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Hr. 98. 31. Jahrgang.

3. Beilage des Vorwärts " Berliner Volksblatt. Bonuerstag. 9. April 1914.

Aus der Frauenbewegung.

Wahlrecht und Dienstpflicht.

Den Frauen wird das Wahlrecht immer noch grumbfäßlich ver­teigert. Als Grund der Weigerung geben die Bürgerlichen unter anderem an: Die Frau leiftet dem Staate teine Militärpflicht. Sie dient nicht ein, zwei oder drei Jahre wie der Mann in der Armee, darum darf ihr das Wahlrecht nicht gegeben werden.

die Gesellschaft die Dienste irgendeiner fachkundigen Person ab-| es sich tatsächlich um die jetzt in fast allen Südstaater ertstierende weisen darf? Sind wir so sicher, für jeden erledigten Plaz immer Bestimmung, daß jeder Bürger, um wählen zu können, sechs den entsprechenden Mann zu finden, daß wir nicht darunter leiden, Monate vor dem Wahltag seine Steuern für die drei vorher­wenn wir die Hälfte der Menschheit unter einen Bann legen und gegangenen Jahre entrichtet haben muß, eine Vorschrift, von es von vornherein ablehnen, ihre Fähigkeiten, so hervorragend die deren Bedeutung für die Arbeiter jenseits der Mason- und selben auch sein mögen, nußbar zu machen? Im voraus be- Dicon- Linie" sich jeder, der die hundeelende Lage der unter den stimmen, daß Personen einer gewissen Gattung nicht Aerzte oder Palmen des Südens wandelnden Proletarier kennt, ein Bild machen Advokaten oder Parlamentsmitglieder sein sollen, heißt nicht nur fann. Wenn man näher zusieht, wird man eben finden, daß hinter sie, sondern auch die beeinträchtigen, welche Aerzte, Advokaten, den Rassenvorurteilen, an die des Südens Machthaber zur Durch­febung ihrer Entrechtungspläne stets erfolgreich appellieren, das hervorragende Parlamentsmitglieder brauchen." Klasseninteresse der Besißenden lauert.

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Wie weit die Reaktionswirtschaft in der amerikanischen Demokratie" geht, zeigt die Wahlstatistik Virginiens. Bereits vor einem Menschenalter lieferte der Staat George Washingtons bei der Präsidentenwahl gut 300 000 Wahlstimmen, bei den gleichen Wahlen von 1908 und 1912 war das Gesamtvotum Virginiens auf 137 000 bzw. 136 000 Stimmen zusammengeschrumpft, trok er­heblicher Bevölkerungszunahme! Die südstaatlichen Reaktionäre sind es bei alledem, die nicht nur in der Parlamentsdemokratie, in der Mehrheitspartei des Senats, wie des Repräsentantenhauses, sondern auch in der Regierung zurzeit die längſte Bfeife raucher. dürfen, trop des verschrienen Radikalismus" des Wilson- Kurſes.

Frauenwahlrecht.

Das Frauenstimmrecht in Illinois . Am 7. April haben im Staate Illinois zum erstenmal die Frauen von ihren Stimm­recht Gebrauch gemacht. Allein in Chicago iparen 217 500 Frauen neben 455 000 Männern in die Wählerlisten eingetragen. Heber 80 Proz. von ihnen haben von ihrem Stimmrecht Gebrauch gemacht, während die Ziffer bei den männlichen Wählern sich nur auf 70 Proz. stellt. Acht Frauen haben ihre Kandidatur für hohe Magistratsposten aufgestellt und man erwartet mit großem Inter­esse das Resultat der Wahlen. In den anderen Teilen des Staates befizen noch etwa 50 000 Frauen das Stimmrecht. wartet als erstes Resultat die Abschaffung der Schanffonzession für etwa 3000 Wirte. Während des ganzen Tages herrschte in den Wahllokalen lebhafter Verkehr und auch der große Regen konnic die Frauen nicht abhalten, von ihrem Stimmrecht Gebrauch zu machen.

