STnTiiI zu ctncr Erörterung deS Verhältnisses der Abgeordneten zu den Behörden und zur Regierung wird ein Lorstoß geben, den neuerdings die Konservativen in der Presse gegen den Minister des Innern unternommen haben. Der Grund ist darin zu suchen, daß ein konservativer Abgeordneter im.unmittelbaren Verkehr mit einer Amtshauptmannschaft ziemlich patzig behandelt wurde und der Minister in einer Kammersitzung die Behörde mrkr Hinweis auf formelle(mittelalterliche) Bestimmungen deckte. Wenn einem oppositionellen Abgeordneten so etwas passierte, fanden die Konser- vatiben das bisher ganz in der Ordnung. Nun aber besinnen sie sich plötzlich darauf, daß der Abgeordnete am Ende doch etwas mehr ist, als ein sozusagen notwendiges Uebel. Die Debatte über diesen wichtigen Gegenstand kann recht interessant werden. Von bedeutsameren gesetzlichen Vorlagen sind noch zu erledigen: ein neues Eisenbahngesetz, das vornehmlich Klein- und Straßen- bahnen betrifft; ein neues Knappschaftsgesetz, an dem die Berg- avbeitcr Sachsens großes Interesse haben, das aber weit hinter ihren berechtigten Wünschen zurückbleibt; ein Pfarrerbesoldungs- gcsetz, das den Geistlichen neue Vorteil« zuschanzen soll. Der Dresdner Univcrsitätsrummel, der inszeniert wurde, um die Ab- ficht der Regierung zu vereiteln, die die Dresdner Technische Hoch- schule der Leipziger Universität angliedern wollte, wird den Land- tag sicher auch beschäftigen. Und dann sind noch eine große Anzahl Initiativanträge der Fraktionen unerledigt. So die sozialdemokratischen An- träge zur Steuerreform, Beseitigung der indirekten Steuern, Sicherung des Koalitionsrechts, Verbesserung der Lohn- und Arbeits- Verhältnisse der Eisenbahnarbeiter, Aushebung der Ersten Kaminer, Einführung einjähriger Legislatur- und Budgetperiodcn und Ein- führung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahl- rechts in den Gemeinden. Die Bürgerlichen haben„T e r r o r i s m u s"- Anträge ein- gebracht. Damit auch der Humor nicht fehle, beantragen die Konservativen u. a., daß der Verkauf des»Berliner Tageblatts" auf den königlich sächsischen Bahnhöfen verboten werde. Das Blatt hatte sich diesen Sommer nicht ganz„korrekt national" benommen, als der große Rummel in Leipzig vor sich ging. Di« Nationalliberalen haben sich feit Jahren auf eine Ver- einfachung der Eisenbahnvevwaltuug verbissen. Viel ist bisher bei diesen Bemübungen nicht herausgekommen. Di« Bur«aukralie sitzt gerade im Eisenbahnbetriebe äußerst fest. Die Freisinnigen wollen die Frage des Trusts und der Handelspolitik aufrollen. Rechnet man dazu die etwa 450 Petitionen, zu denen jeden Tag neue kommen und von denen auch erst wenige erledigt sind, so ergibt sich ein erkleckliches Arbeitspensum, das in etwa vier Monaten bewältigt werden soll. Von den Petitionen richten sich eine größere Zahl gegen das vor einigen Jahren geschaffen« Wassergesetz, das im allgemeinen große kulturelle Bedeutung, aber doch auch sehr viele, besonders kleine Besitzer an Wasserläufen treffend« Härten hat. Heil Ullstein, dem Kronprinz Heil! Alle Achtung! Der Kronprinz ist gut beraten. In seiner Umgebung weiß man, wie man die— mit Respekt—„demokratische" Presse zu behandeln hat. Gestern schickte man einen Adju- tanten oder so in die Redaktionen und die Herren Redakteure be- stätigten dem Kronprinzen sofort seine edlen Intentionen. Heute hat gar ein Ullstein-Kuli die Ehre gehabt, vom Kronprinzen selbst empfangen zu werden und von ihm zu hören, daß seine militäri» schen Vorgesetzten mit ihm stets zufrieden waren. Man denke, ein