Druckschrift 
Verteilungsgerechtigkeit in einer sozialen Marktwirtschaft : Plädoyer für die Einführung einer Platon-Steuer
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

März 2014 Analysen und Konzepte zur Wirtschafts- und Sozialpolitik direkt Verteilungsgerechtigkeit in einer sozialen Marktwirtschaft Plädoyer für die Einführung einer Platon-Steuer Hagen Krämer 1 Auf einen Blick Die Frage, was eine gerechte Einkommens­verteilung ausmacht, beschäftigt die Menschen seit jeher. Der griechische Philosoph Platon vertrat die Ansicht:[] Nachdem der Gesetz­geber[die Grenze der Armut] als Maß hingestellt hat, mag er erlauben, seinen Besitz auf das Zwei-, Drei-, ja Vierfache hiervon auszudehnen. Wenn aber jemand noch mehr im Besitz hat, so soll er den Überschuss[] an den Schatz des Staates und seiner Schutzgötter abgeben. 2 Hieran anknüpfend werden in diesem Beitrag Kriterien für eine Norm vorgestellt, die einer idealen Einkommensverteilung entspricht. Um eine entsprechende Verteilung im Sinne von Platon herbeizuführen, wäre u. a. eine stärkere Besteuerung hoher Einkommen notwendig. Die personelle Einkommensverteilung ist in den letzten Jahrzehnten in Deutschland wie auch in vie­len anderen Ländern deutlich ungleicher geworden. Damit rückt eines der zentralen Probleme einer Marktwirtschaft wieder stärker in den Mittelpunkt des öffentlichen und wissenschaftlichen Interesses. Während der empirische Befund zu diesem Sach­verhalt eindeutig ist, hört man aus den Reihen der Wirtschaftswissenschaftler selten eine Aussage dazu, ob und ab welchem Ausmaß eine ungleiche Vertei­lung als ungerecht anzusehen sei. Diese selbst auf­erlegte Zurückhaltung einer Fachdisziplin steht in starkem Kontrast zu der Bedeutung, die das Thema in der öffentlichen Debatte hat. Arbeit und Einkom­mensverteilung gehören zu den wirtschaftlichen Themen, die die Bevölkerung in Deutschland mit am stärksten beschäftigen. So gaben in einer un­längst durchgeführten Umfrage 69 Prozent der Be­fragten in Deutschland an, dass sie die aktuelle Ein­kommens- und Vermögensverteilung für ungerecht halten; fast zwei Drittel sind der Überzeugung, dass die soziale Gerechtigkeit in den letzten drei bis vier Jahren abgenommen habe. 3 Ökonomen tun sich jedoch schwer mit der Beurtei­lung von Einkommensungleichheit. Dies liegt zum einen daran, dass bei der heute dominierenden Rich­tung in den Wirtschaftswissenschaften vor allem Probleme der marktmäßigen Allokation und damit