2025 /SPOT LIGHT Christos Katsioulis 4. Dezember 2024 Nach der Zeitenwende, vor der zweiten Wende? Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat Deutschland tief erschüttert. Da sind einerseits, um nur einige zu nennen, die direkten Folgen des Krieges in Form von Inflation, zahlreichen Kriegsgeflüchteten aus der Ukraine und komplexeren Anforderungen an deutsche Verteidigungspolitik. Andererseits hat der Angriff auch das außen- und sicherheitspolitische Selbstverständnis sowohl der deutschen Politik als auch der Bürger:innen nachhaltig verändert. Dieses kurze Papier fokussiert sich auf die zweite Dimension der Zeitenwende. Die Frage lautet, inwiefern sich die Weltsicht der Deutschen verändert hat, wie sich deren Blick auf die Sicherheitsherausforderungen entwickelt hat und welche Schlussfolgerungen daraus für die Politik gezogen werden können. Als Basis dienen Daten aus drei Umfragen im Rahmen des Sicherheitsradars der Friedrich-Ebert-Stiftung, die jeweils im September der Jahre 2021, 2022 und 2024 erhoben wurden. Dabei lag der Fokus der Befragung auf europäischer Sicherheit, mit dem Schwerpunkt Ukraine. Mit der Umfrage aus dem Herbst 2021 verfügen wir über eine Ausgangsbasis, die aufzeigt, welche Wahrnehmungen von und Prioritäten in der Sicherheitspolitik vorherrschten und in welchem Ausmaß Russland vor seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine als eine Bedrohung wahrgenommen wurde. Anhand dieses Referenzwerts können Schlussfolgerungen über das Ausmaß der„Zeitenwende im Kopf“ gezogen werden. Die Analyse der Befragungen zeigt drei interessante Entwicklungen auf, aus denen sich Empfehlungen für die Politik ergeben. 1. Das Russlandbild in Deutschland hat sich nachhaltig verändert. Mit dem Angriffskrieg gegen die Ukraine hat sich die Position der Deutschen gegenüber Russland grundlegend verändert. Das beginnt mit der Wahrnehmung Russlands als Bedrohung für die europäische Sicherheit. Diese hat sich seit 2021 deutlich erhöht und bei 73% verfestigt. In die gleiche Kerbe schlägt die Wahrnehmung, dass russische und europäische Interessen im Widerspruch zueinander stehen. Auch diese Überzeugung hat sich erhöht, von 46% auf 60%, während nur 19% es anders sehen. Diese 1
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