Die Sparschraube im Eisenbahnbetrieb. Die herrschende Wirtschaftskrise hat zu einem erheblichen Rück- gang des Eisenbahnverkehrs geführt. Das hat die preußische Eisen- bahnverwaltung bewogen, die Sparschraube mehr als bisher anzuziehen. In einer von der Eisenbahndirektion Frankfurt an die Dienststellen ergangenen Verfügung wird unter Hinweis auf den eingetretenen Verkehrsrückgang, auf die bereits er- folgte Verminderung der Zahl der Güterzüge und teilweise Um- Wandlung sonst regelmäßig verkehrender Züge in sogen. Bedarfszüge, die Erwartung ausgesprochen, daß nun auch die K o p f z i f f e r(d. h. die Arbeitskräfte) aus dem gleichen Grunde zurückgeben. Es handelt sich hierbei hauptsächlich um Beamte im unteren Bahnhofs- und Ab- fertigungs- sowie im Lokomotiv- und Zugdienst und um Betriebs- arbeiter. Um jeglichem unwirtschaftlichen Personalvcrbrauch vorzu- beugen, werden Neueinstellungen von Arbeitskräften untersagt. Sollte fich an einer Stelle eine Vermehrung von Arbeitskrästen nötig machen, so ist in dem Antrag gleichzeitig anzugeben, an welcher Stelle gleichartige Arbeitskräfte erspart werden können. Keines- falls darf für einen in den Betriebsdienst zu übernehmenden Strecken- oder Werkstattarbeiter ohne vorherige Genehmigung der Eisenbahndirektion Ersatz eingestellt werden. Auch die durch natürlichen Abgang freiwerdcndcn Stellen dürfen nicht durch Neu- einstellungen, sondern nur aus vorhandenem Personal ergänzt werden. Sofern sich an irgendeiner Stelle Arbeitskräfte oder auch nur Tagewerke ersparen lassen, sind diese alsbald zurück- zuziehen. Die überzähligen Kräfte sind möglichst an Stellen unterzubringen, bei denen infolge natürlichen Abganges Bedarf eintritt. Lassen sie sich aus diese Weise nicht unterbringen, s o werden durch die ArbeiterauSgleichs stelle Ver- schieb» n gen nach anderen Orten vorgenommen. Betriebsarbeiter werden in die Rotte gesteckt, Hilfsheizer in die Werk- statt usw. Die Amtsvorstände und die Stellenvorsieher lind strikte angewiesen, der Durchführung dieser Anweisung Folge zu leisten. Die Verschiebung der Arbeiter hat natürlich stets eine erheb- lichc Benachteiligung der Arbeiter im Gefolge: der Lohn ist in der Regel geringer und Stellenzulagen kommen in Wegfall, während oftmals erhöhte Ausgaben erwachsen. Neueinstellungen beim Streckenpersonal, die sich bei regelmäßigen Betriebsverhältniffen in dieser Jahreszeit nötig machen, werden demnach in diesem Winter nicht erfolgen. ES sind sogar Entlassungen nicht aus- geschlossen. Breslauer Jahrhundertfeier-Itreiche. Ter BreSlaucr Magistrat erlangte seinerzeit nur dadurch die Zustimmung der sozialdemokratischen Stadtverordneten und damit die Mehrheit für den Bau der großen Jahrhundertfesthalle, daß Oberbürgermeister Dr. Bender Iviederholt in öffentlicher Sitzung erklärte, die Halle werde allen Bürgern, auch den Sozial- demokratcn für ihre Veranstaltungen zur Verfügung stehen. In- zwischen hat Dr. Bender sein Amt niedergelegt und Herr Dr- Matting aus Charlottenburg ist Oberbürgermeister von Breslau geworden. Diesem Herrn ging von Charlottenburg her der beste Ruf voraus. Seine liberale Gesinnung sollte über allen Zweifel erhaben sein, so daß unsere Breslauer Genossen keine Bedenken trugen, ihm bei der Wahl des Oberbürgermeisters auch ihre Stimmen zu geben. In Breslau angekommen, entwickelte jedoch der Herr recht bald einen sehr sonderbaren„Liberalismus". Während der Jahrhnndert-Ausstellung gefiel er sich wiederholt in den ärgsten körperlichen und oratorischen Verrenkungen vor den höfischen Kreisen. Auch die Unterdrückung deS Hauptmann-FestspielS war