EUROPÄISCHER GEWERKSCHAFTSDIALOG GEWERKSCHAFTEN UND RECHTSPOPULISMUS IN EUROPA Länderstudie Spanien Holm-Detlev Köhler Dezember 2022 DAS POLITISCHE PARTEIENSYSTEM IN SPANIEN Das moderne demokratische politische und Parteiensystem bildete sich in Spanien im demokratischen Übergang in den späten 1970er- und frühen 1980erJahren nach dem Tod Francisco Francos und fast 40 Jahren repressiver Diktatur im November 1975 heraus. 1 Es waren wesentlich zwei parallele Dynamiken, die diesen Prozess bestimmten. Zum einen hatten die demokratischen Oppositionsgruppen mit den Untergrundgewerkschaften, zahlreichen linken und liberalen politischen Bewegungen, Studierenden und Hochschulgruppen sowie regionalistischen Bewegungen vor allem im Baskenland und Katalonien eine erhebliche Stärke erlangt und organisierten permanent Protest- und Massenaktionen zur Forderung eines unmittelbaren demokratischen Bruchs mit dem alten Regime. Gleichzeitig formierte sich ein Verhandlungssystem aus Reformgruppen des alten Regimes und moderaten Oppositionsgruppen, die einen friedlichen und geregelten demokratischen Übergang mit freien Parlamentswahlen und einer neuen Verfassung anstrebten. Das Ziel eines radikalen demokratischen Bruchs mit der Diktatur musste in den folgenden Jahren der Realität eines paktierten demokratischen Übergangs im Rahmen der von Franco vorgegebenen Monarchie weichen, wobei die demokratische Opposition ihre weitreichenderen Ziele nach einer Republik und Ver1 Zum demokratischen Übergang und zur Demokratisierung der Arbeitsbeziehungen siehe ausführlich Köhler(1993). folgung der Verbrechen des Franco-Regimes aufgab und die reformistischen Kräfte der scheidenden Diktatur sich demokratischen Regeln unterwarfen. In den folgenden Jahren 1976–1978 wurde die Selbsttransformation der Diktatur in eine parlamentarische Monarchie zum dominanten Programm mit den ersten freien Parlamentswahlen 1977 und der neuen Verfassung 1978 als wichtigsten Bausteinen. Die Jahre des demokratischen Übergangs bis 1982 waren durch erhebliche Unsicherheiten und Bedrohungen gekennzeichnet. Die Wirtschaftskrise bewirkte Rekordarbeitslosigkeit und hohe Inflationsraten. Meh rere terroristische Gruppen, neben der baskischen ETA (Euskadi ta Askatasuna) auch linksradikale Gruppen wie GRAPO (Grupos de Resistencia Antifascista Primero de Octubre) und FRAP (Frente Revolucionario Antifascista y Patriota) , bedrohten die Sicherheit; frankistische Militärgruppen schürten ständig Putschversuche gegen die sich formierende Demokratie. Die zentristische Regierung der UCD (Unión de Centro Democrático) hatte nie stabile parlamentarische Mehrheiten und löste sich schliesslich in einer Regierungskrise 1981 auf. Während sich in diesen Jahren im linken Spektrum die moderate sozialdemokratische Spanische Sozialistische Arbeiterpartei( Partido Socialista Obrero Español, PSOE) klar zur hegemonialen Kraft gegenüber der 1
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Gewerkschaften und Rechtspopulismus in Europa : Länderstudie Spanien
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