Interview mit dem Kronprinzen! Welche„Ueberzeu- gung" kann einer solchen„Information" widerstehen? Die Kon- kurrenz ist geschlagen. Der Mosse-Wolff hatte ja nur den zarischsn Ministerpräsidenten, Ullstein aber den Kronprinzen! Masse ist totunglücklich! Was nützt es, daß er alles totschweigt(man denke, Aeußerungen des Kronprinzen!), Ullstein ist ihm doch über. Was wird jetzt Mosse anstellen, um wieder in die Höhe zu kommen. Und welche politische Ueberzeugung wirb dazu nötig sein? Eine Militärdebatte im bayerischen Landtag. In der Fortsetzung der Beratung des Militäretats machte am Sonnabeno der Kriegsminister in der bayerischen Abgeordneten- kammer verschiedene Ausführungen, die durch ihren Ton sich auf- fällig unterschieden von seiner Haltung in der vorigen Session. Damals verteidigte er gegen Angriffe des Zentrums die Partei- politische Neutralität und Unabhängigkeit der Armee. Auf die Anfrage, wie er sich zu der Agitation der Militärfanatiker stelle, die nach neuen Wehrvorlagen brängen, bezog er sich auf die wieder- holte Erklärung des Ministerpräsidenten gegen weitere Rüstungen und begnügte sich mit der Bemerkung, daß mit der letzten Heeres- Vorlage ein gewisser Abschluß erreicht und ihm nichts davon bekannt geworben sei, es würden zurzeit weitere Heeresvermehrungen an maßgebenden Stellen erwogen.— Auf die Borfälle in Zabern ein- zugchen, lehnte der Kriegsminister ab, sprach aber seinen Dank einem bauernbünblerischen Redner aus, weil er warme Worte für die schwierige Lage unserer Soldaten im Elsaß gefunden habe. Am Freitag hatte Genosse Profit den Fall eines Obersten in Zweibrücken zur Sprache gebracht, der einen Zentrums- journalisten auf der Straße geohrfeigt hatte, weil ihn dessen Zeitungsartikel aufgeregt hatten. Profit hatte es einen Akt der Feigheit genannt, wenn ein Bewaffneter einen Unbewaffneten mißhandele. Am Sonnabeno gab der Minister zlvar zu, daß der Akt der Selbsthilfe des Obersten unzulässig sei, fand aber das Vor- gehen begreiflich und bis zu einem gewissen Grade entschuldbar, da der Oberst nach Lage der Dinge vor Gericht keine Aussicht auf Erfolg gegen die Preßangriffe gehabt hätte. Diese Erklärung, die auch in Bayern das militärische Faustrecht einführt, rief nur bei den Sozialdemokraten lebhafte Unruhe hervor, obwohl es sich um einen Zentrumsjournalisten handelte. Sehr erregt protestierte der ll inister gegen oen Vorwurf der Feigheit und erntete dafür bei den Liberalen einen Bravoruf. Einberufung des württembergischen Landtages. Stuttgart , 10. Januar. Der württembergische Landtag ist zu einer voraussichtlich bis in den Juni fich erstreckenden Session auf Mitt- woch, den 21. Januar, einberufen worden. Zur Charakteristik der„Friedrich Wilhelm". In der letzten FreitagSnummer veröffentlichten wir eine unS von der Lebensversicherungsgesellschaft„Friedrich Wilhelm" zugesandte sogenannte Berichtigung, Daß sie der Pommerschen Provinzial-Lebensversicherungsanstalt keine Mitteilung über die politische Gesinnung des bisherigen technischen Leiters dieser An- statt, deS Genossen Dr. Eulert, gemacht habe. Daraufhin sendet uns Genosse Eulert eine Zuschrift, in der eS heißt: Die vom„Vorwärts" auf Ersuchen der„Friedrich Wilhelm" gebrachte Berichtigung, wonach die„F. W." mich bei dem Landes- Hauptmann der Provinz Pommern nicht denunziert habe, entspricht nickit den Tatsachen. Ter Sachverhalt ist folgender. Ich bin vom I. Oktober 1908 bis 1. Dezember 1911 bei der„Friedrich Wilhelm" tätig gewesen. Als sie zu Beginn des Jahres 1911 von meiner Tätigkeit für Partei und