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Zwischen Kommen und Bleiben : ein gesellschaftlicher Querschnitt zur Flüchtlingspolitik
Entstehung
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Cottbus für alle Dr. Martina Münch C ottbus für alle das war das diesjährige Motto der Gedenkveran­staltungen in Cottbus rund um den 15. Februar, den Jahrestag der verheerenden Bombenangriffe auf die Stadt am Ende des Zweiten Welt­kriegs. Das Datum ist bewusst gewählt, um deutlich zu machen, dass das Erinnern nicht denen überlassen werden soll, die es instrumentali­sieren wollen, um braunem Gedankengut ein Forum zu bieten. So ver­bindetCottbus für alle das Gedenken an die Gräuel des Krieges mit einem eindrucksvollen Signal für Demokratie und Toleranz. Gemeinsam mit ­anderen Organisationen und Vereinen war derCottbuser Aufbruch auch in diesem Jahr maßgeblich an den vielfältigen Veranstaltungen be­teiligt. Gegründet im Jahr 1999 hat sich der Cottbuser Aufbruch zu ei­nem sehr aktiven Netzwerk entwickelt, das sich für das gesellschaftliche Miteinander in der Stadt einsetzt. In einer Zeit, in der sich einige politisch rechts stehende Gruppierungen in einer Weise agitierend verhalten, wie man es noch vor wenigen Jahren kaum für möglich gehalten hätte, gewinnt solch eine in der ­Bürgerschaft und den Institutionen verankerte Struktur zusätzlich an Bedeutung: Aus der langjährigen und bewährten Zusammenarbeit vieler Partner ist ein beständiger Verbund entstanden, der sich gegen rechte Parolen und Aus­länderfeindlichkeit wendet. Zu den Mitgliedern gehören ­unter anderem die Industrie- und Handelskammer, die Brandenburgische Technische Uni­versität Cottbus-Senftenberg, Kirchen, Eltern- und Schü­lerv­ ertreter, freie Träger der Jugendarbeit, Seniorenverbände, das Staatstheater Cottbus, der Deutsche Gewerkschaftsbund und Stadtverordnete aus mehreren Parteien. Wichtig ist demBündnis für Cottbus zudem der Austausch mit Justiz und Polizei, sowohl um die Prävention gegen rechte Straftaten zu verbessern, als auch Opfern solcher Übergriffe Hilfe nzubieten und 216 Kapitel 4 Dr. Martina Münch Wege aufzuzeigen, wie sie vorgehen können. ­Weiterhin wird die Arbeit durch das sogenannte mobile Beratungsteam unters­tützt. Regelmäßig organisiert der Cottbuser Aufbruch Informationsveranstaltungen und un­terstützt kulturelle Aktivitäten. Besondere öffentliche Beachtung findet derCottbuser Toleranzpreis, den das Netzwerk 2015 bereits zum drit­ten Mal vergeben hat. Gewinner war die Pestalozzi‑Förderschule. In dem ausgezeichneten ProjektEntkommen, ankommen, willkommen?! setz­ten sich Schüler_innen mit den Themen Flucht und Heimat auseinander. Der Cottbuser Aufbruch ist durch das kontinuierliche Engagement sei­ner Mitglieder ein wirksamer Unterstützer dabei, dass die Stadt weltoffe­ner geworden ist. Diese Weltoffenheit ist für die städtische Entwicklung von enormer Bedeutung: Ähnlich wie in anderen Regionen Ostdeutsch­lands waren die letzten Jahre durch rückläufige Bevölkerungszahlen und wirtschaftlichen Wandel geprägt. Cottbus, das als Zentrum der Lausitz und zweitgrößte Stadt des Landes Brandenburg ein durchaus beachtli­ches Potenzial hat, kann dieses perspektivisch nur dann weiter voll ent­falten, wenn es der Stadt gelingt,alten wieneuen Bürgerinnen und Bürgern ein lebens- und liebenswertes Umfeld zu bieten. Ein Klima der Toleranz und ein reichhaltiges und buntes kulturelles Leben sind dafür Grundbedingungen. Der Zuzug von Flüchtlingen vor allem im Jahr 2015 traf in Cott­bus somit auf ein Netzwerk, das sich entschieden gegen die auch hier stellenweise artikulierte Ablehnung gegenüber Geflüchteten wandte. Es ging und geht darum, den aus der Not geflohenen Menschen zu helfen und eine Willkommenskultur zu leben: So engagierten sich zum Beispiel Studierende und Mitarbeiter_innen der Universität mit besonderen Ver­anstaltungen für Geflüchtete. Interessierten wurde zudem kurzfristig die Möglichkeit für eine Gasthörerschaft eröffnet. Neben diesen ersten Akti­vitäten hat sich die Universität konzeptionelle Gedanken gemacht, wie Geflüchtete auf längere Sicht in die Hochschule integriert werden kön­nen, wie aus einer Unterstützung eine dauerhafte Struktur entstehen kann. Hierzu zählen Beratungen und Sprachkurse ebenso wie die Bereit­stellung von Lehrmaterialien. Das neue ProjektCollege+ richtet sich  217