Druckschrift 
Vermögensungleichheit und die Bedeutung von Erbschaften und Schenkungen
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Juni 2015 Analysen und Konzepte zur Wirtschafts- und Sozialpolitik direkt Vermögensungleichheit und die Bedeutung von Erbschaften und Schenkungen Sebastian Leitner Auf einen Blick Die Vermögensungleichheit der privaten Haushalte in Deutschland ist eine der höchsten in der Eurozone. Trotzdem wird sie in den meisten Untersuchungen noch unterschätzt. Erbschaften und Schenkungen sind der wich ­tigste Faktor für Vermögensunterschiede zwi­schen den Haushalten. Die in den kommenden Jahrzehnten anfallenden Erbschaften der Nach­kriegsgeneration werden zu einem weiteren Anstieg der Vermögensungleichheit und damit verbundenen Problemen für Wachstum und sozialen Zusammenhalt führen, sollten tief­greifende Änderungen in der Besteuerung von Erbschaften auch in Zukunft ausbleiben. Vermögen sind in Deutschland ungleicher verteilt als in allen Euroländern, ausgenommen ein einziges Land: Österreich. Die Tatsache, dass Vermögen wesentlich ungleicher verteilt sind als Einkommen, wurde für Deutschland u. a. bereits 2002 durch die Vermögens­daten des Sozioökonomischen Panel(SOEP), der Haus­haltsbefragung des DIW, dargelegt. Im Jahr 2010 er­folgte erstmals eine durch die Nat­ionalbanken aller Euroländer methodisch nahezu einheitlich durchge­führte Befragung(Household inance and Consumption Survey HFCS, in Deutschland auch Datensatz Private Haushalte und ihre F­inanzen PHF benannt). Diese Daten erlauben nun einen guten Vergleich der Vermö­genslage und-verteilung der Haushalte auch zwischen den Ländern der Eurozone. Basierend auf diesen Da­ten lag die Ungleichheit der Nettovermögen(Bruttover­mögen minus Schuldenstand) in Deutschland im Jahr 2010 bei 0,758 gemessen am Gini-Koeffizient. Diese Maßzahl beträgt bei völliger Gleichverteilung zwischen den Haushalten 0, bei völliger Ungleichverteilung 1 (d. h. ein Haushalt besitzt das gesamte private Vermö­gen). Je höher also der Gini-Koeffizient, desto unglei­cher ist die Verteilung in der Bevölkerung. Der Gini­Koeffizient der Nettohaushaltseinkommen liegt(basie­rend auf SOEP-Daten) ungleich niedriger; im Refe­renzjahr 2010 in Deutschland bei 0,28. Innerhalb der Eurozone(siehe Abbildung) ist die ngleichheit der Nettovermögen, basierend auf HFCS-Daten, am nie­drigsten in der Slowakei(0,448) und am höchsten in Österreich(0,762).