Komparative Betrachtung von Instrumenten innerparteilicher Demokratie 9 Politische Partizipation Als politische Partizipation definieren wir Handlungen und Verhaltensweisen von Bürger_innen, Gruppen und/oder Institutionen, mit denen diese gesellschaftspolitischen Prozesse angeregt, initiiert, gestaltet und/oder beeinflusst beziehungsweise über bereits bestehende Strukturen und Entscheidungen reflektiert werden können(Olteanu& de Nève 2013: 4). In einem demokratischen Kontext geht es dabei im Sinne der Volkssouveränität nicht nur um ein vages Recht der Teilhabe, sondern auch um eine substanzielle Entscheidungs- und Gestaltungsmacht der Bürger_innen. In der politikwissenschaftlichen Partizipationsforschung werden latente und manifeste sowie individuelle und kollektive Formen politischer Partizipation unterschieden(Ekman& Amnå 2012: 292). Die Partizipation der Mitglieder ist typologisch als kollektive und zugleich konventionelle Form politischer Partizipation einzuordnen. Durch die Pluralisierung der Instrumente einerseits und die technischen Möglichkeiten andererseits wird das Partizipationsrepertoire inzwischen jedoch auch in Parteien durch individuelle Partizipationsinstrumente(E-Voting) sowie legalen und informellen Aktivismus(Kampagnen, Netzwerkbildung etc.) ergänzt. Insofern gilt es, bei der Analyse den engen Fokus der konventionellen Parteienforschung aufzubrechen und mit einem offenen Partizipationsbegriff zu arbeiten. Innerparteiliche Demokratie Der Anspruch innerparteilicher Demokratie, der vorschreibt, dass Parteien in ihrer inneren Ordnung demokratischen Grundsätzen genügen müssen(Art. 21 Abs. 1 Satz 3 GG), ist in dieser rechtlichen Form ein deutsches Spezifikum. Mit dem Ziel, politische Willensbildung innerhalb einer Partei demokratisch zu gestalten, werden Vorschriften zur innerparteilichen Organisation, zur funktionalen Kompetenzverteilung der Parteiorgane sowie Rechte der Mitglieder formalisiert. Ungeachtet dessen gibt es auch in anderen Ländern ein normatives Ideal innerparteilicher Demokratie, das indes stark variiert und auch in der Anwendung abweicht. Dies hängt einerseits von formalen rechtlichen Vorgaben ab(Abschnitt 3.1), andererseits spielt auch das Selbstverständnis konkreter Parteien und gesellschaftspolitischer Kontexte eine Rolle. Heuristisch wie politisch ist dabei von zentraler Bedeutung, ob innerparteiliche Demokratie als Prozess, in Bezug auf ihre Ergebnisse oder normativ als Ideal für sich verhandelt wird(Cross& Katz 2013a: 2f.). Allen gemein ist, dass es um Fragen der Verteilung von Macht und Einfluss innerhalb von Parteien geht(Cross& Katz 2013a: 6), beziehungsweise konkreter, in welchem Ausmaß es Individuen (vorrangig Mitgliedern) einer Partei möglich ist, ihre Meinungen mitzuteilen und an innerparteilichen Entscheidungsprozessen teilzuhaben(von dem Berge et al. 2013: 2). Daraus ergibt sich eine für die Analyse von Instrumenten innerparteilicher Demokratie sinnvolle funktionslogische Unterscheidung zwischen innerparteilicher Demokratie im Sinne von Kommunikation und innerparteilicher Demokratie im Sinne von Partizipation. Für die Operationalisierung innerparteilicher Demokratie wird insofern zwischen formalen Mitgliederrechten, Organisationsstruktur und Entscheidungsfindungsprozeduren unterschieden(von dem Berge et al. 2013). Als formelle Formen politischer Partizipation werden insbesondere jene Instrumente bezeichnet, die in den Statuten von Parteien festgeschrieben sind, wie zum Beispiel Urwahlen oder Urabstimmungen. Darüber hinaus werden auch informelle Formen politischer Partizipation untersucht, zu denen etwa Onlineforen oder demoskopische Verfahren gehören. Dabei liegt das besondere Interesse auf(neuen) digitalen Formen politischer Partizipation in Parteien sowie der Parallelität digitaler und analoger, formeller und informeller PartizipationsinstrumenAbbildung 2 Leitfragen für die Analyse von Instrumenten innerparteilicher Demokratie Aspekt Initiative Anwendungskontext Ziel Gegenstand Formalisierung Verbindlichkeit Adressat_innen Funktion(en) Beteiligung Leitfrage Wer initiiert das Instrument? In welchem zeitlichen Kontext wird das Instrument angewandt? Was ist das Ziel des Instruments? Über welchen Gegenstand wird kommuniziert beziehungsweise partizipativ entschieden? Inwiefern ist das Instrument formalisiert? Inwiefern ist das Instrument verbindlich? Wer wird mit dem Instrument adressiert? Welche Funktion(en) erfüllt das Instrument für die Partei? Wer beteiligt sich tatsächlich an diesem Instrument?
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Instrumente innerparteilicher Demokratie : ein digitales Dossier aus vergleichender Perspektive
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