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Nr. 7.

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Berliner Volksblaff.

31. Jahrg.

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Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin".

Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands .

Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplatz, Nr. 1983.

Dreiklassenschande.

In den üblichen Formen mittelalterlichen Prunkes, mit Kirchgang, Thronrede, Staiserhoch wird heute der Preußische Landtag eröffnet. Eine neue Legislaturperiode beginnt, teil­weise neue Männer sind eingezogen in den stolzen Palast in der Prinz- Albrecht- Straße, aber der alte Geist lebt fort, der Geist der Unterdrückung, Ausbeutung und Verdum mung des Volkes.

Donnerstag, den 8. Januar 1914.

Im

Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritplak, Nr. 1984.

-

Die

nahmegesetes gegen die Sozialdemokratie des Militärs zu beobachten gewesen. Wären die Leutnants fehlt es nicht. Noch kein Jahr ist verflossen, seitdem die nicht so provozierend mit der Hand am Säbelgriff, mit ihren Ba­Arnim und Kardorff offen ein neues Sozialistengesetz trouillen mit aufgepflanztem Bajonett hinter sich, durch die Straßen gefordert haben. Und die Regierung hat nicht den Mut ge- stolziert, hätte Leutnant Forstner sich nicht immer in so verächt­habt, diesem dreisten Anfinnen auch nur mit einem Worte licher Gebärde dem Publikum präsentiert, so wäre es nicht einmal zu jenen Verbalinjurien gekommen, auf die sich der ganze Auf­entgegenzutreten. Böllige Unterdrüdung des Volkes! Das ruhr" nach dem Ergebnis der Zeugenvernehmung reduzieren läßt. ist das Ziel, das den preußischen Junkern vor Augen schwebt. Was es mit dem Aufruhr" auf sich hatte, bewies die Aussage Dazu die geistige Knebelung der Massen mit Hilfe jenes Polizeiwachtmeisters, der da erklärte, daß auch am 28. No­des Zentrums. So wird der Boden vorbereitet, um dem vember eigentlich überhaupt kein Auflauf vorgekommen sei und Bolte neue asten aufzubürden und auch das Leyte aus daß die ausschwärmenden Patrouillen erst mühsam einen Passanten aufstöbern mußten, um ihn dann ver Nicht die Erwählten des Voltes, sondern ihm herauszupressen. S die Vertreter einiger bevorrechtigten aften Ein Parlament, dessen Aufgabe sich in diesent Programm haften zu können! Aber Oberst v. Reuter und seine Leute finden sich zusammen, um auf's neue schicksalsschwere Be- erschöpft, hat natürlich kein Interesse daran, be hördlichen( und seine Hintermänner in Straßburg und anderswo) wollten schlüsse für Preußen und darüber hinaus für Deutschland zu Uebergriffen entgegenzutreten. Eine Strähe hadt der nun einmal ein Exempel statuieren und die Souveränität der fassen. Denn das ist ja von jeher das Charakteristische des anderen die Augen nicht aus. Die preußischen Verwaltungs- militärischen Allgewalt beweisen. Charakteristisch für den militä Dreitlassenparlaments gewesen, daß es seine Tätigkeit nicht behörden find Fleisch vom Fleische und Geist vom Geiste des rijchen Uebermut ist das bisher unwidersprochen gebliebene Wort erschöpft in der Niederhaltung jedes Fortschritts in Breußen, preußischen Junkertums, und deshalb findet der Staatsbürger des Obersten v. Reuter, daß ein preußischer Landrat ganz sondern daß es seine Aufgabe darin erblickt, von Preußen aus beim Dreiklassenparlament keinen Schuß gegen noch so fla- anders gegen den Pöbel vorgegangen sein würde, als so ein schlapper eljässischer Kreisdirektor. Am besten, so sollte sich nach der Zeugen­der Reichsregierung den Willen des ostelbischen Junfertums grante Gesetzesverletzungen der Verwaltungsorgane. und seiner Helfershelfer, der Schlotbarone aus der Schwer- Gegenteil, infolge der Billigung ihres Verhaltens