Druckschrift 
Das Comeback einer Organisationsform: Vorbereitungsklassen für neu zugewanderte Kinder und Jugendliche
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Christian Brüggemann und Rita Nikolai Das Comeback einer Organisationsform: Vorbereitungsklassen für neu zugewanderte Kinder und Jugendliche Heute hat ungefähr ein Drittel aller Schüler_innen in Deutschland einen Migrationshintergrund. Die Er­möglichung von gesellschaftlicher Teilhabe und her­kunftsunabhängigen Bildungschancen gehört zu den zentralen schulpolitischen Herausforderungen. Dies gilt auch für die Beschulung neu zugewanderter Kinder und Jugendlicher, die das Bildungssystem als Querein­steiger betreten. Wie sieht die aktuelle Situation aus? Steigende zuwanderung von kindern und jugendlichen Zuwanderung ist nicht nur ein Motor für gesellschaft­lichen Wandel und Innovation, sondern auch ein Normalfall der deutschen Geschichte(vgl. Gogolin& Krüger-Potratz 2006, Kap. 2). Die Zuwanderung von Kindern und Jugendlichen nach Deutschland war über Jahre hinweg rückläufig, steigt seit 2008 und hat ins­besondere im Zusammenhang mit Krieg und Terror im Nahen Osten und Afghanistan eine neue Dynamik ge­wonnen(vgl. Abbildung 1). In den letzten Jahren sind nicht nur verstärkt Kinder und Jugendliche aus Syrien, dem Irak und Afghanistan nach Deutschland gekom­men, auch die Zuwanderung aus EU-Mitgliedsstaaten und aus Ländern, die zu den(potentiellen) Beitritts­kandidaten der Europäischen Union gehören, hat stark zugenommen. Laut Zuwanderungsstatistik des Statistischen Bundes­amtes waren 2014 unter den 15 zuwanderungsstärk­sten Herkunftsländern der unter-18-Jährigen nicht­deutschen Zuwanderer neben Syrien, Afghanistan und Russland sieben Mitgliedsstaaten der Europäischen Union(Rumänien, Polen, Bulgarien, Italien, Griechen­land, Spanien und Kroatien) sowie fünf weitere Län­der aus Südosteuropa(Serbien, Kosovo, Bosnien und Herzegowina, Mazedonien und Albanien). Für einige Länder zeigt sich eine beachtliche Wanderungsdyna­mik und Mobilität: so sind im Jahr 2014 aus Rumänien zwar 22.261 unter-18-Jährige zugewandert, im glei­chen Jahr sind allerdings auch 10.875 unter-18-Jährige nach Rumänien gezogen. Außerdem haben viele Kin­der und Jugendliche allein aus rechtlichen Gründen keine langfristige Bleibeperspektive und sind in ihren Teilhabemöglichkeiten erheblich eingeschränkt. 1 Im Zusammenhang mit der steigenden Zuwande­rung gewinnt eine Organisationsform an Bedeutung, die von Seiten der Bildungspolitik und-forschung in den letzten Jahren kaum Beachtung erfahren hat: In den meisten Bundesländern werden verstärkt separate Klassen für neu zugewanderte Kinder und Jugendliche ohne Deutschkenntnisse eingerichtet. Dieser Beitrag untersucht dasComeback dieser Form der separaten Beschulung am Beispiel Berlins.