Druckschrift 
Zwischen Kommen und Bleiben : ein gesellschaftlicher Querschnitt zur Flüchtlingspolitik
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Dresden hat die Haare schön In der Werbepause bietet Mandy an, was mit ihren Augen zu machen, damit die wieder zur Geltung kommen und ablenken von den Tränen­säcken. Tut mir leid, wegen Steffen, aber das is nur ne Phase, gloob mir, die Jungs drehn jetze alle bisschen am Rad. Die Mädels aber ooch!, kreischt Doreen,Gugge ma!, und zeigt auf Jacqueline, die übers Laminat gekrochen kommt, eine Rose und den letzten Schuss Munition zu ihren Füßen ablegt:Schluss mit lustig: Wenn der Spuk mit den Peggydisten hier vorbei ist, spätestens denne haste die Haare ooch wieder schön Schnegge, versprochen! Zur Person Frauke Angel Frauke Angel, 1974 in Nordrhein-Westfalen geboren, absolviert eine Schauspiel­ausbildung, spielt an deutschen Theatern, sowie in renommierten Off-Theater Produktionen. Weiter arbeitet sie als Dramaturgin und Regieassistentin. Nach ers­ten Aufträgen als Ghostw­ riterin, schreibt sie seit 2011 unter ihrem Namen und erhielt für ihre Erzählung zahlreiche Auszeichnungen: unter anderem den"Lite­raturförderpreis Ruhr" im Jahr 2014 und den Kinder- und Jugend­literaturpreis "Eberhard" im Jahr 2015. Sie lebt und arbeitet in resden. 256 Kapitel 4 Gelebte Integration im Alltag Petra Köpping D er CSD Dresden e. V. engagiert sich schon eine ganze Weile für ho­mosexuelle Flüchtlinge in den verschiedenen Erstaufnahmeeinrich­tungen und organisiert Ausweichquartiere. Was man wissen muss, ist, dass homosexuelle Flüchtlinge oftmals von anderen diskriminiert wer­den. Gerade 2015/2016, als viele Flüchtlinge nach Sachsen kamen und die Plätze in den Unterkünften knapp waren, wurde auf diese beson­dere Schutzbedürftigkeit nicht immer in dem Maße Rücksicht genom­men, wie es wünschenswert gewesen wäre. Inzwischen haben wir als Landesregierung Maßnahmen mit einem verabschiedeten Gewaltschutz­konzept für Erstaufnahmeeinrichtungen ergriffen und unterstützen aktiv eine Einrichtung für Homosexuelle. Genau in dieser Zeit überfüllter Erst­aufnahmeeinrichtungen wurde ich vom CSD Dresden e. V. um Hilfe ge­beten und sagte sofort zu und nahm Djadi und Kalil 1 , zwei homosexuelle Flüchtlinge aus Syrien, bei mir auf. Ich habe so gehandelt, wie ich es mir selbst auch wünschen würde, wenn meine Familie oder ich in Schwie­rigkeiten wären. Am Anfang war die Kommunikation mit Djadi und Kalil natürlich schwier­ig. Djadi sprach ein wenig Englisch. Kalil nur Arabisch. Da es mir sehr wichtig war, dass beide so schnell wie möglich nach ihrem Einzug bei mir eine Aufgabe und damit eine Tagesstruktur erhalten, habe ich mich um einen ehrenamtlichen Sprachkurs gekümmert. Djadi lernte wirk­lich schnell und machte riesige Fortschritte beim Erlernen der deutschen Sprache. Kalil fiel es dagegen nicht ganz so leicht. Daher war es wichtig, ihm Mut zuzusprechen und ihn zu motivieren, dranzubleiben. Wie Fami­lienmitglieder habe ich sie bei mir aufgenommen. Die alltäglichen Dinge, 1 Namen zum Schutz der Personen geändert.  257