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Zwischen Kommen und Bleiben : ein gesellschaftlicher Querschnitt zur Flüchtlingspolitik
Entstehung
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Integration in Lebensstile: Beheimatung im Alltag kann als bisher. Denn oft vermag man von draußen nicht so recht zu er­kennen, was sich hinter der Tür der Volkshochschule oder des Museums, des Nachbarschaftscafés oder der Theatergruppe verbirgt und vor al­lem: ob wir da wirklich willkommen sind. Aber auch dies beginnt sich rasch zu verändern. Nicht zuletzt dank des Internets, in dem so viele dieser lokalen Initiativen mit eigenen Informa­tions- und Kontaktseiten auftreten, die über Ziele, Programme und Teil­nahmemöglichkeiten informieren. Diesen Möglichkeiten kann Frau und Mann individuell nachgehen oder zusammen mit Freundinnen und Freun­den. Es bietet sich aber auch an, die Zugänge und den Austausch unter­einander institutionell zu organisieren, indem Patenschaften und Part­nerschaften, Austausch und Kooperation zwischen Vereinen, Initiativen und Netzwerken fest vereinbart werden. Volkshochschulen und Sprach­schulen, Museen und Geschichtsvereine, Bürgerinitiativen und Nachbar­schaftscafés, Stadtteilbibliotheken und Jugendhäuser und viele andere sind dazu in der Lage und bereit. Nun ist es an uns, ihnen Vorschläge dafür zu machen sowie ihnen neue Konzepte abzuverlangen. Denn nirgendwo kommen wir schneller zu ge­meinsamen und beheimatendenWirs wenn wir eben dazu bereit sind, unsere eigenen Türen einladend aufzumachen und durch andere Tü­ren mutig einzutreten. Zur Person Prof. Dr. Wolfgang Kaschuba Wolfgang Kaschuba, 1950 in Göppingen geboren, studierte Empirische Kultur­wissenschaft und Politologie. Seit 2015 ist er Direktor des Berliner Instituts für Integrations- und Migrationsforschung an der Humboldt-Universität sowie Vor­standsmitglied der Deutschen UNESCO-Kommission. Eine Auswahl seiner Ver­öffent­lichungen: Die Überwindung der Distanz. Zeit und Raum in der europäi­schen Moderne. Frankfurt: Fischer 2007; Einführung in die Europäische Ethnolo­gie, München: Beck, 4. Aufl. 2012. 208 Kapitel 4 Vom Krisenmodus zur Integrationsstrategie Rheinland-pfälzische Erfahrungen und Strategien in der Flüchtlingspolitik Miguel Vicente D as Jahr 2015 wird zweifellos in die Geschichte der bundesdeut­schen Flüchtlings- und Migrationspolitik eingehen. Etwa 1,1 Millio­nen Mens­chen suchten Schutz in Deutschland; so viele Flüchtlinge inner­halb e­ines Jahres hat es seit der Nachkriegszeit nicht mehr gegeben. Staat und Ges­ell­schaft sahen sich mit der Herausforderung konfrontiert, ­innerhalb sehr kurzer Zeit sehr viele Menschen unterzubringen und zu versorgen. Schnelles Handeln war gefragt, Improvisation und der Auf­bau neuer Strukt­uren, um diese Herkulesaufgabe bewältigen zu können. Heute schon kann man sagen, dass dies angesichts der schwierigen Situ­ation erstaunlich gut gelungen ist, weil der Staat, die Hilfsorganisationen und die Zivilgesellschaft in diesem Krisenmodus zuweilen Außerordent­liches geleistet haben. Wie wird uns diese Erfahrung des Jahres 2015 nun langfristig prägen? Wird Deutschland daraus als ein kompetenteres Einwanderungsland her­vorgehen, weil es seine Institutionen und Menschen darin stärken konnte, mit Zuwanderung und Integration erfolgreicher umzugehen? Oder wird Angst vor Zuwanderung, Fremdenfeindlichkeit und Rechtspopulismus zu­nehmen, werden die Gräben zwischen Befürwortern und Gegnern einer humanen Flüchtlingspolitik größer, zwischen jenen, die gesellschaftliche Vielfalt für normal und förderlich halten, und jenen, die sich davon be­droht fühlen und diese ablehnen? Die Antwort darauf werden wir erst in einigen Jahren, vielleicht auch erst in Jahrzehnten wissen. Sicher ist aber, dass die Antwort davon ab­ 209