zur heutigen Situation. In den 1990ern wurde diesen Betreuer_innen die Arbeit mit Neonazis zugemutet, aber auch zugetraut, während im Gegensatz dazu pädagogischen Kolleg_innen mit Migrationserfahrung, die eine sehr viel geeignetere Erfahrung und Qualifikation für eine offene Jugendarbeit haben, keine Zugänge geboten werden. Hier würden Zugänge zur professionellen Jugendarbeit mit zweierlei Maß gemessen. Des Weiteren erzählte Danilo Starosta, wie die Fachstelle Jugendhilfe im Kulturbüro Sachsen e.V. zu den jetzigen Arbeitsweisen und Schwerpunkten gekommen ist. 2011 stellte einen Bruch für die Fachstelle Jugendhilfe im Kulturbüro Sachsen e.V. dar. Danilo Starosta stellte für sich fest, dass trotz tiefgründigem Wissen über Personen und Strukturen der Nazi-Szene, die Täter_innensysteme des NSU-Komplexes nicht erkannt werden konnten. Es fehlte eine belastbare Beziehung in die migrantischen Communitys und damit ein Zugang zu deren Expert_innenwissen. So lag der Schluss nahe, eine Zusammenarbeit und Allianzen mit migrantischen Communitys und Flucht-Communitys als nachhaltige Beziehungsarbeit zu beginnen. Dies hat zur Schwerpunkt- und Fokusänderung in der Fachstelle Jugendhilfe im Kulturbüro Sachsen e.V. geführt – weg von der Analyse von rechtsextremen Personen und Strukturen und von der Konzentration auf die Bedarfslagen der Mehrheitsgesellschaft hin zu einer Zusammenarbeit mit marginalisierten Communitys und einer Analyse von institutionellem, strukturellem und subtilem Rassismus. Ziel sei es dabei, die entsprechenden Stellen exakt benennen und Möglichkeiten einer progressiven Veränderung aufzeigen zu können. Von ganz persönlichen Perspektiven und Geschichten über kollektives Handeln und Organisierung hin zu strukturellen Analysen zeigte das Panel und die Diskussion die Kontinuitäten und Diskontinuitäten von Rassismus, Widerstand und Empowerment in der ostdeutschen Transformationsgesellschaft auf. 9. Migrant_innenselbstorganisationen und informelle Selbstorganisierung in Ostdeutschland Moderiert von Eter Hachmann Das Panel wurde durch einen Rahmen gebenden Input zu den Bedingungen und der politische Wirksamkeit von Migrant_innenselbstorganisationen(MSO) in Sachsen von Eter Hachmann eingeleitet. Anschließend folgte ein Podiumsgespräch unter DaMOst Mitgliedsorganisationen mit dem Titel„Wir können uns nur wehren, wenn wir uns zusammentun“. Aus verschiedenen Perspektiven der ersten Generation wurde biografisch vom Leben in der DDR, von Kontinuitäten von strukturellem Rassismus vor und nach der Wende, sowie von Selbstorganisierung in den 1990er erzählt. Als gedankliche Fortsetzung der Prozesse migrantischer Selbstorganisierung wurde der Entstehungsgeschichte von DaMOst als Dachverband für Migrantische Organisationen im Osten nachgegangen. Hier wurde der Bedarf ostdeutschmigrantischer Interessensvertretung auf allen Ebenen gespiegelt. Auch wurde eine intergenerationale Ebene geöffnet, um über das Verhältnis der Generationen zu sprechen. Dabei wurde aus Perspektiven unterschiedlicher Communitys auch schmerzhafte biografische Brüche zwischen Generationen thematisiert, die u.a. durch die„Einheitspolitik“ verursachte wurden. Von links nach rechts: Vu Thi Hoang Ha, Ayman Qasarwa, Eter Hachmann, Adelino Massuvira João, Anja Treichel 162 163
Druckschrift
Im Osten was Neues? : Perspektiven von Migrant_innen - Schwarzen Menschen - Communitys of Color auf 30 Jahre (Wieder-)Vereinigung und Transformationsprozesse in Ostdeutschland : 28.-30. Oktober 2020, Hochschule Mittweida, Tagungsdokumentation
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