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Kouservative Zugeständnisse. Als in diesem Sommer die»Kölnische Zeitung " die Zuschrist eines pommerschen Landwirts brachte, worin die Lebensverhältnisse der Landarbeiter, insbesondere die schleck len Wohnungen, einer ge. linden Kritik unterzogen wurden, setzte dieDeutsche Tages- zeitung* einen lärmenden Presscseldzug in Szene, worin die Darlegungen des Mitarbeiters derKölnischen Zeitung " als Ueber- treibungen und als unwahr hingestellt wurden. Ilm so mehr muß man sich wundern, daß dieselbeDeutsche Tageszeitung" in ihrer jüngsten ,.Zeitfragen"-Beilage einer Buchbesprechung über städtische und ländliche Wohnungsverhältnisse Aufnahme gewährt, die als eine glatte Bestätigung der ichärssten Kritik am ländlichen Woh- nungswescn bezeichnet werden muß. Der Mitarbeiter des agrari- schen Organs läßt sich u. a. wie folgt aus: ... Die ländlichen Wohnungsvcrhältnissc sind im O st e n Deutschlands s ch l e ch t e r a l s im W e st c n. Die Landarbeiter Hausen noch vielfach mit ihrem Bieh unter einem Dache. Wie die«chlasgänger in der Großstadt, so sind die Sachsengänger auf dem Lande noch häufig in völlig unzulänglichen Wohnräumen unter- gebracht, die eine schwere Gefahr für die Sittlich» i e i t bilden. Auch in einigen Gegenden Bayerns sind in Dörfern wie in Kleinstädten die Wohnungsverhältnisse noch derartig, daß die T u b e r k u l o s e c i n st ä n d i g e r G a st b l e i b t." Schärfer kann auch keine sozialdemokratische Zeitung die Woh- nungszujtände auf dem Lande kritisieren. Was werden nun die stockagrarischen feudalen Leser derDeutschen Tageszeitung" dazu sagen, daß ihnen auch in ihrem Leibblatt die Wahrheit über die Wohnungsnot aus dem Lande gesagt wird? Der Verfasser, Professor Dr. Ludwig H a h n- Nürnberg, unterzieht übrigens auch die Wohnungsverhältnisse in den Groß- städten einer ebensolchen scharfen Kritik. Er schreibt: Die Zustände in den Arbciterkaserne» der deutschen Großstädte sind zum Teil geradezu schrrckenerregend. Nicht nur für die Gesundheit, auch für die Sittlichkeit der heranwachsenden Jugend bergen derartige Unterkunftsräume die größten Gefahren. Wehe den armen Kleinen, die in diesen düstern Gelassen, die nur zu oft zu Höhlen des Lasters werden, das ungenierte Treiben der Erwachsenen, der Schlafgänger, Dirnen, Zuhälter bemerken und beobachten und dabei ohne sede Rücksicht auf ihr zartes Alter und ihre Unschuld als überflüssige und lästige Beigaben-zum menschlichen Dasein und seinen Leidenschaften betrachtet und behandelt werden. Die Verbrecher in den Zuchthäusern sind wahrlich besser aufgehoben als manche Arbeiterfamilien in diesen licht- und lustleeren Keuchen. Und dabei werden für diese unwöhnlichen und gesund- heitSschädlichen Unterkunftsstätten den Aermsten des Volkes noch exorbitant hohe Mieten abgefordert, so daß dem Ar- bester eben keine Wahl übrig bleibt, als sich an das Woh- nungselend als eine unabänderliche Tatsache zu g e w ö h- u e n und gegen die vielerlei Schädigung abgestumpft zu werden. Die Hauptschuld an dem relativ höheren Preise der kleineren und schlechteren trägt der B a u g r u n d w u ch e r." Der Verfasser empfiehlt gegen dieses Wohnungselend zwar völlig unzulängliche Hilfsmistel, aber darüber wollen wir nicht mit rhm rechten. Genugtuung verschafft es uns nur, daß unsere jähr- zehntelange Kritik an den Wohnungsderhästvissen