Gewerkschaft erfuhr, ließ sie mir durch rinen ihrer Beamten mitteilen, ich köuue denken, was ich wolle, irgendwelche Verhetzung der Angestellten im Bureau würde jedoch meine Entlassuuq zur Folge haben. Auf Anraten meines dama- ligen Spezialchefs bewarb ich mich während des Frühlings und Sommers 1911 um einen Posten bei der öffentlichen Lcbensver- sicherung, den ich am 1. Dezember 1911 als technischer Leiter der Pommerschen Anstalt erhielt. Mein Zeugnis lautete:„Er hat unseren Anforderungen stets genügt. Sein Ausscheiden erfolgt auf eigenen Wunsch. Während meiner Tätigkeit bei der Pommerschen Anstalt bin ich politisch für die Partei nicht hervorgetreten und habe mich auf die Zahlung meiner Beiträge beschränkt. Niemand auf der Behörde wußte von meiner politischen Gesinnung. Dagegen habe ich es nie versäumt, in Wort und Schrift u. a. auch die „Friedrich Wilhelm", die ich ja so gut kannte, zu bekämpfen. In letzter Zeit wurde die„Friedrich Wilhelm" vom Verbände öffent- licher Lebensversicherungsanstalten und vor allem der öffentlichen Schlesischen Anstalt dadurch bekämpft, daß die von ihr gewonnenen Kriegervereine vor den vielen„sozialdemokratischen" Einnehmern und Kassierern der„Friedrich Wilhelm" gewarnt wurden. Mit dieser Behauptung versuchte der Vorsitzende des öffentlichen Ver- bandes. Kapp, die Häupter der Kriegervereinsbewegung von der Ge- fahr, die durch den zwischen dem Kriegerbunde und der„Friedrich Wilhelm" geschlossenen Begünstigungsvertrag den Kriegervereinlern drohte, zu überzeugen und damit den für die„Friedrich Wilhelm" äußerst günstigen Vertrag zu hintertreiben. In dieser Lage schrieb die„Friedrich Wilhelm" an Kapp:„Wenn der öffentliche Verband bezw. die Schlejische Anstalt die Be- hauptungen wegen der sozialdemokratischen Ein- kassierer der„Friedrich Wilhelm" nicht unter- läßt, sieht sich die„Friedrich Wilhelm" gezwun- gen, öffentlich bekannt zu machen, daß der tech- nische Leiter einer öffentlichen Anstalt, also ein höherer Beamter, früher in der Partei eine ge- wisse Rolle gespielt hat und jetzt noch organisiert ist." Daraufhin fragte Kapp bei den öffentlichen Anstalten an, wel- cher technische Leiter das wäre. Befragt, konnte ich die Richtigkeit der Angaben der„Friedrich Wilhelm" nur bestätigen. Nach meiner Entlassung teilte mir der Dezernent der Pommerschen Anstalt mit, daß ihm bereits vor Eingang des Kappschen Briefes in Berlin auf dem Bureau des öffentlichen Verbandes mitgeteilt sei, daß ich dieser Sozialdemokrat sei. Diese Wissenschaft hätte de? Verband von einem Beamten der„Friedrich Wilhelm". Daß ich in Stettin or- ganisiert gewesen bin, muß die„Friedrich Wilhelm" nur durch Schleichwege erfahren haben. Ich hatte mich nur beim Vorstande angemeldet und zahlte meine Beiträge persönlich beim Partei- sekretär ein. Wenn auch die„Friedrich Wilhelm" nicht tatsächlich geschrieben hat, Dr. Eulert ist der sozialdemokratische technische Leiter, so hat sie die Sache doch so geschoben, daß man mich er- Mitteln konnte. Denunziation bezw. Drohung mit einer Denun- ziation liegt also doch vor._ Ter Stich ins Wespennest. Nun sieht sich auch der Generalsekretär des Hauptvereins der Deutsch-Konservativen endlich veranlaßt, uns auf Grund des§ 11 des Preßgesetzes eine Berichtigung zu schicken. Er schreibt: Es ist unwahr, daß ich jemals in einer Jahresrechnung einzelne Posten zu hoch habe angeben lassen und es ist unwahr, daß ich auf Gehälter von Angestellten jemals einen Aufschlag erhoben und ihn für mich verwendet habe. Wahr ist, daß ich auf eine vor mehr als Jahresfrist eriolgte derartige Andeutung eines entlassenen Angestellten hin von mir durch den Bücherrevisor Hermann Klatt, Berlin 8 29, Urbanstr. 