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Eine schwierige Nachbarschaft : China, Vietnam und der Konflikt im Südchinesischen Meer
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INTERNATIONALE POLITIKANALYSE Eine schwierige Nachbarschaft China, Vietnam und der Konflikt im Südchinesischen Meer ERWIN SCHWEISSHELM November 2014 Territoriale Konflikte im Südchinesischen Meer haben eine lange Geschichte. In dem Streit um zwei Inselgruppen treffen eine Vielzahl von Parteien sowie wirtschaftli­che, gesellschaftliche und geopolitische Interessen aufeinander. Seit Platzierung einer chinesischen Ölplattform in umstrittenen Gewässern im Mai 2014, anschließenden Scharmützeln zwischen Schiffen beider Staaten und anti-chinesischen Unruhen in Vietnam haben sich die latenten Spannungen aber deutlich zugespitzt. Zwischen China und Vietnam besteht seit jeher eine komplizierte Beziehung. Die Bruderstaaten und die beiden kommunistischen Einheitsparteien verbinden ver­gleichbare Ideologien und politische Systeme. Allerdings wurde in den letzten Jah­ren erkennbar, dass Vietnam versucht, sich stärker von seinem großen Nachbarn zu emanzipieren. So stieg nach den Vorfällen der innenpolitische Druck auf Partei und Regierung in Vietnam, während die internationalen Reaktionen eher verhalten aus­fielen. Der Konflikt erscheint nur auf den ersten Blick regional begrenzt, hat er doch auch eine geopolitische Dimension. Viele Staaten der Region fühlen sich von Chinas neuem Selbstbewusstsein und der Modernisierung seiner Flotte bedroht und suchen eine größere Nähe zu den USA so auch Vietnam. Der amerikanische Pivot, der Schwenk in der amerikanischen Außenpolitik mit stärkerer Hinwendung zu Asien, wird in China häufig so interpretiert, dass die USA nun eindeutig Stellung beziehen wollten. Angesichts der maritimen Territorialstreitigkeiten stellt sich daher auch die Frage, wie sich das Verhältnis der beiden Großmächte im Westpazifik entwickeln wird.