sein Werk. Nun hat der Arbritcr-Sängerbund die Genehmigung zur Ab- hallung eines schlesisdien Arbeiter-Sängerfestes in der Halle nach- gesucht, das zu Pfingsten 1914 stattfinden soll. Der VerwaltungS« auSschuß der Halle hatte sich für die Ueberlassung der Halle ent- schieden, aber der Oberbürgermeister drückte im Magistrat einen Antrag durch, wonach die Halle für Veranstaltungen von politischen Parteien und den einer Partei nahestehenden sonstigen Vereinen nicht zur Verfügung stehen sollte. Diese slaatserhaltende Handlung hat i.r der Stadtverordneten- Versammlung am Donnerstag mit einer großen Blamage für den „liberalen" Oberbürgermeister geendet. Der liberale Berichterstatter, Justizrat Feige, beantragte kurzweg die Ablehnung der Vorlage. Ferner traten Genosse L ö b e und der freisinnige Justizrat Heil- berg in längeren Ausführungen dem reaktionären Anschlag ent- gegen. Obwohl Matting über eine Stunde lang seinen Antrag ver- teidigte. mußte er am Schluß sehen, daß er nur etwa ein Dutzend der Stadtverordneten aus seiner Seite hatte. Es wurde beschlossen, daß die Halle allen politischen Parteien zur Verfügung stehen soll. Noch ein Schlag traf Herrn Matting am gleichen Tage. Wieder- holt haben die sozialdeniokratischen Stadtverordneten Klage geführt über die Behandlung städtischer Arbeiter durch den Hafendirektor M e u s e r. Auch die„VolkSwacht" nahm sich der Klagen der Ar- beiter an. Anstatt Besserungen zu schaffen, stellte Matting Straf- antrag gegen die„Volkswacht". Der angeklagte Redakteur wurde indessen kostenlos freigesprochen, da die Angaben des Artikels als wahr erwiesen wurden._ Wie sich Lima » selbst manlschelliert. So ziemlich das stärkste, was alldeutsche Großmäuler an politi- scher Charakterfestigkeit bereits geleistet haben, offenbarten in ihren Nummern vom 2. und 4. Dezember, also innerhalb von 72 Stunden, die Limanschen„Leipziger Neuesten Nachrichten", das L-iborgan des deutschen Thronfolgers. Lassen wir dies Organ un « entwcgter alltculschcr Gesinnung mit eigenen Worten sprechen. 1. Nr. 333 vom Dienstag, 2. Dezember. (Der Leitartikel ist grollend überschrieben„D e r Skandal von Zaber n". „Der verhaftete Staatsanwalt, der arretierte Landgerichlsrat, der brave Feuerwehrmann Lcvi. der„Deutschland , Tcuts-dland über alle.' fingt und eingesperrt wird, sind nickt mehr humoristische Figuren, tondcrn lebendige Proteste gegen einen Verhängnis- vollen Irrtum. Sie werden im Reichstag erscheinen und Herr v. Falkenhayn ivird diese Schatten hinter Banquo« Stuhl nur mit Muhe beschwören. Der Fehlgriff wird seine Sühne finden, das ist sicher. Aber er tritt loeit zurück in den Hinter- grund vor dem lastenden Gewicht, das dieses Schauspiel von gaben, auf unsere Zukunft wälzt. Ein rechtsstehendes Blatt meinte jüngst, daß in den Reichslanden alle«, ver- ludert" fei. Ein harter Ausdruck, aber wer kann Widerspruch erhebend--- �a.? Bild sieht freilich anders aus als jene wunderschönen Gemälde, die man sonst zu malen pflegte, wenn der Kaiser ins Land kam, damals etwa, als man ihm die Höh- köniasbura schenkte, wenn die Glocken läuleten. die Bauern und Bäuerinnen sich �um Spalier aufstellten, Fahnen wehten und Transparente leuchteten. Diese Kulissen sind jetzt durchlöchert, man sieht die Wahrheit dahinter, diese jammervolle, häßliche Wahrheit, dies« Betätigung alle» dessen, was die nationale Presse seit Jahren täglich schrieb." 2. Nr. 335 von, Donnerstag. 