Inklusion ist das Ziel – wie gelingt die Umsetzung? Inklusive Bildung IN Sachsen-Anhalt Hintergrundpapier auf Grundlage der Erfahrungen mit der ‚Werkstatt Inklusion‘ in Berlin 2014/2015 Seit dem Schuljahr 2013/2014 können sich Sachsen-Anhalts Schulen als Schulen mit inklusivem Schulprofil zertifizieren lassen. 30 Grund- und Sekundarschulen haben von dieser Möglichkeit bislang Gebrauch gemacht und damit den Weg zu einer inklusiven Schulentwicklung begonnen. Aber wie sind die Maßnahmen zur Gestaltung eines inklusiven Schulsystems in Sachsen-Anhalt insgesamt zu bewerten? Welche Hindernisse und Gelingensbedingungen sehen Politiker_innen, Eltern und Lehrer_innen für die Umsetzung eines inklusiven Schulsystems in Sachsen-Anhalt – und was müssen die nächsten Schritte sein? Am 04. November 2016 lud die Friedrich-Ebert-Stiftung nach Magdeburg ein, um diese Fragen zu diskutieren. Sachsen-Anhalt hat sich, wie alle anderen Bundesländer, mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention 2009 verpflichtet, ein inklusives Bildungssystem aufzubauen. Mit einer Exklusionsquote von 6,8 Prozent im Schuljahr 2013/2014 ist Sachsen-Anhalt jedoch gemeinsam mit Mecklenburg-Vorpommern im Bundesländervergleich Schlusslicht bei der inklusiven Beschulung von Kindern und Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Das Bundesland hat also noch einen langen Weg vor sich, um die Vorgaben der UN-Behindertenrechtskonvention – und damit geltendes Völkerrecht – zu erfüllen. Prof. Dr. Angela Kolb-Janssen über die Hürden für ein inklusives Bildungssystem in Sachsen-Anhalt Bislang habe man versucht, so Prof. Dr. Angela Kolb-Janssen, bildungspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, den Aufbau eines inklusiven Schulsystems behutsam anzugehen. Denn in der Vergangenheit habe Sachsen-Anhalt eine Reihe von Schulreformen erlebt – und diese seien dann häufig wieder rückgängig gemacht worden. Die Schulen hätten darüber hinaus mit weiteren Schwierigkeiten zu kämpfen, die die Umsetzung inklusiver Bildung behinderten – allen voran stelle sie der Lehrkräftemangel vor besondere Herausforderungen.„Ich erfahre immer wieder, dass Inklusion in Sachsen-Anhalt ein negativ besetzter Begriff ist und gerade von den Lehrkräften als zusätzliche Belastung empfunden wird“, stellt Kolb-Janssen fest. Inklusion braucht Überzeugung Befürchtungen und Vorbehalte von Eltern, Lehrer_innen und Schüler_innen müssen ernst genommen werden. Inklusion ist kein Prozess, der sich verordnen lässt, er muss von den Akteuren vor Ort mitgetragen werden. Und dennoch ist es Aufgabe der Politik, Rahmenbedingungen zu setzen, mit denen inklusive Bildung gelingen kann. Dazu gehört auch ein klares politisches Bekenntnis zur Inklusion.„Inklusion lässt sich nicht ‚einfach machen‘. Es muss genau dargelegt werden, mit welchem Ziel und vor welchem Hintergrund diese menschenrechtlich verankerte Forderung nach der Einbeziehung aller in das reguläre Erziehungs- und Bildungssystem umgesetzt werden soll“, erklärt Prof. Dr. Anne-Dore Stein, Evangelische Hochschule Darmstadt. Mehr zu den Voraussetzungen inklusiver Bildung im Länderheft „Inklusive Bildung in Sachsen-Anhalt“ In Sachsen-Anhalt wurde 2013 das Konzept„Gemeinsamer Unterricht als Baustein inklusiver Bildungsangebote – Konzept des Landes Sachsen-Anhalt zum Ausbau des gemeinsamen Unterrichts an allgemeinbildenden Schulen“ verabschiedet. Mit diesem Konzept wurde etwa die eingangs erwähnte Möglichkeit für Grund- und Sekundarschulen geschaffen, sich als Schulen mit inklusivem Schulprofil zertifizieren zu lassen. Das Landeskonzept lässt jedoch offen, welche Schritte notwendig sind, um flächendeckend ein inklusives Schulsystem aufzubauen – zum Beispiel durch eine systematische Erweiterung der zertifizierten Schulen mit inklusivem Schulprofil. Eine Fortführung des Konzepts, dessen Maßnahmen bis 2016 umgesetzt sein sollten, ist bis Ende 2016 nicht vorgelegt worden. Der Koalitionsvertrag zwischen CDU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen, der im April 2016 geschlossen wurde, sieht stattdessen die Erarbeitung eines Konzepts zur Weiterentwicklung der Förderschulen vor. Prof. Dr. Angela Kolb-Janssen über das geplante Förderschulkonzept 1 /5
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Inklusive Bildung in Sachsen-Anhalt : Inklusion ist das Ziel - wie gelingt die Umsetzung?
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