Druckschrift 
Die gefühlte Revolution : Venezuela vor dem Post-Chavismus?
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

INTERNATIONALE POLITIKANALYSE Die gefühlte Revolution Venezuela vor dem Post-Chavismus? BENJAMIN REICHENBACH April 2015 n Der steile Fall der Ölpreise auf dem Weltmarkt hat die wirtschaftlich und sozial ange­spannte Situation der auf Erdölexporten basierenden Rentenökonomie Venezuelas massiv verschärft. Die Regierung von Präsident Nicolás Maduro(PSUV) steht daher vor dem Dilemma, wirtschaftliche Strukturreformen mit enormen politischen Kosten durchzuführen oder sich unausweichlich auf einen Staatsbankrott zuzubewegen. n Nach dem Tod von Hugo Chávez hat sich zwischen der Regierung seines Nachfol­gers Maduro und den Anhänger_innen des Regierungslagers, dem sogenannten Chavismus, eine zuvor nicht bestehende Kluft aufgetan. Wenngleich die Regierung zunehmend auch im eigenen Lager in die Kritik gerät, fühlt sich ein wichtiger Teil der venezolanischen Bevölkerung nach wie vor der politischen Bewegung des Chavismus verbunden und betrachtet sich als Teil eines historischen Revolutionsprozesses. n Nationale und internationale Beobachter_innen sagen bereits das Ende der chavis­tischen Regierung voraus. Die Komplexität seit Jahrzehnten existierender staatlicher und gesellschaftlicher Dysfunktionalitäten wird dabei allerdings oft vernachlässigt oder ausgeblendet. Die derzeitige Krise Venezuelas geht weit über die Regierung Maduro und den Chavismus hinaus. Die politischen Eliten der Vierten Republik (1958–1999) tragen eine Mitverantwortung an den Strukturproblemen des Landes. Eine politisch stabile und ökonomisch nachhaltige Zukunftsperspektive wird sich nur mit dem Chavismus entwickeln lassen, nicht gegen ihn.