Perspektive Kontinuität und Erneuerung – Präsidentschaftswahlen in Chile Reiner Radermacher Dezember 2013 n Michelle Bachelet ist die erste Politikerin seit der Wiederbegründung der Demokratie in Chile, die für eine zweite Amtszeit in den Präsidentenpalast La Moneda einziehen kann.»Bachelet II«(März 2014 bis März 2018) wird jedoch nicht die modifizierte Fortsetzung von»Bachelet I«(März 2006 bis März 2010) sein können, denn die politische Landschaft Chiles hat sich in den letzten Jahren grundlegend gewandelt. n Der Mitte-Rechts-Block hat eine herbe Wahlniederlage erlitten, die den schwelenden Richtungsstreit in den eigenen Reihen über die Definition der zentralen Inhalte eines zeitgemäßen Konservatismus mit zusätzlicher Energie aufladen wird. Für die politische Linke besteht kein Anlass, sich in Selbstzufriedenheit an der Rückkehr in die Regierungsverantwortung nach nur vier Jahren in der Opposition zu erfreuen, denn nicht das Parteienbündnis Nueva Mayoría hat diese Präsidentschafts- und Parlamentswahlen gewonnen, sondern die charismatische Hoffnungsträgerin Michelle Bachelet. n Die frischgewählte Präsidentin steht vor der schwierigen Aufgabe, die überbordende Erwartungshaltung der Bürger_innen durch konkrete Fortschritte bei der Auflösung des Reformstaus in rationale Bahnen zu lenken. Sollte es nicht gelingen, das politische System in den nächsten Jahren umfassend zu reformieren(und damit zu re-legitimieren), dürfte auch in Chile der verführerische Charme neopopulistischer Politikgestaltung die Oberhand gewinnen.
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