4. Dezember. (Der Leitartikel ist zart' überschrieben„Die Vorfälle in Zabern. ") -Herr v Fallenhayn sprach von„l ä p p i s ch e n G e s ch i ch t e n aus der Kaserne". Und Hand auss Herz: sind diese G«- schichten von dem kleinen Leutnant, dessen Namen jetzt durch olle Weltteile fliegt, nicht wirklich läppisch? Und ist eS nicht � niindestens ebenso läppisch, wenn der Reichstag, dieser wunder- liche Reichstag lärmend gegen den Satz protestiert, daß auch die Armee ein Teil des Volkes sei und daß ihr Recht gleich jedem Volksrecht geschützt werden muffe, oder gegen den Satz, daß die Autorität, die Disziplin, das Ehr- gefühl zu den Lebensbedingungen gehören?... Ein häß- jicher, kein großer Tag. Ein Festtag der Demagogie, und ein zweiter und dritter Tag wird folgen, und man wird dem Kanzler ein Mißtrauensvotum geben mit der Mehrheit, die dem Reickslande die Verfassung schenkte, und demselben Kanzler, der sie schuf. Auch eine Ironie der Weltgeschichte, ein Treppen- witz von ganz besonderer Art." sNämlich dieser Gesinnungsumschwung des belfernden BlatteS. D. Red.) Der famose Harden-Zeuge Lim an hat sich noch„fort- entwickelt". Brachte er es bisher schon fertig, für.den robusten Intellekt der Oertel-Leser das Gegenteil von dem zu schreiben, was er zu gleicher Zeit anderweitig publizierte, so ist es ihm jetzt bereits gelungen, sich in seinem eigenen Blatte innerhalb 72 Stunden kräftig zu maulschellierenl_ Agrarischer Boykott gegen den Militärfistus. Der landwirtschaftliche Kreisverein zu L i e g n i tz will die Landwirtschaflskammer dazu veranlassen, daß sie bei den zuständigen Regierungsstellen um„zeitgemäßere" Bezahlung für Manövervorspanndienste eintritt. �Sollte die Regierung die agrarischen Wünsche unberücksichtigt laffen, dann könne es, wie ein einstimmig angenommener Antrag des landwirtschaft- lichen Vereins Liegnitz heißt, keinem Landwirt mehr ver- dacht werden, wenn er die Stellung von Vorspannen zur Manöverzeit ablehne. Das bedeutet weiter nichts, als eine glatte Bohkottierung des Militärfiskus. Da die Regierung aber immer ein williges Ohr für agrarische Wünsche hat, wird es aller Voraussicht nach nicht zu einem Steil kommen. Reichölagskandidatur. Für die Ersatzwahl im Kreise Rosenberg-Löbau wollen die bürgerlichen Parteien den Landrat v. Brünneck als deutschen Sammelkandidaten gegen die Polen aufstellen. Landrat v. Brünneck will sich im Falle seiner Wahl der Reichspartei anschließen. Die dieser Partei angehörigen Landräte Dr. Hegenscheidt und Halem können ja nun ihren Kollegen am besten unterweisen, wie man reichsparteiliche Wahlsiege zurechtmacht. Aus Ostelbien. Die„Jnsterburger Allgemeine Zeitung" berichtet ein niedliches Geschichtche» von einem Gemeindevorsteher im Landkreise Jnster- bürg, der in diesen Tagen vom Briefträger seines Bezirks das NamenSvcrzeichnis der Zeitungs-Postabonnenten verlangte. Als das agrarische Gemeindeoberhaupt mit seinem Ansinnen beim Briefträger abgeblitzt war, ging er weiter. Doch lassen wir die Jnsterburger Zeitung selbst reden:„Wenige Stunden hiernach erschien derselbe Gemeiudevorsteher bei dem Postagcnten seines Bezirks mit dem- selben Ersuchen. Doch auch der Postagent lehnte es strikte ab, ihm die verlangte Auskunft zu geben. Er ließ dabei wissen, daß sich bereits jener Briefträger über das Lorgehen des Gemeindevorstehers beschwert habe. Darauf gab der Gemeindevorsteher seinem Unwillen Ausdruck durch die drastischen Warle.:„Nanu, ich bin als Gemeinde- vorstand vom Landratsamt beauftragt, diese Er- Mittelungen durch die Briefträger zu machen und einzusenden!" Das Blatt versichert, die Mitteilung sei ihm von durchaus glaub- würdiger und zuverlässiger Seite zugegangen. Die franzöfiPehe JVKmftcrknfe. Paris , 5. Dezember. R i b o t erklärte dem Präsidenten