Jr. 30. 31. Jahrgang.
Anolau
1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Sonnabend, 31. Januar 1914.
Gewerkschaftliches.
Ein gewerkschaftliches Abkommen über die italienische Saisonauswanderung.
Zwischen dem Zentralverband der deutschen Bauarbeiter und mehreren italienischen Organisationen, darunter vor allem dem Zentralverband der italienischen Landarbeiter, ist am 25. Januar ein Abkommen getroffen worden, dos den Zweck hat, die in Italien organisierten Arbeiter während ihres vorübergehenden Aufenthaltes in Deutschland in den Bereich der deutschen Organisation zu ziehen. Die getroffenen Abmachungen sind im wesentlichen die folgenden: Der deutsche Zentralverband verpflichtet sich, die sich, die Mitglieder des italienischen Landarbeiterverbandes gratis aufzunehmen, menn aus ihrer Mitgliedskarte hervorgeht, daß sie mit ihren Beiträgen auf dem Laufenden sind. Natürlich liegt den in die deutsche Organisation aufgenommenen Italienern die Pflicht ob, allen Leistungen nachzukommen, die das Statut des deutschen Zentralverbandes der Bauarbeiter festsetzt. Für die Unterstüßungen, die der deutsche Verband gewährt, ( Krankengeld, Sterbegeld, Reise- oder Streikunterstützung), werden nur die in Deutschland gezahlten Mitgliedsgelder angerechnet, aber die in Italien verbrachten Monate gelten nicht als Unterbrechung der Verbandszugehörigkeit, wenn nur die Saisonauswanderer während des Aufenthalts in der Heimat ihren Mitgliederpflichten gegen den italienischen Zentralverband der Landarbeiter gerecht werden.
Achtung, Metallarbeiter! Der Streit bei der Firma Hartung, Lichtenberg , ist durch Verhandlungen mit dem Verband Berliner Metallindustrieller beendet. Die Sperre ist hiermit aufgehoben. Deutscher Metallarbeiterverband. Verwaltungsstelle Berlin .
Folgende Resolution wurde gegen wenige Stimmen ange- gimmermann u. Maerten, sowie auch Angebote des Herrn Zimmermann in Werder a. H. unbedingt abzulehnen.
nommen:
„ Die in Bockers Festsälen" tagende Versammlung der Innungsgesellen Berlins erklärt sich mit dem Vorschlag der Branchenkommission einverstanden und beschließt in Anbetracht der außerordentlich schlechten Konjunktur, den Tarif nicht zu
fündigen. Die Versammelten sind aber der Meinung, daß froß- Differenzen in einer Wurstfabrik. Den bei Voß u. Elsner dem eine Aussprache des Innungsvorstandes mit dem Gesellen in Nortorf ( Holstein) beschäftigten Schlächtern wurde vom Inausschuß notwendig ist, um die in den einzelnen Betrieben be- haber ein einseitiger Arbeitsvertrag vorgelegt, der außer anderen stehenden Mizstände zu beseitigen. Insbesondere ist die Ver- Verschlechterungen namentlich eine Verlängerung der täglichen Arfammlung der Auffassung, daß die Zustände auf dem Nachweis beitszeit enthielt. Die Gesellen verweigerten ihre Unterschrift unter der Jnnung in der Mulachstraße 9 unhaltbar sind und unverzüg- dieses Monstrum und beauftragten, da sie bis auf einen organisiert lich Abhilfe geschaffen werden muß. Die Versammlung beauf- find, ihre Organisationsleitung mit der Einreichung eines Tarif tragt daher den Gesellenausschuß, mit dem Innungsvorstand in vertrages. Auf den Versuch des Gauleiters, die Differenzen friedlich Verhandlung zu treten. Die Versammelten erkennen ferner an, beizulegen, lehnte der Inhaber schroff jede Verhandlung ab, trotzdem daß sie nur durch eine straffe Organisation vor Ueberraschungen die Firma ihre Waren zum größten Teil an Konsumvereine absczt. geschützt sind, und verpflichten sich, für den Ausbau der Organi- Zuzug ist streng fernzuhalten. fation zu sorgen; vor allem verpflichten sich die Unorganisierten, dem Deutschen Metallarbeiterverbande beizutreten."
