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Neue Konzepte zum Übergang in Berufsausbildung : eine Analyse beispielhafter Initiativen
Entstehung
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Gerhard Christe DIREKT 10/ 2016 NEUE KONZEPTE ZUM ÜBERGANG IN BERUFSAUSBILDUNG Eine Analyse beispielhafter Initiativen AUF EINEN BLICK Jugendliche aus unteren sozialen Schichten werden auch beim Übergang in Berufsausbildung benachteiligt. Daran haben auch die zahlreichen Förderprogramme der letzten Jahrzehnte nur wenig geändert. Neue Konzepte zur Gestaltung des Übergangs versprechen Verbesserungen und mehr Chancengleichheit. Wie sehen diese Konzepte aus? Was bewirken sie? Wie sind sie zu bewerten? Welche Folgerungen ergeben sich daraus für die Förderung benachteiligter Jugendlicher? Diesen Fragen wird im Folgenden nachgegangen. EINLEITUNG Die Situation am Übergang von der allgemein bildenden Schule in eine Berufsausbildung stellt sich seit einigen Jahren sehr widersprüchlich dar. Während einerseits Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben, bemühen sich andererseits vor allem Jugend­liche ohne oder mit einem(schlechten) Hauptschulabschluss vergeblich um eine Ausbildungsstelle. Benachteiligt beim Zugang zu Ausbildung sind vor allem Jugendliche aus armen Familien, insbesondere Jugendliche mit Migrationshintergrund. Zwar ist die Zahl arbeitsloser Jugendlicher in den letzten zehn Jahren merklich zurückgegangen 2005 waren noch rd. 15 Prozent der unter 25-Jährigen arbeitslos, inzwischen hat sich diese Zahl auf rd. sechs Prozent mehr als halbiert 1 und auch die Zugänge ins Übergangssystem haben in diesem Zeit­raum deutlich abgenommen, dennoch hat sich die Lage für Jugendliche mit besonderem Förderbedarf auf dem Ausbil­dungsmarkt nicht wirklich verbessert. Daran haben auch die zahlreichen Förderprogramme und Modellprojekte des Bundes und der Länder, die es seit nun­mehr über 35 Jahren gibt, nichts Entscheidendes geändert. Auch das SGB II mit seiner Logik vonFördern und Fordern hat nicht dazu geführt, dass hilfebedürftige Jugendliche ver­mehrt Zugang zu einer Berufsausbildung gefunden hätten. 2 Rd. 1,2 Millionen junge Menschen unter 29 Jahren können trotz einer leicht rückläufigen Tendenz bislang nicht an Ausbildung partizipieren und keinen Abschluss erreichen; dies entspricht einer Ungelerntenquote der 20- bis 29-Jährigen von derzeit 12,7 Prozent(Stand: 2013). Die Gründe für diese widersprüchliche Entwicklung sind viel­fältig. Während seitens der Wirtschaft vor allem auf die mangelnde Eignung vieler Bewerber_innen und ihre fehlendeAusbildungs­reife verwiesen wird, konstatieren verschiedene Studien auch eine zum Teil mangelnde Bereitschaft von Betrieben, sich auf diese Jugendlichen und den damit verbundenen zusätzlichen Aufwand einzulassen. Als weitere Gründe werden steigende Qualifikationsanforderungen, die regionale Arbeitsmarkt- und Wirtschaftsentwicklung, betriebliche Ausbildungsbeteiligung und Ausbildungsbedingungen sowie die Förderpolitik und die Ausgestaltung von Förderprogrammen genannt. Dies ist jedoch nicht neu. Schon zu Beginn der 1990er Jahre war zu beobachten, dassder Übergang Jugendlicher in den Beruf[] unter eigentümlich widersprüchlichen Vorzeichen steht: Während auf der einen Seite statistische Daten eine Ent­spannung auf dem Lehrstellenmarkt signalisieren und erste Anzeigenkampagnen der Wirtschaft einen neuen Wettbewerb um Auszubildende ankündigen, weisen andere Anzeichen auf neue Problembereiche hin, die sich hinter solchen statistischen Bilanzen und Erfolgsmeldungen verbergen. Mag auch die Aus­bildungskrise der 1980er Jahre endgültig der Vergangenheit angehören, in jüngster Zeit haben doch regionale Struktur­probleme des Arbeitsmarktes[] den Blick dafür geschärft, dass ungleiche Lebenslagen weiterhin die Realität des Berufs­einstiegs prägen und trotz aller demographisch bedingten Ent­spannungstendenzen der Übergang in den Beruf für Jugendliche nach wie vor ein risikoreiches Unternehmen darstellt. 3 >