Poiilcar�, dasi er es unter, den gegenwärtigen Umständen ablehne, die Bildung des.st a b i n e t t s zu übernehmen. Tarauf hat Poincar� Jean D u p u y mit der Kabinetts- bildung beauftragt. Dieser antwortet,, er werde versuchen, ein Kabinett d e r L i n k e n zur Einigung der Republikaner zu bilden. k�ulUand. Zum Protest gegen die russischen Gefänguisgrcuel. Der Aufruf für die politischen Gefangenen Rußlands , der am 25. November in den Zeitungen Westeuropas und Amerikas erschien, hat einen starken Widerhall in Nußland gefunden. Allerdings haben nur die beiden Petersburger Arbeiterblätter. den Mut gehabt, den Aufruf unverkürzt zu veröffentlichen— wofür sie, nebenbei bemerkt, konfisziert und zur gerichtlichen Beraniwortung gezogen wurden—, indessen sind in den meisten Blättern Auszüge auS dem Aufruf und telegraphische Meldungen auS allen Haupt- städten Europas wiedergegeben worden, die den Protest deS europäischen Kulturgewissens gegen die Schmach der russischen Ge- fängnisgreuel eindrucksvoll zur Geltung gebracht haben. In den Petersburger Regierungskreisen ist man, wie ein gut unterrichtetes Blatt meldet, über diese Einmischung deS Buslandes empört. Aber die Anklage gegen die russische Hinkerwirtschaft ist in dem Protest so eingehend begründet, seine Ausführungen sind so unanfechtbar, daß daS Gefängnisreffort, das sonst schnell mit Dementis bei der Hand ist, den Mut nicht findet, gegen die angebliche.Einmischung" öffentlich aufzutreten. Ganz abgesehen von dieser Wirkung deS europäischen Protestes dürste der Zusammenschluß der angesehensten Vertreter der Kultut- weit auch auf die Haltung der russischen liberalen Gesellschaft einen günstigen Einfluß ausübe». Mit Recht geißelt das bedeutendste Blair Südrußlands, die demokratische„KijewSkaja MySl", die ver- brecherische Gleichgülrigkeit des russischen Liberalismus gegenüber den in den Kerkern und Eiswüsten begrabenen Kämpfern der russischen Freiheit.„Die besten Männer und Frauen Europas — schreibt das Blatt— die Freunde der Gerechtigkeit»nd Menschlichkeit haben ihre Stimme erhoben zum Protest gegen die politische Massendeportation in Rußland . Sie schenken den beruhigenden Mitteilungen der den russischen Ministerien nahestehenden Zeitungen, das in Rußland fast das goldene Jahrhundert der politischen Freiheit und der persönlichen Unantastbar- keit eingetreten sei, keinen Glauben. Sie laffen sich durch KokowzewS Erliärung, die Gerüchte über Massenvcrschickungen seien stark übertrieben, nicht beschwichtigen. Sie wissen, daß seit dem Oktober 1905 über 40 000 Personen wegen politischer Vergehen in Rußland ver- urteilt worden sind, von denen über 3000 hingerichtet, über 10000 in den Toienhäusern der„Katorga" eingekerkert wurden. Sie wissen, daß auch beule die Gefängnisse, die„Katorga" und die VerbannungSorte überfüllt sind. Sie stellen sich zur Aufgabe, die Tatsachen zu sammeln und zu veröffeittlichcn, die allen Freunden der Gerechtigkeit und Menschlichkeit, ohne Unterschied der Partei, ein gesichertes Urteil über diese grauenvollen Zustände ermöglichen. Sie können es nicht länger mit ansehen, daß irgendwo in der Ferne politische Gefangene in den Kerkern und in der Verbannung schmachten. Bei uns aber hat man sich mit diesen Zuständen ausgesöhnt. Die politischen Freunde der ungeheueren Mehrheit der Unterzeichner des ausländischen Protestes schweigen und laffen sich durch die„Exzesse" der Verbau- nung und der Katorga, die für sie zu Alltagserscheinungen gewor- den sind, nicht aus ihrer Ruhe stören... Unsere liberale Oppo- sition, die von den Oktobristen weit nach links abgerückt