Nr. 71. 31. Zlthrgavz. 2. WlU des, Amiirls- Knlim Nslkbick. Freitag 13. Mi!9l4. ROTB WO CHE /lgitation in öer Werkstatt. Heute und morgen wird die Werbearbeit in der Werk» statt, auf den Arbeitsplätzen fortgesetzt; eine Arbeit, die kein Jagow unterbinden kann. Wohl gibt es genug Aufpasser in manchen Betrieben, die am liebsten eine Zuchthausordnung einführen und jedem Arbeiter das Sprechen auch während der Pausen verbieten möchten. Allein es gibt auch da manche Gelegenheit, mit den Arbeitskollegen Worte über die Notwendigkeit nicht nur der gewerkschaftlichen, sondern auch über die der politischen Organisation und über den Wert der Arbeiter- presse wechseln zu können. Diese Werbearbeit, die Agitation von Mund zu Mund ist zu allen Zeiten die wirksamste gewesen. In der schlimmsten Zeit der Verfolgungen unserer Partei, in der Zeit des Sozialistengesetzes, waren wir fast ausschließlich auf diese Agitafton angewiesen. Und wenn unsere Bewegung den Umfang angenommen hat, den sie heute hat, so ist dieses Vorwärtsdringen nicht zuletzt der intensiven Agitation von Mund zu Mund zu danken. Und deshalb müssen wir auch heute von neuem in verstärktem Maße die Agitationsarbett unter den Arbeitskollegen betreiben. Unsere Genossen mögen sich darin keinen Augenblick irre machen lassen. Mögen unsere Gegner heulen und Wut- entbrannt jedes Vorkommnis auf unser Konto setzen: Die Arbeit geht weiter! Wir werden uns durch nichts beirren lassen in unserem Vorwärtsschreiten! Parteiangelegenheiten. Friedenau . In der heute. Freitag, abends 8Vz Uhr stattfindenden öffentlichen Versammlung sprich! Reichstagsabgeordneter Fritz Zubeil über: Die Mordfreibeit der Streikbrecher. Sonntag früh 8 Uhr von den 6 Bezirkslokalen aus: Wichtige Flugblatt- Verbreitung. Lichtenberg . Infolge der gestern aufgelösten Versammlung findet am Sonnabend, den 14. März, abends 7 Uhr, eine Flug- blattverbreitung von den Bezirkslokalen aus statt. Hohenschönhausen. Heute abend pünktlich 3>/z Uhr öffentliche Fraiienversommlung. Die Genossin Srendiee hat das Referat über- nommen. Sonntag, den Ib. März, morgens 8 Uhr, wichtige Flug- blattverbreitung von den Bezirkslokalen aus., Biesdorf . Heute abend 8'/, Uhr im Lokal von Hampel, Mar- zahner Straße 31, öffentliche Gemeindewählerversammlung. öerliner Nachrichten. Konzerte ües philharmonischen Orchesters zu Serlin. Das Berliner Philharmonische Orchester veranstaltet in der Osterwoche und zwar am 6., 9. und 11. April Konzerte in den Lokalen: Konkordia, Andreasstraße, Brauerei König- stadt. Schönhauser Allee , und Brauerei Fricdrichshain, Am Friedrichs Hain. Das Konzert am 6. April ist ein Beethoven-Abcnd; aus dem Programm für den 9. April sei hervorgehoben: Romanze und Spinnlied für Violoncello von Campagnoli bezw. Popper, vorgetragen von Herrn F. Reitz, und Ungarische Rhapsodie Nr. II, instrumentiert von Herrn Müller-Berghaus; das Konzert am 11. April ist ein Wagner -Abend. Aus diesem Programm sind hervorzuheben: Karfreitagszauber aus„Par- sifal", Wotans Abschied von Brunhilde und Feuerzauber aus «Walküre " sowie Waldweben aus„Siegfried". Der Eintrittspreis beträgt wie früher 30 Pf. pro Person. Eintrittskarten sind zu haben im Bureau der Gewerkschafts- kommission, Engelufer 15 I, Zimmer 13, wochentäglich von 9 bis Vsl Uhr vormittags und von 4 bis ll28 Uhr nachmittags, außer Sonnabends nachmittags, sowie zu jeder Tageszeit an folgenden Stellen: Paul Harsch, Engel- ufer 15; Schmidt, W 57, Kirchbachstr. 