Ute Vogt DIREKT 27/ 2016 NEUSTART FÜR ERNÄHRUNG UND LANDWIRTSCHAFT AUF EINEN BLICK Keine neuen Verbrennungsmotoren ab 2030, Strukturwandel in der Energiewirtschaft, aber weiter Nitrat im Wasser und Ammoniak in der Luft? Antibiotika bei Tieren und Pflanzenschutzmittel auf dem Feld? Nachhaltigkeit braucht Wandel. Wir sind mitten in großen Strukturumbrüchen und dabei kann die Landwirtschaft nicht außen vor bleiben. Es geht um unser direktes Lebensumfeld, um die Lebensbedingungen vor unserer Haustür und es geht um unser Essen. Deshalb brauchen wir einen Neustart für Ernährung und Landwirtschaft. Unsere Gesellschaft steht heute vor großen Veränderungen: Wir müssen unser Klima schützen und setzen deshalb in Zukunft auf Elektromobilität, statt auf Verbrennungsmotoren. Aus der Atomkraft steigen wir aus und es ist absehbar, dass die Kohleverstromung auslaufen wird. Strom erzeugen wir dann ausschließlich mithilfe von Wind, Wasser und Sonne. Allein im Verkehrs- und Energiesektor stehen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft vor riesigen Strukturumbrüchen. Und in der Landwirtschaft? Hier streiten wir seit Jahrzehnten um Düngeverordnungen und Ammoniakemissionen. Die auch hier dringend nötige Erneuerung für Erzeuger_innen, Lebensmittel und Verbraucher_innen findet nicht statt. Dabei sind alle Menschen, vom Säugling bis zum Greis bzw. zur Greisin, jeden Tag unmittelbar betroffen: Es geht um unser direktes Lebensumfeld und es geht um unser Essen. Deshalb müssen wir auch in der Ernährungs- und Landwirtschaft endlich einen Neustart wagen. Gute Vorschläge sind schon lange beschlossen. Schon im Jahr 2013 hat die Europäische Union in ihrem Siebten Umweltaktionsprogramm folgende Leitidee festgelegt:„Im Jahr 2050 leben wir gut innerhalb der ökologischen Belastbarkeitsgrenzen unseres Planeten. Unser Wohlstand und der gute Zustand unserer Umwelt sind das Ergebnis einer innovativen Kreislaufwirtschaft, bei der nichts vergeudet wird und natürliche Ressourcen so nachhaltig bewirtschaftet werden und die Biodiversität so geschützt, geachtet und wiederhergestellt wird, dass sich die Widerstandsfähigkeit unserer Gesellschaft verbessert. Unser CO 2 -armes Wirtschaftswachstum ist längst von der Ressourcennutzung abgekoppelt und somit Schrittmacher für eine sichere und nachhaltige globale Gesellschaft“(Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften L 354 vom 28.12.2013: 171 – 200). NEUSTART FÜR GUTES ESSEN Wir wollen mit Guter Arbeit gute Lebensmittel zu fairen Preisen. Wir brauchen eine neue Solidarität zwischen Erzeuger_ innen, Handel, Lebensmittelwirtschaft, Verbraucher_innen und Arbeitnehmer_innen. Gesund, ausgewogen und hochwertig – das sind unsere Ansprüche an unsere Ernährung und damit auch an die Lebensmittel. Für alle Beteiligten muss gelten: Die Produkte werden in Guter Arbeit und unter fairen und nachhaltigen Bedingungen hergestellt. Die Wertschöpfungskette muss transparent vom Acker bis zum Teller sein. Der Lebensmittelmarkt wird verbraucherfreundlich. Eine einfache Kennzeichnung wird ergänzt durch einen scanbaren Code, der vertiefte Informationen zugänglich macht. Kinder lernen schon in der Schule den Wert guter Lebensmittel schätzen. Sie können sich dort im Kochen und Gärtnern ausprobieren. In öffentlichen Kantinen, Schulen und KiTas steht eine gesunde und genussvolle Ernährung im Vordergrund. Als Ergebnis geht zum Beispiel der Anstieg chronischer ernährungsbedingter Erkrankungen deutlich zurück. Gleichzeitig ist die handwerkliche Verarbeitung von Lebensmitteln gestärkt. Es entsteht eine solide Brücke zwischen Landwirt_innen und Verbraucher_innen. Durch die neue Wertschätzung wird nur noch ein Bruchteil der Lebensmittel verschwendet. >
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