Impulse für gerechte Verhältnisse in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft #03 oktober 2015 INSIDE THE GAP 3/3: alterssicherung in deutschland: negatiVe bilanz – besonders für frauen 2030 liegt das Rentenniveau in Deutschland, so die Prognose, bei 43 Prozent. schon jetzt sind die Durchschnittsrenten derjenigen, die aus dem Arbeitsleben ausscheiden, niedriger, als die derer, die bereits Rente beziehen. und der trend ist negativ. Frauen sind von dieser Entwicklung – sieht man vom kurzfristigen positiven sondereffekt der mütterrente ab – besonders hart betroffen. und das, obwohl sie heute vielfach länger und in größerem umfang berufstätig sind, als die Frauengenerationen vor ihnen. Über 40 Prozent der heute 50-jährigen westdeutschen Frauen werden bis zum Renteneintritt lediglich Rentenansprüche unterhalb des Grundsicherungsniveaus erwerben. In ostdeutschland wird es rund 20 Prozent ebenso ergehen. um dieses Problem zu lösen, muss Politik in unterschiedlichen bereichen ansetzen. Die Zeiten, in denen die Rente den Lebensstandard zu sichern schien, sind längst vorbei. Aus der Studie „Generation Mitte“, die der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft jährlich in Auftrag gibt, geht – ebenso wie in den vorausgegangenen Jahren – für 2015 hervor, dass Frauen sich deutlich mehr Sorgen um ihre Lebenssicherung im Alter machen als Männer. 52 Prozent derer, die verheiratet sind oder in fester Partnerschaft leben, haben Zweifel, ob ihre individuelle Altersvorsorge ausreichend ist. Nur 36 Prozent der Männer geht das ebenso. Dass diese Einschätzung richtig ist, bestreitet auch die Politik nicht. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gibt den so genannten Gender Pension Gap – also die Lücke zwischen der Alterssicherungseinkommen von Männern und Frauen – berechnet anhand von Zahlen für das Jahr 2007 mit knapp 60 Prozent an. Dabei fällt die Lücke in Ostdeutschland aufgrund historisch intensiverer Erwerbsbeteiligung von Frauen geringer aus als die Lücke im Westen der Republik. Auch eine Studie des European Institute for Gender Equality von 2015 belegt, dass Deutschland im Hinblick auf den Gender Pension Gap europäisches Schlusslicht ist. Seit der großen Rentenreform 2001 hat sich Deutschland weg vom reinen Bismarckschen Rentenmodell der Alterssicherung über die beitragsfinanzierte gesetzliche Rentenversicherung(GRV) hin zu einem Mehrsäulenmodell bewegt. Im Nachgang wurde das Rentenniveau, das das Verhältnis der Standardrente eines Jahres zum Durchschnittslohn desselben Jahres ausdrückt, durch Einführung des so genannten Nachhaltigkeitsfaktors, der das zunehmend unausgeglichenere Verhältnis von Beitragszahlenden zu Rentenbezieher_innen berücksichtigen soll, sukzessive abgesenkt. Deutschland hat sich im Hinblick auf die Mehrgliedrigkeit der Alterssicherung einer ganzen Gruppe europäischer Nachbarländer angenähert. Allerdings gibt es zwei wesentliche Unterschiede zwischen den klassischen Mehrsäulen-Ländern und Deutschland. Bei uns wurde es(1) versäumt, die Säulen neben der GRV – also die betriebliche Altersvorsorge(bAV) und die private Vorsorge(pV) auch tatsächlich verpflichtend einzuführen. Außerdem existiert(2) in Deutschland keine echte Grund- oder auch Sockelrente. Anders als bei einer Grund- oder Sockelrente ist die in Deutschland geltende Grundsicherung im Alter eine Sozialhilfeleistung und damit bedarfsgeprüft. Alle sonstigen Einkünfte – auch die kürzlich eingeführte„Mütterrente“ – werden mit ihr verrechnet. Deutschland befindet sich mit dem aktuellen Modell – auch im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, deren Rentensystem als„Bismarckisch“ qualifiziert werden, an letzter Stelle, was die zukünftige Gesamtnettorenten zur Alterssicherung angeht, wie die Sozialwissenschaftlerin Traute Meyer anhand von Zahlen der OECD belegt: autorin: Susan Javad ist Referentin für die Themen Gleichstellung und Vielfalt in der Friedrich-Ebert-Stiftung
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Alterssicherung in Deutschland : negative Bilanz - besonders für Frauen
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