auf dem Lande und in den Großstädten eine derartig wertv»>c Bestätigung erfährt. Daß das in einem führenden konservativen Blatte geschieht, erhöht nur den Reiz dieses Zugeständnisses. Vorpostengeplänkel zu den Zolltarifkämpf«»- Mit dem S t a- d und den Aussichten unserer deutschen WirtschastS. und Zollpolitik befaßten sich am Mittwoch in Köln die Vertreter der rheinischen Bauern auf der Generalversammlung derR h e i n i s ck e n landwirtschaft­lichen ProduktionS. und Absatzvereinigun g". Es sprachen der deutschkonservative Reichstagsabgeordnete Arnstadt , der nationalliberale Reichstagsabgeortmete Hugo B ö t t g e r und Profeflor Dr. Martin Spahn. Arnstadt , der über die Handelspolitik zu reden hatte, nahm scharf Stellung gegen den Hansabund, den Bund der Industriellen und den Bund der Festbesoldeten, denen er vorwarf, sie bcabsich- tigten, Bresche in unsere Zollschutzmauern zu legen. Im Reichstage sei leider keine so große und feste Mehrheit für ausreichende Land- wirtschastszölle mehr vorhanden wie im Jahre 1909. Die National- liberalen bildeten das Zünglein an der Wage. Den Hauptgegen- stand der Zolltarifkämpfe würden die Futtermittelzöllc und die E i n f u h r s ch e i n e bilden. Der Redner behauptete, daß die Futtermittelzöllc auch im Interesse der Kleinbauern lägen. Bei ihrer Aushebung würde vielleicht die Viehproduktion für den Klein- dauern eine winzige Erleichterung erfahren, aber desto stärker wüvde der Ackerbau der Kleinbauern getroffen werden. Jnter- essant ist, daß der Redner eingestand, es würden durch die Aufhebung der Einfuhr scheine die Roggenpreise sinken, uno zwar nach seiner Meinung dermaßen, daß der Roggen wieder als Viehsutter Verwendung finden werde. Zwar gab der Redner zu. daß die Einfuhrschein« jetzt vor allem den öst- lichen Großgrundbesitzern zugute kommen, aber er behauptest doch andererseits, daß durch ihre Aufhebung auch die Bauern im eoüden und Westen geschädigt würden, weil dann eine Verschiebung im Anbau eintreten müsse. Arnstadt schloß mit der Versicherung, daß er zu den Nastonalliberalen das Vertrauen habe, sie würden der Landwirtschaft sowohl die Futtermittelzölle wie die Einfuhr scheine belassen. Ter nationalliberalc Redner Dr. Böstger äußerte sich über die Politik seiner Partei in der Zolltarifsrag« sehr vorsichtig; aber auch er ließ durchblicken, daß die Nationallioeralen an der jetzigen Zollpolitik festhalten werden. Herr Professor Dr. Spahn sollte über Sozialpolitik sprechen. Er gestaltete aller seine Rede zu einer Philippika gegen den s e l b st S n d i g e n Mittelstand, vor allem gegen die Metzgermeister. Er sieht in der Hauptsache nur eine Möglichkeit, die Teuerung, deren Ursache nach seiner Ansicht nur in der Er- höhung der Produktionskosten liege, abzuschwächen: eine Orga- nisation, die die Waren ohne unnötige Ver- teuerung vom Produzenten zu den Konsumenten führt. Die deutschen M e tz g e r m e i st e r hätten sich im vorigen Jahre der Stunde nicht ge wachsen gezeigt. Ein großer Teil der Mittelständler habe die Interessen des Großhandels wahr- genommen und dadurch der Sozialdemokratie neue Hoffnungen auf die Einrichtung von Kommuneschlächtereien gegbcn. Außerdem sei dadurch das Großkapital in das Metzgergewerbe eingedrungen. ES müsse desbalb dabin gewirkt werden, daß die alten Gewerbe Bäckerei und Metzgerei nicht unter dem Einfluß des Großkapitals gerieten. Durch