ist, tritt nur in seltenen Fällen aus ihrer Gleichgültigkeit gegenüber den Greueln der politischen Deportation hervor. Die ungeheuere Mehr- heit der diesbezüglichen Interpellationen ist nicht auf die Initiative der Liberalen in der Duma eingebracht worden. Die mehrfach eingebrachte Interpellation über das Schicksal der verurteilten Ab- geordneten der zweiten Duma hätte vielleicht zu anderen Ergeb- nisten geführt, wenn sie von den liberalen Kreisen innerhalb und außerhalb der Duma energischer unterstützt worden wäre. Die zahlreichen Beweise der„Exzesse", die die Ausländer zum Protest veranlassen, bleiben bei uns gleichsam unbeachtet. Die Selbst- morde in den Gefängnissen, das Hungerdasein und daS Elend in der Verbannung und noch viele ähnliche Tatsachen werden durch die Gleichgültigkeit der Gesellschaft erstickt und mit düsterem Still- schweigen übergangen. Der ausländische Protest— fährt das Kiewer Blatt fort—- muh eine glühende Scham in uns wachrufen und das Gewisien der Gesellschaft aufrütteln. Nicht den Ausländern, nicht den fernen Freunden der Gerechtigkeit und Menschlichkeit muß die Last auf- erlegt werden, die von denen getragen werden muß, die so viel über das Anschwellen der oppositionellen Stimmung und die neuen Aufgaben der Opposition sprechen. Man muß die in dem auslän- dischen Protest erwähnten Tatsachen sammeln und veröffentlichen, man muß sie von der Tribüne der Duma verkünden und sie allen zur Kenntnis bringen, die sie zu hören vermögen/ Mexiko . Eine neue Niederlage der Regiernngstruppen. New Jork , 5. Dezember. Nach einer Depesche aus Brownsville lTexas) hat bei Tula , 40 englische Meilen südwestlich von Ciutad Vieloria, ein 24stündiges Gefecht zwischen Bundestruppen und Rebellen stattgefunden, in welchem jene 200 Mann ver« loren haben sollen.__ . Em InduFtne und FtandeL Bankzusammenschluß. Die Seher Bank in Lehe will sich mit der Deutschen Nationalbank in Bremen vereinigen. Auf den ersten Blick sieht die Sache so aus, als ob sich zwei Provinzbank« institute zusammentun wollen, um sich als ein geschlossenes Provinz- inftitut der Großbankkonkurrenz gegenüber kräftiger zu betätigen. Es sieht aber nur so aus, denn die Leher Bank in Lehe ist ge- schäftlich mit der Hannoverschen Bank verbündet und die Hau - noversche Bank steht in engsten Beziehungen zur Deutschen Bank in Berlin . Die Nationalbank in Bremen ihrerseits wieder ist durch ihre Verbindung mit der Verwaltung des Norddeutschen Lloyd , in der bekanntlich auch die Deutsche Bank vertreten ist. ebenfalls zum Konzern der Deutschen Bank zu rechnen. Wir haben also hier nichts weiter als die Zusammenlegung zweier Provinz- bankinstitute, die als Filialen der Deutschen Bank in Berlin an- zusehen sind. Die Leher Bank mußte für 1912 mit ihrer Dwidende von 9 auf 6 Proz. zurückgehen. Die Deutsche Nationalbank in Bremen ist eines der größeren Provinzbankinstitute und die Hau- noversche Bank ragt ebenfalls schon über daS Mittelmaß der Provinzbanken hinaus. Neues Elektrizitätskapital. Obwohl es auf dem Geldmarkte noch immer an Kapitalzuflüssen fehlt, tritt der große Elektrizitäts- konzcrn, in dem die A. E. G. und Siemens maßgebend sind, doch mit einem erheblichen Geldbegehr hervor. Die Dcutsch-Ueberseeische Elektrizätätsgesellschast gibt 30 Millionen Mark Vorzugsaktien aus, die Siemens elektrische Betriebs-Aktiengescllschaft 8 Millionen Mark Obligationcnanleihe für den Schweizer Markt und 4,5 Millionen Mark weitere Obligationenanleihe, und, wie es heißt, will die Hochbahn 20 Millionen Mark Nominal neue Aktien begeben. Das wäre insgesamt ein Nominalbetrag von 