Das Wahlrecht als Belohnung für die Dienstpflicht aufzufassen, Von den landläufigen Gründen, die für den Ausschluß der ift vollständig verkehrt. Das Wahlrecht ist keine Belohnung für Frau vom Wahlrecht angeführt werden, erkennt Mill auch nicht irgendwelche dem Staate geleistete Dienste, es ist kein Geschenk für einen als stichhaltig an. Selbst wenn die Mehrheit der Frauen aufgezwungene Pflichten: das Wahlrecht beansprucht das Volk einer Klasse in ihrer politischen Ansicht nicht erheblich von der politi­schen Ansicht der Männer derselben Klasse abweichen sollte, so be­heute, weil es mündig ist, als ſelbſtverſtändliches Recht der Selbst- dürfen die Frauen des Wahlrechts doch als der sichersten Gewähr bestimmung. Doch sehen wir einmal zu, wie sich denn die Praris für eine gerechte Vertretung ihrer eigenen Interessen. Der Ge­zu der Meinung stellt: Das Wahlrecht ist die Belohnung für die sellschaft aber bedeutete die Verleihung des vollen Bürgerrechts an Dienstpflicht. Danach müßten alle die Männer, die ihrer Dienst- die Frau nicht weniger als die Verdoppelung der dem Dienst der Menschheit zu Gebotestehenden Summe pflicht genügten, das Wahlrecht besiken, die Männer aber, die nicht der geistigen straft". Wenn alle fünstlichen Hemmnisse be­Soldat waren, dürften dann nicht wählen. Wie steht's damit in feitigt sind, die sich heute der vollen Entfaltung der weiblichen Birklichkeit? Grundsäßlich hat jeder männliche Deutsche mit Naturanlagen entgegenstellen, wenn die geistige Erziehung der Soweit indessen die Frauen die Leidtragenden dieser reaf­25 Jahren das Wahlrecht, ob er gedient hat oder nicht. Demnach Frauen vervollkommnet würde, dann erst würde man ein gerechtes tionären Entwickelung sind, bleibt ihnen wenigstens in den Nord­kann das Wahlrecht keine Belohnung für das Dienen sein, sonst Urteil über ihre Fähigkeiten haben. Allein schon von dem Nieder- und Weststaaten gute Chance, sich in den Einzelparlamenten und reißen der Schranken, die die Fran vom Vollbürgertum trennen, durch das Referendum zu erkämpfen, was die herrschenden Mächte müßte es denen verweigert werden, die aus irgendeinem Grunde verspricht Mill sich eine erzieherische Wirkung vom höchsten Werte. in der Bundespolitik ihnen unter Wilson versagen. nicht Soldat wurden. Das geschieht aber nicht. Aus einer Reihe Schon das bloße Abschütteln der Anschauung, daß alle größeren anderer Gründe jedoch wird das Wahlrecht den Männern vielfach Ziele des Denkens und Handelns, alle Dinge, welche der Gemein­berweigert, auch solchen, die ihrer Militärpflicht genügten. Ist z. B. jamkeit angehören und nicht lediglich Privatinteressen sind, nur die Männer angehen, und daß man Frauen davon zurüdzuhalten jemand gezwungen, Armenunterſtüßung anzunehmen, so verliert habe, indem man ihnen die meisten verbietet und sie in den er sein Wahlrecht, er mag vorher zwei oder drei Jahre lang als wenigen, die man ihnen erlaubt, talt und vornehm duldet schon noch so guter Soldat den bunten Rod getragen haben. Ebenso ist's das Bewußtsein, das die Frau erfüllen würde, ein Mensch gleich bei Geschäftsleuten, die im Konkurs stehen, bei Männern, denen allen Menschen zu sein, die Berechtigung zu haben, sich ihre Lebens­zwede zu wählen schon das Bewußtsein, das Recht zu be­die bürgerlichen Ehrenrechte aberkannt sind, bei Entmündigten und igen, denjenigen Teil des Einflusses auf alle