eine zweckmäßige Organisation müsse der Mittel- stand mehr wie bisher mit Staat und Gemeinden zusammen- arbeiten. Dadurch allein, nicht durch schöne Predigten, könne die Ueberspannung des Konsumenteninstinktcs beseitigt werden. Dahin allein könne auch die amtliche Fleischteuerungskomimssion wirken, die viel zu longsam arbeite. Herr Spahn lebt in der schönen Hoffnung, daß das sogenannte Kartell der schaffenden Stände" nicht nur auf den Mittelstand, sondern auch auf die christlichen Arbeiter und Beamten ausgedehnt werden könne. Das nächste und das notwendigste Ziel der deutschen Sozialpolitik bleibe die Organisation des Mistel- standes, als Bindeglied zwischen Produzenten und Konsumenten. tLberpostdirektio« und Konsumverein. In Gahlenz bei Oederau(Sgchsenl haste der Konsum- berein Eppendorf, der sich seither in jeder Hinsicht streng neutral verhalten hat, eine Filiale eröffnet. Im Laufe der Zeit traten dem Verein eine größere Anzahl Mitglieder bei, so daß die Filiale gut florierte. Nun begann die Hetze gegen den Berein. Die Versuche, ihm mit allerhand unschönen Verdächtigungen die Mitglieder abzutreiben, mißlangen jedoch. Als es auf diese Weise nicht ging, versuchte man es aus andere Art. Der Laden des Konsumvereins befindet sich nämlich im Hause des Postagenten in Gahlenz , der die dortige Posthilfsstellc verwaltet. Hier haben die Treiber gegen den Konsumverein eingesetzt, und zwar mit Erfolg; denn dieser Tage ging dem Postagenten ein Schreiben der Oberpostdirektion zu, worin er als Hausbesitzer aufgefordert wurde, dem Konsum- verein den Laden für den l. April 1914 zu kündi- gen. Dadurch wird die Objektivität der Oberpostdirektion gegen eine Vereinigung, die sich den Vertrieb guter Lebensmittel zu mög- lichst niedrigen Preisen zur Aufgabe gestellt hat, wundersam be- leuchtet._ Gmcbenland und die Cürkeu Paris, 6. November. Nach einer offiziösen Mitteilung haben die Regierungen Rußlands und Frankreichs auf Ersuchen Griechenlands in Konstantinopel nachdrückliche Schritte unternommen, um die Türkei zu veranlassen, sich gegenüber Griechenland versöhnlicher zu zeigen, damit die vom Abbruch bedrohten Verhandlungen in normaler Weise fortgesetzt werden können. Die französische Regierung werde sich jeder finanziellen Unter st ützung der Türkei widersetzen, so lange diese nicht durch eine ehrliche und fried- fertige Politik bewiesen habe, daß sie den Frieden auf dem Balkan nicht stören will._ Oelterrticb. Protest gegen die ungarische Reaktion. In 16 mächtigen Versammlungen protestierte am Mittwoch die Budapesstr Arbeiterschaft gegen das geplante Attentat auf die Presse. Zehntausende von Arbeitern hörten in großer Er- regung die unerhörten Pläne der Regierung, die das neue Preß- gcsetz enthält. Donnerstag, Freitag und Sonnabend halten die einzelnen Berufe ihre Temonstrationsversammlungen gegen diese Vorlage ab, die durch schwere Strafen den wirtschaftlichen Kämpfen ein Ende machen will. Am Sonntag finden in allen größeren Städten Ungarns Demonstrationsversammlungen statt. Die G c- Werkschaftspresse bringt ein Manifest an alle organisierten Arbeiter, in dem die Regierung heftig angegriffen wird. franhmcb. Ein Tag der Extratouren. Aus Paris wird uns geschrieben: Wie in der Regel, verlief auch diesmal das angekündigte parlamentarische Drama als unblutige Komödie. Statt des von manchen erwarteten Ansturms der Linken gegen das