Wirtschaftlicher Wochenbericht.
Ernten, Getreidepreise und Getreideausfuhr. Die Ernte dieses Jahres hat der deutschen Landwirtschaft Erträge gebracht, die weit über die der Vorjahre hinausgehen. Reben Brotgetreide, Kartoffeln, Safer und Gerste haben auch Klee, Heu und andere Futtermittel eine Mehrernte gehabt. Nach einer Zu fammenstellung der Kaiserlich Statistischen Amtes betrugen die Erntemengen( in Millionen Tonnen):
Beizen
Roggen.
Sommergerſte.
Safer.
Kartoffeln
Slee
Luzerne
1903
1912
1913
B
•
•
3,6
4,4
4,7
9,9
11,6
12,2
3,3
3,5
3,7
7,9
8,5
9,7
42,9
50,2
54,1
9,7
7,9
11,2
1,3
1,5
26,4
27,7
1912
1913
158
180
186
212
158
187
165
210
38
45
Verfammlungen.
Breise im Auslande entschädigt. Dieses System muß notwendig zu einer gewaltigen Steigerung der Getreideausfuhr führen. Je größer die Ernte ist und je billiger die Preise sein müßten, um so mehr besteht der Anreiz und die Möglichkeit für den deutschen Produzenten, die Die Arbeiter der Küchenmöbelbranche beschäftigten fich in einer Ernten haben baber zu einer besonders starten Ausfuhr Deutschlands referierte und schilderte die Konjunktur in der Branche Ausfuhr zu forcieren. Die beiden letzten Jahre mit ihren großen Versammlung mit der derzeitigen Geschäftslage. Peters geführt. In den Monaten Januar bis Oftober 1913 stieg diese und in der Hauptsache durch die Einfuhr aus der Provinz hervor der Küchenmöbelindustrie, die eine äußerst ungünstige set Ausfuhr gegen die gleichen Monate des Vorjahres noch bei Roggen gerufen worden ist. Während bor 1907 nur sehr wenig Waren von 6,2 auf 7,5 Millionen Doppelzenter, bei Weizen von 2,5 auf 4,1, eingeführt wurden und die Arbeitslosigkeit eine ganz geringe war, bei Hafer von 3,1 auf 5,2 Millionen Doppelgentner. Besonders auf- find die Unternehmer in letter Beit immer mehr dazu über fällig ist die Ausfuhrsteigerung nach Frankreich , in der die gegangen, Küchenmöbel einzuführen. Redner erklärte, daß sich der gleichen Patrioten, die die Ausfuhr durch das von ihnen beschlossene Kampf nicht unbedingt gegen die auswärtige Arbeit wende, aber Einfuhrsystem erft möglich machen, plöglich eine nationale Gefahr festgestellt müffe werden, woher fie tomme und unter welchen erbliden, weil Frankreich angeblich eine Kriegsverproviantierung vor- ohn- und Arbeitsbedingungen die Waren außerhalb nimmt. In der Tat wird unser Einfuhrscheinsystem durch nichts hergestellt werden. beffer beleuchtet, als daß Frankreich , das Weizenland, in den ersten neun Monaten dieses Jahres aus Deutschland 1,9 Millionen Doppelzentner Weizen gegen eine halbe Million im Jahre 1912 eingeführt hat.
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1,7 Wiesen- Heu.. 29,2 Zum Teil ist diese Steigerung durch eine Vermehrung der An- Die Wirkungen dieses Systems find auch für die Reichskaffe bauflächen bedingt. Bei Roggen, Beizen, Gerste und Kartoffeln ist einschneidende. In den Monaten Januar bis Dftober wurden an aber auch der Durchschnittsertrag vom Hektar größer als jemals Böllen mittels Einfuhrschein beglichen 1911: 80,82 Millionen Mart, in einem Jahre vorher. Die Steigerung in der Intensität der Be- 1912: 95,51 Millionen Mart, 1913: 123,73 Millionen Mart . Diese wirtschaftung tritt in diesen Zahlen zutage, wenn man von den Steigerung beweist zunächst, daß die Herabsetzung der Geltungsdauer Einzelschwankungen infolge der flimatischen Verhältnisse absteht. der Einfuhrscheine ebenso wenig zur Milderung des Systems bei Trozdem darf die Bedeutung dieser Mehrerträgnisse für die Er getragen hat wie die Bestimmung, daß der Boll für Kaffee und nährung der deutschen Bevölkerung nicht überschäzt werden, weil Betroleum nicht mehr durch Einfuhrscheine erstattet werden dürfe. auch die Einwohnerzahl Deutschlands rasch gestiegen ist. Aus der Run kann man zwar jene Summen nicht ohne weiteres und in starken Einfuhr einzelner Getreidearten ergibt sich denn auch, daß voller Höhe als einen Raub an der Reichstasse bezeichnen. die deutsche Landwirtschaft den Bedarf nicht voll zu decken vermag. Nur soweit die Einfuhr die Ausfuhr einer Getreideart übersteigt und Infolge der günstigen Ernte sind die Preise im Herbst die Zölle durch Einfuhrscheine beglichen werden, erleidet die Reichsdieses Jahres heruntergegangen. Im Oktober zahlte man durch- tasse einen Verlust. Bei der Einfuhr von Gerste, Buchweizen, schnittlich für 1000 Kilogramm in Mark: Hülsenfrüchten, Raps, Rübsen, früher auch Kaffee und Petroleum wo der Einfuhr keine oder nur eine geringe Ausfuhr gegenüber ſteht ist der Ausfall für die Reichstasse am größten. Die schlimmste Wirkung des Einfuhrscheinsystems für die Konsumenten besteht aber darin, daß es die volle Husnugung des Schußzzolles ermöglicht. Der Getreideproduzent