durch die aussage Oberst v. Reuter geäußert haben, wäre es, wenn der industrie und der Frömmler in Lager des Zentrums auf- Landtagsmehrheit und infolge der Passivität der Regierung, Bürgermeister von Zabern selbst einmal eingesperrt würde. Schade, zuzwingen. Juntertum, Sapitalismus, kleri- die oft genug sogar sich der gesetzwidrig handelnden Beamten daß das Stadtoberhaupt trant war, sonst hätte ihm am Ende das kalismus, diese heilige Dreieinigkeit im annimmt, werden diese nur noch mehr angefeuert, die von Vergnügen blühen können, selbst in den Pandurenkeller zu wandern. Und wie tief der Riß zwischen Militär- und Zivilbehörden Bunde gegen Kultur, gegen Volfsfreiheiten, ihnen beschrittene Bahn weiter zu gehen, damit der preußische Staatsbürger immer und immer wieder daran erinnert wird, geht, wie gefliffentlich von den Herren Militärs Verdächtigungen gegen Volfsrechte! Das Dreiklaffenwahlsystem hat sich bewährt, bewährt als daß Steuerzahlen sein einziges Recht und gegen die Zivilbehörden ausgestreut werden, das beties die Aus­fage des Gendarmeriehauptmanns Schotte. Schotte war das beste System zur Fälschung des Volkswillens. Maulbalten seine erste Pflicht ist. Die stärkste politische Partei Preußens, zu der sich trotz der Aber das preußische Volt hat es satt, immer nur Amboß Organisation unserer Gendarmerie ist ja ein unjägliches und un­öffentlichen Stimmabgabe rund eine Million Urwähler be- zu sein und sich von seinen Ausbeutern regieren zu lassen. Das feliges 3witterding- der militärische Vorgesetzte der militärisch fannt haben, verfügt über ganze zehni Size, die beiden fon- Bolt ist reif, selbst seine Geschicke in die Hand zu nehmen und organisierten Gendarmerie des 3aberner Distritis. Aber die Ver­fervativen Parteien, die trotz des von ihnen geübten und un- sich von dem auf ihm lastenden Joch zu befreien. Mögen die fügung über die Gendarmerie stand dem Kreisdirektor zu, einem erhörten Terrorismus auch nicht annähernd soviel Urwähler Junker und Junkergenossen sich noch so fest hinter dem Wall Beamten, der etwa Sandratsrang einnimmt. Schotte hatte aljo um sich zu scharen vermochten, zählen 201 Abgeordnete und des Dreiflassenparlaments verschanzen. Auch dieser Wall wird die militärische Aufsicht, aber der Kreisdirektor das amis liche Verfügungsrecht über die Gendarmerieberitic. Und haben damit beinahe die absolute Mehrheit. Die 21 Stimmen, tapitulieren. Der Kampf gegen das Dreitlaffenwahl- dieser Gendarmerieoffizier Schotte behauptete nun, daß die Gen­die ihnen fehlen, werden ihnen im entscheidenden Moment von dem rechten Flügel der Nationalliberalen oder auch vom stem bleibt nach wie vor die wichtigste Auf- barmen von ihrem Borgesezten, deur Streisdirektor, nicht nur zu Zentrum zugeführt werden. gabe des preußischen und des deutschen Voltes. ausnahmsweise mildem Vorgehen gegen die Zaberner veranlaßt, Zwar haben die Parteien der Rechten durch den Ausfall und je ungünstiger der Boden im Dreitlassen- fondern auch noch in Sachen ihrer Zeugenausfagen dahin bearbeitet der Wahlen eine kleine Schwächung erfahren, aber nichts parlament ist, ie weniger fich die gefeß- sagen sollten. Dem Kreisdirettor wurde also von dem Gender­je seien, daß sie nichts die Zivilbehörden Bloßstellendes auss gebenden Körperschaften auf ihre Pflicht wäre verfehrter, als daraus etwa auf bessere Aussichten für finnen, das feierliche Bersprechen des Königs meriehauptmann nichts geringeres, als ein ich to er st es Diens eine Wahlreform zu schließen. Für die Uebertragung vom 20. Oktober 1908 zu erfüllen, desto mehr unterstellten Beamten vorgeworfen! Und nachher erst Königsverbrechen, als die 3eugenbeeinflussung der ihn des Reichstagswahlrechts auf Preußen ist im wird der Kampf außerhalb des Parlaments