Kabinett zeigte die Eröffnungssitzung der Kammer eine Ver- schiebung der taktischen Stellungen der Parteien, die nach den hitzigen Diskussionen der letzten Monate überraschen mußte. Nicht der republikanische.Block" trat in Aktion, sondern der scheinbar schon ganz aufgelöste Proporzblock. Er brachte sogar das Ministerium in die Minorität, aber dennoch darf Herr Barthou das Ergebnis als Erfolg buchen, da er, nicht ausschließlich durch die eigene Geschicklichkeit, den Zorn der bürgerlichen Linken beschworen hat. Die gemäßigte Presse hatte den Sozialisten vorgeworfen, gegen die Regierung komplottiert" und den Proporz preisgegeben zu haben. Vermochte nun ein Vorstoß der Sozialisten zugunsten der Wahl- reform die Rechtsparteien aus der Regierungsschanze hinaus- zumanövrieren, s abwarfen sich die Radikalen unverzüglich in die ver- lassene Stellung und Barthou sieht auf einmal wie der Vollstrecker der radikalen Hauptforderungen aus. Er lehnte den Antrag, die Wahlreform als ersten Gegenstand auf die Tagesordnung zu setzen ab und wollte auf diesen Platz die Frage der Laienschule Sestellt wissen, womit die dringendsten Wünsche desVaters" ombes erfüllt scheinen. Damit wären die Pläne der Un- entwcgten von Pau vorläufig beseitigt. Wegen der Finanzpolitik der Regierung, die die Kosten der neuen militärischen Ausgaben hauptsächlich durch Anleihen von 1 Milliarde und 40l) Millionen hereinbringen und die Einkommen- und Kapitalsteuer, allen feierlichen Zusagen zum Trotz, von neuem einmagazinieren will, werden sich die Radikalen weiter nicht aufregen. Die Finanzreform gefällt ihnen im Wahlprogramm besser als in der Wirklichkeit. Praktisch hat der Beschluß über die Beratung des Proporzes keine Bedeutung. Barthou hat vorsichtigerweise nicht die Ver- trauensftage gestellt, kann also im Amt bleiben und daß die Wahlreform bei der gegebenen Stellung des Senats und bei der Abneigung der Regierung eine Aussicht auf Durch- setzung hat, glaubt kein Mensch. Die Uebcreinstimmung der Regierung mit den Radikalen in der ersten Sitzung erleichtert es aber auch den oppositionslustigen Elementen der Linken, ihre zweideutige Haltung zu bewahren. Das besagt natür- lich nicht, daß die Regierung gegen Zufälle und An- schlüge der Couloirs geschützt ist. Aber der demo- kratischeElan" der Linken kann sich nicht ent- wickeln und so sind auch die über die Befestigung der parlamentarischen Organisationen der Radikalen gefaßten Kongreßbcschlüsse von Pau als wenig aussichtsreich anzusehen. So daß zuguterletzt doch wieder die gemäßigten Parteien den Profit haben, deren Geschäfte Barthou, mit gewissen, durch die parlamentarische Situation geforderten Verbeugungen gegen die bürgerliche Linke, besorgt. Die Aapitalsteuer. Paris , 6. November. Der Finanzminister legte in der heutigen Kammersitzung den Gesetzentwurf über die neue Kapitalerb- steuer vor, durch welche bestimmt wird, daß, abgesehen von der bereits bestehenden Besteuerung der Hinterlassenschaften, auch das hinterlassen e Gesamtkapital nach Abzug einer Summe von 10 000 Frank mit einer progressiven Steuer belegt werden soll, welche Z4 Prozent für Kapitalien bis 50 000 Frank bis zu 4 Prozent bei Kapitalien von mehr als 5 Millionen beträgt. Das JahrcsergebniS dieser Steuer wird auf 72 Millionen ver­anschlagt. Die Beratung der Wahlreform. Paris , 6. November. Im weiteren Verlauf der Sitzung nahm die Kammer mit 482 