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Beendeter Zimmererstreik
Da es nicht
Am Mittwoch ist der monatelang andauernde Streif der Die Tarifbewegung der Steinarbeiter. Zimmerer auf den Neubouten des Truppenübungsplatz Neumorarbeiter mit dem Tarifentwurf ihrer Kommission. Wie Forderungen nicht durchießen können. Zimmerer, die von Sagan Am Donnerstag beschäftigte sich eine Versammlung der Marhammer abgebrochen worden. Ganz haben die Zimmerer ihre Winkler als Referent ausführte, haben die Marmorarbeiter aus nach Neuhammer geschickt werden. erhalten zu dem Tariflohn seinerzeit ihren Tarif gefündigt, und darauf fündigten die Unter- von 48 Pf. einen Landgeldzuschlag von 5 Pf. die Stunde. Daß nehmer den Tarif der Sandsteinarbeiter, die am Mittwoch ihre nicht mehr erreicht wurde, ist auf das Verhalten der MilitärbauForderungen aufgestellt haben. Durch die Kündigung des Sand- behörde zurückzuführen, die in der einseitigsten Weise zugunsten der steinarbeitertarifs haben die Unternehmer erkennen lassen, daß sie Unternehmer Partei ergriff. Einen vom Bürgermeister in Sagan eine gemeinsame Beratung beider Tarife für erforderlich halten. unternommenen Vermittelungsversuch wußte der Sekretär des ihre Tarifentwürfe, soweit es die Verhältnisse beider Branchen ge- ausgeschlossen ist, daß die Unternehmer in Anbetracht der unMit Rücksicht darauf haben die Kommissionen beider Branchen Provinzialunternehmerverbandes zu hintertreiben. statten, gleichmäßig gestaltet. Der von der Versammlung nach günstigen Witterung das Errungene möglichst zu nichte machen eingehender Beratung beschlossene Entwurf stellt folgende Haupt- werden, und in Neuhammer ungemein hohe Logispreise bestehen, forderungen auf: Für Steinmeßen und Dreher einen der Stundenlohn doch aber nur 43 Pf. beträgt, so wird vor Zuzug Stundenlohn von 90 Pf. in der Werkstelle, 95 Pf. außerhalb der nach Neuhammer gewarnt. Die gleiche Warnung erstreckt sich auch ſelben, 1 M. für Versebarbeiten; für Schleifer und Fräser auf die Firma Möbius in Sorau . Diese Firma hat über75 Pf. in der Werkstelle, 80 Pf. außerhalb derselben. Beträgt die haupt keinerlei Zugeständnisse gemacht und bekämpft in schärffter Tarifdauer mehr als 2 Jahre, so tritt am Beginn jeden Jahres Weise die Organisation der Zimmerer. cine Lohnerhöhung von 5 Proz. cin. Bei vorübergehender Beschäftigung bis zu 5 Tagen tritt ein Zuschlag von 20 Proz. pro Stunde cin. Für Anfänger im Beruf beträgt der Stundenlohn in der Werkstelle im ersten Halbjahr 50 Pf., im zweiten Halbjahr 55 Pf., im dritten Halbjahr 60 Pf., im vierten Halbjahr 68 Pf. Vor dem Schöffengericht in Wandsbek bei Hamburg standen sich Die in den Innungsbetrieben beschäftigten Schmiede befaßten Nach zwei Jahren werden die vollen Lohnsäße bezahlt. Außerhalb am 29. Januar zwei bedeutende Vertreter des ehrsamen Handwerks fich am Donnerstag mit dem Tarif, der am 31. März d. J. abläuft. der Werkstelle wird in allen Fällen ein Zuschlag von Pf. pro der Streifbrechervermittelung gegenüber. Adolf Hesberg aus Jakob referierte. Die Lohn- und Arbeitsbedingungen bedürften Stunde gezahlt. Höhere Löhne dürfen nicht herabgesezt werden. Blankenese trat als Zeuge gegen seinen früheren Angestellten Karl dringend einer Verbesserung, um so mehr, als in vielen Fällen die Ueberstunden höchstens 4 in der Woche dürfen nur in Aus- Meyer auf, der der Unterschlagung Hesbergscher Gelder beschuldigt