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Die Karten werden neu gemischt : Argentinien im Wahlkrimi
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PERSPEKTIVE| FES ARGENTINIEN Die Karten werden neu gemischt Argentinien im Wahlkrimi DÖRTE WOLLRAD November 2015 n Mit der Präsidentschaftswahl am 25. Oktober ging in Argentinien die Ära der Kirch­ners zu Ende, die das Land zwölf Jahre lang prägten. In drei Amtszeiten haben Néstor Kirchner(2003–2007) und Cristina Fernández de Kirchner(2007–2015) viele Krisen bewältigt und die Umverteilung vorangetrieben aber auch bei zunehmen­der Vetternwirtschaft und Korruption. Weder wirtschaftlich noch politisch ist Argen­tinien heute stabiler. n Entgegen aller Umfragen erreichte der Kandidat der linksperonistischen Regierung, Daniel Scioli, im ersten Wahlgang nicht die erforderliche Mehrheit und muss sich in der Stichwahl nun dem konservativen Bürgermeister von Buenos Aires, Mauricio Macri, stellen, dessen Partei Propuesta Republicana(PRO) überraschend das Gouver­neursamt sowie viele Gemeinden der peronistischen Hochburg Buenos Aires gewann. n Einer von vielen Gründen für die Wahlschlappe der»Kirchnerist_innen« war ein Strategiefehler: Der als Brücke zwischen linken und konservativen Peronist_innen gedachte moderate Kandidat Scioli wurde vom Präsidialamt derart gegängelt, dass sein Profil zwischen»Marionette« und»farblos« stecken blieb. n Der Kampf um Macht und Führung innerhalb der peronistischen Bewegung liegt nun offen und wird sich in den kommenden Jahren zwischen den Linkspopulist_in­nen um Cristina Fernández de Kirchner und den Rechtspopulist_innen um Sergio Massa, seit 2013 Newcomer in der polarisierten Parteienlandschaft, entscheiden. n Wie die Stichwahl am 22. November 2015 ausgehen wird, ist offen. Sicher ist nur, dass der Regierungswechsel in jedem Fall eine konservativere Politik nach sich ziehen und als solche auch in die Region hineinwirken wird.