zu 81 Stimmen den ersten Teil des ersten Artikels des Gesetzentwurfes an, welcher besagt, daß die Mitglieder der Deputiertenkammer im Wege der L i st e n w a h I gewählt werden sollen. Paris , 6. November. Die Kammer hat mit 348 zu 213 Stimmen den ganzen ersten Artikel des Wahlgesetzes a n- genommen, der die Li st enwahlmitVertretung der Minderheiten einführt. BoUaud. Mißerfolg bei einer Nachwahl. Bei der R a ch w a h l im dritten Amsterdamer Wahl- kreis erhielt unsere Partei eine erhebliche Schlappe. Was seit Jahren in dieser Hochburg der Partei nicht vorgekommen ist, hat sich jetzt ereignet: wir sind in die Stichwahl gedrängt. Unser Kan­didat, der Vorsitzende der Gewerkschastszenttale, bekam 4604 Stim- men, der Liberale 3319, der klerikale 1946 Stimmen. Seit den Juniwahlen haben wir 2600 Stimmen, also mehr als ein Drittel, verloren, die Liberalen aber 1000 Stimmen gewonnen. Die Hal- tung der christlichen Arbeiter wird nun in der Stichwahl, die nächsten Dienstag stattfindet, den Ausschlag geben. Wir haben jetzt bei sämtlichen Nachwahlen starken Stimmenverlust zu berzeichnen, die Liberalen aber beträchtlichen Stimmengewinn. Die Ablehnung des Ministerpostens wird den Sozialdemokraten offenbar von einem großen Teil der nicht genügend sozialistisch geschulten Wähler verübelt. Himriha. Aufhebung des Waffenausfuhrverbots nach Mexiko . Washington. 6. November. Der Senatsausschuß für die aus- wärtigen Angelegenheiten beriet in einer Sitzung über die Frage der Aufhebung des Ausfuhrverbots für Waffen und Munition an die Aufständischen im nördlichen Mexiko . Die Sitzung war zwar geheim, man hat jedoch allen Grund zu der Annahme, daß sich die Mehrheit in derselben für ein solches Borgehen ausge. sprochen hat, wenn Wilson die Meinung vertritt, daß die? unter den gegenwärtigen Umständen das beste ist. Obgleich Wilson die Macht hat, das Ausfuhrverbot aufzuheben, halten es doch viele für unwahrscheinlich, daß er es tun wird, ohne dem Kongreß die Sache zu unterbreiten. Bus der Partei. Kommunalwahlsiegc. Am Dienstag und Mittwoch fanden in Barmen die Stadt- verordnetenwahlen statt. Es galt für die Sozialdemokratie, die letzten vier Sitze der dritten Klasse zu erobern. Die sozialdemo- kratischen Kandidaten vereinigten 8235 Stimmen auf sich, während auf die zwei Listen der vereinigten Liberalen und der Rechtsparteien zusammen 6821 Stimmen entfielen. Die Sozialdemokratie befindet sich nunmehr im Besitze der sämtlichen zwölf Sitze der dritten Wählcrklasse. Die Stadtverordnetenwahlen in Krone nbcrg(Rheinland ) endeten ebenfalls mit einem Siege der Sozialdemokratie. Auf die Sozialdemokratie entfielen 675 Stimmen, während auf die List« der Gegner 200 Stimmen entfielen. Die drei sozialdemokratischen Kandidaten wurden gewählt. Somit befindet sich auch hier die dritte Klasse vollständig in den Händen der Sozialdemokratie, Bei den Stadtverordnetenwahlcn in Oh lau(Schlesien ) wur- den in der dritten Abteilung die fünf Kandidaten unserer Partei ge- wählt. Da ein Genosse zur Wiederwahl stand, sind vier Mandate neu gewonnen._ DaS polnische Arbeiterblatt. Aus Kreisen der Sozialdemokraten Polens und Litauens wird uns geschrieben: Unter der Ueberschrift:Eine Arbeiterzeitung in Russisch- Polen" brachte derVorwärts" eine Äouz, in der mitgeteilt wird, daß seit kurzem in Warschau unter dem TitelNeues Wort" die erste Arbeiterzeitung seit dem Revolutionsjahre 