48, Uli, Portal I, eine besondere Revision veranlaßt worden ist, die nicht nur die völlige Unrichtigkeit der erwähnten Behauptung ergeben, sondern wie die bei unserer Zentralstelle üblichen regelmäßigen Revisionen festgestellt hat, daß unsere Buchführung und unier Kassenwesen in vollständiger Orb- nung sind und den Grundsätzen kaufmännischer Gewissenbaftigkeit entsprechen. Wahr ist ferner, daß ich mit den Einzelheiten der Buch- und Kasieniübrung überhaupt nichts zu tun habe, sondern daß diese in den Händen besonderer Beamten liegen. Ich habe auch niemals von einer bei der königlichen Staats- anwaltschaft gegen mich eingegangenen Strafanzeige Kenntnis er- langt, noch habe ich jemals Veranlassung gehabt, unbequemen An- klägern den Mund zu stopfen. Berlin , den 10. Januar 1914. Bruno S chr o eter, Generalsekretär des Hauptvereins der Deutsch-Konfervaiiven. Wir sind nach dem Preßgesetz gezwungen, Berichtigungen ohne Rücksicht auf ihre Richtigkeit aufzunehmen. Da die „Kreuzzeitung " eine Klage gegen uns angedroht hat, wird ja der Ausgang des zu erwartenden Prozesses völliges Licht in diese Angelegenheft bringen. Druckfehler. In dem gestrigen Leitartikel„Her mit dem Koalttionsrecht!" ist ein sinnentstellender Druckfehler, den die meisten Leser wohl schon selbst korrigiert haben, enthalten. Der von Bismarck unter dem 10. Februar 18SS dem preußischen Landtage vorgelegte Gesetzentwurf galt nicht, wie zu lesen ist, der»Aufhebung der Koalitions bestreb un gen", sondern der Aufhebung der .KoalitionS beschrünkungen". Gewerkschaften und politische Aktion in England. t Aus London wird uns geschrieben: Im vergangenen Jahre haben einige der größten britischen Gewerkschaften Abstimmungen über die Frage der politischen Be- tätigung vorgenommen. Diese Abstimmungen wurden durch das Gewerkschaftsgesetz des Jahres 1913 notwendig gemacht, das das durch das Osborne-Urteil vernichtete Recht der Gewerkschaften, sich politisch zu betätigen, mit manchen Einschränkungen Wiederher- stellte. Vor allen Dingen kann nach dem neuen Gesetz eine Ge- werkschaft nur dann Politik treiben, wenn sich zuvor die Mehrheit ihrer abstimmenden Mitglieder in geheimer Urabstimmung dafür erklärt hat. Dann dürfen die Kosten der politischen Aktion nicht wie bisher aus allgemeinen Mitteln bestritten werden, sondern aus einem besonderen politischen Fonds, und serner kann sich jedes Mitglied durch schriftlichen Protest von der Zahlung des politischen Beitrags befreien. Viele Organisationen haben daS Resultat der Urabstimmung, die das Gesetz verlangt, noch nicht veröffentlicht. Doch die vorliegenden Daten gestatten schon einen ziemlich genauen Ueberblick über die neue Lage. Von den Mitgliedern der Bergarbeiterföderation erklärten sich 261 000 für und 194 000 gegen die politische Aktion der Föderation. Die Mehrheit, die dafür stimmte, betrug mithin 67 000; wenn man die nicht stimmberechtigten Jugendlichen abzieht, so be- teiligten sich 81 Proz. der erwachsenen Mitglieder an dieser Ab- stimmung. Das Resultat der Abstimmung unter den Webern wurde vor einigen Tagen bekannt gegeben. ES lautete: für die politische Aktion 89 158, dagegen 75 893; die Mehrheit betrug mithin 22 265. 