Ostdeutschlands ist nicht mehr gezwungen, feine Produkte nach dem Westen zu berfrachten, er Auch die Noggen- und Weizenmehlpreise sind im Großhandel kann sie jetzt über die russische Grenze verkaufen, trotzdem das gesunken, während die Preise im Kleinhandel nur eine ganz geringe Getreide in Rußland wesentlich billiger ist. Der Erlös des EinErmäßigung gegenüber dem Vorjahre zeigen. Entsprechend den fuhrscheins bietet ihm genügende Entschädigung. Die Möglichkeit deutschen Ernteergebnissen, die dazu noch mit einer guten Welternte der Ausfuhr und die Verringerung des Angebots im Inlande erzufammenfallen, müßten die Preisermäßigungen noch größer sein. laubt ihm aber wieder, die Preise im Inlande hoch zu halten, da Die Wirkung der Welternte wird aber durch die Bollmauern ab- der Schutzzoll die Einfuhr vom ausländischen Getreide hindert. geschwächt und die günstigen Getreideresultate im Inlande fönnen Der Produzent hat es aber in der Hand, je nach der Marktlage, infolge des famosen Einfuhrscheinsystems nur wenig den heimi- die Ausfuhr einzuschränken oder au bergrößern, je nachdem ihm schen Konsumenten zugute fommen. der Verkauf im Inlande oder im Auslande rentabler erscheint. Bei der Ausfuhr von Getreide und Futtermitteln wird dem Der Benachteiligte ist immer der heimische Konsument. Wenn in Exporteur ein Bestätigungsschein übergeben, der zur Begleichung diesem Jahre die Getreidepreise gesunken sind, so ist das nicht des Einfuhrzolls auf Getreide und Futtermittel in Zahlung genommen unmittelbar eine Folge der günstigen Ernte in Deutschland , sonwird. Da der Exporteur diese Scheine an einen Importeur dern der sinkenden Preise auf dem Weltmarkt. Der deutsche berkaufen kann erhält er dadurch eine Ausfuhrprämie in Höhe des Konsument muß auch jetzt noch um so biel teurer sein Brot beBolles. Der roduzent kann also felbft auf den ausländischen zahlen, als der Zoll den Weltmarktpreis überragt. Märkten billig tonfurrieren, wo die Preise niedriger stehen als in Deutschland , da der Erlös des Einfuhrscheines ihn für geringere
Roggen Weizen Hafer Gerste. Kartoffeln
.
Ueber die einschlägigen Verhältnisse in den Berliner Betrieben ift eine Umfrage veranstaltet worden. Es hat sich ergeben, daß die Industrie der Küchenmöbel in den lebten drei Jahren sich start bermindert hat und zwar um 10 Betriebe und um 80 Tischler und 20 Maschinenarbeiter.
Es ist auch festgestellt, daß ein großer Teil der eingeführten Rüchenmöbel reparaturbedürftig ist und in einigen Berliner Betrieben einzelne Arbeiter mir diese Reparaturarbeiten berrichten. felde, Denhausen, außerdem aus Sachsen , aus dem Grzgebirge Die auswärtigen Arbeiten kommen in erster Linie aus Kloster usw. So bezieht Gun fel, Neue Königstraße, täglich ziria 15 bis 26 vollständige Küchen; 2ange u. Silberg , Weißensee, u. a. 100 Schränke pro Woche; Weltenberg, Fürstenberger Straße, 30 Küchen im Monat usw. Daß die Einfuhr groß ist, zeigt sich, daß, soweit festgestellt werden konnte, pro Monat 1020 Küchen eingeführt werden, die vielen Einzelküchen nicht eingerechnet.
Für weit über 100 Arbeiter wäre Arbeit vorhanden, wenn die Arbeit in Berlin hergestellt würde. Die Unternehmer be nußen diese Einfuhr, um die Berliner Arbeitslöhne zu reduzieren. Es müsse darum alles getan werden, um diesen Zuständen ent gegenzuarbeiten. Der letzte Mann müsse der Organisation zu geführt werden.
Die Diskussion ergab noch mancherlei Momente, die die Ausführungen ergänzten und bestätigten. Ein Redner schilderte die Verhältnisse in Klosterfelde , die auch nichts weniger als rosig seien und gab eine Uebersicht von dem Umfange der dort hergestellten Arbeiten. Es herrsche dort trob allem eine große Arbeitslosigkeit in der Branche. Zum Teil beständen daselbst sehr niedrige Löhne. Nur eine straffe Organisation könne helfen. Nicht einmal ein Lokal stehe dort den Arbeitern zur Verfügung.
Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen:
Die heutige Versammlung für alle in der Küchenmöbelindustrie beschäftigten Holzarbeiter Groß- Berlins stellt fest, daß durch die riesige Einfuhr von Küchenmöbeln die Arbeitsgelegenheit der Branche teils vermindert und dadurch die Arbeitslosigfeit in der Branche ganz enorm zugenommen hat.
Die Versammelten wünschen, daß die Branchenleitung die Einberufung einer gemeinsamen Konferenz der Vertreter jener Ortschaften, wo Küchenmöbel angefertigt werden, bewirke. Sie beauftragten den Obmann, die entsprechenden Anträge zu der im Frühjahr stattfindenden Gautonferenz zu stellen."
Hilfskaffe der Graveure, Ziseleure und verw. Berufsgenoffen in Berlin tagt jeden zweiten Montag im Monat, abends von 8-10 Uhr, im Restaurant Luisenujer 1.
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