62,5 Millionen Mark,'zu den Begebungskursen gerechnet natürlich viel mehr. Vor einigen Tagen hat die Generalversammlung der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschast stattgefunden und in dieser Generalversammlung hat der Aufsichtsratsvorsitzcnde, Dr. Walter Rathenau , gesagt, es sei anzunehmen, daß die Gesellschaft vor- läufig kein neues Kapital gebrauchen werde. Die großen Elektrizitätsunternehmnngen verfahren aber immer nach dem- selben Rezept. Wenn sie selbst keine Emissionen vornehmen, weqn sie keine neuen Aktien oder Anleihen begeben, so lassen sie durch ihre KvnzernunterneHmungen Geld aufnehmen. Zusammenschluß. Auf einem Gebiete herrscht gute Konjunktur: Auf dem der Verlängerung und Neugründung von Kartellen, Kon- ventionen usw. Mit einem nachahmenswerten Eifer baut daS Unternehmertum seine Organisationen aus; solche mit der Aufgabe, die Preise zu steigern, ebenso so wie die der Frontstellung gegen die Arbeiterschaft. Ueber die Gründung von Organisationen gibt die nachfolgende, auf Vollständigkeit keinen Anspruch erhebende Ausstellung ein Bild: Eine Verlängerung deS Jnternaturnalen SpiegclglassyndikatS wurde herbeigeführt. DaS Internationale Zuckersyndikat zu verlängern, gelang ebülfalls. Die Neugründung eines NöhrensyndilatS steht vor dem Abschluß. AlS gesichert zu de- trachten ist die Neugründung eines Rheinisch-Westfälischen Zement- syndikats. Eine Verkaufsstelle der zu ewer Preisvereinigung zu- sammengeschlossenen Hersteller isolierter Leitungsrohren wurde ge- gründet. Die Waggonbauanstalten schloffen stch zu einem Ver- bände zusammen. Die„Textilkondention" gründet« ein Kartell zwecks Förderung deS Organ: sationszwanges. Nord- und Mittel- deutsche Gießereien gründeten eine Einkaufsgesellschaft. Die Schirmfabritanten gründeten eine Konvention. Weil dies« Kon- vention sofort mit Preiserhöhung vorging, schloffen sich auch die Schirmgrotzfabrikanten zu sammcn.— So rüstet daS Unternehmer- tum. Die aufgeführten Vereinigungen bezwecken durchwegs eine bessere Verwertung der Arbeitsleistung für die Unternehmer. Denselben Zwecken diesen die Gewerkschaften für die Arbeiter, schast. Sie sollten an dem Eifer der Unternehmerverbände den Beweis für die Notwendigkeit und Nützlichkeit de» Zusammen, schlusses erkennen._ Hetzte Nachrichten« in eta, politischen tbaren Krisen- überwältigen- großer Span - bayerischen »dgebung der Billigung. ausdrücklich ver- und man be- nv Die Beurteilung der Kanzlerrede München , 5. Dezember. (H. B.) In ba! Kreisen sieht man der Weiterentwickelung deS zustandes,>oie er durch das MißtrauenSvi' den Reichstagsmehrheit geschaffen worden nung entgegen. Bis in die hö' Regierungskreise findet die Volksvertretung Verständnis Man versteht dort, wie die„Frankfurter Zeü sichern kann, die Haltung des Reichskanzlers dauert lebhaft, daß es durch die Art seine? Auftretens zu einem solchen verhängnisvollen Konflikt zwischen der Reichsleitung und dem Reichstag überhaupt hat kommen können. Waffeneinfuhrverbot für Jrlan.'). London , 5. Dezember. (P. C.) Die Zuspitzung der Gitua- tion in Irland hat zu einer Reihe verschärfter Regie« rungs maßnahmen geführt. In diesem Zusamme/hmige ist ein königliche? Dekret ergangen, daS die Einfuhr von Waffen nach Irland verbietet. Beendigung des englischen Eisenbahnerstrei?«� � London , 5. Dezember. (P. C.) Die Verhandlungen Zwischen den Eisenbahngesellschaften und ihren Angestellten über die Bei- legung des Streiks haben zu einem Ergebnis geführt. Die Wieder- aufnähme der Arbeit soll bereits morgen erfolgen.
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