tariflichen Bestimmungen nicht eingehalten werden. Die Arbeitnahmefällen gemacht werden. Erforderlich ist, daß in jedem Falle ist. Meher führt in der Firma Lindenberg u. Meyer das Geschäft geber glauben, sich dies leisten zu dürfen, da der Geschäftsgang im der Vorstand feine Zustimmung gibt und daß feine Arbeitslosen der Auguste Müller in Wandsbet weiter. Meher foll, nach Schmiedegewerbe unter der allgemeinen wirtschaftlichen Depression vorhanden sind. Die Ueberstunden werden mit einem Zuschlag von Hesbergs Beschuldigung, beim Streifbruchgeschäft in Rotterdam und Teidet. Verschiedentlich mußte das Innungsschiedsgericht ange30 Pf., die Nachtstunden mit einem Zuschlag von 50 Bf., Sonn- Gent über seine Verhältnisse gelebt und 1214 Mart unterrufen werden, um der allzu weitgehenden Verlegung der Verein- tagsarbeit wird doppelt bezahlt. Die weiteren Forderungen er- schlagen haben. Weyer behauptet übrigens, daß Hesberg ihn barungen entgegenzutreten. Mit Rücksicht darauf und auch infolge streden sich auf Vergütung des Fahrgeldes und der Fahrzeit. Wie erst von dem Augenblick mit Anschuldigungen und Haftbefehlen verDer Steigerung der Lebensbedingungen wäre es notwendig, neue im Sandsteintarif, fo wird auch von den Marmorarbeitern die folge, seit er in die Konkurrenzfirma Lindenberg u. Meyer einVerhältnisse zu schaffen und auch eine festere Garantie für Ein- Stellung von Baubuden gefordert. haltung der Abmachungen zu erzielen. Viele Klagen würden auch über die unhaltbaren Zustände auf dem Innungsnachweis vorgebracht. Troßdem könne die Branchenkommission eine Kündigung des Tarifs nicht empfehlen, da Zeit und Umstände nicht dazu geeignet erscheinen.
Die Schmiede und der Tarifablauf.
In der Diskussion nahm auch Siering das Wort und beYeuchtete die beruflichen Verhältnisse in Verbindung mit der Wirtschaftslage. Die Lohn- und Arbeitsbedingungen der Schmiede ent sprechen allerdings nicht den heutigen Lebensverhältnissen, trotzdem empfehle auch er, den Tarif noch ein Jahr weiterlaufen zu lassen. Als wichtigste Frage bezeichnete Siering eine andere Ausgestaltung der Arbeitsvermittlung.
Sämtliche Redner kritisierten mit größter Erbitterung die Zustände auf dem Nachweis in der Muladstraße. Siering betonte, daß diesen Zuständen zweifellos ein Ende gemacht werden müsse. Es frage sich nur, wie dies geschehen solle. Wären die Schmiede aus sämtlichen Innungsbetrieben Mann für Mann organisiert, so wäre die Frage rasch gelöst. In der vorgelegten Resolution sei ein gangbarer Weg gezeigt; er empfehle darum, dieser Resolution zuzustimmen. An den Arbeitern liege es, den Wünschen Nachdruck zu verleihen.
Von einzelnen Rednern wurde der Vorschlag Sierings befämpft.
Kleines Feuilleton.
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Aus den Geschäftsgeheimnissen der Streikbrecheragenten.
getreten sei. Die Verhandlung ergab, daß die Art der Geschäftsführung bei Achtung, Sattler, Koffermacher! Bei der Firma 3immer Hesberg dem edlen Beruf der Streitbrechervermittelung durchaus mann u. Maerten, Engelufer 1b, haben jämtliche Stoffermacher angepagt ist. Hesberg hat den Meyer auf Treu und Glauben(!) die Arbeit eingestellt. Die Veranlassung liegt in dem Verhalten des beauftragt, nach der Beendigung des Streits in Gent von Inhabers der Firma, der in Werder einen Ziveigbetrieb errichtet hat, den Unternehmern 108 000 rant einzuziehen um dadurch die vertraglich