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Nr. 46.

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31. Jahrg.

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Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin".

Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands .

Redaktion: S. 68, Lindenstraße 69. Fernsprecher: Amt Moritzplas, Nr. 1983.

Willkommen in Berlin !

Montag, den 16. Februar 1914.

Expedition: S. 68, Lindenstraße 69.

Fernsprecher: Amt Moritvlat, Nr. 1984.

Von hervorragendster Bedeutung ist in der neuen Kund­gebung folgende Stelle:

Anschluß an Babern ergibt es von selbst. Daß die demo- sprechende schärfere Interpretation der Gewerkschaftsenzyklika fratische Flut steige und steige, wird man hören, daß Zucht, abzufassen. Sitte und Ordnung schwänden, daß die ††† Sozialdemokratie Vielleicht werden sich nun nach bekanntem Schema die es immer toller treibe, daß der monarchische Gedanke unter- Blätter Kölner Observanz und die Gewerkschaftsführer à la Seit einigen Tagen verkündet an den Anschlagsäulen wühlt werde, aber daß Gottlob! die Mitglieder des Bundes Stegerwald wieder damit herausreden, die von dem Erz­Berlins ein Plakat, dessen Sinn auch der geistig schwerfälligste der Landwirte noch fest stünden als die Triarier Seiner bischof von Köln sowie den Bischöfen von Trier . Osnabrid, Leser aus Ostelbien zu enträtseln vermag: Café Na Majestät. Hurra! Hurra! Hurra! Doch all das ist nicht so Hildesheim , Paderborn und Münster unterschriebene Inter­pretation enthalte eigentlich gar nichts Neues. Alles das tional, Friedrichstraße 76, Ede Jäger- schlimm gemeint. Denn wenn diese agrarischen Demagogen ftünde auch schon in der Enzyklika selbst. Ganz richtig; die straße. Nimmt man dazu, daß im Anzeigenteil der sonst sagen: Abwehr der demokratischen Flut, Kampf gegen die Sache ist nur, daß daraus bisher nicht, wenigstens nicht von ach! so prüden Deutschen Tageszeitung" eindeutige Amüsier- Sozialdemokratie, Verteidigung des monarchischen Gedankens, kirchlich- autoritativer Seite, jene ganz bestimmten klaren institute wie das Rattenschloß" und die Nixen- und Baby- so meinen sie immer nur das eine: Füllung ihres Porte- Folgerungen gezogen worden sind, wie sie die neue Inter­Redoute" auf ihre nächtlichen Reize aufmerksam machen, so monnaies! Wenn sie klagen, wenn sie donnern, haben sie pretation zicht. weiß man, was die Glocke geschlagen hat und welchen Sommer stets nur das eine im Auge: die neuen Handelsverträge, die diese Schwalben verkünden: die agrarische Woche ist wieder da, neuen Zolltarife! Es ist ja vielleicht das Fluchwürdigste an der Zirkus Busch öffnet wieder seine Pforten und die Herren den fluchwürdigen Lebensmittelzöllen, daß sie den Appetit b. Oldenburg , Oertel é tutti quanti das Gehege anstacheln, der beim Essen kommt, daß sie binnen kurzem ihrer Zähne. schon nicht mehr als genügend empfunden werden und die Es ist ja nun einmal eine Tatsache, die schon mehr Heiter- Qust nach neuen und höheren Zöllen wecken. Darum jezt der keit als Entrüstung weckt, daß die massiven Gestalten aus dem Schrei nach dem lückenlosen Zolltarif", darum die Sehn­ländlichen Osten, die sich zur Bundesversammlung der Land- sucht nach einer Verteuerung der letzten noch nicht verzollten wirte in Berlin einfinden, den massiven Freuden der Groß- Lebensmittel, darum der Wille, die Massen des deutschen stadt gar nicht abgeneigt sind und auf dem vielgeschmähten Volkes auszuwuchern und auszuhungern bis zum äußersten. Asphaltpflaster, des vielbesungenen deutschen Familiensinnes Diese infame Sehnsucht, dieser verbrecherische Wille endlich einmal müde, eifrig um die Huldinnen der Friedrich- wird aus allen Reden der Landwirtsbündler- Versammlung straße herumscharmuzieren. Ihre Vorfahren vor hundert herausschallen. Damit erschöpft sich der gemeingefährliche Jahren legten den goldenen Trauring als Opferspende auf Inhalt dieser Tagung und damit soll sie ein Sturmzeichen dem Altar des Vaterlandes nieder; die Enkel lassen ihn nur sein für die auszuwuchernden und auszuhungernden Massen in der Westentasche verschwinden. in Deutschland !.