14; Schade, W 57, Blumenthalstraße 13; Schröder, Hagelberger Straße 53/54; Beyer, Schönleinstraße 23; Gottfried Schulz, Kottbuser Tor; Stephan Fritz, Prinzenstraße 31; Fischer, Sebastianstraße 14; Karl Melle, Petersburger Platz 4; A. Dietrich, Romintener Straße 46; P. Schneider, Hufclandstraße 30; Alfred Pärsch, Oldenburger Straße 10; Dobrohlaw, Swinemünder Straße 11; feyse, Boyenstraße 19; Henkel, Stralsunder Straße 17; akzewski, Feldstraße 9. Gewerkschaftskommission Berlins und Umgegend. LO 16, Engelufer 15 L Spezialberatung des Ttadthaushaltetats. Die Stadtverordnetenversammlung be- gann gestern mit der zweiten Lesung des Stadthaushalt- etats für 1914. In einer bis 10 Uhr dauernden Sitzung er- ledigte sie, was aus dem Ausschuß zurückgekommen war. Bei vielen Punkten gab es Erörterungen, fast immer infolge der von der sozialdemokratischen Fraktion geübten Kritik. Zum Polizeikostenetat stellte Genosse Rosen- selb fest, daß die Polizei Berlins wieder teurer, aber nicht besser geworden ist. Die von ihm vorgetragene Liste be- achtenswerter Polizeilcistungen schloß er mit einer Kenn- zeichnung des Vorgehens gegen unseren Frauentag, wobei ein paar Freisinnige„Bravo!" höhnten. Als er zwei Säulenplakate, eins in der beabsicht'gten und eins in der zu- gelassenen Fassung, auf dem„Tisch des Hauses" zurückließ, forderte Vorsteher M i ch e l e t auf, sie wegzunehmen. Das wurde mit Recht abgelehnt, und nun ergriff Stadtverordneter Tropfte, hastig herantretend, die Plakate und warf sie wütend zu Boden. Genosse H 0 f f m a n n wies auf das Un- gehörige und Skandalöse dieser Szene hin; Herr Michelet aber hielt es nicht für nötig, das unparlamentarische Ver- halten des aufgeregten Herrn Tropfke zu rügen. Die von Hoffmann wieder auf den Tisch niedergelegten Plakate ließ I der Vorsteher, den sie offenbar sehr beunruhigten, durch einen Diener wegnehmen. Beim Etat des K a u f m a n n s g e r i ch t beleuchtete l Genosse H i n tz e die Ursachen der geringen Beteiligung au den Kaufmannsgerichtswahlen. Für das Gewerbe- g e r i ch t brachte Genosse Ritter, der es das„Stiefkind der Berliner Verwaltung" nannte, allerlei Wünsche vor. Stadtrat L ö h n i n g versprach Prüfung, lieber die Sonn- tagsruhe der Standesämter klagten Stadtverordneter Schulze und Genosse H 0 f f m a n n, aber Stadtrat Hirsekorn versicherte, es seien ja noch keine Beschwerden eingegangen. Beim Etat der Friedhöfe gab Genosse Hoff mann eine Anregung, die den Verzögerungen der Feuerbestattung vorbeugen soll. Die Einrichtung eines städtischen Lehrerinnenseminars, die beim Mädchenschul-Etat der Genosse A r 0 n s empfahl, hat nach einer Erklärung des Stadtschulrats Michaelis Aussicht auf Verwirklichung. Für die F e r i e n s p k e I e beantragte die sozialdemokratische Fraktion reichlichere Mittel. Genosse Mann trat für diese Forderung sehr warm ein. aber Stadt- schulrat Michaelis will„nicht zu stürmische Schritte nehmen". Die Freisinnigen lehnten ab. Beim Etat der Fortbildungsschulen kam es zu einer Debatte über Jugendpflege. Dem Protest des Genossen Rosen- seid gegen die Verquickung mit dem Jungdeutschland- bund usw. konnten die Stadtschulräte Fischer und Michaelis nur ein Verlegenheitsgerede entgegensetzen. Zum Etat der offenen Armenpflege beantragten unsere Genossen die Einstellung höherer Mittel. Genosse H i n tz e beleuchtete die Wirkungen der Kargheit, mit der schon am Armenetat für 1913 geknappst worden war. Stadtrat D 0 f l e i n hielt ein Mehr nicht für nötig— und die Freisinnigen lehnten ab. Tie Mißstände in den H 0 s p i t ä- lern, unter anderem die„militärischen" Disziplinarbräuche in Buch, wurden voni Genossen Zadek gerügt. Wie es im Arbeitshaus samt dazu gehörigem Hospital und iin O b- dach zugeht und wie sehr unter den dort herrschenden Män- geln nicht nur die Insassen, sondern auch die Beamten leiden, das schilderten unsere Genossen Zucht, Hoff mann und Weyl. Es soll in beiden Anstalten„bald" anders werden, so versicherten Stadtrat Doflein und Stadtmedizinalrat Weber. Beim Etat der Z e n t r a l e B u ch brachte Genosse B 0 e h m Klagen der Waschmädchen über Mängel der Be- köstigung vor. Dem Stadtverordneten Ulrich und dem Kämmerer B 0 e ß, die keine Ursache zu Klagen sahen, widersprachen Genosse Manasse und Genosse Hoff- mann. Den Rat, selber mal vier Wochen lang die Wasch- mädchenkost zu genießen, wird der Kämmerer wohl kaum be- folgen._ Der Lindcntunnel. Eine dem