Stefanie Hiestand DIREKT 20/ 2017 WECHSELWIRKUNG INDIVIDUELLER UND BETRIEBLICHER LERNPROZESSE AUF EINEN BLICK Betriebliche Change-Projekte scheitern häufig in der konkreten Umsetzung. Eine Ursache dafür ist, dass Beschäftigte die Umstellungen nicht aktiv unterstützen, sondern weiterhin nach gewohnten Handlungsmustern agieren. Wenn Erfahrungswissen und Kompetenzen der Beschäftigten zudem nicht berücksichtigt werden, wird organisationales Innovationspotenzial verschenkt. Die Wechselwirkung von individueller und betrieblicher Entwicklung gilt es daher bewusst zu gestalten. Im Kontext der derzeitigen Megatrends, wie Digitalisierung, Globalisierung und demographischer Entwicklung ist ein dynamisches Zusammenspiel von betrieblichen Ressourcen, Strukturen und Strategien zentral für den Erhalt und die Weiterentwicklung der Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens. Ebenso ist auch eine kontinuierliche Entwicklung der individuellen Fähigkeiten, Fertigkeiten und des Wissens der Beschäftigten von hoher Bedeutung: Neue Organisationsstrukturen, Abläufe und Produkte erfordern die Kreativität, Unterstützung und Handlungskompetenz der unterschiedlichen betrieblichen Akteure. Durch Lern- und Entwicklungsprozesse der Beschäftigten und ihre aktive Beteiligung können bisherige Handlungs- und Deutungsmuster sowie Routinen geändert werden. Eine solche individuelle Kompetenzentwicklung ist(auch) für die Entwicklung von Organisationen im Sinne„lernender Organisationen“ eine zentrale Voraussetzung: Durch Veränderungen des sozialen Handelns der Individuen kann Lernen bzw. die Entwicklung der gesamten Organisation ermöglicht werden. Die Veränderung der Unternehmenskultur und Beteiligungsstrukturen beeinflusst das Innovations-, Lern- und Arbeitsverhalten der Beschäftigten. Individuelle Kompetenz- und betriebliche Organisationsentwicklung, so eine zentrale These dieses Beitrags, beeinflussen sich wechselseitig. Die Verzahnung von Personal 1 - und Organisationsentwicklung 2 wird in den verschiedenen theoretischen Modellen und Konzeptionen zwar zu Grunde gelegt, doch in der betrieblichen Praxis ist diese strategische Verknüpfung meist nicht vorhanden. Zu einem grundlegenden Problem wird hier, dass die Prozesse der individuellen und die der organisationalen Entwicklung getrennt voneinander geplant und durchgeführt werden. Dabei bleiben betriebliches Innovationspotenzial und Veränderungsenergie der Beschäftigten ungenutzt. Ziel dieses Beitrags ist es, die Wechselwirkung zwischen individuellen und betrieblichen Lern- und Entwicklungsprozessen zu beschreiben und zu analysieren sowie Einflussfaktoren auf diese Wechselwirkung aufzuzeigen. EMPIRISCHER HINTERGRUND Die folgenden Ausführungen basieren auf Daten aus 50 fokussierten und problemzentrierten Interviews, die in zwei IT-Unternehmen und drei Brauereien erhoben wurden. Die Unternehmen beider Branchen unterliegen sowohl hinsichtlich ihrer Produkte(Software und Bier) als auch ihrer Strukturen und Abläufe einem hohen Innovationsdruck: Softwareunternehmen müssen kontinuierlich neuartige Software genieren, um den Bedürfnissen der wachsenden Informations- und Kommunikationstechnologien bzw.-möglichkeiten gerecht zu werden. Die Brauereien sind gefordert durch Innovationen den allgemeinen Konsumrückgang ihrer Produkte zu kompensieren bzw. ihm entgegenzuwirken. Um ein möglichst umfassendes Bild der Organisationsstruktur, der individuellen und kollektiven Deutungsmuster sowie der Wechselwirkung von Kompetenz- und Organisationsentwicklung zu erhalten, wurden verschiedene betriebliche Akteure, wie Geschäftsführung, Personalentwicklung, Betriebsrat und Beschäftigte mit und ohne Führungsverantwortung befragt. >
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