1905/06 erscheine. Diese Mitteilung ist eine unbegreifliche Mystifikation. Es erschien in Warschau vom April 1910 bis Ende 1911, also 1% Jahre lang, ein Wochenblatt, das in der Tat das erste nicht geheim verbreitete, offen- sozialdemokralisch austretende Blatt in Polen , ja sogar in ganz Rußland war. Achtmal wurde es unterdrückt, und jedesmal erschien nach kurzer Zeit ein neues Blatt. Die tapferen Streiter, die so einander ablösten, hießen:Tribüne".Hammer",Freie Tribüne".Unsere Sache".Freie ystimme",Arbeit",Unsere Wege" undFreies Wort". Geldstrafen, Konfiskationen, Straf- Prozesse hagelten auf diese Blätter herab: die Redakteur« wanderten einer nach dem andern in den Kerker. Noch jetzt sitzt einer der Re- dakteure im Untersuchungsgefängnis. DerVorwärts" hat übrigens damals wiederholt über den Kampf dieser Warschauer Arbeiterblätter berichtet, und es liegt wahrhaftig kein Grund vor, jene glänzende Episode in der Geschichte des Kampfes gegen den Zarismus und für Preßfreiheit plötzlich mit einem Federstrich aus­zuwischen und von einemersten" Arbetterblatt in Warschau zu fabeln., Ferner aber existiert das besagte angeblich erste BlattNeues Wort" vorläufig noch nicht. Bor einem Monat erschien eine Prob«. nummer, in der das Erscheinen des Blattes angekündigt wurde» doch ahne nähere Angabe des Termins seines Erscheinens. Und endlich haben wir vor uns den Prospekt, welcher das Er- scheinen eines politischen Wochenblattes in Warschau ankündigt, das streng auf dem Boden der Klassemnteressen der Arbeiter stehen wird._ Hetzte INfacfiricbteiie Edward Grey über den Balkaukrieg. Newcastle, 6. November. (W. T. B.) Sir Edward Grey hat hier heute eine kurze Rede geHallen, in der er sagte. Europa habe eine �Krisis überwunden, der Balkaukrieg sei nicht gut für den Handel gewesen; aber wie groß wäre die Störung gewesen, wenn der Krieg sich auf die Großmächte ausgedehnt hätte? Die Politik, welche das Auswärtige Amt verfolgt habe, sei die Politik des Premierministers und des Kabinetts gewesen. Zur Zeit, als diese Politik verfolgt worden sei. seien die Wogen der Parteipolitik hoch gegangen. aber die Opposition habe sich nicht nur enthalten, aus den Schwierigkeiten der Regierung politisches Kapital zit schlagen, sondern sogar wirksamen Beistand geleistet. Serdisch-montenegrinischc Grenzregelung. Belgrad , 6. November. (Meldung des k. k. Tel.-Korr.°Bureaus.! Die serbisch-montenegrinischc Grenzfrage ist zwischen den beiden Regierungen endgültig dahin geregelt worden, daß Montenegro außer Plevlje und dem westlichen MethochiSgebiete noch Djakowitza überlassen wird. Ter Kongreß für Aufhebung des WaffeneiufuhrverbotS nach Mexiko . Washington, 6. November. (P. C.) Die Politik des Präsiden- ten Wilson Mexiko gegenüber findet die größte Billigung seitens der großen Mehrheit des Kongresses. Die große Anzahl der Sena­toren, die durch ihre Geschäftsbeziehungen bedeutendes Interesse an der EntWickelung der Dinge in Mexiko haben, ließen den Präsi- denten Wilson davon verständigen, daß eine Aufhebung de? Waffen- einfuhrvcrboteS nach Mexiko ihre Zustimmung finden würde, wenn auf diesem Wege eine Niederwerfung des Regimes Huertas zu erwarten sei. Fabrikdrand infolge einer Kcsselexplosion. Hirsau , 6. November. (W. T. B.) In der Kammfabrik von Gossemai er u. Koblenzer erfolgte heute eine Kesselerplosion. DaS Fabrikgebäude ist vollständig niedergebrannt.