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Zwischen Kommen und Bleiben : ein gesellschaftlicher Querschnitt zur Flüchtlingspolitik
Entstehung
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Ich tue zu wenig Zur Person Neil Malik Abdullah geboren 1977 in Schwaz, Tirol. Österreichischer Schauspieler mit arabischem, türk­ischem und griechischem Hintergrund. Stammt aus einer christlichen grie­chisch-orthodoxen Familie und lebt in Hamburg. Schauspielausbildung an der Schule für Schauspiel, Meisterklassen am HB Studio, New York, sowie am Sanford Meisner Center und Meisner Studio in Los Angeles. Seit 2003 Auftritte in inter­nationalen Kino- und Filmprojekten sowie Fernsehserien, unter anderem inKad­disch für einen Freund, der 2013 den Deutschen Filmpreis erhielt. 288 Kapitel 4 Vierbettzimmer mit Flüchtling Widmar Puhl A ch Mahmoud Habibi, mein lieber Freund, ich hoffe, Du kannst diese Zeilen eines Tages lesen und verstehen. Leider bin ich mir dessen nicht sicher. Oft denke ich an unsere gemeinsamen Wintertage im Kran­kenhaus, aber sie waren bald zu Ende, und ich weiß nicht, wie es mit Dir weitergeht. Kennen gelernt haben wir uns in der Stuttgarter Lungenkli­nik Schillerhöhe. Du hattest das LehrbuchDeutsch als Fremdsprache bei Dir und hast ständig Vokabeln und Redewendungen in ein großes Heft geschrieben. Stundenlang haben wir geredet, dem Schneetreiben vor dem Fenster zugeschaut und Scrabble gespielt, um einfache deut­sche Wörter zu bilden. Natürlich funktionierte das nicht richtig, aber es war besser als nichts. Wir haben uns gegenseitig viele Fragen gestellt auf Deutsch und Englisch. Du hast eine App von meinem Smartphone kopiert, die einen Deutschkurs für Anfänger enthält mit gesprochenen Sätzen auf Deutsch und arabischer Übersetzung: zum Hören und Üben dieser schwierigen Sprache mit den fremdartigen Lauten. Die Eingeborenen hier machen ja zum Teil wirklich seltsame Geräusche. Trotzdem sah erst alles so aus, als könnte es sehr schnell gehen mit Dir und der deutschen Sprache. Stolz hast Du mir Deinen neuen Ausweis gezeigt: mit einem Namen, dessen Aussprache mich an den persischen Dichter und Mystiker Dschala¯ l ad-Dı¯n ar-Ru¯ mı¯ erinnert. Du warst erst vor drei Monaten gekommen und schon als Bürgerkriegsflüchtling anerkannt: 28 Jahre alt, ganz allein und doch nicht allein. Dein Zuhause: ein Heim mit 30 Schicksalsgenossen in einem Dorf, dessen Namen ich bis dahin noch nie gehört hatte: Dorn­han bei Rottweil, der ältesten Stadt in Baden-Württemberg. Am Arsch der Welt. Dort gab es eine Unterkunft, aber keine Schule für Dich und keine Arbeit.  289