Aber wenn ihr Grundsatz nur wäre: Leben und leben lassen! Doch sie allein wollen leben, die paar Handboll stämmiger Junker aus dem Often, glänzend leben, üppig leben, leben, weil man nur einmal lebt, und zwar leben auf Kosten der Millionen des deutschen Volkes, denen ihre Wirt schaftspolitik das Leben verkümmert und zerstört. Eine durch und durch brutale Sippe ist es, die dem grünen Banner der Landwirtsbündler folgt. Die ungeheuchelte Brutalität atmet schon ihre Sprache. Wer für ein Handwörterbuch des Sau­

Diese Massen, unter dem roten Banner des Sozialismus, werden aber auch den Barbarenhorden entgegenzutreten wissen, die, unter der grünen Fahne des Agrarierbundes, heranrücken, um, was es noch an Kultur und Freiheit gibt in Deutschland , mit ihren Mistgabeln zu zerfeßen und mit ihren Schmierstiefeln zu zertrampeln.

herdentones Beiträge ſammelt, der kann heute im Zirkus Die neue Interpretation

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der Gewerkschaftsenzyklika.

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,, Auf dem Grundsatz der katholischen Kirche fußend, daß die soziale Frage in erster Linie eine sitt. lich religiöse Frage war, ist und bleibt, wird be­tont, daß auch bei Angelegenheiten, die als rein wirtschaftliche" bezeichnet werden, oft fittliche Pflichten mit berührt und sittlich- religiöse Interessen häufig sehr in Mitleidenschaft gezogen werden. Zur Verkündigung der fitt= lichen Normen dieser Interessen und zur Aufsichtsführung über die Haltung der Katholiken in dieser Hinsicht, zur Abwehr von Gefahren, die der sittlichen Auffassung und Haltung erwachsen können, sind der Heilige Vater und mit ihm die vereinigten Bischöfe zuständig und verpflichtet. Aus dieser Stellung des kirchlichen Hirtenamts folgt dessen treue und auto­ritative Wachsamteit über den Anschluß der katholischen Christen an Vereinigungen. Diese Wachsamkeit sei nötig zur Wahrung von Interessen religiöser und sittlicher Natur."