die Menschheit be­Irrsinnigen. Sie alle dürfen nicht wählen, wenn sie auch ihrer treffenden Angelegenheiten auszuüben, welche im Bereiche der per­Militärpflicht genügt haben. Man sieht, Dienstpflicht und Wahlrecht sönlichen Meinung liegen, schon dieses allein würde die geistigen stehen in gar keiner Beziehung zueinander. Wäre das Wahlrecht Anlagen der Frauen in ganz unermeßlicher Weise erweitern und einen nicht minder wichtigen Einfluß auf den Standpunkt ihrer wirklich eine Belohnung für das Soldatsein, dann müßten ja gerade moralischen Gesinnungen und Gefühle ausüben." Die Erweiterung die aktiven Soldaten, die nun dabei sind, dem Staate zu dienen, des weiblichen Gesichtskreises, die die politische und soziale Gleich­diese Belohnung erhalten. Aber gerade das Gegenteil sehen wir stellung der Geschlechter zur Folge haben muß, ist Mill ebenso eine hier. Alle aktiven Soldaten, Gemeine", Unteroffiziere, Offiziere Gewähr für den Fortschritt der Menschheit, wie auch für eine bis hinauf zu den Generalen besigen fein Wahlrecht. Ms Soldaten Vervollkommnung der Beziehungen zwischen Mann und Weib. Eines bedingt und fördert das andere. Die zu politischem Verständnis haben sie keinen Anspruch darauf! Sie haben auch nach Ablauf erwachte Frau, von der das Etigma der Sörigkeit wie der Un­der Dienstpflicht nicht ohne weiteres das Wahlrecht. Eigentlich gleichheit genommen ist, des Mannes ebenbürtige Gefährtin, jie müßte die Belohnung" doch dann sofort folgen. Aber wer als wird nicht länger Ballast oder Hemmschuh für den Mann sein, Dreiundzwanzigjähriger vom Militär zurüdfommit, muß, wie jeder wenn er, um seiner Ueberzeugung zu folgen, Opfer bringen muß Dreiundzwanzigjähriger vom Militär zurückfommit, muß, wie jeder die nicht nur ihn, sondern auch seine Familie treffen. Sie wird Nichtsoldat, bis zur Vollendung seines 25. Lebensjahres warten, Teil haben an seiner Begeisterung, fühlen, wie er fühlt und mit che er zum Reichstag wählen darf. Wie ist alles das in Einklang ihm entbehren, wenn es sein muß. Treibt die Frau den Mann nicht zu bringen mit der Behauptung, das Wahlrecht sei eine Belohnung vorwärts, so hält sie ihn zurüd." Das Jdeal einer Ehe erblidt für das Dienen? Viel tausende Männer gibt es in Deutschland , Mill in der Aehnlichkeit der Kräfte und Fähigkeiten mit gegen feitiger Ueberlegenheit, so daß jeder rabbedfelnd fich die Genug die nie Soldat waren, die gänzlich frei sind von allen milliärischen tuung zu verschaffen vermag zu dem andern emporzusehen, und Uebungen und die trosdem ihr Wahlrecht habent und ausüben. abwechselnd das Vergnügen haben kann, auf dem Pfade der Ent Keiner fragt sie dann: Halt, habt ihr auch gedient? Sonst dürft| widelung das Amt des Führenden zu übernehmen oder geführt zu ihr nicht wählen. Beim Dreiklassenwahlrecht entscheidet vielmehr werden". Alle Aussichten, Gebräuche oder Einrichtungen, welche einem solchen Jdeal der Ehe nicht förderlich sind, müssen fallen. der Geldsad. Der reiche Nichtsoldat wählt in der ersten Klasse, Dann erst wird eine filtliche Wiedergeburt der Menschheit möglich der arme Teufel hingegen, mag er noch so lange gedient haben, sein. vielleicht in der dritten Abteilung oder gar nicht. Mit 18 Jahren fann der junge Deutsche Soldat werden; darf er dann wählen? nein, noch lange nicht. Erst mit 24 Jahren wird er als Preuße, mit 25 als Deutscher wahlberechtigt.

