PERSPECTIVE FRIEDEN UND SICHERHEIT KEIN WEISSER FLECK MEHR – DIE NATONORDERWEITERUNG UND DAS BALTIKUM Lukas Hassebrauck Riga, Februar 2023 Bisher waren Estland, Lettland und Litauen die strategische Achillesferse der NATO. Durch den Beitritt Finnlands und Schwedens zur transatlantischen Allianz verändert sich diese geopolitische Ausgangslage. Die Verteidigung der baltischen Staaten wird für das westliche Bündnis künftig deutlich einfacher. Tallinn, Riga und Vilnius sind daher die größten Gewinner der neuen Sicherheitsordnung im Ostseeraum. Für die NATO ist der Beitritt Finnlands und Schwedens ein militärischer und politischer Nettogewinn. Die Allianz erhält zwei Verbündete mit stabilen demokratischen Institutionen, gut ausgestatteten, technologisch fortschrittlichen und qualitativ hochwertigen Streitkräften. Insbesondere bei der Marine, der Artillerie und der Luftverteidigung verbessert sich ihr Kräfteportfolio dadurch merklich. Russland gerät in der Region hingegen in eine Defensivlage. Die Ostsee wird quasi zum NATO-Binnenmeer. Die Operations- und Wirkmöglichkeiten der russischen Luft- und Seestreitkräfte werden stark eingeschränkt. Ein rascher fait accompli im Baltikum kann künftig nicht mehr durch die Besetzung der Insel Gotland seeseitig gedeckt werden. Gleichzeitig wird Kaliningrad in Zukunft noch stärker zu einem neuralgischen Punkt für Russland. Trotzdem blieben größere militärische Reaktionen des Kremls bisher aus. Durch den Beitritt Finnlands entstehen rund 1.300 neue Grenzkilometer zwischen Russland und der NATO. Die bisherige Grenze wird damit auf einen Schlag mehr als verdoppelt. Mit seiner aggressiven Expansionspolitik hat Präsident Putin also genau das Gegenteil dessen bewirkt, was er ursprünglich beabsichtigt hatte.
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Kein Weisser Fleck mehr : die NATO-Norderweiterung und das Baltikum
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