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Zwischen Kommen und Bleiben : ein gesellschaftlicher Querschnitt zur Flüchtlingspolitik
Entstehung
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Geschabte Spätzle für Ahmad überweisen. Zum Glück hatteDu bist willkommen bereits Erfahrung mit diesen Abläufen und kümmerte sich um alles, sodass Ahmad Anfang Dezember bei uns einziehen konnte. An unserem ersten WG-Abend erzählte Ahmad von Syrien. Er zeigte uns Fotos von seiner Familie, die noch dort lebt. Er schreibt sich regelmäßig mit ihnen über einen Messenger und telefoniert mit ihnen. Manchmal aber erreicht er sie nicht, weil das Internet in Syrien ausgefallen ist. Er zeigte uns außerdem Fotos von der Straße, in der er gelebt hat. Es sind Vorher-nachher-Bilder einer zerstörten Straße, wie sie oft im Internet ge­teilt werden. Nur dass es dieses Mal nicht irgendeine Straße ist, sondern die, in der unser neuer Mitbewohner gelebt hat. Später erzählt Ahmad bei einem Herri, einem lokalen Bier aus Hanno­ver, von seiner Flucht, wie er tagelang zu Fuß unterwegs war. Viel lieber redet er aber über seine Pläne in Deutschland. Er will die Sprache ­lernen und sein Studium mit einem Masterabschluss in Wirtschaft abschließen das einzige Hindernis ist wieder mal die deutsche Bürokratie. Seit Ahmad eine Gitarre hat, macht er auch wieder Musik. So ist vielleicht die größte Veränderung in unserer WG, dass häufiger auf Arabisch gesungen wird. Außerdem freuen wir uns darauf, dass es nun in unserer Lindener Kü­che nicht nur schwäbische Spätzle, sondern auch syrischen Fisch zu es­sen gibt. Zur Person Lea Gronenberg Lea Gronenberg wurde 1990 geboren und wuchs als Dorfkind bei Hannover auf. Im alternativen Jugendcafé Falkenkeller in Barsing­hausen und bei den Jusos en­gagierte sie sich für eine solidarische esellschaft. Zum Studium der Politikwissen­schaft zog sie nach ­Hannover und lebte dort in verschiedenen Wohngemeinschaf­ten zuletzt in Linden-Mitte mit Franziska und Ahmad. Anfang 2016 verließ sie die WG und Hannover, um die Jusos Berlin als Landess­ ekretärin zu unterstützen. 282 Kapitel 4 Ich tue zu wenig Neil Malik Abdullah D as Thema Flucht ist nicht neu. Menschen fliehen leider seit jeher in der Geschichte. Wenn man so will, dann bereits seit Moses, der laut dem Alten Testament aus der Knechtschaft in Ägypten floh. All die Menschen, die heute nach Deutschland kommen, verfolgen ein Ziel: ein besseres und sicheres Leben. Ich bin froh, dass nur die Minderheit in Deutschland mit der heutigen Flüchtlingssituation so unbedacht um­geht. Wünschte mir manches Mal für die Ignoranten eine Woche Krieg und wirtschaftlichen Ruin. Nur eine Woche, in der Pegida-Anhänger oder AfD-Wähler aus ihrem Heim verjagt werden würden und um ihr Leben flüchten müssten. Diese Woche wünschte ich all denen, die hirnlos han­deln, mit der Hoffnung, sie würden dadurch vielleicht ihre Augen und Herzen für die Situation der zu uns Fliehenden öffnen. Ich bin froh, dass die Ignoranten in der Minderheit sind, und glücklich über die helfenden Hände der Mehrheit. So wie auch in meiner Wahlheimatstadt Hamburg. Mir kommen oft die Tränen, wenn ich die ehrenamtlichen Helfer sehe, ohne die so vieles nicht möglich wäre. Danke! Ich schäme mich, selbst nicht mehr zu leisten. Deutschland packt mit an und macht mich glück­lich, in diesem Land leben zu dürfen. Niemand kann sich dem multikulturellen Wandel entziehen. Deutschland wird bunter. In dem FilmKaddisch für einen Freund spielte ich den reso­luten, arabischen, muslimischen Vater einer Flüchtlingsfamilie mit Duldung in Berlin-Kreuzberg. Dieser versucht seinen Sohn Ali von dem jüdischen Nachbarn Alexander fernzuhalten. Einem betagten Russen. Er wohnt eine Etage über ihnen und ihm droht dieAbschiebung in ein Pflegeheim. Zwei Religionen prallen auf engstem Raum aufeinander. In dem Film ist es schön zu sehen, dass es letztlich egal ist, wie viele Vor­urteile wir gegen­ 283