89 Proz. der Mitglieder stimmten. Weit schwächer war die Beteiligung in der Gewerkschaft der Bureauangc stellten, die 10 578 Mitglieder hat. Von diesen stimmten nur 22,7 Prozent, und zwar 1844 mit Ja und 540 mit Nein. Auch bei den Spinnern be- teiligten sich nur 34.9 Prozent an der Abstimmung. Für die politische Aktion der Gewerkschaft traten ein 4826 Mitglieder. dagegen stimmten 3376; Mehrheft 1450. Eine starke Beteiligung wies hingegen wieder der Verband der Burcauange st eilten der Eisenbahnen aus, der 22 832 Mitglieder zählt, von denen über 74 Proz. stimmten, und zlvar stimmten 15 496 für und 1340 gegen die politische Betätigung des Verbandes. Dieser Verband hat eine überaus starke sozialistische Mitgliedschaft. In der Ge- lverkschaft der Schiffsbauer, die im letzten Jahre der Arbeiter- Partei mit 20 110 Mitgliedern angeschlossen war, erklärten sich 7446 für und 5487 gegen die politische Aktion. Bei den Maschinen- b a u e r n, die zur Zeft der Abstimmung 154 000 Mitglieder hatten, war die Beteiligung wiederum schwach. 20 586 stimmten für und 12 740 gegen die politische Betätigung. Die Mitglieder der Nationalen Union der Dockarbeiter(12 000 Mitglieder im letzten Jahre) erklärten sich mit 4078 Stimmen gegen 501 für die politische Aktion, und das Resultat der Abstimmung in dem Ver- band der Eisengießer(17 836 Mitglieder) lautete: 6850 für und 2576 gegen die politische Aktion. Es ist bei der Verschiedenartigkeit des Materials äußerst schwer, den Prozentsatz der politisch interessierten, der politisch indifferenten und der einer politischen Unabhängigkeit der Arbeter- schaft abgeneigten Elemente in der britischen Gewcrkschaftsbeive- gung genau anzugeben. Di« erwähnten Organisationen umfassen über ein Drittel der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter Groß- britanniens, und nichts steht der Annahme entgegen, daß die in den oben erwähnten Abstimmungen zutage getretenen Meinungs- verschiedeheiten in gleichem Grade auch in der ganzen Gcwerk- schaftsweit des Landes anzutreffen sind. Nach den obigen Ziffern scheint es, daß etwa 40 Proz. der Gewerkschafter für die politische Betätigung der Gewerkschaften(natürlich im Sinne der Arbeiterpartei) eintreten, und daß 30 Prozent dagegen sind, in den meisten Fällen wohl, weil sie die liiberäle oder die konservative Partei unterstützen. Die übrigen 30 Proz. sind Indifferente, Minderjährige oder Mitglieder, die nicht im Lande weilen, von denen die Maschinenbauer viele Tausende haben. Wie bei aller Bewertung statistischer Angaben kann die mangelnde Be- kanntschaft mit den durch die Ziffern veranschaulichten Tatsachen zu den schiefsten Urteilen führen. Nichts wäre zum Beispiel falscher als anzunehmen, daß die Syndikalisten, von denen in den letzten Jahren so viel geredet worden ist, einen beträchtlichen Bruch- teil der 296 453 Gewerkschafter bildeten, die sich in den genannten neun Organisationen gegen die politische Aktion der Gewerkschaften ausgesprochen haben. Die Syndikalisten spielen in dieser Oppo- sition eine kaum nennenswerte Rolle. Der Widerstand kommt viel- mehr von den Gewerkschaftern, die in der konservativen und namentlich in der liberalen Partei politisch organisiert sind, jeden- falls aber für die Kandidaten der bürgerlichen Parteien stimmen, wie die ParlamentSwahlcn deutlich beweisen. Zrantreich. Ein Angriff auf Caillaux . Paris , 10. Januar. Der„Figaro" hatte vor einigen Tagen den Finanzminister Caillaux beschuldigt, daß er anläßlich der Erbschaftsangelegenheit einer Familie Prion, bei der es sich angeblich um viele Millionen handelte, versucht habe, von dem Vertreter dieser Familie mehrere Millionen für den radikalen Wahlfonds zu erlangem Finanzminifter Caillaux stellt« dieser Behauptung das entschiedenste Dementi entgegen. Heute