garantierten Lohn- und Arbeits- und alle anderen Verbindlichkeiten zu lösen. Der Geschäftsführer bedingungen zu umgehen. Durch Beschluß der Schlichtungskommission Hesbergs, Ignaz Lukaszewiecz, bestätigte, daß Hesbergs B ist die Firma verpflichtet worden, im Werderschen Zweigbetrieb die auftragte mit Summen bis zu 400 000 art arBerliner Lohn- und Arbeitsbedingungen einzuführen. beiten. Bei der Addierung der Streifbruchunkosten soll Meyer Herr Zimmermann gab darauf den Arbeitervertretern das ehren sich dann zu seinen Gunsten um 1214 M. verrechnet haben. Als wörtliche Versprechen, daß er unter diesen Verhältnissen den Werder- Hesberg in der Verhandlung dem Meyer Fälschung vortvarf, wies fchen Betrieb auflösen werde. Dieses Versprechen hat Herr Zimmer- Meyers Verteidiger auf Hesbergs Vorstrafen hin mann dadurch eingelöst, daß er die Weiterführung des Werderfchen und verlangte zur Klarstellung der ganzen Angelegenheit die Bor Betriebes seinem foeben vom Militär entlassenen Bruder über- legung der Hesbergschen Bücher. Hesberg war das unangenehm, trug. Der Zwed dieses Manövers ist sehr durchsichtig, da nach er protestierte erregt und meinte, man wolle ihn nu bloßstellen". eigenem Ausspruch des Herrn Zimmermann auch dann, wenn in Auch warf er Meyer vor, er habe ihn aus dem Dred gezogen. Die verschiedenen Töpfen gefocht wird, bei dem verwandtschaftlichen Ver- Sache gewann nicht an Klarheit durch die Feststellung des Amts hältnis am Ende alles wieder zusammen läuft. Dieses Muster- anwalts daß die in Frage stehenden addierten Endsummen geändert beispiel von unanfechtbarer Vertragstreue empfehlen wir besonders find. Es wurde schließlich beschlossen, die Aften zur weiteren Vorder Sammelmappe der Arbeitgeber- Beitung". bereitung an die Staatsanwaltschaft zurückgehen zu lassen. Jus
A
Um das Doppelspiel des Herrn Zimmermann aber endgültig zu besondere soll ein Sachverständiger die Hesbergschen Bücher prüfen. zerstören, blieb nur die Stillegung des Berliner Betriebes übrig. Das Ergebnis der weiteren Verhandlung dürfte recht interessant Wir ersuchen alle Berufskollegen Arbeitsangebote der Firma werden.
dem jungen Herrn L. das Schicksal in ihr Leben trat. Kampf zwischen| firchen( 10). Besonders gut zu Fuß müssen die Einwohner von Pflicht und Neigung... soziale Stellung glänzend erhöht Mülheim a. d. Ruhr sein, das bei 112 000 Bewohnern nur vier tiefer Absturz... Aufstieg... Rettung in höchster Not..." Uff! Droschken hat. Doch wird es noch von Hagen i. W. übertroffen, Vielleicht stimmt das in den Einzelheiten nicht, vielleicht hat der dessen 88 605 Einwohner sich mit ganzen zwei Droschten begnügen. Schmarrn nicht vier, sondern drei Akte, vielleicht ereignet sich das mit dem Auf- und Abstieg in anderer Reihenfolge. Aber im Notizen. Prinzip ist's schon so. Da stellen die Statistiker fest, daß die KinoMusikchronit. Während die Aufführungen des Bühnenbesucher zu streiten beginnen: die Arbeiter erklären, fie gäben für weihfestspiels im Königlichen Opernhause für längere Zeit unterden Schund kein Geld mehr aus- und da soll ich nun wieder eine brochen sind, gehen sie im Deutschen Opernhause in an Stritit" schreiben? Wir wollen uns um wichtigere Dinge fümmern, gemessenen Abständen weiter. Für den Februar sind vorläufig fünf Du und Dein Ignaz Wrobel . Aufführungen angezeigt und zwar am 1., 2., 4., 6., 10. Die beiden Besetzungen werden mit einander wechseln.
