FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG – POLITIK FÜR EUROPA 18 4 INSTRUMENTE INNERPARTEILICHER DEMOKRATIE Auf Grundlage der in Abschnitt 3 skizzierten rechtlichen und statutarischen Rahmenbedingungen haben die untersuchten Parteien vielfältige Instrumente der innerparteilichen Demokratie entwickelt, die in den folgenden Abschnitten systematisch analysiert werden. Zur Strukturierung des Kapitels unterscheiden wir zwischen Instrumenten der Online-Beteiligung(Abschnitt 4.2), Mitgliederbefragungen und-entscheiden(Abschnitt 4.3), Instrumenten der Online-Tagungsorganisation(Abschnitt 4.4) sowie mobilen Applikationen(Abschnitt 4.5). Zum besseren Verständnis ist ein Kapitel zu den Parteireformprozessen, in deren Rahmen der Großteil der untersuchten Instrumente angewendet wird, vorangestellt(Abschnitt 4.1). Zudem wird mit WhatsApp(Abschnitt 4.6) und Facebook(Abschnitt 4.7) abschließend noch auf relevante Social-Media-Anwendungen als Instrumente innerparteilicher Demokratie eingegangen. 4.1 REFORMPROZESSE Unter Bezug auf die gestellten Leitfragen für die komparative Betrachtung von Instrumenten innerparteilicher Demokratie und das darauf basierende Analyseraster(Abschnitt 2.2) wird deutlich, dass Instrumente innerparteilicher Demokratie in aller Regel nicht im luftleeren Raum, sondern vielmehr im Rahmen breit angelegter Prozesse orchestriert und oft parallel angeboten und angewendet werden. Meist handelt es sich dabei um mehrdimensionale Erneuerungsprozesse, mit welchen gleichermaßen eine programmatische wie strukturelle Erneuerung angestrebt wurde(siehe Abschnitt 4.1.1 für die ÖVP und Abschnitt 4.1.2 für die SPÖ) beziehungsweise im Falle der SPD noch wird(Abschnitt 4.1.4). Bei der britischen Labour Party(Abschnitt 4.1.3) werden durch strukturelle Erneuerungen personelle Veränderungen ermöglicht, die in Kombination mittelfristig eine programmatische Erneuerung mit sich bringen könnten. Im Falle von Bündnis 90/Die Grünen(Abschnitt 4.1.5) werden strukturelle Erneuerungen als Mittel der programmatischen Erneuerung angewandt. Bei der CDU steht einzig die programmatische Erneuerung bei Anwendung altbewährter Prozesse im Vordergrund(Abschnitt 4.1.6). Insgesamt zeigt sich jedoch, dass programmatische, strukturelle, strategische und personelle Prozesse analytisch kaum getrennt voneinander als unabhängige Gegenstände be- und verhandelt werden können – und dementsprechend auch unterschiedliche Instrumente innerparteilicher Demokratie zum Einsatz kommen. 4.1.1 DIE EVOLUTION VOLKSPARTEI DER ÖVP(2014–2015) Initiative, Entstehungskontext und Ziel Nach der verlorenen Nationalratswahl 2013 hat die Österreichische Volkspartei(ÖVP) den Bedarf erkannt, sich programmatisch und strukturell zu erneuern(Maier 2015: 110f.). Vor allem das Parteiprogramm, so die Wahrnehmung in Partei und Öffentlichkeit, bedurfte nach rund 20 Jahren einer grundlegenden Überarbeitung(ebenda; Schmidthuber et al. 2019: 193). Gegenstand Die sodann gestartete Evolution Volkspartei war jedoch mehr: Als»komplexer wie innovativer politischer Management-Prozess«(Maier 2015: 110) sollte sie nicht weniger sein als»die Antwort auf die Frage, wie es mit der Österreichischen Volkspartei weitergeht«(Evolution.OEVP.at 2016a) – dabei verbindet die Evolution Volkspartei die programmatische mit der strukturellen Neuausrichtung der Partei, was den Prozess für die vorliegende Untersuchung spannend macht. »›Evolution Volkspartei‹ ist die Bewegung zur Weiterentwicklung der Volkspartei. Sie ist eine Bewegung für die Zukunft. Mit ›Evolution Volkspartei‹ verankern wir die Volkspartei als moderne Bewegung des 21. Jahrhunderts und positionieren sie für Land und Städte. Mit erneuertem Programm und zeitgemäßen Strukturen, für eine erfolgreiche Zukunft.« (Evolution.OEVP.at 2016a) Phasen und Instrumente Die Evolution Volkspartei umfasste auf dem Weg zu diesem Ziel verschiedene Phasen mit jeweils unterschiedlichen Instrumenten(s. Abb. 7): Zur Feststellung des allgemeinen Handlungsbedarfs wurden noch im Jahr 2013 – vor dem Start des eigentlichen Reformprozesses – bundesweit rund 600 Mitglieder und Bürgermeister der ÖVP unverbindlich befragt (Maier 2015: 111f.). Gefordert wurden von den Befragten unter anderem die Entwicklung eigenständiger(er) Positionen sowie die Öffnung der Partei für zeitlich begrenzte und/oder projektbezogene Mitarbeit von Nichtmitgliedern(ebenda). Im Frühjahr 2014 wurde der Prozess Evolution Volkspartei von der Parteiführung formal gestartet. Als Impulsgeber_in-
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Instrumente innerparteilicher Demokratie : ein digitales Dossier aus vergleichender Perspektive
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