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Sicherlich, das steht auch schon in der Gewerkschafts­enzyklika, denn dort heißt es im fünften Absatz: Die soziale Frage und die mit ihr verknüpften Streitigkeiten über Charaf­ter und Dauer der Arbeit, über die Lohnzahlung, über die Arbeitseinstellung sind nicht rein wirtschaftlicher Natur und fomit nicht zu denen 3u zählen, die mithintansezung der kirchlichen Obrigkeit beigelegt werden können." Aber bisher wurde immer wieder von den Kölner Sophisten erklärt, in wirt­schaftliche und sogenannte rein politische Fragen hätte der Bapst nicht hineinzureden und zwar wurde das nicht nur Busch auf seine Rechnung kommen. Die dort auftreten und von katholischen Laien, sondern auch, häufig wider eigenes die zuhören, rühmen sich ja ihres Umgangstones. Daß er besseres Wissen, von katholischen Geistlichen behauptet, wenn unter brüllenden Rindern und blökenden Hämmeln groß­geworden sei, betonte erst vor drei Tagen im Dreiklassen- Die Kölner Richtung im flerifalen Lager verliert es ihnen in ihre verlogene Argumentation paßte. Befannt­parlament mit freudigem Stolz der von 3edlig, und darüber vermag aller protestlerischer Tamtam und alle lich hat sogar noch im Juni 1912 der Führer der Zentrums­der von Oldenburg empfand nach eigenem Ein- aufdringliche verlogene Sophistit nicht hinwegzutäuschenpartei in Baden, der Geistliche Rat Th. Wacker, in einem geständnis innige Befriedigung, als ein liberaler Hörer im immer mehr den Boden unter den Füßen. Fester und fester Leitartikel der Köln . Volkszeitung"( Nr. 540) die Behaup­Reichstag feststellte:" Der Kerl spricht wie im Ruhstall!" zieht Rom die Leitzügel an, die es vor wenigen Jahren noch tung aufgestellt, daß die ganze Gewerkschaftsfrage den Papst Jawohl! Ruhstall, Pferdestall, das ist der feine Verkehrston lose schleifen ließ, und die deutschen Oberhirten", die Erz- nichts angehe und deshalb in dieser Sache sich das Zentrum bischöfe und Bischöfe, folgen willig, wenn auch vielleicht teil- in keinem Fall der kirchlichen Autorität der Zirkus- Busch- Agrarier, und Kuhstall, Pferdestall ist auch weise mit innerem Widerstreben, der römischen Zügellentung. unterstellen dürfe", eine Prahlerei, die freilich schon der Inhalt ihrer Reden, oder um den Dichter zu bemühen, und vor dieser sicheren Festigkeit Roms bricht die ganze am nächsten Tage dadurch Lügen gestraft wurde, daß der dem wie keinem die hochmütigen ostelbischen Schnarrlaute in jesuitisch schlaue Strategie der Bachemiten elend zusammen. Bapst durch den Münchener Nuntius den Zentrumsblättern der Seele zuwider waren: In ihrer Selbstüberschäßung gedachten sie die kirchliche Schweigen auferlegte und ankündigte, er selbst werde die Ge­Stallgedanken in der Rede, Ehrenerklärung, die Kardinal Kopp dem Paderborner Bischof werkschaftsfrage im Einverständnis mit den deutschen ausgestellt hat, zu einem Resseltreiben gegen die Führer der Bischöfen prüfen. Trotzdem jedoch die Zentrumspolitiker, weltliche und Berlin - Breslauer Bewegung ausnuten und die römische Sturie einschüchtern zu können. Deshalb hatten sie zu gestern, geistliche, schon so oft durch nachfolgende Tatsachen dementiert am Sonntag, eine große Demonstrationsversammlung der worden sind, stellen sie immer wieder die Behauptung auf, fie Bachemiten nach Essen einberufen und nun sieht sich am feien in ihren politischen Entschlüssen von Rom unabhängig. Tage vor dieser Parade ihr Hauptorgan, die Bachemsche Köln. Selbst der neugebackene Reichsausschuß der Zentrumspartei Volkszeitung" gezwungen, eine neue Interpretation hat sich vor acht Tagen das Vergnügen geleistet, vom nicht. der Enzyklika Singulari quadam zu veröffentlichen, die in onfessionellen Charakter des Zentrums zu fabeln. In allen Punkten den Anschauungen und Forde- der Besorgnis, daß dieser Satz bei der römischen Kurie Anstoß rungen der Kopp, Oppersdorff, Rauffmann erregen könnte, hat ihn die Germania " zwar alsbald dahin usw. entspricht eine Interpretation, die die strittige interpretiert, daß selbstverständlich diejenigen Fragen, welche das religiöse Gebiet berühren", der kirchlichen Autorität milde Erläuterung des Bischofs Dr. Schulte mit einem Fuß­tritt beiseite schiebt und deshalb auch ohne irgendwelche unterständen; aber schlau, wie nun mal unsere jesuitisch ge­Beanstandung von den ausgesprochenſten Gegnern der christ Beanstandung von den ausgesprochensten Gegnern der christ- drillten Zentrumsredakteure find, hat sie verschwiegen, wie Deshalb haben wir am Donnerstag ihrem Begriffsvermögen lichen Gewerkschaftsbewegung, dem Bischof Korum von Trier, weit nach firchlicher Auffassung das religiöse Gebiet" reicht. unterzeichnet werden konnte. nachgeholfen und hinzugefügt: daß nach katholischer Lehre zu dem sogenannten religiösen Gebiet" nicht nur die rein religiösen und rein kirchlichen Fragen gehören, sondern auch alle ethischen Fragen, die die private wie die öffentliche Lebensführung und Lebensbetätigung( auch das politische Verhalten) betreffen, und daß ferner darüber, welche Fragen ihrer Autorität unterstehen, ausschließlich die katholische Kirche allein zu entscheiden hat".

Das Gelächter ein Gewiehr.

