FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG – POLITIK FÜR EUROPA 174 6 BEST PRACTICE Aus den Ergebnissen der vorliegenden Analyse lassen sich folgende Handlungsempfehlungen für politische Parteien ableiten: –– Instrumente für innerparteiliche Kommunikation und Partizipation auf Basis der Bedarfe langfristig entwickeln und nachhaltig betreiben. Auf diese Weise sind sie kurzfristig einsatzbereit und müssen nicht anlassbezogen rasch aufgebaut werden. Digitale»Eintagsfliegen« – also Instrumente, die nur für einen kurzen Zeitraum einmalig genutzt werden – sind zu vermeiden, da sie immer digitale Spuren im Netz hinterlassen, Nutzer_ innen frustrieren und hohe Kosten produzieren. –– Einen zentralen Zugang zu sämtlichen Instrumenten (und der Mitgliederdatenverwaltung) mittels eines singulären Nutzer_innenaccounts ermöglichen, um die breite Nutzung dauerhaft eingerichteter Kommunikations- und Partizipationsinstrumente zu erhöhen. –– Instrumente für innerparteiliche Kommunikation und Partizipation in der gesamten Partei bekannt machen und die Nutzung in der Breite der Basis fördern. Repräsentativität und Heterogenität der Nutzer_innen sicherstellen und Minderheiten durch engagierte Betreuung bzw. Moderation schützen. und die entsprechenden Begrifflichkeiten konsequent und konsistent verwenden. Ideen einbringen und diskutieren bedeutet, dass es sich um eine Ideenwerkstatt handelt. Hat diese einen verbindlichen Charakter und dient dem zielgerichteten und produktiven Diskurs, so hat dies einen anderen Charakter als ein Angebot, das den Nutzer_innen lediglich zum informellen Austausch zur Verfügung gestellt wird. Letztere kommunikative und demoskopische Instrumente bewusst einsetzen und von(echter) Partizipation, bei der verbindliche Entscheidungen getroffen werden, abgrenzen. –– Synergieeffekte nutzen: Digitale Instrumente haben den entscheidenden Vorteil, dass sie sich gut miteinander verschränken lassen. Gute Online-Diskussionsinstrumente oder gute Organisationsinstrumente lassen sich etwa mit Befragungen kombinieren. Gute Befragungsinstrumente können auch Instrumente für Wahlkampagnen sein. Gute Wahlkampfinstrumente rüsten die Wahlkämpfer_innen mit entsprechend aufbereitetem Inhalt (Programmatik, aktuellen Entwicklungen, Mitbestimmungsmöglichkeiten in der Partei) aus. Gute Instrumente der Online-Ideensammlung können letztlich transparent in verbindliche Prozesse überführt werden. Wichtig ist an dieser Stelle die transparente Kommunikation über die Prozesse und Ziele der einzelnen Nutzungen. –– Digitale Instrumente übersichtlich gestalten und den Nutzer_innen umfangreiche Funktionen des Dialoges und des Netzwerkens zur Verfügung stellen. Features wie Texteditoren, Datei-Upload-Funktionen, individualisierbare Nutzer_innenprofile, private Nachrichten und mehr implementieren. Top-down bereitgestellte Informationen(zum Beispiel Entwürfe oder Leitfragen als Diskussionsanreiz) inhaltlich hochwertig und visuell ansprechend aufbereiten. –– Ziele der Kommunikation beziehungsweise Partizipation klar formulieren: Klar kommunizieren, welchem Ziel die Instrumente dienen und was mit den Ergebnissen geschehen wird. Verfahrenstransparenz ist essenziell, um keine falschen Erwartungen zu wecken und die Partizipant_innen nicht langfristig zu demobilisieren. –– Prozesse vollständig planen und Beschlüsse und Zeitpläne transparent kommunizieren. Dies gilt auch für die Auswertung und Aufbereitung gesammelter Inputs. Transparenz schafft Vertrauen. –– Partizipation einsetzen, wenn es tatsächlich etwas zu gestalten und entscheiden gibt. Ex-post-Legitimation bereits vorliegender Ergebnisse oder Entscheidungen der Parteiführung durch die Parteibasis vermeiden; Risiken der Pseudopartizipation und strategischer Manöver erkennen und ihnen entgegenwirken. –– Ergebnisse und Outcomes partizipativer Prozesse öffentlich kommunizieren. Schlüsseldokumente auch nach Abschluss der Prozesse öffentlich zugänglich lassen und/oder digital archivieren. –– Die Instrumente richtig benennen: Interessenbekundungen und konsultative Befragungen begrifflich klar von verbindlichen Entscheidungsprozessen abgrenzen –– Rückkoppelung digitaler Prozesse an die Parteiführung und-organe im laufenden Prozess und in der Kommunikation der Ergebnisse gewährleisten.
Druckschrift
Instrumente innerparteilicher Demokratie : ein digitales Dossier aus vergleichender Perspektive
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten