mit den B.E.W, gekündigt und Verhandlungen zwecks Uebcrnahme angebahnt. Es ist ein« Schmach für Berlin , daß Lichtenberg und selbst Neukölln ein eigenes Elektrizitätswerk besitzen, und nur die Dreimillioncnstadt nachhinkt, weil die Profit« der versippten Privat- kapitalisten bei einer Kommunalisierung in Wegfall kämen. Nach eingehender Würdigung der geleisteten Arbeit auf den verschieden- sten kommunalen Gebieten, fordert Leid unter lebhaftem Beifall auf, am Wahltage dem Freisinn für sein volksfeindliches Gebaren die verdiente Quittung zu verabreichen. Nach einer Aussprache des Kandidaten H eh se gingen di« Versammelten mit dem Willen auseinander, alles für die Vcr- mehrung der sozialistischen Stimmen und die Eroberung des 37. Bezirks zu tun. Für die I.Abteilung des V. Wahlkreises war zum Dienstag«ine Versammlung einberufen, in der Genosse Brückner Bericht über di« Tätigkeit der sozialdemokratischen Stadtverordneten- fraition erstattete. Der Referent streifte die wichtigsten TätigkeitZ- gebiete und fand lebhaften Beifall. In der Diskussion wurden namentlich das Schulwesen sowie die Armen- und Waisenpflege weiter erörtert. Alsdann wurde die Delegiertenwahl zur Vcr- bandsgeneralvcrsammlung vorgenommen, worauf nach Erledigung einiger Vereinsangelegenheiten'dic Versammlung ihr Ende erreichte. �lus der Partei. Totenliste der Partei. Im Alter von 33 Jahren starb am 28. Oktober in Detmold der Vorsitzende des Sozialdemokratischen Vereins für daS Fürstentum Lippe, Genosse Wilhelm Eggen. Der Verstorbene genoß das Ver- trauen der Parteigenossen in hohem Maße. Als Landtagskandidat unterlag er bei den letzten Wahlen mit nur 25 Stimmen Minderheit. JDoUreUicln!»»©enehtUebes ulro- Die staatsgcfcihrliche Wissenschaft vom Menschen. Genosse B r u ck e r hält gegenwärtig im Auftrage des Zen- tralbildungsauSschusseS unserer Partei in Schlesien Vortragskurse ab. DaS Thema lautet:„Menschenkunde." In P ei st erw i tz bei Ohlau wurde die Vorführung der Lichtbilder durch den Amts- Vorsteher untersagt. Auf telegraphische Beschwerde an den Land- rat antwortete dieser, dem Amtsvorstehcr müsse vorher ein Ver- zeichnis der vorzuführenden Bilder eingereicht werden. In der Begründung des Verbots des Amtsvorstehers führte der Landrat u. a. aus:»Ein Vortrag über die EntWickelung des Menschen mit erläuternden Lichtbildern unter Zulassung von Kindern ist nach der allgemeinen Ausfassung des Lebens objektiv als geeignet anzusehen, das Scham- und Sittlichkeitsgefühl gesitteter Menschen zu ver- letzen." Schließlich wurde der Lichtbildervortrag unter der Be- dingung gestattet, daß jugendliche Personen unter 16 Jahren nicht anwesend sein dursten.— Nunmehr wird sich der RegierungSpräsi- dent mit dem Vorgehen seiner untergeordneten Instanzen zu be- schäftigen haben._ 'Jugendbewegung. Tic Justiz im Kampfe gegen d>t Arbeiterjugend. Eine sonderbare Begründung hat das Schöffengericht Köpenick einem Urteil gegeben, das unter Vorsitz des Amts- gerichtsrats Tüstcrhoff am 8. Oktober gefällt ist. Der Genosse Rodenbusch aus Alt-Glienicke hatte zu einer öffentlichen Volksversammlung am 28. Mai durch Plakate an den Anschlagsäulen eingeladen. Die Versammlung bezweckte di«'Grün dung eines Vereins zum Zwecke der Errichtung eines Arbeiter Jugendheims. Die Versammlung fand statt und der Verein wurde auch begründet. Im September wurde Genosse Rodenbusch mit einem anitS- richterlichen Strafbefehl über 15 M. beglückt. Er sollte gegen das Reichsvereinsgesetz, das preußische Prehgesetz und g«s;en eine Ortspolizeiverordnung gesündigt haben; gegen das Vereinsgcsetz, tveil die Versammlung eine öffentliche politische gewesen sei, gegen das preußische Preßgesetz, weil Druckschriften an öffcnt- lichen Anschlagstafeln ohne polizeiliche Erlaubnis angebracht seien und schließlich gegen die Ortspolizeiverordnung, weil er rotes Papier zu den Plakaten benutzt habe. Da Genosse Rodenbusch sich keiner Sünde bewußt war, erhob er Einspruch mit dem Erfolg, daß er nunmehr 55 M. und die Kosten blechen soll für dieselben Handlungen, die derselbe Herr Amtsgerichtsrat Düsterhoff, der den Vorsitz bei der iSchöffen- gerichtsverhandlung führte, in seinem Strafbefehl mit 15 Ä. be- wertet hatte. Die Uebcrtretiing des VereinSgefetzeS hielt das Gericht für festgestellt, ohne überhaupt Zeugen, die in der Versammlung an- wesend ivaren, zu hören— Genosse Rodenbusch hatte die Vcr- nehmung des Referenten beantragt— mit folgender geradezu klassischen Begründung: »Als Tagesordnung war»Der Kamps um die Jugend" an- gegeben. Wie allgemein bekannt, hat dieser Kampf um die Jugend nur den Zweck, die Jugend für die sozialistische Bewegung zu gewinnen. Die Versammlung war also als eine öffentliche politische bestimmt." Leichter hat sich wohl kaum je ein Gericht die Feststellung einer strafbaren Handlung gemacht. Daß die ursprüngliche Strafe mehr als verdreifacht ist, begründet das Gericht mit dein„hart- nackigen Leugnen" und mit dem„dreisten Auftreten" des Genossen Rodenbusch in der Hauptverliandlung. Weil der Angetlagie nicht zugab, daß die Versammlung eine„politische" gewesen sei, wird ihm»hartnäckiges Leugnen"— auf deutsch eine Lüge— vorgeworfen, und weil er sich gegen diesen schon im Termin er- hobenen Vorwurf wehrte, macht das Gericht daraus„dreistes Auf- treten"._ 8[uq Industrie und Handel. Zur amerikanischen Zollrcsorm. Einer der anstößigsten Pars» graphen des neuen Zolltarifs soll außer Kraft gesetzt werden. Nach einer Mitteilung des„Sun" soll der Generalanivalt entschieden haben, der fünfprozentige Z o l l r a b a t t könne amerikanischen Schiffen nur eingeräumt werden, wenn er auch fast allen wichtigen Seemächten gewährt würde; infolgedessen betrachte die Regierung die Zollrabattbestimmung als annulliert. Diese Frage werde den Kongreß im Dezember beschäftigen. Der Streit um den Tabaktrust. In einer höchst merkwürdigen Gründung hat die Gruppierung der deutschen Tabakindustrie je nach der Zugehörigkeit zu dem amerikanischen Tabaktrust oder den trustfreien Firmen geführt. Unter der Leitung des Herrn Goerrig, der früher als Syndikus des Ver- eins zur Abwehr des Tabaktrusts tätig war, hat sich ein Verband mit dem Namen„Deutsche Zigertten-Kon- vention" gebildet. Der Verband bezweckt nach seinen Richtlinien, das gefürchtcte Privatmonopol in der Zigarettenindustrie durch eine vertragliche Bindung der Trustfirmen zu beseitigen. In der gleichen offiziellen Mitteilung des Verbandes wird aber gesagt, daß die Deutsche Zigaretten-Konvention trotzdem einem Vertrage mit dem Trust zustimmen wird,„der der Branche absolut sichere Garantien bietet", d. h. die neue Konvention ist eine ver- schleierte Schrittmacherei für den amerikanischen Trust. Die beginnende Krise. Die Organisation der deutschen und tschechischen Baumwollspinnereibesitzer tu Oesterreich hat eine 20proze!itige BetriebSreduktion beschlossen. Die Entschädigung der Arbeiter--— bleibt den Unternehmern freigestellt. Und die Kohlenbarone erhöhen gerade jetzt die Preise! Die Düsseldorfer Ortsgruppe des Kartells Westdeutscher Eisenhändler ermäßigte mit Wirkung vom 1. November die Preise für Bleche und Stabeisen um 5 M. pro Tonne._ GenonenfcbaftUcbes. Buchdrucker und Vcrlagsgcsellschaft. Uns geht folgende Erklärung zu: „Zwischen den in der Verlagsanstalt deutscher Konsumvereine beschäftigten Buchdruckern und der Geschäftsleitung de« genannten Betriebes bestanden seit längerer Zeit Differenzen, die auch zu einer umfangreichen Preßfehde zwischen den Organen beider Korporationen, dem„Korrespondent für Deutschlands Buchdrucker" und der„Konsumgenossenschaftlichen Rundschau", geführt hatten. Dieser Konflikt ist nunmehr durch eine Konferenz beider Parteien beigelegt worden. Es wurde nachstehende Erklärung ver« einbart: Nach einer beide Teile befriedigenden Erledigung der in den Verhandlungen vom 15. Mai 1013 vertagten Beschwerden des BuchdruckerpersonalS der Lerlagsgesellschaft deutscher Konsumvereine m. b. H. fand am Montag, den 27. Oktober 1013, eine Sitzung statt, an der als Vertreter des Deutschen Buchdrucker« Verbandes die unterzeichneten E. Döblin , W. Dreier und Fr. Runtzler. als Vertreter der Verlagsgesellschaft deutscher Konsum« vereine m. b. H. die unterzeichneten geschäftsführenden Vorstands- Mitglieder: Heinrich Kaufmann . Dr. August Müller. Hugo Bästlein und der Vorsitzende des AufsichtsrateS , A. v. Elm, teilnahmen. Die Beteiligten haben sich über alle schwebenden Differenzen eingehend ausgesprochen und festgestellt, daß manche Mißverstand- nisse dazu beigetragen haben, die Situation gegen den Willen der Beteiligten zu verschärfen. Alle Mißverständnisse sind zu beider- seitiger Zufriedenheit durch die gegebene Aufklärung beseitigt. Die Unterzeichneten ersuchen deshalb, die Auseinandersetzungen über die Differenzen in der Presse und in den Versammlungen in allseitigem Interesse einzustellen..... Beide Organisationen verstandigten sich dahin, daß, falls in Zukunft größere Differenzen wieder vorkommen sollten, die Zentral« leitungen beider Organisationen versuchen wollen, sie in freund» schaftlicher Weise zu erledigen. E. Döblin . Heinrich Kaufmann . W. Dreier. A. v. Elm. Dr. Aug. Müller. Fr. Runtzler. Hugo Bästlein. Damit sind die zurzeit schwebenden Beschwerden des Buch- druckerpersonals erledigt. Auf diese erledigten Beschwerde- punkte zurückzukommen, liegt mithin kein Anlaß vor. Völlig anders liegt es mit den lediglich aus Anlaß der Beschwerden der Buchdrucker zur Erörterung gelangten Verhältnissen in der Verlagsgesellschaft und der Organisation der Konsumgenossen- schaften. Jene Buchdruckerangelegenheit hatte aufs neue be- wiesen, daß im Interesse der Konsumgenossenschaft und der Partei der Austritt der Verlagsgesellschaft aus dem Prinzipal- verein und eine Demokratisierung der Organisation dringend erforderlich ist. Diesen beiden Punkten werden daher die Sozialdemokraten in den Genossenschaften nach wie vor erheb- liche Aufmerksamkeit zuwenden müssen. Es gilt, ähnlichen Vorkommnissen vorzubeugen� Stellungnahme zur Verlagsgesellschaft. Eine gutbesuchte ordentliche Generalversammlung des Konsum- Vereins für Riesa a. d. Elbe und Umgegend nahm am vergangenen Sonntag Stellung zu den Vorgängen innerhalb der Genossen- schaftsbewegung. Die Versammlung hat um deswillen allgemeines Interesse, weil im nahen Gröba eine Reihe Betriebe der Hamburger Großeinkaufsgesellschaft mit einer großen Anzahl Angestellten und Arbeiter vorhanden sind. Es lag folgende Resolution vor: »Die am Sonntag, den 26. Oktober, im Hotel„Wettiner Hof" in Riesa tagende Generalversammlung des Konsumvereins zu Riesa verurteilt aufs schärfste das Verhalten des Herrn General» sekretärs Kaufmann bei dem Konflikt der Buchdrucker mit der Ver- lagsgesellschaft deutscher Konsumvereine. Ganz besonders aber verurteilt sie das Verhalten nach BeU legung des Konfliktes durch die Vereinbarung vom 15. Mai, wo- durch die er die scharfmacherischen Hamburger Unternehmer in ihrem Vorgehen gegen die Arbeiterschaft unterstützte. Die Versammlung erblickt darin in erster Linie eine Schädi- gung des Genossenschaftswesens, da durch das Vorgehen des Herrn Kaufmann die Arbeiter als Träger der Genossenschaften bekämpft und wirtschaftlich geschädigt werden und dadurch das Vertrauen zur Genossenschaft verlieren müssen. Der Resolution trat Genosse Petzold, Direktor der Seifenfabrik in Gröba, entgegen. Er sprach sich für die Einsetzung emeS Schiedsgerichtes aus und betonte, daß er auch nicht alles unterschreibe, waS Kaufmann sage und schreibe. Vom Vorstand des Vereins ver- urteilte Genosse Nitzschke ebenfalls das Verhalten Kaufmanns, er- suchte aber, die Beschlußfassung über die Resolution bis zur Früh- jahrsgencralversammlung zu vertagen. Nach längerer Debatte wurde die Resolution mit allen gegen vier Stimmen angenommen, Soziales. Schweigepflicht des GcwerverichtcrS. Das Reichsgericht hatte sich am Dienstag mit einer auf Amtsenthebung eines Gewerberichters abzielenden Sache zu befassen. Ein Eisendreher in Würzen hatte anläßlich eines Streiks bei einer Eisengießerei die Arbeit niedergelegt. Die Firma bemerkte nun dem Gesetz zuwider auf dem Zeugnis, daß der Eisendreher„anläßlich eines Streiks mit dem größten Teile der Arbeiter die Arbeit nie- dergelegt Hab e". Der Eisendreher klagte vor dem Gewerbegericht auf Streichung dieses gesetzwidrigen Zu- satzes. Das Gewerbegericht entschied aber zu seinen U n g u n st e n. Diese gesetzwidrige Billigung eines Urianbriefes erregte begreiflicherweise großes Aufsehen unter den Arbeitern. Der G e w e r b e g e r i ch t s b e i s i tz e r Schneider Kr sitze wurde von Arbeitern befragt, wie denn solch ungeheuerliches Urteil habe zustande kommen können. Kriitze erwiderte, er habe nicht dafiir gestimmt, aber er sei vom Vorsitzenden und dem Fabrikanten überstimmt und erwähnte einzelnes aus der Beratung. Darauf klagte die Staatsanwaltschaft auf
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