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Eine pußige Geschichte. Der Prinz Friedrich Sigismund von Im Schatten der Berliner Zensur darf Rosenows Preußen, der bei den Danziger Leibhusaren steht, nahm im Kreis Puzig huldvollst die Verwüstungen in Augenschein, die die letzte soziales Zustandsdrama„ Die im Schatten leben" nicht aufgeführt Sturmflut verursacht hat. Auch stattete er dem Puziger Kurhaus werden. Dafür wird dasselbe Drama draußen im Reich an vielen cinen Besuch ab und ließ sich eine Tasse Kaffee servieren. Nach- Orten gespielt. Jegt ist es auch in München aufgeführt worden dem er sich wieder entfernt hatte, stürzte sich ein Beamter der durch den„ Neuen Verein". Da dieser Verein nur fünstlerische Buziger Kreisverwaltung auf den strahlenden Wirt, entriß ihm die Tendenzen verfolgt, hat er durch die Aufführung den literarischen Tasse, aus der der Prinz getrunken hatte, und bezahlte zehn Wert des Stüdes anerkannt. Dder sollte dieser Verein aufhezzen wollen? Jagow w. u. A. g. Was wäre geschehen, wenn der Wirt„ Nein" gejagt hätte? Ein Ethiker der Tat. Der jüngst in Wien gestorbene
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Wo bleibt das Fichte- Denkmal? Kant hat in Berlin zwei Dentmäler, eins unter dem Schweif des Gauls, auf dem der Alte Frig" sigt, das andere als Nebenfigur der Siegesallee hinter Friedrich Wilhelm dem Dicken, unter dessen üppiger Regierung der Religionserlaß gegen den Königsberger Philosophen verübt wurde. Fichte hat noch lein Pferd und keinen König gefunden, in defien Schatten sein Denkmal versteckt werden kann. Aber es ist nun fast ein Jahrzehnt vergangen, daß ein schwungvoller Aufruf erging, für ein FichteDenkmal zu sammeln. Alle Namhaften hatten den Aufruf unterschrieben, vornan der damalige Reichskanzler Bülow . Zum Jahrhundertgedächtnis der Reden an die deutsche Nation sollte das Denk mal enthüllt werden. Aber das Jahr 1908 ging ohne einen steinernen oder bronzenen Fichte vorüber. Dann hieß es: 1910, wenn die Universität Berlin 100 Jahre alt geworden ist. Das Denkmal kam nicht. Endlich wurde der Januar 1914, der 100. Todes tag, als Termin verkündet. Und wieder hört man nichts. Denkmäler dürfen in Berlin nicht ohne fönigliche Genehmigung art für sie. aufgestellt werden. Ist die Erlaubnis verweigert worden? Oder ist noch kein Geld da?( Der Fichte- Schwärmer Fürst Bülow könnte Nun, der Beamte hätte versucht, ihm die kostbare Tasse mit Gewalt Philosophieprofessor Friedrich Jodl hat sich nicht mur offiziell mit ohne lnbequemlichkeiten die erforderliche Summe allein bestreiten!) zu entreißen. Es wäre zu einem Handgemenge gekommen. Der Ethik beschäftigt. Er hat sie nicht nur gelehrt und ihrer Entwicklung Beamte hätte geschrien:" Tod oder die Tasse", und etliche Gäste, nachgeforscht, er hat ihr auch nachgelebt. Er trat mutig für seine Jedenfalls: für Fichte ist die Zeit noch immer nicht gekommen. brave und kaifertreue Bürger, hätten sich seiner gerechten Sache Ueberzeugung ein und wirkte auf seine Weise für die Allgemeinheit Selbst eine Universitätsfeier scheint Jagow oder der Kronprinz oder sonst ein Gesinnungsgenosse der Kracht- Leute verboten zu haben; und angenommen. Der Wirt wäre zu Boden geworfen worden. Man derer, die nicht die Universität besuchen, an der Spitze des Wiener Die Tasse wäre in Scherben Volksbildungsvereins. Zu seinem Gedenken hat ein ehemaliger natürlich hat die Berliner Gelehrtengarnison solche Wünsche und hätte ihn gewürgt und getreten. Stimmungen als Dienstbefehl aufgenommen und ihm nachgeachtet". gegangen und die See hätte aufgeheult. Alle Rot, alle Schrecken österreichischer Minister das treffende Wort gefunden: Jodl hat den Und das ist gut so. Man hat die Fichte- Feier dem Berliner der Sturmflut wären zu einem findischen, lächerlichen Scherz ver- Gedanken stets vertreten, daß jeder Gebildete sein Pfund nicht brach Proletariat überlassen. Es ist ein Verdienst der Maßgebenden, daß blaßt, und Beamte und Bürger hätten über das tragische Schicksal liegen lasse, sondern es weitergebe den großen lassen, die sich fie diese