Mit dem Kuhstall, dem Pferdestall und allenfalls noch dem Rattenschloß" und der Niren- und Baby- Redoute" be­grenzt sich aber auch der Horizont dieser Ritter aus der Uder­mart und aus Hinterpommern. Was darüber hinaus geht, fümmert sie nicht; was darüber hinaus geht, ist vom Uebel. Kunst, Kultur, Bildung, Wissenschaft? Mumpiz! Mist, das ist das einzig Wahre!. In den neunziger Jahren sette eine Broschüre Altkonservativ. Versuch einer Zusammenfassung und Begründung altkonservativer Anschauungen" das ausein­ander, wie folgt:

Man sollte täglich einen Trupp Gelehrter aufs Band schicken Hier, meine und diesen Gelehrten dann ist zeigen. Hier, meine Herren, müßte ihnen ein tüchtiger Landwirt sagen, das ist Mist, das ist das kostbarste Kraut, welches die Menschheit besitzt. Hier, sehen Sie, ich nehme es zwischen die Finger; denken Sie, meine

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Ein meisterhafter Schachzug des Vatikans. Mit Herren, Ihre efelhaften Entleerungen nehme ich, der ich als schmetternden Fanfaren ruft der Generalstab der Kölner Rich Rittmeister bei der Garde gestanden und mit den schönsten und tung zur Satz gegen die" Quertreiber" auf und einen Tag geistreichsten Damen getändelt habe, diese Ihre ekelhaften Ent- bor dieser Tagung muß das Hauptblatt dieser Richtung eine leerungen, vermischt mit dem Mist meiner Tiere, nehme ich in auf Roms Anweisung von den rheinisch- westfälischen Bischöfen meine hochadligen Finger, zupfe sie hübsch auseinander und pade verfaßte neue Erläuterung der Gewerkschaftsenzyklika publi­sie dann ins Land! Mist, meine Herren, Mist, M i st, zieren, die genau die Auffassung der Kopp und Korum wieder­Mist! Erst kommt der Mist, dann kommt nochmal der Mist, gibt. Dadurch ist die Essener Tagung von vornherein als Es freut uns, daß die neue Interpretation der rheinisch dann kommt eine ganze Weile gar nichts, und eine leere Demonstration, ein gauflerisches Wortgepränge ge- westfälischen Bischöfe genau derselben Meinung ist, indem sie dann kommt nochmal Mist, und dann kommt erst alles sonst noch fennzeichnet, das gar feine eigentliche Bedeutung hat. nicht nur den Saß aufstellt, daß die soziale Frage eine sittlich­Ueberraschend kommt diese neue, strengere Erläuterung religiöse Frage sei, sondern daß auch rein wirtschaft­Wichtige im Leben- und dann, meine Herren, kommen Sie erst! Ist es nicht, als hörte man des Januschauers Stimme? der päpstlichen Enzyklika Sing lari quadam nicht. Wir haben Iiche" Maßnahmen oft sittlicher Art seien wiederholt darauf hingewiesen, daß Rom mit der schwäch- und deshalb der Aufsicht der Bischöfeunter­Mist, Mist und noch einmal Mist! Und von diesen Mistjunkern läßt sich ein Siebenund- lichen Interpretation dieser Enzyklika durch den Baderborner ständen. Mit anderen Worten: die Bischöfe haben das fechzigmillionen- Volf, fulturell entwickelt, politisch reif, mit Bischof nicht einverstanden sei und deshalb eine Art Er- Recht, auch die sogenannten rein wirtschaftlichen Angelegen­der Starbatsche regieren? Denn noch fühlen sie sich als die gänzung oder authentische Auslegung beabsichtigte. Durch den heiten der christlichen Gewerkschaften zu überwachen und zu Streit Kopp- Schulte wurde dieser Plan verschoben. Man entscheiden. Herren im Reich, noch geben sie den Ton an, noch neigen sich wollte aus Gründen kirchlicher Autorität nicht direkt in den Und noch eine andere Konsequenz liegt in dieser Inter­vor ihnen die Minister, noch lächelt ihnen Huld aus dem Streit eingreifen, hat nun aber, wie es scheint, von hinten pretation der Bischöfe: ist die soziale Frage eine religiöse Hause Hohenzollern ! Zwar werden wir genug der kapuziner - herum, die Bischöfe der rheinisch- westfälischen Kirchenproving Frage, untersteht sie also der kirchlichen Autorität, dann hat haften Klagetöne heute im Zirkus Busch vernehmen. Im veranlaßt, selbst eine den Forderungen des Vatikans ent- jeder Zentrumsabgeordnete als Katholik in sozialpolitischen