Polizeipräsidium wie der Eisenbahnverwoliung nahe- stehende Korrespondenz teilt mit, daß die seit Jahren beabsichtigte Unteriunnelung der Straße Unter den Linden zwischen Opernhaus und Kastanienwäldchen vom Kaiser genehmigt worden sei. Diese Untertunnelung ist direkt auf eine Willenserklärung 1>cS Kaisers zurückzuführen. Der Kaiser war es, der dem Antrage der Stadt Bertin, ihre Straßenbahn über die Linden durchzuführen und so eine Verbindung der Linie Mutelstraße— Pankow mit der Lirne nach Treptow herbeizuführen, Widelstand entgegensetzte mit den Worten: Nicht drüber weg, sondern unten durch! Seitdem wurden Pläne ausgearbeitet, welche die Untertunnelung der„Linden" zum Ziel hatten; aber fortgesetzt entstanden neue Schwierigkeiten. Diese Schwierigkeiten wurden vornehmlich von dem Verkehrs- dezernenten im Polizeipräsidium gemacht. Im Vorjahre wurde aus Anlaß der Jubiläumsschenkung mit den AussichtSbehörden ein Abkommen getroffen, in dem die Genehmigung des Lindentunnels einen Teil der Abmachung bildete. Nachdem die Frage des OpernbauSneubaueS endgültig entschieden war, verständigten sich Straßenbahn und Stadl über die Erbauung des Tunnels und über die Benutzung desselben. Von dem ursprünglichen Projekt eines zweigleisigen Tunnels im Zuge der Straße An der katholischen Kirche hatte die Große Berliner Straßen» bahn wegen der ständigen BcrkehrSzunahme abgeraten und eine viergleisige Anlage vorgeschlagen, die wegen der örtlichen Schwierig- leiten in zwei Tunnels untergebracht werden sollte. Der östliche, in der Hauptsache der Großen Berliner Straßen- bahn vorbehaltene Tunnel wird zwischen Opernhaus und Prinzessinnen- Palais am Hauie Hinter der katholischen Kirche 2 seinen Ansang nehmen: die von der Französischen Straße kommenden Wagen machen gegenüber der Hcdwigskirche eine kleine Schwenkung nach rechts und fahren dann auf einer längs der Gartenmauer des Palais anzulegenden Rampe zum Tunnel hinab, der sich bis zu dem neuen Flügclanbau der Universität erstreckt. In den westlichen Tunnel, der vorwiegend für die städtische Straßenbahn bestimmt sein soll, gelangen die Wagen von der Markgrafen- und Behren- straße aus; die Rampe beginnt am Gebäude der Dresdner Bank und geht parallel zur Bauflucht der ehemaligen könig- lichen Bibliothek bis zum Denkmal der Kaiserin Augusta . Dieses Denkmal, das während des Baues entfernt werden mutz, behält seinen alten Standort, nur erhält der Platz davor eine anderweitige Einteilung. Die Rampen am Garten des Prinzessinnen-Palais und an der Singakademie werden durch gärtnerischen Schmuck den Blicken der Vorübergehenden völlig ent- zogen werden. Die Stadt ertaut beide Tunnels und verauslagt den von der Straßenbahn zu zahlenden Kostenbeitrag; die Stadt gestattet gegen Entgelt die Mitbenutzung ihres Tunnels für die Wagen der Moabiter Linie, die in der Torotheenstraße die westliche Weiche benutzen müssen, und für die Wagen der Stadt wird die Mitbenutzmig des Straßenbahntunnels bei eveiiluellcn Velrieb-störuiigen eingeräumt._ Polizei und„Rote Woche." Mit welcher Nervosität die Polizei jetzt überall bemüht ist, sich unserer Agitation während der„Noten Woche" hindernd in den Weg zu stellen, beweist wiederum ein Vorgang, der sich in Lichten- berg ereignet hat. Dort sollte gestern abend ein Lichtbildervortrag mit dem Thema:„Die Revolution von 1848" abgehallen werden. Dieser rein geschichtliche Vortrag wurde jedoch von dem Polizei- Präsidenten von Lichtenberg verboten. Interessant ist die Begrün- dung dieses Verbotes. Nach einer längeren Einleitung heißt es: „Schon das Vortragsthema allein erscheint geeignet, eine gewisse öffentliche Besorgnis hervorzurufen. Auch dnrch die Tat- fache, daß der Vortrag während einer besonderen Zlgitations- Periode, der sogenannten„Roten Woche", stattsindct, wird die polizeiliche Zlnnahme begründet, daß die öffentliche Ruhe, Sicher- heil und Ordnung gefährdet erscheint."
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