erklärt nun der„Figaro", daß es sich nicht um eine Familie Prion, sondern um eine Familie Prieu handle. Südafrika . Dir Unterdrückten wehren sich. Jagersfonteiu, 10. Januar. Die Erhebung der eingeborenen Arbeiter, die dem Basuto stamme angehören, wurde durch den Tod eines Basutos veranlaßt, der, wie behauptet wurde, an den Folgen eines Fußtritts starb, den er von einem Weißen erhalten hatte. De BasutoS verweigerten gestern die Arbeit, bewaffneten sich und verlangten die Verhaftung des Weißen. Der Verwalter der Ein- sriedigung, in der die BasutoS wohnen, versuchte vergeben? zu ver- Mitteln. Die Basutos zerstörten alles, waS ihnen unter die Hände kam, rissen auch die Einfriedigung nieder und raubten das Geld, das zur Bezahlung der Gehälter bestimmt war. Jetzt bewaffneten sich alle Weißen mit Flinten und anderen Waffen, Als die Basutos die Einfriedigung verließen, um die Stadt zu stürmen, verlegten ihnen die Weihen den Weg. Die Basutos griffen an, woraus die Weißen Feuer gaben. Mehrere Basutos sielen. Die BasutoS schienen von Toll- Heft ergriffen zu sein. Sie versuchten beständig, gegen die Stadt vorzudringen, wo die Frauen und Kinder in ihrer Gewalt gewesen wären. DieWeitzen mutzten immer wieder auf die Andringenden feuern. Schließlich wurden die Basutos bis zu ihrer Reservation zurückgetrieben. In der Stecht folgte eine Panik, da die Frauen wußten, daß Tausenden von Basutos nur 150 Weihe gegenüberstanden. Viele Frauen mit ihren Kindcrn flüchteten in Fuhrwerke» aller Art nach Fauresmith, während bewaffnete Männer von den Feldern hcrangaloppierte« oder in Automobilen eintrafen, um den Weihen zu helfen. Heute vor- mittag traf eine Abteilung Truppen mit zwei Geschützen ein. In der Reservation der BasutoS herrscht jetzt Ruhe, Letzte Nachrichten. Das Hochwasser in den Ostseeprovmze». Köslin , 10. Januar. (W. T. B.) Reisende melSen au» Stolpemünde, daß dort das Wasser bis zur Hauptstraße vor- gedrungen ist. Die Häuser in unmittelbarer Nähe d«S Häsens find stark gefährdet. Falls der Sturm weiter. anhält, erscheint die Lage sehr gefahrvoll, da der Stolpefluh den ganzen Ort durchfließt und das Flußwasser durch die Wogen der Ostsee zurück- gedrängt wird, so daß es unheimlich steigt. Sehr böse sieht es in dem Städtchen L e b a aus. Das Kurhaus schwebt in Gefahr, jeden Augenblick von den Wogen hinweggerissen zu werden, da die Düne, auf der es steht, bereits zum Teil unterspült ist. In K ö S I i n hat sich der Schneesturm etwas gelegt, die gesamte Garniso» hat den Befehl erhalten, sich wachzuhalten, um im Notfall nach Damker- ort abzumarschieren. Von dort hat man bis jetzt noch keine Nachricht. Hochwasser in Belgien . Berviers, 10. Januar. Im Tale der Vesdre stich Hundert e vonHäuscrnüber schwemmt, die Bewohner flüchten in die oberen Stockwerke, die Verluste sind bedeutend. Dolhai» steht zur Hälfte unter Wasser, der Gileppe ist über die Ufer getreten. Schneeverwehungen in Russlaub. Petersburg, 10. Januar. (SB. T. B.) I» dem Gebiet der Nordwestbahnen habe» überall starke Schnecvevwehimge» stattge- tefunden, der Paffagier- und Wagenvcrkehr mit Reval war 4 Stunden unterbrochen. In der Nähe von Riga stich zwei Bahnzüge im Schnee stecken geblieben. In Pskotv haben sich sieben Züge angesammelt, die Verbindung von Kronstadt mit der Küste ist unterbrochen. Alle nach Petersburg gehenden Züge haben Verspätung Die Porstädte und Dörfer bei Petersburg sind völlig eingeschneit. In den Straßen der Residenz ist der Verkehr durch Schneemassen erschwert.
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