Instrumente innerparteilicher Demokratie 155 nent_innen bei den allermeisten Aussendungen das Gegenüber im Willy-Brandt-Haus ein gewisser»Christof«(s. Abb. 197). Abbildung 193 WhatsApp-Kanal der SPÖ: Bewerbung eines SharePics(5/2019) Bisweilen sind WhatsApp-Broadcast-Listen digitale Einbahnstraßen, da der auszusendende Inhalt softwaregesteuert an alle Mobilfunknummern im Verteiler verschickt wird. Diese Software kann jedoch auch so programmiert werden, dass sie einen artifiziellen Dialog zulässt: Die SPD versendete Ende Juni 2019 eine Art interaktives FAQ zum Verfahren der Neuwahl des Parteivorsitzes(Abschnitt 4.3.10), über das die Abonnent_innen des Kanals per Eingabe bestimmter Befehle zusätzliche Informationen abfragen konnten – welche automatisiert, aber aus einer Ich-Perspektive heraus formuliert prompt in ihren WhatsApp-Kanal eingespeist wurden. 4.6.2 WHATSAPP-GRUPPEN Wildwuchs an der Basis als invented spaces Durch die Möglichkeit, in WhatsApp auch permanente Gruppenunterhaltungen mit mehreren Teilnehmer_innen zu erstellen, in denen auch Dokumente(wie Einladungen zu Treffen in Gestalt von PDF- oder Fotodateien) geteilt werden können, eignet sich die App potenziell auch für die(Ergänzung der) Organisation von Parteigliederungen wie Ortsgruppen oder Arbeitskreisen. In diesem Fall ist dann von einem invented space(Abschnitt 2.2) zu reden. Hierbei kann es sinnvoll sein, für unterschiedliche Teilnehmer_innen-kreise auch separate Gruppenunterhaltungen(Gesamtgruppe, Vorstandsgruppe etc.) anzulegen und diese entsprechend unterschiedlich zu nutzen – beispielsweise eine Vorstandsgruppe, um Treffen und Aktionen vorzubereiten und Umlaufbeschlüsse herbeizuführen, oder eine Gesamtgruppe für alle Aktiven innerhalb der Gliederung zum allgemeinen Austausch. Von großer Bedeutung sind hier allerdings Fragen der Inklusivität und Exklusivität: Die Organisation der lokalen Parteiarbeit in eine Smartphone-App eines privatwirtschaftlich agierenden US-amerikanischen Unternehmens zu verlagern, ist vielerorts ein Politikum. Auch abseits von grundsätzlichen Fragen, etwa des Datenschutzes, kann dieser Schritt je nach Struktur der lokalen Gliederung eine sinnvolle Ergänzung zur klassischen Ortsvereinskommunikation sein. Wichtig ist jedoch, dass niemand(Nicht-Smartphone- und/oder Nicht-WhatsApp-Nutzer_innen) von der aktiven Parteiarbeit ausgeschlossen wird und die durch Instant-Messaging-Dienste wie WhatsApp ermöglichte Echtzeitkommunikation nicht dazu führt, dass sich Parteimitglieder und/oder-unterstützer_ innen in ihrem Privatleben zu sehr durch die Partei(-arbeit) belästigt fühlen. Auch deshalb kann es sinnvoll sein, funktionslogisch/arbeitsteilig mit mehreren Gruppenunterhaltungen zu arbeiten – um Unbeteiligte nicht»zuzuspammen«. Nichtsdestotrotz sind lokale oder regionale WhatsApp-Gruppenunterhaltungen als eine Art Wildwuchs an der Basis zu verstehen, auf den die übergeordneten Parteihierarchien wenig Einfluss haben: Die top-down-gesteuerten invited spaces (Abschnitt 2.2) stellen die offiziellen WhatsApp-Broadcast-Listen(Abschnitt 4.6.1) der Parteien dar.
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Instrumente innerparteilicher Demokratie : ein digitales Dossier aus vergleichender Perspektive
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