Factsheet Klimaanpassung als sozialpolitische Gestaltungsaufgabe Häufigere Extremwetterereignisse und ansteigende Durchschnittstemperaturen machen die Auswirkungen des Klimawandels auch in Deutschland greifbar. Bestimmte Gruppen können davon in besonderem Maße betroffen sein, da Klimawandelfolgen und soziale Ungleichheiten einander vielfach verstärken. Aufgrund dessen bedarf es konkreter und zielgerichteter Anpassungsstrategien, welche die soziale Dimension und weitere Aspekte der Daseinsfürsorge stärker als bisher berücksichtigen. Temperaturanomalien in Deutschland 1881–2021 WIE WIRKT SICH DER KLIMAWANDEL AUF DEUTSCHLAND AUS? Abb. 2 2 Temperaturanomalie (K) 1 0 –1 1890 QUELLE: nach Copernikus 2024. 1920 1950 positive Anomalie negative Anomalie 1980 2010 vierteljähriger Mittelwert(1961–1990): 8,2°C linearer Trend(1881–2021):+1,6 K(°C) Q D UE e L u L t E s : ch na la c n h d C e o r p w er ä n r i m cu t s s 2 ic 0 h 24 s . tärker als der globale Durchschnitt. Die durchschnittliche Erwärmung liegt in Deutschland bereits bei 1,7 °C über dem vorindustriellen Referenzzeitraum(1850–1900). Der weltweite Durchschnitt beträgt 1,1 °C. Damit geht eine Zunahme von Extremwetterereignissen einher. Eine besondere Rolle spielt die Zunahme starker Hitzeperioden und Dürren mit z. B. großen Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen und die Landwirtschaft. Im Zusammenhang mit einem zunehmenden Starkregenrisiko erhöht sich die Gefahr weiter. Die konkreten Auswirkungen sind jedoch regional und jahreszeitlich unterschiedlich stark ausgeprägt und machen räumlich angepasste Strategien und Maßnahmen erforderlich. Entsprechend müssen die zahlreichen Handlungsfelder der Klimaanpassung, wie z. B. Bevölkerungsschutz, Infrastruktur, Landnutzung, Stadtentwicklung und Wirtschaft, räumlich differenziert aufeinander abgestimmt werden. KLIMAWANDEL UND SOZIALE VULNERABILITÄT In der Betrachtung von Klimawandelfolgen auf verschiedene Bevölkerungsgruppen bleiben die Auswirkungen von sozialen, politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen häufig unberücksichtigt. Das Konzept der sozialen Vulnerabilität rückt ökonomisch und sozial benachteiligte Gruppen und deren Bedarfe in den Fokus. Dabei wird das Augenmerk bisher zu stark auf individuelle Merkmale wie Alter oder Geschlecht gelegt. Für eine ganzheitliche Risikoanalyse bedarf es der Betrachtung tieferliegender struktureller Ursachen . Sie erst führen dazu, dass eine Person mehr oder weniger verwundbar für die Folgen des Klimawandels ist. Strukturelle Ursachen umfassen beispielsweise die Verteilung von sozialen und ökonomischen Ressourcen sowie den Zugang zu bezahlbarem Wohnraum, fair bezahlter Arbeit, Gesundheitsvorsorge, Infrastrukturen oder zu Entscheidungsprozessen . So sind Saisonarbeiter:innen in der Landwirtschaft oder Arbeiter:innen im Baugewerbe , vor allem wenn sie unter prekären Bedingungen beschäftigt sind, besonders den Gefahren zunehmender Hitzeperioden ausgesetzt . Einkommensschwache Menschen wiederum leben häufig in schlechteren Wohnverhältnissen und haben weniger Möglichkeiten, hier beispielsweise für Kühlung zu sorgen. Fragen des Zugangs zu klimaangepasstem und bezahlbarem Wohnraum und eine sozial gerechte Stadtentwicklung müssen daher im Zusammenhang mit Klimaanpassung stärker in den Vordergrund rücken.
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