rüdie dieser die Zivilbehörden frondierende Gendarmerieoffizier unterstellten Beamten vorgeworfen! Und nachher erst Landtage eine Mehrheit nicht vorhanden, ia perlegt werden müssen. es ist sogar fraglich, ob in diesem Parlament ein Votum für Diesen Kampf energischer als je zu führen, das ist das mit der Erklärung heraus, daß die betreffenden Gendarmen selbst die Beseitigung der indirekten Wahl und die Einführung der Gelöbnis, das das Proletariat in dem Moment ablegt, wo ihn gegenüber den Versuch einer solchen Beeinflussung entschieden geheimen Stimmabgabe erzielt werden kann. Gewiß, wenn seine Feinde sich zu neuen Aftionen rüsten, zu Aktionen nicht bestritten hätten! man aus den Programmen der einzelnen Parteien Schlüsse im, sondern gegen die Interessen der Massen. Mit welch gewagten Mitteln die Verteidigung der Reuter und ziehen will, dann könnte man 242 Stimmen für diese äußerst Schad operiert, bewies die Aussage eines Arbeiters Hirsch. Dieser bescheidene und in keiner Weise befriedigende Reform heraus­Kronzeuge der Angeklagten erzählte eine wundersame Geschichie von einem Unbekannten", der ihm die vertrauliche Mitteilung ge­rechnen. Aber was sind den bürgerlichen Par­macht habe, daß Genossen" aus Mülhausen und Col. teien Programme? Papierne Forderungen, die sie jeden Moment preiszugeben bereit sind. Haben wir es doch Die Straßburger Verhandlung vom Mittwoch zeigte die Kriegs- mar eintreffen würden, um die Geschichte erst in Echtung zu noch bei den letzten Wahlrechtsdebatten erlebt, daß neben vorbereitungen des Obersten v. Reuter gegen die Zaberner Jugend bringen. Selbst der Verhandlungsführer sah sich zu der Frage 18 Nationalliberalen 43 Mitglieder des Zentrums, d. h. etwa von einer neuen Seite. Nicht genug damit, daß der schneidige veranlaßt, ob der Zeuge nicht etwa selbst den Eindrud gehabt habe, die halbe Fraktion, bei der Abstimmung fehlten! Eine solche Kommandeur 40 000 scharfe Patronen hatte austeilen und das daß es sich um einen schlechten Scherz gehandelt habe. Der Situation aber fann sich tagtäglich wiederholen, denn das Bajonett aufpflanzen lassen, um Boltsansammlungen" von 40, 3euge gab dann auch zu, daß es sich wohl um bloßes Geschwäh" Fehlen dieser 61 Volfsvertreter" beruhte nicht auf Zufall, 50 oder 100 Personen" zu Paaren zu treiben, er hatte auch die gehandelt haben könne, wenn er auch den Gindruck gehabt hätte, sondern es war mit Absicht herbeigeführt, um nach außen den Maschinengewehre in friegsmäßigen Zustand daß etwas Wahres an der Geschichte sein könne. eben lassen! Man würdige diese weitausschauende Strategie Solche Mäschen können natürlich bei allen Normalen nur Anschein zu erwecken, als ob nicht einmal für das direkte bes 3aberner Kriegsgewaltigen. 3abern zählt im ganzen 8000 mitleidige Seiterkeit erregen, ein Lachen, das durch keine Reuter­Wahlrecht und die Beseitigung der öffentlichen Stimmabgabe Einwohner. Auf der Straße bewegten sich, selbst zu den Zeiten des schen Maschinengewehre zum Schweigen zu bringen ist! eine Mehrheit zu haben sei. Ob solcher niederträchtigen Verräterei und erbärmlichen schlimmsten Aufruhrs", 50 bis 100 Personen, zum größten Teil Kinder und Frauen. Mit diesem Feind glaubte er es mit zwei Feigheit eines Teiles der Bourgeoisie kann sich das Junker Bataillonen, mit Bajonetten und den Kleinkalibrigen allein nicht tum und kann sich die Regierung ins Fäustchen lachen. Ist das aufnehmen zu können, dazu benötigte er auch der Maschinen­für sie doch der beste Beweis, daß sie auch bei ihren Atten- gewehre! Und er war fest entschlossen, seine gesamte Striegs­taten gegen das Volk von dieser Seite nichts zu be- maschinerie gegen die Zaberner Weiblichkeit und Jugend spielen fürchten haben. Und an Anschlägen auf die winzigen Rechte