echte Fichte- Ehrung nicht durch ihr leeres Feiergepränge der Tasse geweint, aus der Seine Hoheit, der Prinz Friedrich Bildung mir schwer aneignen können. Theater für Schwerhörige. Zwei Londoner Theater gestört haben und auch nicht durch die Aufstellung einer Figur, die Sigismund von Preußen Kaffee getrunken hatte. Die Droschke stirbt aus. Daß die Pferdedroschke auf den Aus- haben jegt nach einem sinnvollen System, das in New York bereits für die Herrschenden nichts mehr sagt. sterbeetat gesetzt ist, wissen wir schon lange. Daß aber auch die feit mehreren Jahren besteht, Orcheſterfauteuils für Schwerhörige" Zahl der Droichten überhaupt Pferde und Autodroschten zu eingerichtet. Diese Size, die sich in allernächster Nähe der Bühne fammengenommen im langsamen Abnehmen begriffen ist, daß befinden, sind mit akustischen Apparaten ausgestattet, die sich in der dieses, wenn man so will, aristokratische Beförderungsmittel immer Form zweier Telephonhörer darstellen. Diese Apparate, die durch mehr durch Massentransportmittel ersetzt wird, dürfte doch manchem eine unter dem Siz befindliche elektrische Batterie wirksam gemacht Es geht nicht mehr, lieber Vorwärts", es geht nicht mehr. neu sein. Dem Statistischen Jahrbuch deutscher Städte zufolge gab werden, verstärken jeden Ton in sehr beträchtlicher Weise und erNun werden ja wieder die Kinofachzeitschriften, die allerdings fein es in 51 größeren deutschen Städten, die darüber nähere Angaben möglichen so schwerhörigen Theaterbesuchern, jedes Wort der AufMenich liest, in ein übles Geschrei ausbrechen: so wird also beim machten, im Jahre 1900 15 497 öffentliche Droichten. Bis zum führung genau zu verstehen. Vorwärts" über Films berichtet! Aber sieh einmal, liebe Redaktion, Jahre 1906 vermehrte sich die Zahl dieser Vehikel auf 16 166, um 3abern in New York . Ein aktuelles Drama„ Zabern", da ist nun nufereiner immer und immer wieder in diefen Auf- von da bis 1910 auf 14 528 zurüdzugehen. Dabei fant die Zahl das die Ereignisse in Zabern schildert, gelangte im New Yorker führungen mit dem„ geladnen Publikum" gewesen, hat sich immer der Pferdebroichten im Laufe dieser 10 Jahre von 15 470 auf 12 044, Adolph- Philipp- Theater zur Erstaufführung. Es kam hierbei zu und immer wieder das Vorgeführte geduldig angesehen, und es während gleichzeitig die der Autodroschken von 27 auf 2484 in die lebhaften Kundgebungen. war nie etwas Gescheites! Nie! Jedesmal dachte ich: Na, Höhe ging. dies Mal wird's vielleicht etwas! Ja, etwas ungeheuer Nahezu die Hälfte aller Motordrofchten beherbergte die ReichsLangweiliges wurde es, und nur einem unermüdlichen Pflicht hauptstadt, die unter 5767 Droichten überhaupt 1049 Autos zählte. bewußtsein hast Du es zu verdanken, wenn ich doch meinen Bericht Hamburg hatte im Jahre 1910 1249, Breslau 734, Dresden 585, machte. Aber nun hat's geschnappt! Ich kann nicht mehr. Dieses Leipzig 545, München 480 Droichten. Daneben figurieren mit einer Meer von Banalitäten flutet über mich her, ich schließe die Augen, ganz besonders niedrigen Zahl diefer bequemen Beförderungsmittel aber unaufhaltsam dringt's auf mich ein:" Frida, ein Lebens das 294 000 Einwohner zählende Eſſen( 63 Droschken), Erfurt ( 27), bilb... in vier Aften... lebte glüdlich und zufrieden, bis mit Augsburg ( 27), Duisburg und Plauen ( 15), Bochum und Gelfen
Der streikende Filmkritiker. Wir erhalten folgende Zuſchrift: Lieber„ Vorwärts"! Du hast mir eine Karte zu einer Films premiere geschickt, und ich ich bin nicht hingegangen. Offen und ehrlich: ich bin nicht hingegangen.
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- Ein Dorf aus der Bronzezeit. Bei Fundamen tierungsarbeiten fand man im Herrentale bei Mergentheim in der Tiefe von 4 Meter ein ganzes einstiges Dorf. Es gehört nach den Untersuchungen des Landeskonservators Goeßler iu Stuttgart der Bronzezeit um etwa 1500 bor Chr. an. Es kamen die Reste von
etwa 15 Hütten in Gestalt von Steinsockeln, Sigsteinen und von Herdplatten zum Vorschein. Zwischen den Hütten fand man drei rnengräber, die Bronzesachen enthielten.