So sehen wir in der Wirklichkeit nirgends einen Zusammen hang zwischen Dienstpflicht- und Wahlrecht. Ein solcher hätte ja auch gar keine Berechtigung. Da aber keine stichhaltigen Gründe gegen das Frauenwahlrecht vorliegen, so versuchen es eben die Bürgerlichen mit dem erwähnten läppischen Einwand.

Leider sind einige bürgerlichen Frauen dumm genug, darauf hineinzufallen. Sie verlangen jest auch für die jungen Mädchen­

Dies sind einige der Grundgedanken aus dem berühmten Buche Mills. Wenn auch das Zeitalter der gewerblichen Frauenarbeit uns erst mit den stärksten und durchschlagendsten Gründen für die Gleichberechtigung der Frau ausgerüstet hat, so gedenken die pro­letarischen Frauen doch gern und dankbaren Herzens der Vor­tämpfer, die, wie John Stuart Mill , aus der ökonomisch bedingten Erkenntnis ihrer Zeit heraus dem Gleichheitsgedanken Bahnbrecher

waren.

Das Frauenstimmrecht

im amerikanischen Senat.

ein Dienstjahr; während dieser Zeit sollen die Mädchen ihre Ar- Aus New- York wird uns geschrieben: beitstraft in Krankenhäusern, Krippen, Kindergärten und anderen sozialen Anstalten dem Staate widmen! Um dann als Belohnung des Wahlrechts würdig zu sein. So wenig aber die Dienstpflicht der Männer die Vorbedingung ist für das Wahlrecht, ebensowenig wird das angestrebte Dienstjahr der Mädchen eine Gewähr für die Erlangung des Frauenwahlrechts sein. Wir fordern das Frauza wahlrecht nicht als Belohnung für irgendwelche dem Staate ge­leisteten Dienste, sondern als ein soziales Recht, dessen Grundlage in den heute bestehenden sozialen Verhältnissen zu suchen ist, die sich gegen frühere Zeiten wesentlich geändert haben.

John Stuart Mill .

Man er=

In Genf haben die erwerbenden Frauen das volle attive und passive Wahlrecht für die Wahlen zum Gewerbegericht( Prud'hommes). Eine reaktionäre Initiative, die mit zirfa 1200 Unterschriften versehen war, verlangte die Abschaffung des Frauenftimmrechts und die Schaffung besonderer Frauen- Gewerbegerichte, zu denen nur Frauen als Wähler oder Richter zugelassen sind wir hätten es also in Genf zu Prud'hommes gebracht, ein, nebenbei bemerkt, recht zweideutiger Begriff. Die Regierung empfahl zwar dem Wolfe die Initiative zur Ablehnung, aber auch sie krebste vor den reaktionären Initianten und machte einen Gegenvorschlag in dem Sinne, daß nur diejenigen Frauen Stimmrecht haben sollen, die ich in ein Stimmregister eigenhändig einzeichnen, während die Männer nach wie vor ein Stimmrecht ohne Einzeichnung haben sollten. Auch das bürgerlche Parlament des Kantons genehmigte diesen Gegenvorschlag der Regierung. Stimmrechtlerinnen war es einzig die Sozialdemokratie, die mit aller Wucht und Energie für die Beibehaltung des vollen Frauen stimmrechts eintrat. Das Volf desavouierte in seinem guten In­stinkt jowohl die Regierung als das Parlament und lehnte sowohl den Initiativvorschlag( mit 2623 gegen 3168 Stimmen) als auch den Gegenvorschlag( mit 3501 gegen 3150 Stimmen) ab.

Frauenbildung.

Ein höflicher Magistrat. Vor einiger Zeit berichteten wir, daß cuf eine Betition des Verbandes deutscher Studentinnenbereine an den Stettiner Magistrat folgende Antwort einlief: Ur­schriftlich zurüdgereicht. Wir glauben, daß Studierende besseres zu tun haben, als sich in die Schulpolitik zu mischen. Wir bedürfen des Rates junger Mädchen nicht. Der Magistrat. J. A.: Hahne." In der Etatsberatung wurde dieses Antwortschreiben von mehreren Stadtverordneten scharf kritisiert, so daß der Oberbürgermeister fich veranlaßt fühlte, die Verantwortung für die Form des Schreibens einzig und allein dem Stadtschulrat Hahne zuzuschieben. Er habe ſeine Magistratskollegen dringend ersucht, ihre subjektive Ansicht zurückzustellen und einwandfreie Formen zu finden. Sahne suchte seine Unhöflichkeit noch zu rechtfertigen, zog sich da­durch aber nur eine erneute zurückweisung durch die Stadt­verordneten zu.

