April 2013 Analysen und Konzepte zur Wirtschafts- und Sozialpolitik direkt Was nützt die Verbraucherpolitik den Verbrauchern? Plädoyer für eine systematische Evidenzbasierung der Verbraucherpolitik Christoph Strünck/Kornelia Hagen/Hans-W. Micklitz/Andreas Oehler/Lucia A. Reisch 1 Auf einen Blick Die Bedeutung der Verbraucherpolitik wächst: Verbraucherthemen sind populär in den Medien, Verbraucherrechte werden ausgeweitet, und zwischen den politischen Parteien gibt es einen Konsens, dass in immer komplexeren Märkten die Stellung der Verbraucherinnen und Verbraucher gestärkt werden muss. Allerdings wissen wir nur wenig darüber, was verbraucherpolitische Instrumente und Maßnahmen tatsächlich bewirken und welche Auswirkungen sonstige Politikvorhaben auf Verbraucherinnen und Verbraucher haben. Es ist an der Zeit, dass systematisch und regelmäßig empirische Evidenz geliefert wird. Die Voraussetzungen dafür verbessern sich: Die Verbraucherforschung vernetzt sich stärker und die wissenschaftlichen Erklärungsmodelle des Verbraucherverhaltens werden realistischer. Institutionelle Unabhängigkeit, Realismus und Verbraucherbeteiligung sollten die Richtschnur für eine stärkere Evidenzbasierung der Verbraucherpolitik sein. Eine konkrete Möglichkeit wäre die Einrichtung eines unabhängigen Sachverständigenrats für Verbraucherfragen. Europäischer Gerichtshof, Europäische Union und nationale Parlamente schaffen neue Verbraucherrechte, Informationspflichten der Anbieter werden ausgeweitet, und die verbraucherfreundliche Regulierung von Märkten ist in aller Munde. Die Flut an neuen Ideen, Initiativen und Instrumenten mündet jedoch in einem Rinnsal des Wissens um ihre Wirksamkeit. Denn was fangen die Verbraucherinnen und Verbraucher eigentlich mit ihren neu gewonnenen Rechten an, was nützen ihnen Informationspflichten der Anbieter? Gemessen an der wachsenden Bedeutung dieses Politikfeldes haben wir viel zu wenig abgesicherte Erkenntnisse über Wirkung und Nutzen der Verbraucherpolitik. Eine empirisch fundierte Verbraucherforschung, die als Basis für eine bessere Folgenabschätzung von Gesetzen dienen könnte, steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Zwar gibt es eine lebendige Forschungslandschaft, doch sind die Rahmenbedingungen nicht zu vergleichen mit anderen Themenfeldern. 2 Es besteht der Eindruck, dass für anbieterbezogene Forschung wesentlich mehr Fördergelder zur Verfügung stehen. Von einem Gleichgewicht zwischen Verbraucherinnen und Verbrauchern sowie Anbietern kann auch auf dem Feld der Forschung keine Rede sein.
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Was nützt die Verbraucherpolitik den Verbrauchern? : Plädoyer für eine systematische Evidenzbasierung der Verbraucherpolitik
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