Das füfilierte Lachen.

rückte

,, Die seige Gesellschaft

in Zabern ".

des Volkes wird es auch das neue Abgeordnetenhaus nicht zu lassen, wenn ihm der Zeitpunkt dazu gekommen schien. Was aber Oberst v. Reuter als Widersätzlichkeit und Aufruhr In der Verhandlung vor dem Kriegsgericht hat Oberst von fehlen lassen. Die Geschichte des preußischen unfertums lehrt, betrachtete, das wurde am Mittwoch durch die Zeugenaussagen der Reuter seiner Verwunderung Ausdruck gegeben, daß die jungen daß es in demselben Maße, wie seine Position im Reichstage zivilbehördlichen Personen abermals klassisch gekennzeichnet. Der Leute auf der Straße in Zabern ausrissen, wenn das Militär geschwächt ist, die Tribüne des Dreiklassenparlaments für gestrenge Herr Oberst wollte nicht einmal dulden, daß Menschen gegen sie vorgehen wollie. Er erwähnte an einer Stelle, daß von seine volksverräterischen Pläne mißbraucht. Unzweideutig hat auf der Straße stehen blieben oder daß jemand das Gesicht anderer Seite wohl einem der jungen Offiziere.. der Aus der Reichstag den reaktionären Vorstößen gegen das zu einem 2achen verzog. Jede lächelnde Miene war ihm ein druck gebraucht sei:" Mit dieser feigen Gesellschaft Koalitionsrecht eine Absage erteilt. Um so planmäßi- Symptom des aufrührerischen Geistes, den er nun einmal mit in Zabern ist doch gar nichts los." Wunderbare ger wird im Landtage die Heze einsetzen. Hier sind die Feuer und Schwert, mit Bajonetten und Maschinengewehren aus- militaristische Gedankengänge! Konservativen nicht wie im Reichstage isoliert, sondern sie zurotten entschlossen war. Wer lachte, sollte nötigenfalls füfiliert Der Oberst v. Reuter muß zugeben, daß er erklärt habe, finden eine Stütze an dem in Preußen besonders starken rech- werden. Offenbar empfand man das Lachen in Zabern um so jebt sei es an der Zeit, daß in 3abern Blut fließe. ten Flügel der Nationalliberalen und vermutlich auch bei empörender, als sich diese feige Bande" durch keinerlei Provoka- Der Oberst v. Reuter läßt seine Leutnants die natürlich einem Teil des Zentrums. Denn dieses wirft in Preußen, wo tionen zu Unbesonnenheiten hinreißen ließ. Die wiederholten nicht feige sind durch Mannschaften mit aufge. es dank dem Dreiklassenwahlsystem um die Wiederwahl nicht Aeußerungen der Offiziere von der feigen Bande verrieten nur pflanztem Bajonett begleiten. besorgt zu sein braucht, seine demokratische Maske ab und zeigt den Aerger der tatenhungrigen Soldateska, die gar zu gern ein- Der Oberst v. Reuter gibt den Befehl, daß scharfe sich in seiner wahren Gestalt, in der Gestalt einer durch und mal mit blauen Bohnen" unter die Leute gepfeffert hätte, da man Patronen verteilt werden. durch reaktionären arbeiterfeindlichen Bartei, die sich von den sich ja nun schon einmal durch Austeilung scharfer Patronen und Der Oberst v. Reuter läßt alle die, die nicht ausreizen, fonservativen Gesinnungsgenossen nur durch größere Heuche- Bereitstellung der Maschinengetpehre für ein Massaker eingerichtet verhaften und in den Pandurenfeller steden. lei unterscheidet. Man erinnere sich der Vorgänge vom Jahre hatte. Und die Maschinengewehre waren ja bereits vor dem Der Oberst v. Reuter ist so mutig, einem wehrlose 1899, wo in beiden Häusern des Landtags gleichzeitig der Ruf 28. November schußbereit gemacht worden, also vor jenem Tage, Verhafteten zu sagen: Sie Lump, nehmen Sie die nach Schutz der Arbeitswilligen erschallte und im Anschluß der dem Obersten v.. Reuter den Vorwand zur Etablierung seiner Mühe ab, steht man so vor einem preußischen Offizier in der Saran dem Reichstage die Buchthausvorlage unterbreitet militaristischen Gewaltherrschaft gab.. Kaserne da? wurde. Wenn man sich diese Vorgänge vergegenwärtigt und Auch am Mittwoch wieder bekundete eine lange Reihe von Untergebene des Oberst v. Reuter sezen Prämien für wenn man weiter bedenkt, wie im vorigen Jahre im Abge Beugen, Staatsanwälte, Richter, Bezirkskommissare, Gendarmerie das Nieberstehen elsässischer ades" aus. ordnetenhause von konservativer Seite ausdrücklich eine neue wachtmeister, sowie zahlreiche Zivilpersonen, daß von irgendwelchen Ein Untergebener des Oberst v. Reuter der Heldenhafte Zuchthausborlage gefordert wurde, dann weiß man, was die. Erzeffen in 3abern gar keine Rede hätte sein fönnen. Selbst Herr v. Forstner schlägt einen wehrlosen Strüppel Glocke geschlagen hat. nach dem Zeugnis alter Polizeibeamten ist die Erregung der mit dem Säbel über den Kopf. Andere Untergebene des Oberst v. Reuter drohen mit Aber auch an Anregungen auf Erlaß eines neuen Au 3- Maffen erst nach den rechtswidrigen Anmaßungen)