Schulrat

Gewerkschaftliche

Eine Frauen- Gewerkschaftsschule. Die Frauen- Liga von Amerika hat sich abermals als ein fortschrittlicher Faktor innerhalb der Arbeiterbewegung der Vereinigten Staaten erwiesen, indem sie ihrer Hauptverwaltung in Chifago eine Ein­schaftswelt noch unbekannt war: eine Schule zur ſyſtematiſchen richtung angliederte, wie sie bisher in der amerikanischen Gewerk­und gründlichen Ausbildung agitatorischer und organisatorischer Kräfte. Die Schule wurde in diesem Winter mit ungefähr dreißig Schülerinnen, sämtlich organisierten Arbeiterinnen, eröffnet. 3wei von ihnen studieren über Tag, für die anderen sind Abendkurse eingerichtet worden und nach Art aller an weitere Volfskreise beispielsweise appellierenden amerikanischen Bildungsanstalten lehrt die Frauen- Gewerkschafts­sogar der Chikagoer Universität schule in Chifoga auch auf dem Postwege. Das Bedürfnis für eine solche Schule wurde empfunden, als in den vergangenen Jahren die an die Verwaltung der Liga herantretenden Gesuche um Ent­sendung von unterrichteten und befähigten Frauen zur Gründung von örtlichen Gewerkschaften oder zur Heranziehung des weiblichen Elements an bestehende Verbände immer zahlreicher wurden, so bis dahin meist daß die vorhandenen agitatorischen Kräfte der Arbeit nicht mehr gewachsen waren. Die bürgerliche Frauen Schule wirft auch dadurch fortschrittlich, daß sie auf dem Grundsaz beruht, für die Agitations- und Organisationsarbeit nur noch proletarische Frauen, Arbeiterinnen der jeweiligen Gewerbe, zu

Der Bundesse: at in Washington hat sich am 19. März mit einer Stimme Mehrheit für das Frauenstimmrecht erklärt. Es ist dies das erste Mal, daß sich im Oberhause des amerikanischen Paria­ments überhaupt eine Majorität für das Stimmrecht der Frau ge­funden hat. Die Stimmrechtsfämpferinnen fönnen somit einen Erfolg buchen, der aber leider vorläufig noch ohne praktische Ze­deutung bleiben wird. Denn da eine Resolution, die den Einzel­parlamenten der Staaten ein Verfassungsamendement unterbreitet, der Zweidrittelmehrheit bedarf, so fommt die Entscheidung der Millionärs- Kammer" tatsächlich einer Ablehnung gleich. Für unter den 34 befanden sich nicht weniger als 14 Exemplare der das Amendement wurden 35, dagegen 34 Stimmen abgegeben und unter Wilsons Führung sonst als riejig radikal geltenden Demo­mada traten. Das Bollwerk der Demokratie find bekanntlich die alten Sflavenhalterstaaten des Südens, und diese demokratischen Gentlemen sind es denn auch gewesen, die das Frauenwahlrecht diesmal zu Fall gebracht haben. Damit ist die Einführung des Im Jahre 1867 wurde die erste Petition, welche die Verleihung Stimmrechts der Amerikanerin, soweit sie durch eine Maßnahme des Wahlrechts an die Frauen forderte, int englischen Unterhause des Bundesparlaments für das ganze Gebiet der Union , natürlich verhandelt. Der Mann, der sie dem Barlament überreichte und in in der Beschränkung auf die Nationalwahlen, erfolgen sollte, vor einer glänzenden Rede verteidigte, hieß John Stuart Mill . Bevor läufig außerhalb des Bereiches der Möglichkeit gerückt. Darüber er als liberaler Politiker hervortrat, hatte er sich in der wissen gibt folgender Passus aus der Senatsrede des fortschrittlichen" schaftlichen Welt Englands als Philosoph und Nationalökonom einen Herrn Borah qus Idaho Auskunft: An die Aufnahme eines Namen gemacht. Auch in der Geschichte der Frauenbewegung lebt Frauenstimmrechtsamendements in die Bundesverfassung ist solange sein Name fort als der eines der beredtesten Vorfämpfer der nicht zu denken, als das 15. Amendement der Konstitution in Kraft Frauenrechte. Zwei Jahre nach jener denkwürdigen Parlaments- bleibt, das den Negern gleiche politische Rechte mit den Weißen rede erschien Mills Buch:" The Subjection of Woman"( Die gibt. Wenn auch diese Verfassungsbestimmung in den meisten Hörigkeit der Frau.") Schon der Titel dieses Buches zeigt, wie Staaten ein toter Buchstabe ist und nirgends völlig durchgeführt Mill die Stellung der Frau seiner Zeit auffaßt. Tatsächlich war wird, so fragt es sich doch nicht, daß die Südstaaten alles tun diese in England damals so, daß Mill die Worte prägen fonnte: würden, um nicht vor die Alternative gestellt zu werden, entweder Die Lage der Frau unter dem gemeinen Gesez von England ist Negerfrauen zur Ürne zuzulassen oder aber Ausnahmegesehe zu übler, als die der Stlaven unter den Gesezen verschiedener Länder" erlassen, um sie von den Wahllokalen fernzuhalten und sie an der und die Ehe ist die einzige wirkliche Leibeigenschaft, die unser Ausübung ihres Rechtes zu verhindern. Die Südstaaten geben Gesez tennt". Erst im Jahre 1882 wurde die zivilrechtliche Un- sich daher niemals für eine Maßnahme her, durch die solch eine Der Junge, der als sechsjähriger Knirps schon weiß, daß das mündigkeit der Frau in England zum größten Teile gesetzlich Alternative für sie geschaffen würde, und die erforderliche Zu- Puppenpflegen ein verächtliches Mädchenspiel ist, wird schwerlich beseitigt. stimmung 36 einzelstaatlicher Parlamente für ein Frauenstimm- später einmal seiner eigenen Frau zu Liebe ein Kind versorgen rechtsamendement wird daher, so lange das 15. Amendement in oder sein Schreien zu beruhig wissen. Und das Mädchen, das der Verfassung steht, nicht zu erlangen sein." niemals draußen unter wilden Jungen sich seiner Saut zu wehren

"

verwenden.

Kinderspiele.

Mills Buch, dessen Abfassung unter dem Einfluß und der Mit­mirtung seiner Gattin zustande fam, geht von der Idee aus, daß die gesetzliche Unterordnung eines Ge chlechts unter das andere nicht Nach dem Rezepte ausnahmegeseßlicher Durchfreuzung fonfti- gelernt hat, das wird wohl wie ein geduldiges Schaf jede häus­nur ein Unrecht, sondern auch eines der wesentlichsten Hindernisse tutioneller Rechte durch die Einzelstaaten ist im aristokratischen fiche Placerei auf sich nehmen, wird aber schwerlich viel von den einer höheren Vervollkommnung der Menschheit sei. Wie die recht- Süden" schon seit den ersten Jahren nach Erlaz des Neger- Kämpfen der Gegenwart um neue Wege und neue Ziele halten. liche Gleichstellung der Geschlechter ihm eine Vorbedingung glüd- Stimmrechtsamendement gegen die männliche Negerbevölkerung Alle folche Entwicklungen fangen in unscheinbaren Keimen an, mit Großvater- lauseln" licher Chen ist, so ist ihm auch die Zulassung der Frau zu allen operiert. worden die solche aber sind sie erst vollendet, so bringen sie gar manches Unheil Aemtern und Beschäftigung des Mannes nötig zum wahren Ge- Schwarze, deren Großpapas nicht bereits freie, wahlberechtigte zwischen Mann und Weib. Darum müssen auch die Spiele der deihen des Gemeinwohls. Haben wir einen solchen Ueberfluß an Ameritaner waren, von der Urne verscheucht Wahlsteuern und Jugend schon ihre Gemeinschaft so weit wie irgend möglich ( Hulda Maurenbrecher, Wachstum und Schöpfung Renschen , die sich für die Erfüllung höherer Aufgaben eignen, daß Analphabeten- Paragraphen. Bei der Wahlsteuer( poll tax) handelt festigen.